Forks Bloodbank
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Got a Secret, can you keep it?

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Got a Secret, can you keep it? Empty Got a Secret, can you keep it?

Beitrag  Gast So 12 Jul 2009, 19:55

Got a Secret, can you keep it.
Got a Secret, can you keep it? Cyuavr3p

Genre:
Fantasy, Romanze, Drama
Altersfreigabe:
ab 12 Jahren.
Inhaltsangabe:
Leslie ist gerade mal 16 Jahre alt als das Schicksal sich gegen sie wendet und sie dazu gezwungen ist zu ihrer mürrischen Großtante in Nordengland zu ziehen. Um ihre Vergangenheit zu vergessen sieht sie ihr Leben in dem kleinen Dorf als einen Neuanfang und versucht ihre gesamte Geschichte hinter sich zulassen, bis sie auf Claude trifft, dessen Erscheinung ein Geheimnis aufwirft, welches Leslies Leben komplett verändern wird...

Notiz vom Autor:
Momentan schreibe ich an dieser Geschichte und ich würde mich sehr darüber freuen falls jemand interesse als Beta-Reader hätte. Einfach per PM bescheid geben.

Zur Rechtschreibung:
Ich besitze leider nicht den 9. Duden Band "Richtiges und Gutes Deutsch" geschweige denn Band 4 "Grammatik der deutschen Gegenwartssprache". Daher verzeiht mein schlechte Rechtschreibung und drückt bei meinen Fehlern einfach ein Auge zu.

Über Feedback freue ich mich genauso sehr Got a Secret, can you keep it? 94952
>> eure Meinung könnt ihr [hier] posten.


prolog.


Leslie lehnte ihre Stirn gegen die eiskalte Fensterscheibe und starrte in den eisig grauen Nebel der den Zug von außen umgab. Sie saß alleine in dem geschlossenen Abteil dessen Oberlicht unregelmäßig flackerte während sie sich ächzend auflehnte um eine bequemere Position einzunehmen und dabei der dicke Wälzer, der auf ihren Oberschenkeln lag, polternd zu Boden fiel.
Verärgert stöhnte sie auf. Nun konnte sie nachher damit verweilen die Stelle zu finden die sie zuletzt gelesen hatte. Als Leslie auf dem staubigen Boden kniete, der Oberkörper halb unter die Sitzbank gezwängt während ihre Hände blindlings nach ihrem Buch griffen, öffnete sich die Abteiltür. Nach einem amüsierten Räuspern fragte eine tiefe Jungenstimme: „Kann ich dir behilflich sein?“
Leslie konnte förmlich spüren wie ihre Wangen erröteten. Peinlich berührt kroch sie unelegant aus ihrer liegenden Stellung und zog sich plump auf die Sitzbank mit dem ausgeblichenen Polster. Verlegen hielt sie ihren Roman hoch. „Mir ist nur der hier runtergefallen.“
„Melville?“, fragte er mit vortäuschendem Interesse während sie abwesend nickte. „Musste ich auch mal für die Schule lesen. Was ich aber eigentlich fragen wollte ist ob ich mich ins Abteil setzen könnte.“ Sie erwiderte seinen freundlichen Blick mit einer Handbewegung die ihm bedeutete Platz zu nehmen. Nachdem er seinen Rucksack auf der obere Gepäckablage verstaut hatte ließ er sich auf die gegenüberliegende Sitzbank fallen und schaute Leslie neugierig an. „Ich bin übrigens Andy.“ erwähnte er so beiläufig wie möglich. Ohne von ihrem Buch auf zu blicken murmelte sie: „Leslie.“
„Ich kannte mal einen Rottweiler der Leslie hieß.“ Wenig geschmeichelt merkte sie das er nicht aufgeben würde ehe sie sich in ein Gespräch verwickeln ließ. „War er denn wenigstens gut erzogen?“, fragte sie gelangweilt während sie ihr Buch zuklappte und es in ihrer Umhängetasche verstaute. „Um ehrlich zu sein, nein. Er hat drei Kinder gebissen.“ Er streifte den rechten Ärmel seines Pullovers nach oben und entblößte eine lange Narbe an seinem muskulösen Unterarm. „Eins davon war ich.“ Mit einem breiten Grinsen lehnte er sich gegen das Sitzpolster. „Bis wohin fährst du?“
„Driffield.“
„Nicht dein Ernst?!“, Andy lehnte sich langsam zu ihr nach vorne. „Bis dahin muss ich auch. Nunja, danach muss ich noch bis nach Burton Agnes. Du kommst aber nicht von dort oder? Immerhin besuche ich die Schule in Driffield und ich meine dich dort noch nie gesehen zu haben.“
Sein neugierig musternder Blick verwirrte sie. „Ich muss ja auch nicht direkt nach Driffield. Ich werde nur dort am Bahnhof abgeholt und fahre dann nach...“ sie zögerte einen Augenblick. „...Harpham heißt das kleine Dorf soweit ich weiß.“
„Harpham?“ Ungläubig schaute er sie an. „Das ist kaum 5 Minuten von Burton Agnes entfernt.“
Während Andy ununterbrochen von einem zukünftigen Zusammentreffen plauderte, nahm Leslie ihn zu ersten Mal in genau Augenschein wobei ihr Blick von Kopf bis Fuß wanderte. Er war für einen Jungen nicht sonderlich groß, jedoch größer als sie. Seine kurzen dunkelbraunen Haare waren gekonnt gestylt und seine hellblauen Augen funkelten vor Freude als sie kleinlaut zugab das sie nach den Sommerferien ebenfalls die Driffield School besuchen würde.
Es kam ihr vor wie eine Ewigkeit bis der Zug endlich in Driffield hielt. Andy hatte sie die restliche Fahrt über mit Informationen über die Driffield School und Harpham versorgt. Zufälligerweise kannte er auch die Verwandten bei denen sie die nächste Zeit wohnen würde.

