Nordstern

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8. Have Fun Teil 4

Beitrag  Gast am Sa 12 Sep 2009, 16:37

Ich stand in Foyer, sie war mal kurz auf Toilette und wartete aus sie, als ein vielleicht 18 jähriges Mädchen auf mich zu kam. Sie fragte mich auf Französisch ob ich Feuer hätte. Ich hatte gerade mein Zippo aus der Jacke gezogen als einer der Angestellten sich räusperte und auf ein rauchen verboten Schild zeigte. Ich zuckte mit den Schultern und sie sah mich verlegen an und steckte ihre Zigarette zurück in die Packung. Sie stand etwa eine Minute unschlüssig vor mir, bevor sie ihren ganzen Mut zusammen Kratze. „Bei uns,“, sie zeigte mit der Hand auf vier Jungs und zwei Mädchen alle so um die 20, „steigt heute noch eine Party. Hast du Lust mitzukommen?“ Eh, ich antworten konnte kam Sandy wieder und stellte sich neben mich.
Enttäuscht sah das Mädchen zu Sandy und dann wieder zu mir. „Deine Freundin ist natürlich auch eingeladen.“
Sandy sah mich fragend an. „Sie hat uns zu einer Party eingeladen. Was meinst du?“
Sie überlegte einen Monet, dann nickte sie. „Warum nicht.“
Die Kleine stelle sich nun auf Englisch als Sophie vor und wir nannten unsere Namen, dann gingen wir zu ihren Leuten und wurden der Reihe nach bekannt gemacht. Wir einigten uns darauf das Sophie und einer der Jungs namens Pierre bei uns mitfahren sollten, um uns den weg zu zeigen. Als wir in die Limo einstiegen stieß Pierre einen anerkennenden Pfiff aus. „Nobel, echt Nobel.“ Stellte er mit einem Grinsen fest und nannte dem Fahrer das Ziel. Als sie in den Ledersitzen uns gegenüber saßen und der Fahrer losgefahren war deutete er fragend auf die Bar.
„Bedien dich.“, antwortete ich.
Er goss sich und Sophie ein großes Glas Whisky ein, Sandy nahm eine Coke, während ich dankend verzichtete.
„Von wo kommt ihr denn?“, fragte er zwischen zwei Schluck.
„Wir sind aus Dartmouth rüber gekommen, um uns das Konzert anzusehen.“, antwortete ich.
„Da seid ihr aber weit weg von zu Hause und wie gefällt euch Montreal?“
„Wir haben noch nicht viel von der Stadt gesehen. Nur Flughafen, Hotel und dann zum Konzert.“, gab Sandy zum besten.
„Das ist aber schade, Montreal ist so eine schöne Stadt. Ihr müsst unbedingt mal im Sommer her kommen, dann kann man schön am Fluss spazieren gehen oder die Il de Notre Dame besuchen.“, mischte sich Sophie ein.
„Ja, das sollten wir.“, antwortete Sandy und ich dachte mit schrecken an Sonnenschein.
Während der restlichen Fahrt führten wir Smalltalk, bis der Wagen nach etwa 45 Minuten Fahrt von der Hauptverkehrsstrasse abbog und zu einem abseitsgelegenen Farmhaus fuhr. Vor dem Haus standen eine Menge Autos und Motorräder und laute Musik drang aus dem inneren.
„Hier wohnt mein großer Bruder mit seinen Kumpeln.“, klärte uns Pierre auf als wir auf das Haus zugingen. „Die feiern jedes Wochenende. Hier ist immer Open House.“
Als wir das Haus betraten schlug mir eine Wolke aus Schweiß, Bier, hartem Alkohol, Zigarettenqualm, erbrochenem und ein Geruch der darauf schlissen ließ das hier nicht nur Zigaretten geraucht wurden entgegen. Wir kamen in einen riesigen Raum der fast das ganze Erdgeschoß umfasste, nur einzelne Stützpfosten deuteten darauf hin das hier früher mehr Zimmer waren. Die uns gegenüberliegende Seite wurde von einer großen Bar beherrscht. Links von der Tür war ein Billardtisch und eine Treppe führte in die oberen Etagen. Auf der rechten Seite waren zwei Türen, die eine führte in die Küche und die andere ins Bad. An den Wänden standen alte Sofas mit Tischen voller leerer Flaschen und Bechern davor. Die Mitte des Raums wurde als Tanzfläche genutzt. Allein hier unten waren mindestens 60 Personen, wobei man das nicht genau Festellen konnte, da immer wieder welche die Treppe hoch und runter kamen. Hier war alles gemischt, da gab es die 14 jährige Ausreißerin die einen warmen Schlafplatz suchte, den 50 Jährigen Rocker im schwarzen Leder der mit einem Billardceu herum fuchtelte, Punks die Bier mit einem großen Trichter tranken, Gothics die im Takt der Musik vor und zurück schwankten, Metalfreaks beim Headbangen und Althippies die lethargisch auf den Sofas saßen und viel zu dicke Zigaretten rauchten.
„Ah dahinten ist mein Bruder. Bedient euch, fühlt euch wie zu Hause, wir sehen uns später.“, rief Pierre und verschwand mit Sophie in der Menge.
Ich beugte mich zu Sandy, die sich die Szene genau betrachtete. „Das ist mal was anderes. Sollen wir bleiben oder möchtest du gehen?“
„Wo wir schon mal hier sind.“ Grinsend zog sie mich auf die Tanzfläche.
Eng umschlungen tanzten wir zur Musik. Als sie dann durst bekam gingen wir zur Bar und ließen uns auf zwei Barhockern nieder. Sie trank ein Bier, als mir jemand auf die Schulter schlug. Ich drehte mich um und wäre fast vom Hocker gefallen. Der Anblick der sich mir bot war so lächerlich, das es mir schwer fiel nicht in schallendes Gelächter zu fallen. Vor mir stand ein Pärchen Mitte Zwanzig, beide auffallend Blas geschminkt, mit weißen Kontaktlinsen so das nur das Schwarz ihrer Pupillen zu sehen war, in schwarzen Lederhosen und weißen Rüschenhemden. Er hatte fast weiß gefärbtes dünnes Haar, das ihm strähnig bis auf die Schultern fiel, während ihr schwarzes Haar hoch toupiert war und als er mich angrinste konnte man seine künstlich verlängerten oberen Eckzähne sehen.
„Man du bist ja echt Blas und dann diese Augen. Wo hasten denn die Linsen her? Das ist Erzsébet und ich bin Vlad, wir wohnen hier. Las uns mal nach oben gehen, da können wir uns besser unterhalten.“ Er deutete mit dem Kopf in Richtung Treppe und ging vor.
Schmunzelnd wand ich mich an Sandy. „Komm, das müssen wir uns ansehen. Das wird bestimmt lustig.“
Wir folgten ihnen in den ersten Stock und dort einen langen Flur entlang zu einer zweiten Treppe die ins Dachgeschoß führte. Dort betraten wir einen großen Raum. Die Wände waren mit schwarzem Stoff bespannt und die Fenster mit schwarzer Folie verklebt. Auf einem Podest vor dem Fenster standen zwei Särge, die offensichtlich als Betten genutzt wurden. Der hintere Teil des Zimmers war wie eine Folterkammer eingerichtet, dort standen eine Streckbank und eine eiserne Jungfrau, Regale voller Folterwerkzeugen rundeten den Bereich ab. An einem Dachbalken hingen zwei ausgestopfte Feldermäuse und auf einem Schrank stand ein von innen beleuchteter Totenkopf. Die einzigen normalen Möbel waren eine große Eckcouch mit einem Tisch, die Stereoanlage und ein Kühlschrank der in einer Ecke vor sich hinbrummte. Duzende Kerzen, die überall im Raum verteilt waren, warfen tanzende Schatten an die Wände und verstärkten den Eindruck in eines Gruselkabinetts. Ich kam mir vor wie im Set für einen drittklassigen Horrorfilm, es fehlte nur noch Frankensteins Monster im Smoking, der uns Drinks servierte und die Parodie wäre perfekt.
Vlad bat uns platz zu nehmen, während er zum Kühlschrank ging. Erzsébet hatte zwischenzeitlich vier vergoldete Kelche auf den Tisch gestellt, als Vlad mit vier Beuteln gefüllt mit einer roten Flüssigkeit zum Tisch kam. Es waren Beutel wie man sie in Krankenhäusern für Blutkonserven benutzt und die Flüssigkeit darin sah auch aus wie Blut, doch das Kleingedruckte auf den Etiketten wies es als, mit Lebensmittelfarben gefärbtes Alkoholmischgetränk aus. Sandy neben mir wurde beim Anblick der Bluttbeutel unruhig. Ich drang in ihren Geist ein.
‚Ganz ruhig, das ist kein Blut, nur ein ziemlich skurriler Alkopop.’, beruhigte ich sie im Gedanken und zwinkerte ihr zu. Es goss das Blutt in die Kelche, nur ich lehnte mit der Begründung morgen noch fliegen zu müssen ab. Vlad setzte sich neben Erzsébet und sah mich bewundernd an.
„Man du bisst ja so was von Blass, das hab ich noch nie gesehen. Hast du dich bleichen lassen und diese Augen, wo bekommt man die Linsen?“, fragte er aufgeregt.
Ich schüttelte lachend den Kopf. „Nein, ich bin nicht gebleicht und ich trag auch keine Linsen. Ich hab eine angeborne Pigmentstörung, darum die blasse Haut und die hübsche Augenfarbe und ihr seid so was wie Vampirfans?“
„Nun wir bezeichnen uns eher als Real Vampires.“, klärte er uns auf.
Wie komisch wenn sie Real Vampires waren, was war ich dann wohl, eine billige Kopie? Menschen kommen schon auf lustige Ideen.
„Aha, und euere Namen sind dann wohl auch Szenenamen?“, fragte ich neugierig.
„Ja, klar ich nenn mich Vlad nach Vlad Ţepeş und meine Süße ist nach der Gräfin Erzsébet Báthory benannt. Wisst ihr wer die zwei waren?“
„Nein, muss man die kennen?“, sagte Sandy.
Ich drehte mich zu ihr. „Nein, muss man nicht. Vlad Ţepeş, heißt Vlad der Pfähler, auch bekannt als Vlad III. Drăculea oder Graf Dracula. Bei der Gräfin Erzsébet Báthory, auch bekannt als die Blutgräfin handelte es sich um eine ungarische Adlige die anfangs des 17. Jahrhunderts gelebt hat. Sie wurde beschuldigt 600 junge Jungfrauen ermordet zu haben, um in ihrem Blut zu baden, weil sie glaubte so ewig jung und schön zu bleiben.“
„Na, dann passen die Namen ja.“, antwortete Sandy sarkastisch.
„Oh, da kennt sich jemand aus.“, jubelte Vlad ohne auf Sandys Bemerkung einzugehen.
„Ein klein wenig. Ihr lebt also einen Vampirlebensstill. Glaubst du denn auch das es wirklich Vampire gibt?“
„Ja, natürlich gibt es Vampire. Es gibt soviel Geschichten über Vampire, aus so vielen unterschiedlichen Zeiten und Ländern, die können nicht allen falsch sein.“, antwortete er voller Überzeugung.
„Und was fasziniert dich so an ihnen?“
„Alles die Unsterblichkeit, die ewige Jugend, die unglaubliche Stärke und Geschwindigkeit, nicht zu vergessen die Macht über leben und tot.“
Die Unsterblichkeit und die ewige Jugend, darum wurden wir immer beneidet, doch was ist daran schon so toll. Alle die man kannte wurden alt und starben, doch man selbst war dazu verurteilt weiter zu leben. Man konnte nie für länger an einem Ort bleiben, da man ja nicht älter wurde und dann gab es immer soviel Zeit die man irgendwie totschlagen musste. Wer Glück hatte gehörte einem Zirkel an und wer sehr großes Glück hatte fand seinen Seelenpartner, dann konnte die Ewigkeit sogar reizvoll sein, aber wenn man beides nicht fand, dann war die Ewigkeit eine verdammt zähe Angelegenheit und so Macher wünschte sich er könnte sterben oder zumindest schlafen um dieser Existenz einmal entfliehen zu können.
„Was hältst du den von ihrer Ernährung. Als Vampir müsstest du ja immer Blut trinken.“, fragte ich weiter.
„Das ist doch halb so wild, damit hätte ich kein Problem, außerdem hab ich schon mal Blut getrunken, ist gar nicht so übel.“
Ich spielte gerade mit der Kette die ich um den Hals trug, es ist einer meiner Tricks beim Mensch spielen. Angewidert sah er auf das kleine Silberkreuz das an ihr hing. „Entschuldigung, ich vergas das du als Vampiranhänger keine Kreuze magst.“ Mit einer beiläufigen Bewegung ließ ich das Kreuz wieder unter meinem T-Shirt verschwinden und setzte eine schuldbewusste Miene auf. „Also Blut hast du schon mal getrunken. Was würdest du den machen wenn du einem echten Vampir begegnen würdest?“
„Ich würde ihn bitten mich auch zu einem Vampir zu machen. Gar keine Frage.“
„Warum sollte er das tun, kannst du den irgendwas besonders?“
„Wie meinst du das?“
„Na, was weiß ich? Gedankenlesen, mit einem Blick lähmen, Telekinese oder so was. Was könntest du einem Vampir anbieten, damit er dich verwandelt?“
„So was kann ich nicht, aber soweit ich weiß können Vampire das auch nicht, zumindest die einfachen. Nur Vampirfürsten haben solche Kräfte.“
„Du kannst ihm also nichts anbieten und warum sollte er dich dann verwandeln? Du wärst doch nur ein weiterer Nahrungskonkurrent, wahrscheinlich würde er dich einfach aussaugen und weiterziehen. Aber eure Särge find ich interessant schlaft ihr auch darin wie echte Vampire?“
Ich hatte zwar noch nie einen Vampir gesehen der in einem Sarg geschlafen hat, warum auch wir können doch gar nicht schlafen, aber die Vorstellung ein Nomade würde immer seinen Sarg mit sich rumschleppen hatte schon was Erheiterndes. Ich stellte mir die Gesichter der Hotelangestellten vor, wenn ich da heute mit meinem Sarg unterm Arm in die Lobby gekommen wäre, zum schissen. Aber das ein lebender Mensch freiwillig in einem Sarg schläft, nein, das ging über meinem Horizont. Doch wie heißt es so schön: Ich muss ja nicht alles Verstehen!