Hilfsbereit wie er war, nahm Andy Leslies Koffer von der Ablage. Das Gewicht ihres Gepäckstücks traf ihn unvorbereitet und zwang ihn in die Knie. „Hast du etwa Backsteine eingepackt?“, außer Atem stellte er den Koffer auf den Boden. „Da ist nur mein Zeug drin.“
„Das muss aber ganz schön viel ‚Zeug‘ sein.“, murmelte er während er sich seinen Rucksack über die Schultern legte.
„Was geht dich das an?“, zischte sie aufgebracht. „Ich meine du kennst mich wie lange? Zwei Stunden?“
„Das war doch nur Spaß und außerdem hast du es in den total falschen Hals gekriegt.“ Er lächelte sie vorsichtig an. „Was nicht heißt das du Unrecht hast. Ich kenne dich wirklich kaum.“
Erst jetzt registrierte sie wie sehr sie eine einfache Frage über ihr Eigentum aus der Fassung brachte. Dabei waren in dem Koffer nur einige ihrer Bücher, etwas Geld und ein paar Klamotten – wobei ,ein paar Klamotten’ für den gesamte Inhalt ihres Kleiderschranks stand. Die ganze Fahrt über hatte er nur von Dingen geredet die sie in der Zukunft betrafen. Ihr Leben vor der Zugfahrt hatte sie selbst dabei ganz außen vorgelassen.
„Schon gut. Ich habe überreagiert.“, sie versuchte ihn so entschuldigend wie möglich in die Augen zu schauen. Dann nahm sie ihren Koffer und schob ihn aus dem Abteil in den Gang. „Es ist nur, sobald ich diesen Zug verlasse, beginnt für mich ein neuer Abschnitt meines Lebens.“
Sie fürchtete er würde im nächsten Moment über ihre leicht melancholische Rede lachen, aber er nickte nur stumm und murmelte: „Verstehe.“, wobei sie jedoch merkte, das er überhaupt keine Ahnung hatte wovon sie sprach, aber es war immerhin eine nette Geste.
„Und nun komm, bevor der Zug weiterfährt ohne das wir ausgestiegen sind.“ Sie reichte ihm die Hand und rannte mit dem Koffer in der linken und Andy in der rechten zum Ausgang des Waggons.
„Ab jetzt“, dachte sie, während kühle Luft durch ihre hellblonden schulterlangen Haare fuhr „lasse ich die Vergangenheit hinter mir.“


Zuletzt von DarkAngel am So 19 Jul 2009, 02:46 bearbeitet; insgesamt 3-mal bearbeitet

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Got a Secret, can you keep it? Empty Re: Got a Secret, can you keep it?

Beitrag  Gast Mo 13 Jul 2009, 22:25

Anmerkung:
Vielleicht mag Leslies Schicksal weit hergeholt klingen, ich habe mich aber von einem ähnlichen Fall verleiten lassen. In meiner Stadt hat sich letztes Jahr ein Mann in seinem Keller erhangen. Er war Polizist, hatte Frau und Kinder. Das Leslies ganze Familie verstorben ist, hat miteinander zu tun, mehr werde ich nicht verraten, denn man kanns bestimmt rauslesen.
Vorne weg möchte ich sagen das ich sicherlich nicht darüber schreiben werde wie Leslie ihr Schicksal verarbeiten wird. Es ist ein Teil ihres Lebens und trägt zur Handlung dieser Geschichte bei, über die Verarbeitung eines solchen Tiefpunktes zu schreiben ist das letzte was ich tuen möchte. Daher, falls jemandem so etwas auch nur im Entferntesten in seiner Familie passiert ist, möchte ich darauf aufmerksam machen das der Schwerpunkt dieser Story nicht Leslies Schicksal ist, und mich außerdem für meine Unkompetenz entschuldigen eine solche Situation zu beschreiben.

Dieses Kapitel ist für moonless.night Got a Secret, can you keep it? 732306
als Dank für ihren Mut sich meine Geschichte anzutun und mich durch ihr Kommentar dazu zu bringen so schnell wie möglich das erste Kapitel zu beenden.


. . .
Got a Secret, can you keep it? X8pii92s


Als Leslie ausstieg, merkte sie sofort das die nördliche Luft anders war. Leicht brennend in der Lunge, frisch und kühl. Andy der mit einem Satz hinaus sprang, stolperte leicht als er neben ihr aufkam. Sie verkniff sich ein Lachen während sie den Kopf abwandte und den kleinen Bahnhof genau betrachtete. Der Driffield Railway war gepflegt, mit weißen Stahlträgern die das schützende Dach über dem Bahnsteig stützen. Am Ende der Überdachung war jeweils ein Pflanzenkübel voller Blumen postiert – und gleich neben dem Topf ihre Großtante mit den harten Gesichtszügen und den tief liegenden Falten.
„Wenn du willst kann ich noch mit dir hier auf deine Verwandte warten.“, meldete sich Andy zu Wort und riss Leslie aus ihren Gedankengang. „Fahr‘ ruhig, sie steht schon dort drüben und wartet auf mich.“ Sie konnte förmlich sehen wie die Niedergeschlagenheit dieser Neuigkeit über sein Gesicht huschte. „Das war‘s dann wohl.“, murmelte er kleinlaut. Der traurige Klang seiner Stimme war kaum zu überhören. Zaghaft lächelte sie ihn an. „Wir sehen uns bestimmt.“
Sie packte ihren Koffer und machte sich eilig auf zu ihrer Großtante Abbigail während Andy, als sie zurück schaute, sich kaum von seinem ursprünglichen Platz fortbewegt hatte.
„Hallo Abbi.“, rief Leslie. Zur Bestärkung ihrer Begrüßung winkte sie noch heftig mit der rechten Hand.
„Kindchen, ich bin vielleicht alt, aber noch lange nicht blind.“, knurrte ihre Großtante. „Und jetzt lass‘ dieses dämliche Gewinke.“ Leslie seufzte. Tante Abbi hatte sich seit Leslies ersten Besuchen nicht verändert. Normalerweise hasste sie die mürrische Art der Alten, doch zum ersten Mal sah sie etwas Gutes darin, denn die Großtante war wie ein Bruchstück ihrer Vergangenheit, eine Erinnerung an schönere Zeiten.
Abbi hegte eine gewisse Antisympathie gegen Gurken, überfüllte Parkplätze, Lärm und Gefühlsausbrüche, zu denen auch überschwengliche Begrüßungs- und Abschiedsszenen zählten. „Mädchen hättest du dich nicht noch ein bisschen aufreizender anziehen können?“ Leslie schaute an sich hinunter. Ihre hellblaue verwaschene Röhrenjeans und ihr türkisfarbenes Spitzentop über dem sie einen weißen Pulli mit V-Ausschnitt trug war wohl alles andere als ,aufreizend‘, aber Abbi konnte den neumodischen Kleidungsstil sowieso noch nie ins Herz schließen. Ihr prüdes Tweed Kostüm mit der schwarzen Strumpfhose sowie ihrer Perlenkette hatte seine besten Zeiten schon gesehen.
„Es ist auch schön dich zu sehen.“, meinte Leslie gutmütig und überging einfach die unpassende Anmerkung ihrer Tante. „Wo steht dein Auto? Dann kann ich schonmal meinen Koffer verstauen, der ist nämlich verdammt schwer.“
„Stell ihn doch ab.“, bellte Abbi plötzlich in ihrem herrischen Ton. Perplex ließ Leslie den Koffer sinken. „Und hör auf mit deiner gespielte Freundlichkeit. Wir beide mögen uns nicht besonders gut leiden und ich denke du willst genauso wenig hier sein, wie ich dich hier haben will, aber für die Zukunft merke dir eins, ich habe mit dem Schicksal abgeschlossen und ich nehme von dir das gleiche an. Es ist hart, aber es ist passiert und damit ist dieses Thema abgehackt. Wir werden es nicht weiter ausdiskutieren. Desweiteren herrschen in meinem Hause strickte Regeln die du zu befolgen hast. Solange du dies tust, kannst du so lange bei mir wohnen wie du willst. Noch Fragen?“
„Was wären denn die Regeln?“, fragte Leslie mit kräftiger Stimme. Sie kannte ihre Großtante schon lange genug um zu wissen, das man bei ihr verloren hat, sobald man klein beigibt.
Abbigail schaute ihr fest in die Augen. „Kein Alkohol, keine Drogen. Du bringst gute Noten nach Hause und sorgst dich um dein soziales Arrangement, du bist spätestens um 10 zu Hause und ich werde dir jeden Mittwoch ein Buch aus meiner privat Bibliothek raus suchen, welches du lesen wirst.“
„Und diese Bücher sind...?“
„Anspruchsvoll, ja.“, fiel ihr Abbi ins Wort. „Eigentlich wollte ich fragen wofür sie gut sind.“, dachte Leslie leichthin. Die skurrile Art der Alten war das Amüsanteste was ihr seit Wochen widerfahren war. „Lass uns zum Auto gehen.“, meinte die Großtante beherrschend. „Ich habe das Mittagessen für 3 Uhr angesetzt.“

Die Autofahrt mit Tante Abbi war zwar nicht lang, zog sich aber unglaublich hin. Es fühlten sich an wie mehrere Stunden die sie zusammengepfercht mit ihrer Verwandten in dem alten Auto verbrachte. Leslie konnte von Glück reden das ihre Großtante nicht der Gesprächige Typ war, wie Andy es pflegte einer zu sein. Somit hatte sie genug Zeit um sich in ihren Roman zu vertiefen, während Abbi den Wagen über die holprige Landstraße lenkte und kurz vor Burton Agnes in eine Zufahrt einbog, die nach Harpham führte.
Als Leslie von ihren Buch aufblickte, seufzte sie schwermütig. Die Größe des Dorfes verriet schon das es dort wohl höchstens zwei befahrbare Straßen gab. Leicht angeschlagen über die neue Kenntnis, dass das Ende der Welt ab sofort ihrem neuen Zuhause entsprach, fragte sie ihre Großtante: „Und, wie viele Einwohner hat Harpham? 9? Oder kommen wir seit meiner Anwesenheit doch schon auf eine zweistellige Zahl?“
„Es sind genau 318 Einwohner.“, antwortete Abbi wie aus der Pistole geschossen und ließ sich somit nicht auf ein weiteres Gespräch ein. Leslie wusste wie sehr ihrem Tantchen das ländliche Dorf am Herzen lag, auch wenn dieses Gefühl einer der vielen Dinge war die sie sicherlich nicht mit ihr teilen konnte.
Es dauert nur wenige Minuten bis sie das mittelgroßen Anwesen ihrer Tante erreichten, welches hinter hohen Hecken versteckt war und dessen Einfahrt sich einige Meter ziehte.
Auch wenn sie sich damals immer gegen die Besuche bei ihrer Großtante Abbigail gesträubt hatte, musste sie sich nun zu gestehen, dass das alte Haus eine Behaglichkeit ausstrahlte die ihr zum ersten Mal seit Wochen das Gefühl gab ,zu Hause‘ zu sein.
Die Kieselsteine knirschten unter den Reifen als Abbigail das Auto die Auffahrt hochfuhr und das Fahrzeug rasant vor der Haustür parkte. „Das ist nun mein neues Heim.“, gestand sich Leslie in Gedanken zu. „Ein Neuanfang.“
Abbigail war die erste die aus dem Fahrzeug stieg und die Autotür mit einem heftigen Schwung zustieß. Als auch Leslie sich vorsichtig aus dem Wagen schob und den Kofferraum öffnete um ihren Koffer heraus zu holen, bemerkte sie erst das ihre Großtante ihr Anwesen ausgebaut hatte. Wo damals eine alte Scheune stand prangte nun ein luxuriöser Brunnen, dessen Ausmaß dem eines kleinen Schwimmbad glich. „Dein Lebensstil ist wohl auch nicht gerade sparsamer geworden.“, meinte Leslie als sie ihr Gepäck mühsam aus dem tiefen Kofferraum zog. „Ich denke“, setzte Abbi schnippisch an. „Das gerade du das am wenigsten beurteilen kannst. Du kannst dir nicht vorstellen wie schwer es war die alte Scheune in Stand zu halten.“ Sie musste innerlich lachen. „So ein Brunnen ist auch überhaupt nicht schwer zu pflegen.“, dachte Leslie während sie über die verschwenderischen Ausgaben ihrer Tante nur den Kopf schüttelte.