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8. Have Fun Teil 5

Beitrag  Gast am Sa 12 Sep 2009, 16:47

„Ja, da darin schlafen wir. Die sind ultra bequem.“, antwortete Erzsébet die bis jetzt geschwiegen hatte.
Sandy schaute angewidert von den Särgen zu ihr. „Möchtest du auch ein Vampir sein?“
„Ja.“, antwortete Erzsébet, doch Unsicherheit lag in ihrer Stimme.
„Und hast du auch schon mal Blut getrunken?“, wollte Sandy jetzt wissen.
„Nein, aber wir wollen nächste Woche ein Ritual durchführen, dabei werde ich es Probieren.“, antwortete sie leise.
„Wo bekommt ihr denn das Blut her, beißt ihr euch gegenseitig?“, fragte Sandy voller Abscheu.
„Nein, ein Bekannter von uns arbeitet im Krankenhaus und bringt uns was mit.“, kam es von Vlad.
Sandys Plus ging schneller, sie bebte leicht und ich konnte das Adrenalin, das ihr Körper in großen Mengen ausschüttete riechen. Ich drehte mich zu ihr. Ihre Augen sprühten und zwischen ihren Augenbrauen hatte sich die kleine steile Falte gebildet, die dort immer erschien wenn sie kurz davor war zu explodieren. Ich schüttelte kaum merklich mit dem Kopf.
‚Ganz ruhig, siehst du nicht das er total verblendet ist. Den kannst du nicht mehr von seinem Irrweg abbringen. Da ist nichts machen.’, sprach zu ihr im Gedanken.
‚Das hier ist doch total verrückt, Spenderblut trinken was ist wenn es gebraucht wird.’, antwortete sie auf die gleiche Weise.
‚Ich weiß, aber wenn du jetzt ausrastest änderst du auch nichts daran, die machen es trotzdem und ich sehe keinen vernünftigen Weg sie aufzuhalten.’
Resigniert ließ sie sich zurück fallen und schmollte. Ich ließ mir noch eine halbe Stunde von ihm ihrem Lebensstill erklären. Echt bizarr, sie gingen nur nachts nach draußen, mieden Knoblauch, Kreuze und Weihwasser und Glaubten all den Unsinn, den sie in den einschlägigen Werken über Vampire gelesen hatten, arme Irre. Ich fing an zu gähnen und dann verabschiedeten wir uns, da ich ja so müde war.
Als wir im Fond der Limo saßen grummelte Sandy immer noch vor sich hin. Ich sah sie an. „Bist du mir jetzt böse?“, fragte ich leise.
Da lachte sie. „Nein, wieso sollte ich dir böse sein? Aber der Typ ist doch total Irre und die Kleine ist ihm absolut hörig.“
„Real Vampire, manche Menschen kommen schon auf bizarre Ideen und dann das Zimmer. Wie kann man nur in einem Sarg schlafen? Ich kam mir vor wie in einer Comedyshow.“, kicherte ich.
„Ja und dann die Streckbank, ob sie die auch benutzen? Ich mein in so einem Sarg kann man es ja schlecht tun.“, platzte es aus ihr raus.
„Ist die Couch da nicht gemütlicher?“
„Das schon, aber wer weiß vielleicht muss sie ihn ja auch erst Strecken, bevor er einsatzfähig ist.“ Lachend deutet sie mit der Hand auf ihren Schritt und machte eine ziehende Bewegung. Ich fiel in ihr Lachen ein.
„Du kommst auf Ideen.“, sagte als ich mich wieder im beruhigt hatte.
Dann wurde sie ganz ernst. „Als du gestern gesagt hast das du nichts isst das auf zwei Beinen läuft, das hast du auch so gemeint, das war nicht nur ein Spruch?“
„Ja, das war mein ernst. Ich habe noch nie was gegessen das auf zwei Beinen lief, aber müssen wir da jetzt drüber sprechen? Ich würde lieber was anders machen.“ Ich sah sie schräg an und zuckte mit den Augenbrauen.
„Ich wollt es nur wissen und was würdest du jetzt lieber tun?“, fragte sie gespielt ahnungslos.
Ich beugte mich zu ihr und wir knutschten hemmungslos. Doch dann wurde das Feuer in meiner Kehle so unerträglich, das ich mich abrupt von ihr abwenden musste. Ich starrte aus dem Seitenfenster und versuchte mich zu beruhigen.
„Was ist?“, fragte sie irritiert. Doch ich konnte ihr nicht antworten. Ich war noch zu aufgewühlt und hob nur abwehrend die Hand, ohne sie anzusehen.
Nach fünf Minuten hatte ich mich wieder im Griff und drehte mich mit zerknirschtem Gesicht zu ihr. „Es tut mir leid, ich hab fast die Kontrolle verloren. Das ist alles so ungewohnt für mich.“
„Es muss dir nicht leid tun, wir kriegen das schon hin. Darf ich?“, dann kuschelte sie sich unter meinem Arm. Für den Rest der Fahr zum Hotel schwiegen wir, nicht weil wir uns nichts zu sagen hatten, nein. Wir wollten nur die Nähe des anderen genießen, ohne sie durch Worte zu stören. Zurück im Hotel machte sie sich bettfertig und ich legte mich zu ihr. Wie in der letzten Nacht schlief sie wieder auf meiner Brust ein. Die Nacht verlief ruhig und ich überlegte wie ich meiner Familie die ganze Situation erklären sollte. Marie würde es hoffentlich verstehen und Eddie würde wohl nach einigem Gezeder Marie zuliebe sich, wenn auch nicht begeistert, damit abfinden. Das hoffte ich zumindest.
Am nächsten Morgen hatte sie ein ausgiebiges französisches Frühstück, der Geruch von Milchkaffee, Corsons, Butter und Marmelade war doch viel angenehmer als ihr übliches Müsli. Ein bleierner grauer Himmel empfing uns, als wir den Wagen zum Flugfeld nahmen, Gott sei dank war die Wetterlage beständig. Der Rückflug war trotz einiger leichter Turbulenzen ereignislos. Sie sah zum Fenster raus und hing ihren Gedanken nach, aber sie schienen nicht unangenehmen zu sein, da ein kleines Lächeln stetig ihren Mund umspielte. Zurück in Hanover meldete ich mich im Tower zurück und legte den Schlüssel für das Flugzeug in Toms Fach. Gemeinsam gingen wir zum Auto und ich verstaute unsere Taschen im Kofferraum. Als ich ihr den Schlüssel in die Hand drückte und ihr die Fahrertür aufhielt, verdrehte sie nur die Augen protestierte aber nicht. Diesmal hatte sie den Wagen schon besser im Griff und als ich auf dem kurzen Stück Highway zwischen Hanover und Dartmouth beiläufig auf den Tacho sah, standen da doch tatsächlich 80 Meilen. Wie lustig bei mir regt sie sich auf und jetzt ‚raste’ sie selber. Ich sah zu Seitenfenster raus damit sie mein Grinsen nicht mitbekam. Als wir vor ihrem Wohnheim parkten machte sie das Auto aus und zog mit einem breiten Grinsen den Schlüssel aus dem Schloss.
„Gar nicht mal so übel.“, murmelte sie vor sich hin.
„Ich weiß.“, antwortete ich leise lachend. „Hattest du denn keine Angst um deinen Führerschein?“
„Nein, wieso?“, fragte sie überrascht.
„Na, eben auf dem Highway bist du 80 gefahren, aber bei mir regst du dich auf wenn ich 75 drauf habe.“
„Was 80?“, fragte sie entsetzt. „Das hat sich aber angefühlt wie 60. Das ist ein Höllengerät, damit wäre ich meinen Führerschein wohl schnell los. Ich hab die Geschwindigkeit fast gar nicht gespürt.“
Ich lachte noch einmal und schüttelte de Kopf. „Komm las uns rauf gehen.“
Als ich unsere Taschen zum Wohnheim trug, ließ mich eine Stimme aufstöhnen. Muss dieses Weib denn unbedingt so neugierig sein? Genervt sah ich zum dritten Stock, wo April schnell vom Fenster zurück trat.
„Was ist denn?“, fragte Sandy der mein Stöhnen und mein Blick nach oben nicht entgangen waren.
„April.“, antwortete ich genervt.
„War sie wieder neugierig, ich wette das ganze Haus weiß schon bescheid, das ich die ganze Nacht nicht da war. Ach, was soll’s.“ Mit diesen Worten stellte sie sich auf der Treppe zum Eingang vor mich. Sie stand eine Stufe höher als ich und so waren wir auf Augenhöhe. Frech grinste sie mich an und dann küsste sie mich leidenschaftlich. Ich ließ die Taschen fallen und zog sie eng an mich ran. Nachdem Kuss strahlte sie glücklich und flüsterte. „Jetzt haben sie wenigstens was zum Tratschen.“
Ich sah mich um, mindestens 10 Personen hatten uns beobachtet, wenn bis jetzt noch Unklarheiten herrschten, waren sie nun wohl ausgeräumt.
„Möchtest du das hier noch vertiefen oder können wir jetzt rauf gehen?“ Ich grinste sie herausfordernd an und sie gab mir schnell noch einen kurzen Kuss.
„Ich glaube wir können jetzt gehen.“
Ich folgte ihr zu ihrem Zimmer. Als wir es betraten verschwand sie im Bad, ich stellte unsere Tasche aufs Bett und setzte mich aufs Sofa um auf sie zu warten. Als ich ihre Bücher sah fiel mir ein das ich noch was vergessen hatte. Also stand ich auf um das Buch das ich aus meiner Bibliothek mitgenommen hatte aus der Tasche zu holen. Ich legte es auf ihren Schreibtisch und setzte mich wieder hin. Als sie aus dem Bad kam setzte sie sich zu mir. Sie nahm meine Hand und sah mir tief in die Augen. „Danke!“, hauchte sie mir entgegen.
„Wofür?“
„Für das wundervollste Wochenende in meinem Leben und dafür das es dich gibt.“
Ich zog sie ganz nah an mich ran. „Ich möchte dir auch danken, für dein Vertrauen, dein Verständnis und deine Geduld. Mit dir hab ich das Gefühl, das ich wieder Lebe und nicht nur Existiere. Danke.“


Zuletzt von IRABLOODLUST am Fr 18 Sep 2009, 21:43 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet

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8. Have Fun Teil 6

Beitrag  Gast am Sa 12 Sep 2009, 16:53

Sie wollte sich gerade vorbeugen als ihr Telefon klingelte. Eschrocken zuckte sie zusammen und sah wütend zu dem Apparat. „Die Dinger klingen auch immer im falschen Augenblick.“
Seufzend rappelte sie sich auf und schlurfte zum Telefon. „Ja, bitte?“
>>Ach Kind, warum rufst du denn nicht an? Ich hab dir schon viermal auf den Anrufbeantworter gesprochen. Ich dachte schon dir wäre was passiert. Du weißt doch das ich mir sorgen mache, wenn du dich nicht meldest. << , erklang die aufgeregte Stimme einer älteren Frau am anderen Ende der Leitung.
„Grany, du braucht dir doch keine Sorgen zu machen mir geht es gut, sogar sehr gut und auf den AB hab ich noch gar nicht geachtet.“
>>Wie du hast noch gar nicht auf deinen AB geschaut, ich versuch seit gestern Nachmittag dich zu erreichen und an dein Handy gehst du auch nicht. <<
„Ich war weg übers Wochenende, ganz spontan und mein Handy,“ , sie sah sich suchend im Raum um, „steckt immer noch im Lader wo ich es mal wieder vergessen habe.“
>>Du und dein Handy, wofür hab ich dir überhaupt eins gekauft wenn du es immer vergisst. <<
„Ja, aber du weißt ja wie das bei mir ist. Du Grany ich hab noch Besuch kann ich dich später anrufen?“
>>Besuch? Männlich oder weiblich? <<
„Grany!“, kreischte sie abwehrend ins Telefon.
>>Also ein Junge, doch nicht etwa?<<
„Doch.“
>>Und wie ist er? <<
„Müssen wir da jetzt drüber reden?“
>>Nein, du hast recht. Ruf mich an wenn du allein bist. Nur eins, bist du glücklich?<<
Sie richtet ihren Blick auf mich und strahlte.
„Ja, sehr. Ich ruf dich später an.“
>>Dann bis später. <<
Sie legte auf und drehte ihren Bürostuhl zum Schreibtisch. Dort deute sie auf das Buch das ihr hingelegt hatte. „Was ist das?“
„Ein Buch.“, antwortete ich beiläufig.
„Das sehe ich selber.“, sagte sie und schlug es auf. Laut las sie die erste Seite. „Heilkunst der nordamerikanischen Ureinwohner von Dr. med. Johnatan Neal. Boston 1874“ Vorsichtig blätterte durch das Buch.
„Wem gehört dieses Buch?“, fragte sie während sie weiter blätterte.
„Dir.“
Sie blickte von dem Buch auf und sah mich fassungslos an. „Wie…mir. Du…Nein, das ist viel zu kostbar.“, stammelte sie.
„Stimmt, es ist viel zu kostbar um in meiner Bibliothek zu verstauben, das sollte jemand besitzen, der auch wirklich was damit anzufangen weiß.“
„Du bist Verrückt.“, sagte sie leise.
„Ja, nach dir.“
Sanft klappte sie das Buch zu und fiel mir um den Hals. „Womit hab ich das Verdient, wo warst du nur all die Jahre?“
„Ich war meistens in Kanada und habe ohne es zu wissen auf dich gewartet. Du veränderst alles und das ist gut so.“ Ich strich ihr Haar zurück und küsste sie auf die Stirn. Ja, sie veränderte wirklich alles. Mein Leben stand Kopf und ich war darüber glücklich. Alles, war so klar. Ich war mir so sicher wie noch nie zuvor, dabei war ich mir am Freitag noch nicht mal sicher was ich für sie empfand und jetzt, ich konnte mir eine Existent, ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen.
„Du veränderst auch alles. Bleibst du heute hier?“, sie sah mich flehend an.
Ich seufzte. „Ich würde ja gern, aber ich muss mit Marie und Eddie reden. Unsere Beziehung verändert auch ihr Leben und außerdem müssen wir besprechen was wir wegen Robbert unternehmen.“
„Schade, aber du hast recht du solltest mit ihnen reden, ich weiß wohl schon zuviel über sie. Wie werden sie es aufnehmen?“
„Ich weiß nicht, aber Marie mag dich und Eddie tut alles für sie. Sie werden wohl murren aber am ende werden sie sich schon damit anfreunden. Das wird schon gut gehen.“, versuchte ich sie zu überzeugen.
„Das es gut gehen wird weiß ich, das ist nicht die Frage, dafür hab ich uns vier schon zu oft zusammen gesehen. Die Frage ist nur wie lange sie brauchen werden um es zu akzeptieren.“
Sie und ihre Gabe. Eigentlich dürfte mich nichts mehr erschüttern, in meiner Welt gab es soviel unglaubliches, aber jemand der tatsächlich die Zukunft sehen kann, das hatte ich noch nie gesehen. Auf der einen Seite war ihre Gabe sehr nützlich, aber auf der anderen Seite kam ich mir so hilflos vor. Wenn alles schon vorbestimmt war, was zählte dann noch mein freier Wille? War ich nur Passagier und was auch immer ich tat hatte keinen Einfluss auf die Zukunft. Das wollte ich nicht glauben, aber trotzdem machte mir die Vorstellung, das es doch so sein könnte Angst.
„Ich hoffe es dauert nicht solange.“ Ich sah auf die Uhr es war schon nach Acht, ich sollte so langsam aufbrechen. „Ich sollte mal so langsam los.“
„Musst du wirklich schon weg?“
„Ja, und du musst noch deine Grany anrufen. Sie ist bestimmt neugierig wie ich den so bin, aber denk daran was wir vereinbart haben. Dabei geht es nicht nur um die Sicherheit meiner Familie.“, erinnerte ich sie.
„Ich weiß, aber wir sehen uns Morgen.“
„Ja, spätestens in der Mensa und auch noch abends wenn du möchtest.“
„Klar möchte ich.“
Ich stand auf und nahm meine Sachen. An der Tür zog ich sie noch mal an mich. „Ich sag dir jetzt nicht gute Nacht, ich melde mich noch mal wenn du ins Bett gehst. Wir sehen uns Morgen.“
„Ja, bis Morgen.“
Wir küssten uns noch mal zum abschied, dann ging ich zu meinem Auto und fuhr nach Hause.
Auf der Heimfahrt dachte ich noch mal über das vergangene Wochenende nach. Seit Freitag hatte sich soviel verändert und alles war so leicht gewesen, hoffentlich würde sich das jetzt nicht ändern.

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9. Teil unserer Familie Teil 1