Wenige Stunden später hatte sie von ihrer Tante ihr kleines Reich gezeigt bekommen, welches aus einem strahlend weißen Bad sowie einem großen Gästezimmer bestand. Die Inneneinrichtung des Rest des Hauses hatte sich sicherlich seit der Jugend ihrer Urgroßmutter nicht mehr verändert. Alles war holzverkleidet und gab Leslie das Gefühl sich in den 1920er zu befinden.
Während Abbigail angekündigt hatte noch ein paar Besorgungen zu erledigen packte Leslie in ihren neuen vier Wänden aus und verstaute ihr Hab und Gut in der geräumigen Kommode gegenüber ihres Bettes. Der Ausblick aus ihrem Zimmer war herrlich. Ihre Fenster waren nicht nur östlich gelegen, sondern bot einen herrlichen Blick auf auslaufende Wiesen die sich Kilometer weit in die Ferne zogen.
Wie in Trance wendete sich Leslie von der Fensterfront ab, ließ sie sich rückwärts auf ihr Bett fallen und streichte mit der gespreizten Hand über die frische Bettwäsche. Als sie die Augen schloss, tief einatmete und ihren Kopf zur Seite wandte , fiel ihr erster Blick auf ein Familienportrait das in einem goldenen Rahmen auf dem Schminktisch thronte. Es war nicht besonders alt, das wusste sie, höchstens ein drei/viertel Jahr. Vier glückliche Gesichter strahlten sie an, das Familienglück war ihnen förmlich anzusehen. Ein Mann und eine Frau, höchstens Mitte Vierzig hielten Händchen und lächelten aufgeschlossen in die Kamera. Ein kleines Mädchen das man wahrscheinlich auf ein Alter von Sieben Jahren schätzen würde, entblößte in einem süßen Lächeln ihre Zahnlücken und kraulte den Kopf eines Hundes, dessen helles Fell im Licht der untergehenden Sonne leuchtete. Und dann stand dort dieses Mädchen in der Mitte des Bildes. Mit beiden Armen umschlang sie den Oberkörper der Kleineren, während die Hand des Mannes ruhig auf ihrer Schulter lag. Ihre hellblonden Haare reflektierten das Sonnenlicht und fielen ihr strähnig ins Gesicht. Leslie kannte dieses Mädchen gut, denn sie war es selbst. Das Portrait zeigte ihre Familie vor ihrem Untergang.
Vor der Ermordung ihrer kleinen Schwester. Vor dem Mittwochabend an dem ihr Vater sich im Keller das Leben nahm. Vor dem Wochenende im Krankenhaus, an dem auch ihre Mutter vor Kummer das zeitliche segnete. Leslie hätte über ihr Schicksal gelacht, wenn sie nicht wüsste das es sie jede Nacht in Alpträumen heimsuchen würde.
Schweiß strömte ihr aus allen Poren als sie sich langsam vom Bett erhob und zitternd nach dem Portrait griff. Behutsam strich sie über den abgeblätterten Goldrahmen und fuhr zärtlich über die kühle Glasscheibe, hinter der sich ein Bruchstück ihres alten Glückes befand.
Es durch fuhr sie wie ein Blitz, als sich plötzlich ihre Hände lösten und das Bild krachend zu Boden fiel. Mit einem Klirren zersprang das Glas auf dem Parkett und zerbrach in aber Tausende von kleinen Scherben. Geistesabwesend griff sie in die glitzernden messerscharfen Glassplitter und zog das Familienportrait heraus. Sie bemerkte noch nicht einmal wie Blutstropfen über das Foto liefen und die Gesichter ihrer Familie unter den dunkelroten Linien verschwanden. Nur ein Gesicht blieb aus, ihr eigenes, welches sie fröhlich anlächelte, umrahmt von Blutspuren des Leidens.

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Got a Secret, can you keep it? Empty Re: Got a Secret, can you keep it?

Beitrag  Gast So 19 Jul 2009, 01:44

Anmerkung: -

Dieses Kapitel ist diesesmal für Ana1993, danke für alles. Claude gehört dir Got a Secret, can you keep it? 732306 Seinen Nachnamen hat er Bon Iver zu verdanken.
. . .
Got a Secret, can you keep it? Er8eyayi


Es hatte sie eine halbe Ewigkeit gekostet die Scherben zu beseitigen und das Blut aufzuwischen – und ihre Großtante war während der ganzen Zeit immer noch nicht zurückgekehrt.
Nun lag Leslie mit allen Vieren von sich gestreckt und in Unterwäsche auf dem polierten Holzboden ihres neuen Zimmers. Ihre rechte Hand war mit Verband umwickelt und ihre aufgeschnittenen Fingerkuppen brannten höllisch. Das alles war jedoch nichts im Vergleich zu ihrer Freude darüber das die Blutung endlich aufhörte. Und so lag sie dort auf dem Fußboden ohne sich wirklich darüber bewusst zu sein, wobei ihre Gedanken ziellos durch ihren Kopf schwirrten.
„,Ich liebe dich‘“, flüsterte sie zu sich selbst. „Das waren meine letzten Worte. Als ich diesen kläglichen Gesichtsausdruck sah und den Kummer in seinen Augen, da wusste ich das er sterben würde. Ich dachte diese drei Worte würden sein Inneres wiederbeleben, diese Worte aus dem Munde seiner Tochter die zum ersten Mal das Gefühl hatte sie wäre diejenige die ihn beschützen müsse und nicht umgekehrt.“
Verstohlen wischte sie sich eine Träne aus dem Augenwinkel.
„Leslie? Bist du das?!“, rief eine schrille Stimme plötzlich durch den Korridor. Leslie erschrak heftig wobei sie förmlich hochfuhr und sich wie aus dem Schlaf gerissen fühlte.
Ihre Zimmertür flog mit einem zügigen Schwung auf und ihre Tante trat ein. Ihr leicht panischer Gesichtsausdruck verschwand und wurde von Verblüffung abgelöst. „Was machst du da?“, sie stemmte die Hände in die Hüfte und blickte auf ihre Nichte hinunter. Es war zu spät um sich eine passende Ausrede einfallen zu lassen und zu verrückt um überhaupt zu versuchen zu erklären was sie dort auf dem Boden zu suchen hatte. Außerdem wusste sie ja selbst nicht mal genau warum sie auf dem Boden gelegen hatte – noch dazu halbnackt.
„Ich?“, fragte Leslie erstaunt, so als wäre es nicht offensichtlich was sie hier fabrizieren würde. „Ich sitz hier doch nur so rum.“
„In Unterwäsche?“, fragte Abbi skeptisch.
„Mir ist eben warm.“
Abbi blickte nachdenklich aus dem Zimmerfenster und beobachtete die leuchtende Sonne am wolkenlosen Himmelszelt. Nach mehreren Minuten endlosen Schweigens räusperte sie sich.
„Zieh dir bitte etwas über und dann komm runter. Es gibt Mittagessen.“ Mit raschen Schritten stürmte ihre Großtante aus dem Zimmer den Korridor entlang und die Treppe hinunter ins Erdgeschoss, immer gefolgt von dem Geräusch ihrer klappernden Absätze.

Leslie hatte sich ein dunkelblaues Kleid mit Spitzenbordüre und Spaghettiträgern, welches ihr bis zu den Knien reichte, übergestreift und saß nun an dem prunkvollen alten länglichen Tisch im Esszimmer, während sie auf den Teller mit italienischer Miesmuschelsuppe vor sich blickte. Sie würde davon keinen Bissen essen – da konnte sie ihre Tante noch so dringlich anschauen wie sie mochte.
„Kindchen.“, rief diese nach mehreren Minuten peinlichen Schweigens aus. „Du musst doch schrecklichen Hunger haben.“
Leslie seufzte. Weitere Ignoranz ihrer Tante war völlig sinnlos. Sie kannte diesen vorfreudigen Unterton der in ihrer Stimme mitschwang. Abbigail hatte wahrscheinlich schon seit Ewigkeiten niemanden mehr bekocht und war nun gespannt wie gut ihre selbst zugeschrieben Kochkünste wirklich waren.
„Um ehrlich zu sein“, setzte Leslie an. „Denke ich nicht sonderlich das mir Muscheln schmecken.“
„Du denkst?“, rief Abbi aus. „Das heißt das du es noch nicht versucht hast geschweige denn wissen kannst. Komm‘ und koste. Du wirst nichts anderes mehr essen wollen.“ Die plötzliche Freude die ihre Großtante beherrschte war Leslie nicht gewohnt, brachte sie aber zum Lächeln und letztendlich dazu die Suppe zu probieren – nur um danach festzustellen das sie wirklich gar nicht so schlecht war wie sie angenommen hatte.
Das Essen lief unglaublich gut, denn es war das erste Mal das sie sich ungezwungen mit Abbi unterhielt. Damals als sie noch klein war und gerade über den Tellerrand schauen konnte, hatte sie nur den Gesprächen der Erwachsenen gelauscht und nur wenige Worte mit ihrer Großtante gewechselt.
Jetzt jedoch zeigte Abbigail erstmal waschechtes Interesse an ihrer jungen Verwandten, ihre konservativen Kommentare konnte sie jedoch nicht unterlassen.
„Hast du schon alles ausgepackt?“, fragte Abbi während sie die Teller abräumte.
„Ja. Alles ist ordentlich verstaut.“ Bestätigte Leslie.
„Wundervoll. Wenn du möchtest kannst du dir mein Rad aus der Garage nehmen und Harpham etwas erkunden.“ Obwohl Harpham wohl eher nicht zu den 100 Städten gehört in der sie sich ein Haus bauen würde, war der Vorschlag ihr neues Heimatdorf zu erkundigen nicht schlecht.
Weniger später saß sie schon auf dem Sattel und radelte die Straße hinunter die vom Anwesen ihrer Großtante wegführte...