Beitrag  Gast am Fr 18 Sep 2009, 21:39

9. Teil unserer Familie

Ich trat auf den Kiesweg vor unserer Garage und blickte in den Nachthimmel. Die Wolken waren aufgerissen und der Vollmond beleuchtete alles mit seinem matten silbrigen Glanz. Wie immer in solchen Nächten sah ich gen Norden und suchte meinen Lieblingsstern. Hell und fest verankert leuchtet sein Licht, wie immer schenkte er mir Ruhe und Gewissheit. Gewissheit auf ein Morgen, egal was auch geschehen er würde, er würde beständig an seinem Platz stehen, unverrückbar.
„Betrachtest du wieder den Nordstern.“, erklang Maries helle Stimme.
Ich drehte mich in die Richtung aus der ihre Stimme kam und erspähte sie auf ihrem Lieblingsplatz. Sie saß mit angezogenen Beinen auf dem Dachfirst und sah zu mir herunter. Dort war sie immer wenn sie für sich sein wollte, doch heute hatte sie offensichtlich auf mich gewartet. Sie klopfte auf den Platz neben sich und sah wieder zum Mond. Mit einem Satz sprang ich aufs Dach und setzte mich zu ihr. Über eine Stunde saßen wir wortlos nebeneinander und betrachteten den Himmel, sie den Mond und ich den Nordstern. Dann legte sie den Kopf an meine Schulter und zog geräuschvoll Luft durch die Nase ein.
„Du riechst nach Mensch.“, stellte sie emotionslos fest und ich war mir nicht sicher, ob sie mich mit ihren Worten tadeln wollte oder ob es nur eine Aufforderung war endlich zu reden.
„Wie war euer Wochenende und wie geht es Claire und Stuart?“, begann ich das Gespräch mit dem einfachsten Thema, in der Hoffnung das sie viel spaß hatten und so milde gestimmt waren.
„Das Wochenende war OK, wir hatten viel Spaß, aber wir haben dich alle vermisst. Besonders Claire war sehr enttäuscht, das du dich nicht hast blicken lassen, aber darüber wollte ich nicht mit dir reden. Was läuft da zwischen dir und diesem Mädchen?“, fragte sie scharf und direkt.
„Nenn sie nicht dieses Mädchen, sie hat einen Namen, du kennst ihn, benutz ihn auch.“, antwortete ich genauso scharf.
„Also gut,“, grummelte sie, „was läuft da zwischen dir und Sandy?“
„Wir nähern uns einander an.“
„Was soll das jetzt heißen?“
„Das heißt… das wir… oh man, das ist schwere zu erklären. Ich liebe sie und ich glaub das sie mich auch liebt.“, flüsterte ich.
„Du liebst sie und sie liebt dich auch, wie? Ich mein am Freitag wusstest du noch nicht was du für sie empfindest und nun das. Was ist geschehen?“ Eindringlich sah sie mich an. Die Lippen zu einem Strich gepresst und die Augenbrauen hochgezogen, trommelte sie ungeduldig mit den Fingern auf den Dachziegeln.
„Als ich am Freitag in der Mensa auf sie wartete,“, fing ich an und dann erzählte ich was am Freitag alles passiert war. Die Sache mit Nancy, der blutige Zwischenfall in der Mensa, das sie mich danach beruhigt hat, das wir essen waren und uns danach unterhalten haben. Nur das mit unseren Gaben, was sie wusste und unsere Vereinbarung erwähnte ich nicht.
„Und dann bist du über Nacht geblieben. Was ist dann passiert?“, fragte sie jetzt neugierig.
Ich erzählte ihr vom Samstag, vom Frühstück, als ich den ersten Kuss erwähnte riss sie die Augen auf und sah mich entsetzt an, sagte aber nichts. Also sprach ich weiter, von unserer Reise nach Montreal, vom Konzert und der Party. Als ich die Möchtegern Vampire und das ganze drum herum erwähnte lachte sie so ausgiebig und hemmungslos, das ich angst hatte sie fällt gleich vom Dach, was sie natürlich nicht tat. Dann erzählte ich ihr noch von heute und nachdem ich geendet hatte sah ich sie erwartungsvoll an.
„Das wird schwierig und sie hat nichts gemerkt, wo ihr euch doch geküsst habt und so? Ihr ist doch bestimmt was aufgefallen.“ Sie war besorgt, das konnte man ihr ansehen.
„Nun, sie hat so einiges bemerkt.“, druckste ich rum. „Meine Körpertemperatur, das mit unseren Augen, das ich hart wie Stein bin, die Kriegsnarben, das ich nicht esse oder trinke und mich manchmal zu schnell bewege.“
Bei jedem Punkt den ich aufzählte wurden ihre Augen größer und blankes entsetzen spiegelte sich in ihnen. Ihre Hände zitterten vor Erregung und ein Ziegel zerbröselte als sie wieder auf ihm rum trommelte.
„Sie weiß zuviel, das ist nicht gut, das ist nicht gut.“, sagte sie panisch.
„Sie wird nichts sagen.“, stellte ich bestimmt fest, davon war ich felsenfest überzeugt.
„Wie kannst du dir da sicher sein?“, fragte sie skeptisch.
„Sie hat es mir versprochen.“
„Einfach so, das kann ich nicht glauben.“
„Nicht einfach so. Ich hab ihr im Gegenzug versprochen, das ich ihr ALLES erkläre und damit meine ich wirklich alles, die ganze Wahrheit.“
Ich sah sie prüfend an. Sie war mehr als nervös und jedem anderen hätte sie jetzt in die Fresse geschlagen.
Wütend fuhr sie mich an. „Das ist nicht dein Ernst. Das kannst du nicht machen. Du darfst ihr nicht sagen das wir Vampire sind, das ist ein Verstoß gegen die Regeln. Du bringst uns alle in Schwierigkeiten.“
„Sie ahnt es, nein sie weiß es schon seit langem. Sie wusste es schon bevor wir sie getroffen haben. Sie spricht es nur nicht aus, weil sie weiß das ich noch nicht bereit bin darüber zu sprechen.“, versuchte ich sie zu beruhigen.
„Wie das, hatte sie schon mal mit Vampiren zu tun?“, fragte sie ungläubig.
„Nein, soweit ich weiß sind wir die ersten, aber sie hat eine Gabe, daher weiß sie es.“
„Eine Gabe, was für eine?“
„Das wird sie dir irgendwann selber sagen, aber es ist sehr beeindruckend und ich weiß es schon seit wir sie zum ersten Mal gesehen haben.“
„Du weißt das schon so lange. Warum hast du nie was gesagt.“, warf sie mir keifend vor.
„Weil wir eigentlich hätten verschwinden müssen, aber ich konnte schon damals nicht gehen. Erinnerst du dich noch an den Montag, wo du sie mit an unseren Tisch brachtest und an den Zeitungsartikel?“
„Irgendwas von einem Footballspieler der von einem Dach gefallen war, oder?“
„Ja Dave, nur das er nicht vom Dach gefallen ist.“
„So stand es aber damals in der Zeitung.“
„Ja, weil ich gut war.“, ich grinste selbstgefällig. “Ihr wart doch damals auf der Party und du hattest sie doch auf einer anderen gesehen. Nachdem ich mit dir gesprochen hatte, war ich neugierig und hab sie gesucht. Als ich sie gefunden hatte, sah ich wie Dave ihr KO-Tropfen ins Bier geschüttet hat. Eh ich überhaupt nachdenken konnte saß ich in meinem Auto und war unterwegs um einzugreifen. Du weißt, das es nicht meine Art ist mich in Menschensachen einzumischen, aber hier konnte ich nicht anders. Schon damals bestand diese Bindung zwischen uns, die ich einfach nicht erklären kann, aber darüber reden wir gleich. Nachdem ich sie nach Hause gebracht hatte, hab ich mir erst ein Alibi und dann Drogen besorgt. Danach bin ich zu Dave hab die Drogen bei ihm deponiert und dann hab ich ihm bestraft, ach und das die Bullen ihn gefunden und die Drogen gefunden haben, dafür hab ich auch gesorgt. Keine Angst der sagt nichts, der ist froh das er noch lebt und mich nie wieder sehen muss.“, vor meinem inneren Auge sah ich noch mal sein angstverzerrtes Gesicht und Lachte bitter. „Seitdem hab ich ein sehr ausgeprägtes Bedürfnis sie zu Beschützen, das geht soweit das ich sie die ganze Zeit im Auge behalte. Rund um die Uhr.“
Sie hatte mir aufmerksam zugehört, das Trommeln ihrer Finger wurde immer schneller.
„Rund um die Uhr, wie? Ich dachte immer das wäre zu anstrengend und was meinst du mit Bindung?“, fragte sie verblüfft.
„Meine Gabe verändert sich, sie ist stärker geworden, zumindest wenn ich sie bei ihr einsetze, sie zu beobachten streng mich überhaupt nicht an, nur wenn ich ganz genau zuhöre bin ich etwas abwesend, aber das ist nicht alles. In gewissen Situationen kann sie mich hören, obwohl ich nicht in ihren Geist eingedrungen bin und gestern… bin ich in ihren Geist eingedrungen. So was hab ich noch nie erlebt. Ich hab dir das mit der Wand ja schon mal erklärt, jeder hat sie, dachte ich zumindest, aber bei ihr da war nichts, kein Widerstand, gar nichts, es ist so als ob meine Gabe perfekt auf ihren Geist geeicht ist. Jetzt z.B. beobachte ich sie nicht und trotzdem weiß ich ganz genau wie weit sie von mir weg ist und in welche Richtung ich gehen muss, das kann ich eigentlich gar nicht.“, erklärte ich ihr ruhig. Während ich sprach wurde das Trommeln erst langsamer, um dann ganz aufzuhören, am Ende sah sie mich mit weit aufgerissenem Mund an. Unfähig zu sprechen starrte sie mich an, sie verstand nicht wie das möglich sein konnte, aber wie sollte sie auch, es war ja meine Gabe und ich verstand es auch nicht.
„Meinst es hat was mit ihrer Gabe zu tun?“
„Ich denke nicht, ihre Gabe ist ganz anders als meine.“
„Mhmm, dann kann ich es mir auch nicht erklären. Eins interessiert mich aber brennend. Wie ist das so, ich mein wie fühlt es sich an einen Menschen zu küssen?“
Ich sah hinauf zu den Sternen und dachte über ihre Frage nach. Wie war es sie zu küssen? Schön. Sehr schön traf es nicht annähernd. Als ich an sie dachte zauberte sich ein glückliches Lächeln meine Züge. Sie war so weich und warm, ihre Berührungen waren so zart und dann das Pulsieren in ihren Lippen wenn sie sich auf meine drückten. Wie sollte ich das nur erklären, wie sollte ich diesen Rausch erklären den jede ihrer Berührungen in mir entfachte. Doch da war auch die andere Seite und selbst jetzt wo ich nur an das Schöne dachte, erinnerte mich mein Köper daran, das ich nicht wie sie war. Das da in mir dieser Dämon, diese Monster war, das nach ihrem Blut lechzte. Was würde ich nur dafür geben ein ganz normaler Mensch zu sein? Alles! Doch ich war in dieser Existenz gefangen und aus ihr gab es kein entkommen, nur den endgültigen Tot.
„Überwältigend.“, antwortete ich letztendlich. „Es ist wie ein Rausch. Sie ist so weich und warm und ihr Geschmack, so schön Salzig, dann das Pulsieren wenn sich unsere Lippen treffen, das kann ich gar nicht beschreiben. Ich kenne nur ein Gefühl das stärker ist als dieses Feuerwerk.“ Ja, wenn man die Zähne in sein Opfer schlägt und sein Blut trinkt, fügte ich im Gedanken hinzu.
Sie legte ihre Hand auf meinen Arm, wie unterschiedlich ihre Berührungen doch waren. Sandys Berührung war die einer Feder, zart und weich, aber voll intensiver Wärme und wenn sie mich streichelte war es wie ein Lufthauch oder besser wie ein Saharawind. Marie war zwar nicht weniger sanft, aber ihrer Berührung war natürlicher, kräftiger und durchdringender und auch wenn ihre Haut für mich nicht kalt war, so fehlte ihr doch diese angenehme Wärme.
„Macht sie dir den keinen Durst?“ Alles an ihr strahlte Besorgnis aus, das war nicht mehr das wütende Mädchen von vorhin, das war wieder meine geliebte Tochter, der verbindende Pol in unserer kleinen Gemeinschaft.
„Doch sie macht mir Durst, vor allem wenn sie so stürmisch ist und mich fast anspringt, aber ich hab das unter Kontrolle.“ Hoffte ich zumindest, aber machte ich mir da nichts vor? Doch Sandy war sich so sicher und das nahm mir die letzten Hemmungen. „Das ist noch so eine Sache, der Klang ihres Herzens. Normalerweise müsste er ja den Durst anheizen, aber nicht ihrer. Ihr Herzschlag hat so was angenehm beruhigendes, das ist unvorstellbar.“
„Was hat sie nur mit dir gemacht?“, kicherte Marie. „Wo ist unser Bruce? Der ewig ernste, grübelnde, oft melancholische Bruce. Dich kenn ich nicht. Du bist viel zu heiter, du strahlst ja richtig und in deiner Stimme liegt soviel wärme, wenn du von ihr sprichst. Sie tut dir offensichtlich gut und ich mag sie ja auch. Ich werde euch nicht im weg stehen, auch wenn ich die Gefahr nicht übersehen kann. Denk immer daran sie ist nur ein Mensch. Doch…“ Sie ließ ihren Kopf zwischen den Schultern hängen und starrte nach unten. Eine gefühlte Ewigkeit später hob sie wieder ihren Kopf und sah mich bekümmert an. „Ich habe Angst. Sie ist ein Mensch und sie weiß zuviel, wenn das rauskommt. Du kennst die Konsequenzen.“

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9. Teil unserer Familie Teil 2