Es hatte sie fast eine ganze halbe Stunde gekostet alles von Harpham zu sehen, was sie wunderte, da sie sogar die Feldwege die sich unendlich in die Weite zogen ausgelassen hatte. Als die Sonne sich langsam Richtung Horizont bewegte machte sie ihren letzten Halt am alten Friedhof von Harpham. Andere mögen es vielleicht merkwürdig finden, aber Leslie schaute sich gerne Grabsteine an und war schon über das ein oder andere außergewöhnliche Grabmal gestolpert.
Dieser Friedhof sah jedoch nicht danach aus als hätte es eine solch prunkvolle Ruhestätte zu bieten. In Reih und Glied waren die fast identischen Grabsteine aufgestellt und bildeten parallele Reihen.
Im Licht der untergehenden Sonne streifte sie zwischen den Gräbern umher und las die Einschriften der Steine während sie ununterbrochen eine Melodie nervös vor sich hin pfiff.
„Wenn du so weiter machst wirst du noch irgendwelche Toten erwecken.“
Ruckartig zuckte sie zusammen und drehte sich einmal um die eigene Achse, direkt in die Richtung aus der jener Ausruf kam. Wie aus der Luft stand plötzlich ein Junge, vom Aussehen her kaum älter als sie, wenige Schritte von ihr entfernt. Sie war sich völlig sicher das er noch nicht neben dem Grabstein gestanden hatte als sie an diesem vorbei gegangen war. Verdutzt schaute sie ihn an.
Als erstes fielen ihr seine blonden Haare auf, die vom Wind verwuschelten. Direkt danach seine grüngrauen Augen, die mit einer festen Sicherheit in ihr Gesicht blickten. Es war nicht zu verleugnen das er gutaussehend war – und zwar nicht einfach nur hübsch, sondern schön. Muskulös, aber nicht bullig. Groß, aber nicht riesig. Vom Äußeren die Art Typ, mit der sie damals gerne ausgegangen wäre, überaus gerne. Sie schluckte schwerfällig.
Jetzt war allerdings genau der falsche Zeitpunkt gerade solch einem Typ Junge zu begegnen. Jetzt wo sie mehr Ähnlichkeit mit einem Schiffswrack hatte das schon seit hunderten von Jahren in den Tiefen des Ozeans versauerte anstelle eines menschlichen Wesens. Als sie gerade mit dem Gedanken spielte panisch wegzulaufen, ergriff seine düstere Stimme das Wort. „Es tut mir Leid wenn ich dich erschreckt habe.“, er wandte sich mit dem Rücken zu ihr und machte Anstalten den Friedhof zu verlassen. Erst jetzt schraubte sie den verschreckten Gesichtsausdruck ab und lief auf ihn zu. Ihre vorigen Bedenken waren wie weggeblasen, es schien als würde er sie magnetisch anziehen. Kurz bevor sie in ihn rannte, stoppte sie. „Ich... ich war nur so überrascht weil ich dachte ich wäre hier allein.“, rief sie ihm außer Atem zu.
Jetzt war er es der sich zu ihr umdrehte und ihr tief in die Augen blickte. Er deutete mit dem Zeigefinger auf den Boden. „,Allein‘ passt in diesem Falle wohl nicht ganz.“, schmunzelte er.
Sie lächelte ihn schüchtern an. „Jetzt oder nie.“, dachte sie sich. „Ich, ich bin Leslie.“
Nach einem langen Moment der Stille machte er keine Anstalten ihr seinen eigenen Namen zu nennen. Peinlich berührt versuchte sie ein Gespräch einzulenken um das Schweigen das zwischen ihnen herrschte zu überbrücken. „U..und...und du bist? Ich meine nur, falls wir uns wieder sehen kann ich dich einfach beim Namen ansprechen damit...“, sie verstummte. Innerlich schlug sie sich bildlich gegen die Stirn. Von einer dämlicheren Seite hätte sie sich nicht präsentieren können.
Ein leichtes Lächeln lief über sein Gesicht. „Macht das irgendwas zur Sache?“
Perplex schaute sie ihn an. „Ob dein Name wichtig ist? Ich denke schon. Immerhin haben Menschen nicht umsonst einen Namen, irgendwie muss man sie doch rufen.“
„Du kannst mich auch mit ,Friedhofsjunge‘ anreden wenn du möchtest.“
Sie lächelte verlegen. „,Friedhofsjunge‘? Vielleicht nervt dich Friedhofsjunge irgendwann.“
„Weißt du“, murmelte er. „Es ist unwichtig wie man heißt, was zählt ist wer du bist.“
„Also dann.“, sie atmete tief ein. „wer bist du?“
„Ich bin Claude.“, rief er aus während er den Blick wieder zu ihr wandte. „Claude Iver.“
„Bist du Franzose?“, fragte sie wobei sie sich innerlich tierisch darüber freute seinen Namen zu wissen. „Nein. Nur unglaublich charmant.“ Seine Aussage, die sie bei jedem anderen Jungen als Selbstverliebtheit gedeutet und angeberisch gefunden hätte, brachte sie zu einem Lächeln.
„Dann, Claude“, sie betonte seinen Namen deutlich. „Nett dich kennenzulernen.“
Er beugte sich zu ihr vor. „Sag das ein zweites mal“, flüsterte er. „Und vielleicht halte ich es dann nicht mehr für eine Lüge.“ Er schaute ihr noch ein letztes Mal in die Augen bevor er sich umdrehte und den Friedhof verließ.

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Got a Secret, can you keep it? Empty Re: Got a Secret, can you keep it?

Beitrag  Gast Sa 08 Aug 2009, 22:44

Nach längerer Pause ein neues Kapitel.

Anmerkung: Ich muss ehrlich sein, bei diesem Kapitel habe ich ein mulmiges Gefühl. Claude sollte in meinem ursprünglichen Plan nicht in dem Traum vorkommen, daher seit mir bitte nicht böse. Ich weiß nicht genau was ich von diesem Kapitel halten soll, da es eig. nur ein Übergangskapitel ist, jedoch trotzdem eine wichtige Rolle spielt. Wer sich für Tiefere Bedeutungen von Geschichten interessiert sollte mal "Philomele" googeln Got a Secret, can you keep it? 94952

Dieses Kapitel ist für meine "Familie": meinen "Mann" Stefan und meine "Töchter" Michelle und Selina Got a Secret, can you keep it? 160484 Ihr werdet das hier sowieso nie lesen Got a Secret, can you keep it? 94952 Aber ihr habt euch dieses Kapitel durch eure Offenherzigkeit und Stärke verdient.



Got a Secret, can you keep it? N59mcyyj


Es war stockdunkel als Leslie sich auf dem Heimweg machte. Sie war über Stunden durch das kleine Dorf gelaufen, hatte jeden kleinste Winkel inspiziert auf der Suche nach dem Friedhofsjungen. Doch es schien, als hätte er sich in Luft aufgelöst – Puff – und weg war er. Als sie jegliche Hoffnung verloren hatte, setzte sie sich auf eine Bordsteinkante und wurde sich darüber bewusst, das es wahrscheinlich besser war das sie ihn nicht mehr gefunden hatte. „Was wäre gewesen wenn ich ihn tatsächlich gefunden hätte?“, fragte sie sich selbst und stütze ihren Kopf mit ihren Händen. „Wäre ich auf ihn zugelaufen und hätte ihn angesprochen? Was hätte ich sagen sollen? Oder wäre ich ihm einfach heimlich hinterher geschlichen um zu sehen wo er wohnt, nur damit ich weiß, an welchem Haus ich demnächst öfters vorbei gehen sollte?“.
Sie lachte laut auf als sie ihren Gedankengang beendet hatte. Normalerweise klang sie nicht so naiv und kindlich und ging mit Jungs meist so um, wie mit Mädchen. Nicht das sie noch niemals einen festen Freund hatte, oh nein. Doch Leslie hatte spätestens nach dem Zweiten für sich selbst gemerkt, das pubertäre Beziehungen einfach nichts für sie sind.
Wieso also sollte sie einem Jungen hinterher laufen, mit dem sie sich gerade mal 5 Minuten unterhalten hatte? Das wäre völlig absurd!
„Außerdem ist er so toll auch wieder nicht.“ Sagte sie zornig zu sich selbst und versuchte sein Angesicht aus ihren Gedanken zu vertreiben. Erst jetzt bemerkte sie die alte Frau in dem gestrickten hellrosa Katzenpulli und dem pompösen weißen Hut mit Kunstblumen, die an der Bushaltestelle auf der anderen Straßenseite stand und sie merkwürdig anstarrte.
„So...“, dachte Leslie als sie sich schnellstmöglich erhob. „Es wird Zeit zu gehen.“

Es war spät, als Leslie vorsichtig die Haustür öffnete und mucksmäuschenstill durch die dunkle Eingangshalle schlich. Als sie den unteren Treppenabsatz erreichte, hörte sie das Klicken eines Lichtschalters und der gesamte Raum erleuchtete in strahlendem Licht, welches ihr in die Augen stach.
Als sie sich an die blendende Helligkeit gewöhnt hatte, blickte sie direkt in das wütende Gesicht ihrer Großtante, deren zornig funkelnden Augen hinter ihrer Lesebrille hervor blitzten.
„Wenn ich nicht wüsste das du eine waschechte Parks bist, hätte ich schon längst die Polizei gerufen.“, zischte Abbi aufgebracht, zog ihre Hände aus den Taschen ihres Morgenmantels und stemmte diese an die Hüfte. „Ich... äh... es tut mir Leid.“, nuschelte Leslie kleinlaut und zog sich den Träger ihres braunen Tops, der ihr von der Schulter gerutscht war, wieder hinauf. Sie war sich im Klaren das sie gegen eine der von Abbigail aufgestellten Regeln verstoßen hatte und sie konnte am Blick ihrer Tante ablesen, das ihr es genauso bewusst war.
Als Abbigail aus heiterem Himmel lauthals gähnte, löste sich die angespannte Stimmung. Mit einer seltsamen Bewegung der äußeren Lippenenden in obere Richtung, konnte man bei ihrer Tante schon von einem unbedeutenden Lächeln sprechen.
„Ich denke“, fing sie mit sanfterer Stimme die nächtliche Konversation wieder auf „das ich zu deinen Gunsten die Regeln lockern muss. Ich denke die 22 Uhr Begrenzung werde ich aufheben, mit der Gegenleistung, das du immer dein Handy mit dabei hast, damit ich dich, beziehungsweise du mich erreichen kannst.“
„Das wäre nicht nötig gewesen.“, murmelte Leslie und schaute betreten auf ihre Füße. Diese neue, gar lockere Art ihrer Tante machte sie unglaublich nervös.
„Oh doch das wäre es. Spätestens wenn ich dich beim raus schleichen erwischt hätte. Versuch‘ mir nicht zu widersprechen, das liegt in der Familie.“ Bevor Leslie überhaupt ein Widerwort geben konnte, hatte Abbigail das Licht ausgeschaltet und ließ Leslie allein in der Dunkelheit zurück.