Beitrag  Gast am Fr 18 Sep 2009, 21:41

Ich wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als mich das Klappern von Dachziegeln, am anderen Ende des Daches, aufsehen ließ. Eddie stürmte den First entlang und blieb vor Marie stehen. Seine rabenschwarzen Haare fielen ihm in Strähnen ins Gesicht, als er Marie an seine breite Brust zog. Eddie war mit sein 1,75 gut 10 cm kleiner als ich, doch seine breiten Schultern glichen das mehr als aus.
Sanft strich er ihr übers Haar und sah sie besorgt an. „Wer weiß zuviel? Sag es mir.“, fragte er sie eindringlich.
„Sandy, sie weiß was wir sind.“, antwortete Marie sofort.
„Keine Angst, Schatz. Ich kümmere mich darum.“ Er war eiskalt und entschlossen, wenn Gefahr für Marie bestand kannte er kein zögern.
‚Ich kümmere mich darum.’, halte es immer wieder durch meinen Kopf, wenn er so sprach bedeutete das nichts Gutes. Was hatte er nur vor? Mein Gesicht fror zu einer Maske.
„Was hast du vor?“, kam mir Marie mit ihrer Frage zuvor.
„Was wohl, ich werde das Problem beseitigen. Ein Treppensturz oder sie läuft vor ein Auto, so was halt. Menschen haben Un.“
Weiter kam er nicht. Als ich hörte wie er ihr ableben plante, schrie alles in mir auf. Das konnte und würde ich nicht zulassen. Der Instinkt sie zu Schützen gewann die Oberhand. Ein wütendes Knurren drang aus meiner Kehle und im selben Moment hockte ich mit gebleckten Zähnen in Angriffshaltung vor ihm.
Einige Ziegel, die sich durch mein wütendes Aufspringen gelöst hatten, rutschten scheppernd das Dach herunter, um mit lautem Klirren auf dem Boden zu zerschellen. Angespannt suchte Eddie die Umgebung nach einer vermeintlichen Bedrohung ab. Er hatte noch nicht verstanden das meine Angriffhaltung ihm und nicht irgendjemand anderen galt.
„DU WIRST IHR NICHTS TUN!“, zischte ich, während ich in gebückter Haltung auf ihn zu ging.
Augenblicklich wirbelte er Marie hinter sich und stand in Abwehrhaltung vor ihr, als wenn ich ihr je was tun würde. Finster sah er mich an.
„Das geht jetzt zu weit Bruce. Deine Menschenliebe in allen ehren, aber sie muss ausgeschaltet werden. Ich muss Marie schützen, du hast ja niemanden für den du so empfindest, das kannst du gar nicht beurteile.“ Brüllte er so laut das es über das ganze Grundstück halte.
„Du.“, schrie ich wutentbrannt und wollte mich gerade auf ihn stürzen als Marie mit einem Satz zwischen uns landete. Erneut rutschten Ziegel das Dach herunter. Sie hatte die Arme in beide Richtungen ausgestreckt und sah von einem zum anderen.
„Jungs, beruhigt euch.“, dann sah sie zu mir. „Er weiß es noch nicht.“
„Du hast es ihm nicht gesagt?“, fragte ich überrascht.
„Was hast du mir noch nicht gesagt?“, zischte Eddie.
Marie seufzte, dann nahm sie einen tiefen Atemzug und wand sich zu Eddie.
„Ed,“, sprach sie ihn sanft an, „du wirst ihr nichts tun, nie. Du wirst sie sogar beschützen wenn ihr Gefahr droht.“
Skeptisch sah er sie an. „Wieso sollte ich das machen, was geht sie mich an.“
„Weil wir das so machen, wir passen auf einander auf und sie ist jetzt ein Teil unserer Familie.“
„Wie das?“ Er sah von ihr zu mir und dann wieder zu ihr.
„Sie ist ein Teil unserer Familie, weil sie mit Bruce zusammen ist.“ Mühsam bahnten sich die Worte den weg über ihre Lippen, als könnte sie selbst noch nicht den Sinn dahinter verstehen. Eddie machte einen Schritt nach hinten, ungläubig sah er zwischen uns hin und her, während sein Verstand das gerade gehörte verarbeitete.
Dann Lachte er lauft auf und zweigte auf mich. „Bruce, das kann nicht dein Ernst sein, mit einem Menschen. Jetzt drehst du wohl total durch. Gibt’s denn nicht genug schöne Vampirfrauen, muss es denn unbedingt die sein?“
„Ja, es muss Sandy sein, darüber diskutier ich nicht, finde dich damit ab.“ Meine Wut war noch nicht abgeflacht, aber da für sie keine Bedrohung mehr bestand gab ich meine Angriffshaltung auf.
„Oh, ich soll mich damit abfinden das du uns alle in Gefahr bringst, sehr nett.“, antwortete er sarkastisch.
„Ed, er liebt sie. Da kann man nichts machen und du weißt doch wie das ist, man kann sich nicht aussuchen wenn man liebt. Sie tut ihm gut und hat er denn nicht verdient glücklich zu sein? Außerdem ich mag sie auch!“, redete sie auf ihn ein.
Resigniert hob er die Hände. „Ich sehe schon, ihr zwei seit euch einig. Also gut. Von mir aus. Werde glücklich mit ihr, aber kommt nicht an wenn das schief geht.“
Schwer ließ er sich auf den Dachfirst fallen und sah verärgert in den Himmel. Marie setzte sich zu ihm und spielte mit seinen Haaren. „Sei doch nicht so, es gibt Dinge an denen können wir nichts ändern und du wirst sie auch mögen, endlich sind wir vollständig.“
Als sie vollständig sagte bildete sich ein fetter Kloß in meiner Kehle. Nein wir waren nicht vollständig, nicht solange Lucie nicht bei uns war.
Ich setzte mich und sah wieder zum Nordstern. Geräuschvoll atmete ich aus. „Wir sind noch nicht vollständig!“
„Wie?“, fragten beide wie aus einem Mund.
„Ihr habt noch eine Schwester. Lucie.“, antwortete ich zögerlich.
„Wir haben noch eine Schwester, seit wann?“ Marie hatte wieder das Wort an sich gerissen und beide sahen mich gespannt an.
„Ja, ihr habt noch eine kleine Schwester. Ich habe sie Jahre vor euch verwandelt und ich glaube sie wird in den nächsten Jahren wieder zu mir, zu uns stoßen.“
„Du hast sie nie erwähnt, warum nicht?“, stellte Eddie fest.
„Weil die Erinnerung an sie sehr schmerzhaft ist. Als ich sie damals verwandelt habe, da wusste ich noch nicht was ich tat. Ich war ja selbst noch sehr jung, nicht viel älter als ihr jetzt und ich hab viele Fehler gemacht.“
„Was ist geschehen, kannst du das etwas genauer erklären?“, fragte Marie sanft.
Ich nickte, aber bevor ich antwortete zog ich meinen Pullover und mein T-Shirt aus. Mit nacktem Oberköper saß ich da und dutzende Kriegsnarben funkelten im silbrigen Licht des Mondes. Ganz im Gedanken fuhr ich die Bissspuren ab, dann blickte ich in zu ihnen. Neugierig sahen sie mich an und warteten auf eine Erklärung für meine Handeln.
„Ihr wollte doch immer wissen, woher ich all diese Narben habe, das ist ein Teil meiner Geschichte mit Lucie…“ Ich erzählte ihnen alles, wie ich sie fand und verwandelte, das ich sie nicht an unsere Art zu leben gewöhnen konnte, unser Leben als Nomaden, unser Treffen mit Eric und Jim, wie wir Teil ihres Kriegerclans wurden, alle die vielen Kämpfe im Süden, deren Spuren für immer meinen Körper zeichnen werden und wie ich sie damals verlassen habe. Aufmerksam ohne eine Gefühlsregung zu zeigen hörten sie mir bis zum ende zu.
„Wie ist sie denn so? Ich meine außer das sie gern Kämpft und Menschen aussaugt.“ Echte Neugier sprach aus Eddie, man merkte ihm an das er sich auf seine neue Schwester freute.
„Wie ist sie? Gute Frage. Mal lieb, einfühlsam, verständnisvoll und herzensgut und ein andermal ist sie dickköpfig, zickig, alles muss nach ihrem Willen gehen sonst ist sie eingeschnappt. Sie ist halt ein richtiger Teenager, sie war ja erst 16 als ich sie verwandelt habe. Aber eins ist sie immer loyal, wenn sie dich mag, dann hält sie zu dir und das sie damals in New Orleans geblieben ist, war ihre freie Entscheidung, wenn ich darauf bestanden hätte wäre sie mir wohl gefolgt, aber ich wollte sie nicht zwingen.“
„Du glaubst wirklich das sie zu uns kommt und so lebt wie wir? Das wäre ja so toll. Dann wären wir Frauen endlich in der Überzahl und ich hätte zwei Schwestern die mit mir shopen gehen, ohne ständig zu murren wie ihr zwei.“ Jubelte Marie und führte ein kleines Freudentänzchen auf, fehlte nur noch das sie eine Fahne mit Frauenpower hießt. Eddie und ich grinsten uns an, auch wenn wir uns am heutigen Abend nicht über alles einig waren, aber die Vorstellung von diesen elende nicht enden Einkaufsturen, von Boutique zu Boutique, von Schuhgeschäft zu Schuhgeschäft, zwischendurch noch ein Juwelier, ein Geschäft für Accessoires oder ein Laden für schöner Wohnen, verschont zu werden, hatte was erleichterndes. Wir würden die Zeit schon rum bekommen, es gab noch so viele Schrottplätze, Autohändler, Bau- und Elektronikmärkte in denen wir zwei noch nicht waren.
„Schön das ihr euch freut, aber es ist noch nicht klar wann sie zurück kommt, nur das.“, versuchte ich sie zu bremsen.
„Woher willst du das wissen?“ Begierig sah Eddie mich an und liebkoste den Nacken von Marie.

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9. Teil unserer Familie Teil 3

Beitrag  Gast am Fr 18 Sep 2009, 21:42

„Das wirst du schon noch erfahren, aber nicht heute.“, wehrte ich seine frage ab. „Es gibt noch ein Problem das wir besprechen müssen. Robert Lee!“
Jetzt hatte ich die Aufmerksamkeit von beiden.
„Robert Lee, was ist mit ihm?“
„Weiß er etwa auch bescheid?“ , sprachen sie aufgeregt durcheinander.
„Nein, er weiß nicht bescheid, denke ich mal, aber ist euch denn nichts an ihm aufgefallen?“
„Er riecht immer leicht nach Vampir, aber da ist noch ein anderer Geruch.“, antwortete Eddie. „Nicht der Menschliche, da ist noch was anderes an ihm das ich nicht einordnen kann. Nicht ganz so süßlich wie Vampirgeruch, aber eindeutig nicht menschlich.“ Erstaunt zog ich eine Augenbraue hoch, ja ich hatte es auch gerochen, doch nicht so genau beachtet. Ich dachte immer das dieser Geruch eine Mischung aus Mensch, Vampir und Parfüm war, aber jetzt da Eddie es bemerkte. Ja, er hatte recht da war noch was anderes, vollkommen unbekanntes.
„Nicht nur das.“, beteiligte sich Marie. „Seine Körpertemperatur ist immer viel zu hoch und sein Herz schlägt viel zu schnell, so als hätte er immer gerade einen Sprint hinter sich und was seinen Geruch angeht. Er macht mir nie Durst, nicht das er unangenehm wäre, aber trinken würde ich von ihm nie, als wäre sein Geruch ein natürlicher Abwehrmechanismus gegen Vampire.“
Noch so ein Punkt den ich noch nicht auf meiner Rechnung hatte, eine natürliche Abwehr. Ja, klar. Die Natur ging manchmal solche Wege. Nicht das wir ihn nicht töten könnten, aber trinken, nie und ich glaube auch kein anderer Vampir würde das je freiwillig tun.
„Als ich ihm am ersten Tag die Hand gab, da hat er sich nicht über meine kalte Haut gewundert. Keine Reaktion, kein Zucken, keine verwunderte Frage, nichts. Als wäre das für ihn ganz normal und dann sein Händedruck, viel zu stark für einen Menschen seiner Größe. Doch was am Freitag passiert ist, daß war das seltsamste überhaupt. Am Freitag gab es ja diesen Unfall in der Mensa.“ Marie nickte, aber Eddie sah mich fragend an, darum wand ich mich an ihn. „Ein Mädchen ist gefallen und hat sich die Nase gebrochen, sowie eine stark blutende Platzwunde am Kopf zugezogen. Keine fünf Meter von mir weg. War echt Lustig.“, bemerkte ich sarkastisch. „Aber zurück zu Robbert. Nachdem ich draußen war und Sandy mich beruhigt hatte, hab ich mich umgesehen. Robbert war auch an der frischen Luft und kämpfte um Selbstbeherrschung. Eigentlich ja nichts Ungewöhnliches, viele Menschen haben ein Problem mit Blut. Doch als sich unsere Blicke trafen, lag darin etwas das wir nur zu gut kennen. Verlangen. Das gleiche Verlangen, das jeder von uns in einer solchen Situation hätte. Die Gier nach Blut. Das in seinen menschlichen Augen zu sehen. Nein, das konnte ich nicht glauben, aber je mehr ich darüber nachdenke desto sicherer bin ich mir. Das war Blutlust.“
Wir sahen uns gegenseitig an und dachten schweigend über das Gesagte nach. Was war er bloß? Er war kein Vampir, aber ein Mensch war er auch nicht. Doch was war er genau? Ein Werwolf, nein. Ich hatte ein Kind des Mondes einmal in Asien gesehen, der roch ganz anders und außerdem waren sie unberechenbar, viel zu instinktgesteuert. So jemand könnte sich nicht solange an einem Ort aufhalten, nicht ohne Tote. Gestalltwandler? Nein, auch die rochen ganz anders. Mit schrecken dachte ich an mein Erlebnis von vor zwanzig Jahren in Afrika zurück. Ich streifte damals durchs Buschland als mich ein äußerst unangenehmer Geruch in die Nase biss. Dann tauchten wie aus dem nichts zwei Buschmänner auf und funkelten mich hasserfüllt an. Man haben die gestunken, schlimmer als ein fünf Monate nicht ausgemisteter Löwenstall. Plötzlich gab es ein Reißen und anstatt der Buschmänner standen zwei pferdegroße Löwen vor mir und brüllten mich an. Es gab nicht viel das mir noch richtige Angst einjagen konnte, aber die Zwei. Panisch war ich davon gelaufen und die Löwen hinterher. Erst als ich in einem Fluss untertauchte, hatten sie die Verfolgung aufgegeben. Nein, denen möchte ich nie mehr begegnen. Das war er definitiv auch nicht, es sei denn ihr Geruch wäre von der Art ihrer Verwandlung abhängig. So kam ich einfach nicht weiter, ich wusste einfach nicht was er war und das war beunruhigend.
„Eins können wir wohl festhalten.“, unterbrach ich die Stille. „Er ist kein Mensch und wir wissen nicht ob er eine Gefahr ist oder seht ihr das anders?“
Beide schüttelten den Kopf. „Gut, was die Sache noch komplizierter macht ist das er mit April, einem Mädchen das bei Sandy auf dem Flur wohnt, ausgeht. Sollte der was passieren, könnte das zu Fragen führen.“ Beide nickten. Ich wand mich an Eddie. „Du wirst im Netz Nachforschungen anstellen, such nach allem, das die von uns festgestellten Dinge berücksichtigt und finde soviel wie möglich über Robbert Lee raus.“ Dann sah ich zu Marie. „Du nimmst Kontakt zu all unseren Bekannten auf. Du erklärst ihnen unseren Verdacht und stellst fest ob sie was wissen und ich werde Robbert im Auge behalten.“
„Ja, so machen wir’s.“, stimmte mir Marie zu und Eddie hinter ihr nickte nur. Wir blieben den Rest der Nacht auf dem Dach sitzen, sahen gen Himmel und hingen unseren Gedanken nach.
Gegen Fünf wurde ich unruhig, die Sehnsucht nach Sandy wurde unerträglich. Ich wollte. Nein, ich musste sie sehen sofort und nicht nur mit meiner Gabe, sondern richtig. Ich drehte mich zu Marie und Eddie, sie saßen eng umschlungen da. Marie richtete ihren Blick auf mich und Lächelte mich versonnen an. Ich Lächelte zurück und hielt ihr meine Hand hin die sie sofort ergriff.
„Ihr wisst das ich euch liebe. Ich wüsste niemanden, mit dem ich lieber diese Reise in die Ewigkeit machen würde. Es tut mir leid, dass ich unser Leben so kompliziert mache, aber ich liebe sie und ich kann nicht ohne sie. Ich danke euch für euer Verständnis.“, sagte ich leise mit sanfter Stimme.
Marie schnellte vor und umarmte mich. „Wir lieben dich auch und ich hoffe du wirst glücklich mit ihr.“
Eddies Hand landete krachend auf meiner Schulter. „Ich wüsste auch nicht, mit wem ich diese Reise lieber machen würde.“, dann schüttelte er heiter den Kopf und lachte herzlich. „Zwei neue Schwestern und eine davon ein Mensch, wir sind schon eine lustige Familie, aber was soll’s.“
Grinsend stand ich auf, wieder lösten sich ein paar Ziegel und schepperten zu Boden. Ich betrachtete den Flurschaden der letzten Nacht und musste lachen. „Das nächste Mal sollten wir solche Gespräche nicht hier oben führen.“ Ich nahm einen ganzen Ziegel und balancierte in auf einem Finger, bevor ich ihn in die Luft warf und wieder auffing. „Auf dem Rückweg besorg ich ein paar neue Ziegel und dann reparieren wir das Dach.“
„Wo willst du denn hin?“, fragte Marie neugierig.
„Schatz, wo wird er wohl hinwollen.“
„Oh ja, dann grüß sie von uns und bring sie doch mal mit her.“
„Mal sehen, bis später.“ Mit einem Salto rückwärts landete ich vor der Eingangstür. Ich ging ins Haus und zog mich noch um. Ich wollte sie sehen, jetzt und nicht erst heute Abend und sie würde eh gleich aufstehen und wenn ich sie zur Arbeit fuhr, sie nicht den Bus nehmen müsste, dann hätten wir auch etwas Zeit für uns.
Als ich zur Garage ging hörte ich Marie leise mit Eddie reden. „Ed, sie tut ihm gut. Sei nicht so. Du wirst sehen das klappt schon. Sei nett zu ihr. Mir zu liebe.“
„Ja, schon gut“, brummelte er.
Grinsend stieg ich in mein Auto und fuhr los.