Als Leslie sich im stockdunklen bis zur ihrem Zimmer vorgetastet hatte, öffnete sie langsam ihre Zimmertür und trat in den spartanisch eingerichteten und ebenfalls dunklen Raum ein. Die warme Nachtluft die durch die öffnen Fenster strömte verbreitete den Geruch von frischen Gräsern. Gähnend zog sie sich das Kleid über den Kopf und legte es ordentlich über den alten Holzstuhl der vor dem kleinen Schminktisch stand. Nachdem sie sich den Haargummi aus ihren hellblonden Haaren gezogen hatte, welche nun locker herab fielen, legte sie sich gemächlich in ihr Bett und schloss ihre vor Müdigkeit brennenden Augen. Schon lange hatte sie nicht mehr so sehr nach Schlaf gedürstet und es glich schon fast einem Genuss als sie die herein wehenden Luft auf ihrer Haut spürte und in einen tiefen Schlaf versank...

Sie rannte durch einen Tunnel, dessen Ende noch weit entfernt lag, und kam sich so vor als würde sie schwere Gewichte hinter sich herziehen. Sie lief als würde sie um ihr Leben rennen, um das Leben welches sie damals führte und trieb mit aller Gewalt ihre Füße an. Gerade als es schien das sich das Ende des Tunnels auf sie zu bewegte, zog es sie mit einem Ruck aus ihrem Lauf. Sie drehte sich einmal um die eigene Achse bevor sie unsanft mit dem Rücken zuerst auf dem Boden auftraf. Anstelle der Decke des Tunnels starrten ihre Augen jedoch in einen klaren Nachthimmel. Zögernd setzte sie sich auf und erkannte im leuchtenden Licht des Vollmondes das sie sich auf einem Friedhof befand. Die vielen Grabsteine, dessen Schatten sich über den spärlich mit Gras bewachsenen Boden zogen, lagen teils geschützt unter hohen Baumkronen und waren rechts und links von ihr angeordnet. Nur ein Grabstein stand weiter abseits vom Mond beleuchtet auf einem kleinen Hügel frontal zu ihr.
Als sie aufstand und sich langsam auf den einzelnen Stein zubewegte, schien es als würde sie das Grab magisch anziehen. Erst als sie aus dem Augenwinkel einen kleinen Blondschopf zwischen zwei seitlich gelegen Gräbern kurz aufblitzen sah, riss sie sich aus dem Bann und blieb ruckartig stehen. Diese... Haare. Sie blickte selbst auf ihre im Mondschein fahl blonden Haare und schluckte um ihren trockenen Hals zu befeuchten. Als sie sich vergewisserte das sie sich den kleinen Blondkopf nur eingebildet hatte, atmete sie tief durch. Plötzlich vernahm sie ein verhaltenes Kinderlachen von der gegenüber liegenden Grabsteinreihe und kalter Schweiß strömte aus ihren Poren.
Als sie sich auf ihrem Absatz umdrehte, war wieder kein Lebenszeichen zu vernehmen – sie war allein.
Während sie gerade ansetzte sich wieder auf den Grabstein zu zu bewegen, hörte sie hinter sich das Auftreten eines Schuhs. Erschrocken drehte sie sich um und schaute direkt in ein kindliches Gesicht mit haselnussbraunen Augen. Der Anhänger, der um den Hals des Kindes baumelte, blitzte im Mondlicht hell auf. „Philomele“, formten ihre Lippen ungläubig als das Mädchen ihr ein Lächeln schenkte und sich in Luft auflöste. Panisch drehte sie sich von der geisterhaften Gestalt weg und rannte so schnell sie konnte auf den einen Grabstein zu, der höher lag als alle anderen.
Sie erreichte das Grab außer Atem und drehte sich hektisch in alle Richtungen, um sicher zu gehen, das der Geist ihrer Schwester endgültig verschwunden war. Doch sie hörte das kindliche Kichern immer noch zwischen den Gräbern und Bäumen hervor hallen.
„Lass mich doch bitte in Ruhe.“, flehte Leslie und versuchte die Tränen zurück zu halten. Am liebsten hätte sie sich gleich hier und jetzt übergeben.
„Du willst das ich dich in Ruhe lasse?“, fragte sie eine bekannte Stimme. Ruckartig drehte sie sich erneut um und blickte in vertraute Augen, die im Mondlicht mehr grau als grün aufleuchteten. Ihr stockte der Atem. „Nein.“, wisperte sie kaum hörbar. Es hätte sie beängstigen müssen das Claude wie aus heiterem Himmel aufgetaucht war doch er kam genau zum richtigen Zeitpunkt, jetzt wo sie um keinesfalls allein sein wollte.
Als sie nun zwischen den Bäumen einen gedämpften Mädchenschrei hörte, welcher deutliche Todesangst widerspiegelte, rannte sie auf Claude zu und drückte sich an seinen Körper. Seine Muskeln spannten sich an als er seinen Arm schützend um sie legte und Leslie ihr Gesicht in seiner Schulter vergrub während ihr die Tränen über die Wangen liefen und auf sein weißes Hemd tropften...


Schweißgebadet wachte sie auf. Ihre Unterwäsche klebte an ihren Körper und ihre Haare pappten an ihrer Kopfhaut. Steif stieg sie aus ihrem Bett und ließ im Badezimmer schonmal die Dusche an, damit sich das anfänglich kalte Wasser warmlaufen kann. Auf schwitzigen Füßen tapste sie noch einmal zurück ins Zimmer und holte sich frische Kleidung aus der Kommode.
Als sie am Schminktisch vorbei kam, starrte sie in ihr schlaftrunkenes Gesicht. Im Licht der aufgehenden Sonne blitzte ihre Kette auf und schlagartig fuhr sie in Gedanken durch ihren nächtlichen Traum. Zögernd legte sie dasselbe Schmuckstück, welches gestern Nacht sowie früher immer an dem Hals ihrer Schwester gebaumelt hatte, ab und machte sich auf den Weg ins Badezimmer – in der Hoffnung das Wasser würde nicht nur den Schweiß, sondern auch den Nächtlichen Traum von ihr abfließen lassen.

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