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10. Freundinnen ? Teil 1

Beitrag  Gast am Di 22 Sep 2009, 20:23

10. Freundinnen ?

Es war kurz vor sechs als ich auf dem Campus ankam. Eine Straßenkehrmaschine fuhr langsam die Strasse entlang und mühte sich mit dem Herbstlaub der Alleebäume ab. Vereinzelte Menschen huschten über die Gehwege, manche waren auf dem Weg zu ihren Arbeitsplätzen, während die Partypeople nach einem langen Wochenende nur noch in ihr Bett wollten. Als ich vor ihrem Wohnheim aus dem Auto stieg herrschte eine angenehme Ruhe. Nur vereinzelt brannte Licht in den Fenstern und die allgemeine Kakophonie war noch nicht zum Leben erwacht. Ich sah zu ihrem Fenster und es war noch dunkel. Ich trat auf die Wiese und nach ein paar Metern verschmolz ich mit der Dunkelheit. Ich spähte ob mich auch niemand sah und sprang auf den Sims, der auf jedem Stockwerk das alte Backsteingebäude umgab. Es war kein Problem ihr Fenster zu öffnen, rein zu schlüpfen und es wieder zu schließen, ohne das es jemand auffiel. Lautlos ging ich zu ihrem Bett und setzte mich auf die Kante. Sie lag auf der Seite eine Hand unter dem Kissen die andere lag auf ihrer Brust. Gleichmäßig atmete sie ein und aus, aber ihr Herzschlag wurde schon kräftiger. In fünf Minuten würde sie aufwachen, präzise wie ein Uhrwerk wachte sie jeden Morgen fünf Minuten bevor ihr Wecker klingelte auf, ihre innere Uhr arbeitete bewundernswert genau. Ich streichelte ihr Gesicht und fuhr sanft die Konturen nach. Sie ergriff meine Hand, hielt sie weiter an ihr Gesicht und drehte sich auf den Rücken, dabei murmelte sie etwas Unverständliches. Sie war noch zwischen dem Hier und Morpheusreich gefangen. Nach weiteren zwei Minuten zog sie meine Hand zu ihrer Nase und schnupperte seufzend an ihr. Das sah so lustig aus, das ich kichern musste.
„Heute Morgen sind meine Träume aber sehr realistisch.“, murmelte sie diesmal deutlicher.
„Und wovon träumst du?“
„Wirklich, sehr realistisch, jetzt redet er auch mit mir. Hallo, bist du wieder in meinem Kopf?“
„Das ist nun wirklich nicht nötig, mach doch mal die Augen auf.“
„Ach nein, dann bist du ja wieder weg.“
„Na, deine Träume scheinen ja sehr lebhaft zu sein, wenn du glaubst du träumst noch.“
Widerwillig öffnete sie langsam die Augen. Es dauerte etwas bis sie sich an die Dunkelheit gewöhnt hatte. Ihre Hand tastete meinem Arm entlang und gelangte zu meinem Gesicht, ihre andere Hand suchte den Schalter ihrer Nachttischlampe und machte sie an. Erstaunt sah sie mich an, erst jetzt realisierte sie das ich kein Traum war, sonder wirklich da war.
„Wie kommst du hier rein?“, ungläubig runzelte sie die Stirn
„Durchs Fenster.“, und deute mit dem Kopf zu den Scheiben.
„Was? Wir sind hier im dritten Stock.“
„Ja und.“, schmunzelte ich während ich den Kopf schräg legte und mit den Schultern zuckte.
„Ach, was frag ich auch.“ Resigniert fiel ihre Hand auf die Bettdecke und sie sah zur Decke, was hatte sie nur? Ich dachte sie würde sich freuen mich zu sehen.
Ich drehte mich von ihr weg und sah zu Fenster raus. „Ich dachte du freust dich mich zu sehen, aber da lag ich wohl falsch.“, schmollte ich vor mich hin und überlegte ob ich wieder gehen sollte. Hatte ich denn alles falsch eingeschätzt, bedeutete ich ihr doch nichts? Der Zweifel nagte an mir und drohte mich zu zerreißen. Doch dann rappelte sie sich hoch und kniete sich neben mich. Hauchzart küsste sie mich auf die Wange und wuschelte durch meine Haare.
„Ich freu mich immer dich zu sehen! Wehe dir, du denkst noch einmal was anderes. Es ist nur so, du machst manchmal Sachen. He, wir sind hier im dritten Stock. Das ist alles ziemlich gewöhnungsbedürftig. Ich geh jetzt ins Bad und du bewegst dich nicht.“, flüsterte sie mir ins Ohr und stand auf.
„Ja, Ma’am.“, antwortete ich noch und wurde zu einer Statur.
Als sie frisch geduscht aus dem Bad kam, saß ich immer noch regungslos auf dem Bett. Zuerst viel es ihr gar nicht auf, doch nachdem sie ein paar Mal an mir vorbei gehuscht war, sah sie mich amüsiert an. Sie kam näher, schnitt Grimassen, schnupperte an mir, versuchte mich zu rütteln, doch ich verharrte in meiner Starre.
„Könntest du jetzt bitte damit aufhören. Es nervt.“
„Wieso du hast doch gesagt ich soll mich nicht bewegen.“ Grinsend betrachte ich ihr Gesicht, so leicht wütend war sie noch schöner, dann funkelten ihre Augen so. Ehe sie antworten konnte zog ich sie an mich und küsste sie. Langsam ließ ich mich nach hinten aufs Bett fallen und zog sie über mich.
Nach einigen Küssen sah sie zur Uhr, dann strich sie mir durchs Haar. „Ich könnte das ewig so weiter machen, aber ich muss mich jetzt fertig machen sonst verpass ich meinem Bus.“
„Du glaubst doch nicht das ich dich mit dem Bus fahren lasse.“ Ich zog sie wieder zu mir und machte weiter wo wir aufgehört hatten. „Aber du solltest vielleicht was essen.“, erinnerte ich mich an ihre menschlichen Bedürfnisse. Ich setzte sie auf. „Du ziehst dich fertig an und ich mach Frühstück.“
Grinsend wirbelte ich durch den kleinen Raum während sie sich anzog. Ich bewegte mich im normalen Vampirtempo und ehe sie auch nur ihre Strümpfe anhatte war das Frühstück serviert und ich saß lässig auf der Couch.
„Wie machst du das nur? Eben sitzt du hier starrt wie eine antike Statur und jetzt bewegst du dich so schnell das ich es kaum wahrnehmen kann. Kannst du mir das erklären oder ist das wieder was worüber du nicht reden möchtest?“ Gespannt sah sie mich an und wartete auf meine antwort.
„Das gerade,“, fing ich an und beobachtet sie genau. Sie hing an meinen Lippen und achtete auf jedes Wort, „war mein natürliches Tempo, nicht mein schnellstes, das ganz normale. Um mich so langsam wie ein Mensch zu bewegen, das musste ich erst lernen, war gar nicht so einfach. Versuch du dich mal die ganze Zeit in Zeitlupe zu bewegen. Doch mit den Jahren wird es einfacher und jetzt ist es wie eine zweite Natur. Das gleiche gilt für das Andere. Wir können Tagelang regungslos verharren, ohne auch nur zu blinzeln. Die ganzen unbewussten Bewegungen die Menschen so machen, wie blinzeln, das Gewicht verlagern, sich kratzen, den Blick schweifen lassen, mit irgendwas rumspielen, auch das musste ich lernen. Wir machen so was normalerweise nicht, aber in Gegenwart von Menschen imitieren wir es, damit wir nicht auffallen. Alles Show, die uns in Fleisch und Blut über gegangen ist.“
Sie sah mich verblüfft an und auf ihrer Stirn bildeten sich ihrer Denkerfalten während sie das gesagte verarbeitete. „Du kannst also Tagelang still stehen?“ Ich nickte. „Aber wie machst du das dann mit dem Schlafen oder kannst du so auch schlafen.“
Verlegen schaute ich zum Boden. „Das ist nicht nötig. Ich kann nicht schlafen.“
„Du schläfst nicht.“ Ihre Stimme war einen tick zu schrill und ihr Herz ein wenig zu schnell, besorgt sah ich zu ihr und schüttelte den Kopf.
„Nein, ich schlafe nie.“, bestätigte ich noch einmal.
„Und du hast die ganze Zeit wach neben mir gelegen während ich geschlafen habe?“
„Ja, das war wunderschön und sehr interessant für mich. Wunderschön weil ich in deiner Nähe sein durfte und interessant da ich den menschlichen Schlaf so noch nie erleben durfte.“
Schweigend starrte sie aus dem Fenster. Viel zu lange für einen Menschen, besorgt kniete ich mich vor sie. „Ist es so schlimm?“ Da drehte sie sich mir und zeiget mir ihr schönes Grübchenlächeln.
„Nein, aber so zu starren ist ganz schön anstrengend.“, lachte sie. „Doch ich sollte jetzt was essen sonst komm ich noch zu spät. Selbst bei deinem Fahrstiel.“
Nachdem sie sich fertig angezogen hatte Frühstückte sie und wir alberten ein wenig rum. Dann gingen wir zu meinem Auto und ich fuhr sie zur Arbeit. Als wir an einer roten Ampel warteten drehte sie sich zu mir.
„Wie war eigentlich dein Gespräch gestern?“
Ich seufzte. „Zuerst recht schwierig. Versteh das nicht falsch, sie haben nichts gegen dich als Person, aber es ist ein Risiko für uns alle, das du soviel über uns weißt. Doch sie haben es akzeptiert. Marie freut sich sogar ein bisschen. Ich glaube sie hätte gern eine Freundin, bei der sie sich nicht immer verstellen muss. Für sie ist es auch nicht immer leicht, mit zwei Männern zusammen zu leben. Uns fehlt halt die weibliche Sicht der Dinge.“
„Das ist schön und ich glaube Marie und ich wir werden uns gut verstehen. Was ist mit Robbert?“
„Du vergisst aber auch nichts. Wir haben uns über Robbert unterhalten und unsere Beobachtungen geteilt. Wir sind uns einig, er ist kein Mensch und er ist nicht wie wir oder sonst ein Wesen das uns bekannt ist. Die anderen werden Nachforschungen über ihn anstellen und ich werde ihn beobachten, mehr können wir im Monet nicht machen.“
„Gibt es den viele Arten die wie Menschen aussehen?“
„Was heißt viele? Es gibt einige Arten. Du kennst dich doch mit Legenden aus. Viele von ihnen haben einen wahren Kern, nur das die Fähigkeiten der Wesen und vor allen die Abwehrmöglichkeiten meist nicht stimmen. Nehmen wir mal den Werwolf oder Kinder des Mondes wie wir sie nennen, die gibt’s wirklich und wenn du von einem gebissen wirst und das überlebst wirst du auch einer. Sie sind fast unzerstörbar, regenerieren fast jede Verletzung im Handumdrehen und sind äußerst aggressiv, stark und schnell und Verwandeln sich bei Mondschein, nicht nur bei Vollmond, bei jedem Mondlicht in riesige Wölfe, aber das man sie mit Silberkugeln töten kann ist nur ein Mythos, das klappt nicht. Nur ein Wesen das genauso stark und schnell ist kann sie umbringen. Doch Werwölfe sind recht selten. Sie wurden fast ganz ausgerottet.“
Ich sah zu ihr rüber, doch das erwartete Entsetzen konnte ich nicht finden, nur Neugier.
„Wer hat sie denn ausgerottet und warum?“
„Dir ist doch klar, dass wir nur unter Menschen leben können wenn wir nicht auffallen. Nun das gilt auch für die anderen Arten. Doch die meisten Werwölfe werden so stark von ihren Instinkten geleitet, dass es ihnen fast unmöglich ist nicht aufzufallen. Um das Geheimnis zu wahren gab es regelrechte Hetzjagden auf Werwölfe, durch verschiedene Arten, aber vor allem durch unsere Art.“
Ich fuhr gerade auf den Parkplatz des Altenheims in dem sie arbeitete und stellte den Wagen ab. Ich drehte mich zu ihr und wurde mit einem so liebevollen Blick bedacht, es war zum dahin schmelzen und trotzdem beunruhigte es mich. Wie konnte sie das alles nur so gelassen hinnehmen?
„Was würde ich nur dafür geben deine Gedanken lesen zu können.“ Ich strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht. „Ich erzähle dir lauter Dinge die es in deiner Welt gar nicht geben dürfte, die doch eigentlich sehr beängstigend sind und du. Du tut’s so als würden ich übers Wetter oder ein neues Backrezept reden. Macht dir das Ganze denn überhaupt keine Angst?“
Angestrengt sah sie mich an und dachte nach. Ich wollte schon wieder etwas sagen als sie die Hand hob und mir zu verstehen gab das ich jetzt schweigen sollte. „Natürlich, machen mir manche Sachen angst aber du musst verschiedenes verstehen. Da ist zum einen meine Gabe, sie sagt mir zwar nicht wie alles enden und auch nicht was alles auf dem Weg geschehen wird, aber sie sagt mir ganz deutlich, das wir eine sehr lange glückliche Zeit haben werden, meistens jedenfalls. Ich verstehe jetzt auch warum Grany immer darauf bestanden hat, das ich die alten Geschichten ihres Volks lerne, meine Schwester brauchte und durfte das nie. Für mich bist du und all die Verrücktheiten nur noch die letzte Bestätigung, dass das meiste davon stimmt. So wie das mit den Silberkugeln, das wusste ich schon. So vieles ergibt nun einen Sinn. Dann ist da noch du Tatsache, das ich lieber weiß was es da draußen alles gibt, denn nur weil ich unwissend bin, hören diese Kreaturen ja nicht auf zu existieren. Und zu guter letzt, bist du ja an meiner Seite, bei dir fühl ich mich sehr sicher.“
Was sollte ich darauf antworten? Sie erstaunte mich immer wieder. So jemanden wie sie hatte ich noch nie kennen gelernt. Ich küsste sie noch einmal denn es wurde Zeit für sie zu gehen.
„Kommst du mich nachher abholen?“
Traurig sah ich durch die extrem dunkel getönten Scheiben und betrachtet den fast wolkenlosen Himmel. Im Osten waren bereits die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne zu sehen. Scheiß Wetter, heute müsste ich die Öffentlichkeit meiden. „Das geht leider nicht. Das Wetter ist heute sehr ungünstig, aber wir sehen uns nachher in der Mensa.“
Kritisch zog sie eine Augenbraue hoch, sagte aber nichts und stieg aus. Doch dann beugte sie sich noch mal ins Auto und hauchte mir einen Kuss auf die Wange. „Bis heute Abend… Ich hab dich lieb.“ und schon war sie draußen und hatte die Tür geschlossen. Perplex schaute ich ihr hinterher, bis sie im Gebäude verschwand und ich sie nur noch mit Hilfe meiner Gabe beobachteten konnte. Ich liebe dich auch. Als ich dies dachte, huschte ein glückliches Lächeln über ihr Gesicht. Ob sie mich wohl gehört hatte?


Zuletzt von IRABLOODLUST am Fr 09 Okt 2009, 20:34 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet

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10. Freundinnen ? Teil 2

Beitrag  Gast am Do 24 Sep 2009, 21:01

Ich stand im Schutz einer Fensternische vor ihrem Hörsaal und warte das Sandy und Marie aus ihrer Vorlesung kamen. Als die Tür endlich aufging strömten die Studenten, mit dem üblichen Stimmengewirr auf den Gang. Fast als letztes erschienen die beiden Frauen, die in meinem Leben den Mittelpunkt bildeten. Sie gingen eng bei einander zur Mensa und unterhielten sich lachend. Sandy hatte mich offensichtlich noch nicht gesehen, aber Marie musste mich gewittert haben. Leise pirschte ich mich an sie ran. Doch als ich mich auf drei Meter genähert hatte, drehte Marie sich zu mir und grinste mich an.
„Da glaubt einer er könne sich an uns ran schleichen. Dafür musst du aber früher aufstehen.“, dann wand sie sich an Sandy, die sich mittlerweile auch umgedreht hatte und mich anstrahlte. „Bist du dir sicher das du den haben willst? Glaub mir er kann ganz schön nervig und bestimmend sein. Das darfst du ihm nie durchgehen lassen.“
„Das er sehr gerne bestimmt wo’s lang geht hab ich schon erlebt, aber nervig, nein.“, lachte sie Marie an. Verwirrte sah ich von einer zur anderen. Was ging denn hier ab? Hatten sich die beiden schon gegen mich verschworen.
„Doch schau mal, sieht dein Bruder nicht echt süß aus wenn er so verwirrt dreinblickt.“
„Na ja, ich weiß nicht. Er ist halt mein Bruder, da fällt es mir schwer ihn so zu sehen.“
Gut, wenn die beiden spielen wollen, kein Problem. Das kann ich auch. Zischend stieß ich Luft aus und rauschte mit erhobenem Kopf an beiden vorbei. Als ich an ihr vorbei ging ergriff Sandy meine Hand, doch ich ging einfach weiter. „Hab dich doch nicht so, wir haben doch nur gescherzt.“
Ich hielt ihre Hand fest und ging weiter. Als wir am nächsten Fenster vorbei kamen drehte ich mich abrupt um, hob sie an den Hüften hoch und setzte sie auf die Fensterbank. Feixend schaute ich in ihr erstauntes Gesicht. „Du siehst auch sehr süß aus wenn du verwirt bist.“, dann beugte ich mich vor und gab ihr einen durchdringenden Kuss. Zuerst wehrte sie sich, doch schließlich verschränkte sie ihre Hände in meinem Nacken und zog mich fester an sich.
„Muss liebe schön sein.“, lachte Marie. „Könnt ihr euch das nicht für zu Hause aufsparen? Die Leute glotzen schon.“
Ich rückte ein wenig von ihr ab und sah in ihre wunderschönen Augen. „Hallo Schönheit. Ich hab dich vermisst.“
„Ich dich auch.“ Sie zeigte mit ihre Grübchen und wir sahen uns noch einen Augenblick an, dann hob ich sie von der Fensterbank und stellte sie wieder auf ihre Füße. Sie war etwas wackelig in den Knien und so hielt ich sie noch ein wenig an mich gedrückt.
„Können wir jetzt endlich gehen?“, quengelte Marie.
„Ja, Schwesterherz. Wir wollen ja nicht, das du zulange von deinem Ehemann getrennt bist.“ Scherzte ich und sprach dann so schnell und leise das nur sie es verstehen konnte. „Ihr zwei scheint euch ja gut zu verstehen.“
„Ja, ich glaube sie passt ganz gut zu dir…und zu uns.“, antwortete sie auf gleiche Art.
Sandy sah uns beide an und runzelte die Stirn. „Tuschelt ihr zwei über mich?“
„Das hast du bemerkt?“, fragte Marie erstaunt.
„Mhmm.“, seufzte Sandy und verdrehte die Augen.
„Ich hab dir doch gesagt, das sie sehr aufmerksam ist.“ Lachte ich in Richtung Marie.
Lachend gingen wir in die Mensa, besorgten ihr was zu essen und uns unsere übliche Cola. Als wir an unseren Tisch kamen warte Eddie schon auf uns und auch Robbert hatte sich mit April dazu gesetzt.
Als ich ihn sah drang ich in Sandys Geist ein. ‚Verhalt dich ganz normal, starr ihn nicht an, sei ganz natürlich. Wir werden nur über belangloses Reden.’
‚Kein Problem, ich werde sowieso die meiste Zeit dich anstarren oder soll ich das auch nicht?’
‚Ich bestehe sogar darauf, ich sagte doch du sollst dich natürlich benehmen.’
Dann wechselte ich zu Marie. ‚Nur belangloses, kein Flüstern, kein schnelles Reden. Wir wissen nicht wie gut seine Sinne sind.’
‚Alles klar.’
Als letztes wand ich mich an Eddie. ‚Wie lang sitzen die schon hier?’
‚Die sind kurz nach mir gekommen und haben sich dazu gesetzt. Ich hab nichts dagegen gesagt. So haben wir sie besser im Blick.’
‚Ja, gut. Wir reden nur über belangloses und da wir nicht wissen wie gut er hört verzichten wir auf Flüstern oder schnelles Sprechen.’
‚OK.’
„Hallo, zusammen.“, begrüßte ich die Anwesenden und setzte mich auf meinen üblichen Platz. Sandy setzte sich wie immer mir genau gegenüber. „Hallo“
Marie beugte sich zu Eddie und begrüßte ihn mit einem langen Kuss, dann sah sie zu den anderen. „Hallo ihr zwei.“
„Hey, schön euch zu sehen. Ich bin April, du bist Marie stimmts und ihr zwei seit wirklich verheiratet?“, flötete April, neugierig.
„Stimmt ich bin Marie. Freut mich dich kennen zu lernen. Ja, wir sind verheiratet und nein, ich war nicht schwanger oder so was.“, antwortete sie freundlich, nur wer sie genau kannte konnte in ihrer Stimme und in ihrer Wortwahl die Verärgerung über Aprils Frage raushören. Die zwei würden nie Freundinnen, das stand mal fest.
April lächelt doof vor sich hin und lehnte sich dann zu Sandy. „Was hab ihr zwei denn am Wochenende gemacht?“
Sandy sah zu mir rüber. „Der Verrückte da, ist mit mir nach Montreal geflogen und da waren wir dann in einem Konzert. War echt super.“
„Nach Montreal in ein Konzert. Wer hat den Gespielt?“
Neugierig war des Schneiders Weib und dachte sich zum Zeitvertreib…. Wieso musste ich gerade jetzt an diese alberne Geschichte – eine alte Kölner Legende über dienstbare Geister – denken? Ach ja April saß mit am Tisch.
„Die Foo Fighters und zwar Unplugged.“, antwortete Sandy zwischen zwei bissen.
„Die Foo Fighters, wie öde. Ich kann dieses Gitarren Gekreische nicht leiden.“
„Dir muss das ja auch nicht gefallen. Es reicht vollkommen wenn wir unseren Spaß hatten.“, kanzelte ich sie ab.
April wollte gerade was darauf erwidern als Robbert zum ersten Mal den Mund aufmachte. „April jetzt lass sie doch mal, kann ja nicht jeder auf die aktuellen Scheiben abfahren.“ Sie warf ihm einen düstern Blick zu und beschäftigte sich schmollend mit ihrem Essen. Ich sah Sandy beim essen zu, nippte ab und an an meiner Cola, Marie und Eddie unterhielten sich leise über die Uni und von den anderen drei war nur das Klappern von Besteck auf Porzellan zu hören. Ich nutzte meine Gabe und betrachte Robbert aus verschiednen Winkel, aber da war nicht auffälliges. Doch dann salzte er seine Kartoffeln nach, der Deckel des Salzsteuers löste sich und bei jedem normalen Menschen wäre das ganze Salz auf dem Essen gelandet. Nicht so bei ihm. Blitzschnell, noch bevor das Salz auf seinen Teller fallen konnte, hatte er den Zeigefinger seiner freien Hand auf das Loch gelegt, den Streuer umgedreht und den Deckel wieder befestigt. Viel zu schnell, nicht so schnell wie wir uns bewegen können aber fast. Es sind doch immer wieder diese zufälligen Begebenheiten die einen verrieten.
Im Geist wand ich mich an Eddie. ‚Hast du den Verschluss gelockert?’
‚Ja, ich wollt mal sehen wie er reagiert. Hat doch besten funktioniert.’
‚War jedenfalls sehr aufschlussreich.’
‚Er ist schnell.’
‚Ja.’
Als alle mit ihrem Mal fertig waren unterhielten wir uns noch ein wenig über die Uni, Discos in der Umgebung und wo man sonst noch so seinen Spaß haben kann. Robbert verabschiedete sich als erster und April schloss sich ihm an. Als sie den Raum verlassen hatten sahen wir uns an. Marie stöhnte auf und Sandy warf ihr einen fragenden Blick zu.

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10. Freundinnen ? Teil 3

Beitrag  Gast am Do 24 Sep 2009, 21:04

„Er ist schnell, sehr schnell. Hast du das mit dem Salz überhaupt wahrnehmen können?“ Sie sah Sandy prüfend an doch die schüttelte nur den Kopf.
„Ich hab nur gesehen, das er an dem Streuer rumgefingert hat, aber nicht was genau passiert ist.“
Ich drang in ihren Kopf ein und erklärte ihr schnell was geschehen war.
„Nein, das hab ich nicht sehen können.“, sagte sie an mich gerichtet.
„Gut, auch wenn wir jetzt wissen das er schnell ist, sind wir seinem Geheimnis trotzdem noch nicht näher gekommen. Wir bleiben bei unserem Plan.“, warf ich leise in die Runde und alle nickten zustimmend.
„Bist du mit der eigentlich befreundet?“ Marie hatte sich nach vorne gebeugt und sah Sandy an.
„Was, mit April? Nein, die wohnt nur auf der gleichen Etage.“
„Ist die immer so neugierig?“
Sandy und ich stöhnte gleichzeitig auf. Ich verdrehte die Augen und Sandy verzog den Mund zu einem Strich.
„Wenn es das nur wäre, die tratscht auch noch wie ein Waschweib.“ Dann sah sie mich an. „Das wir das ganze Wochenende zusammen waren macht schon die Runde im Haus. Am liebsten würde ich ihr.“ Sie blickte zur Decke und ballte die Fäuste.
„Was würdest du am liebsten?“, fragte Marie belustigt über ihren Ausbruch.
„Ach, ist nur so ein dummer Gedanke.“ Sandy machte mit ihrer Hand eine wegwerfende Bewegung und wollte das Thema damit abhacken.
Doch sie hatte nicht mit der Neugier von Marie gerechnet. „Sag es mir. Hab dich nicht so.“
Sandy beugte sich jetzt auch vor und sah sie frech an. „Ich kenn da so ein Rezept für einen Trank.“, flüsterte sie ihr zu. „Ein paar Tropfen davon in ein Getränk und du kannst eine Woche nur noch krächzen, sonst ist er aber ganz harmlos.“
„Was brauchst du dafür?“, flüsterte Marie zurück und man konnte den Plan in ihrem Kopf wachsen sehen.
„Verschiedene Pflanzen, puren Alkohol und natürlich ein kleines Labor. Doch die Pflanzen bekommen wir hier nicht.“
Marie überlegte, dann faste sie einen Entschluss. „Hast du eigentlich am Mittwoch wie immer frei?“
„Ja, wieso?“
„Mhmm, wenn wir die Sachen hier nicht bekommen, dann fahren wir halt am Mittwoch nach Boston. Da bekommen wir bestimmt alles und außerdem können wir dann auch noch nach Klamotten schauen. Schreib mal ne Liste von dem was du brauchst und ich schau im Netz wo wir es bekommen.“
„Bist du dir sicher das wir das tun sollen?“, fragte Sandy zweifelnd.
„Ja, klar. Das wird lustig.“, antwortete Marie voller Begeisterung.
„Also gut, ich schreib es dir auf. Dann fahren wir also am Mittwoch nach Bosten.“ Fragend sah sie mich an, was Marie natürlich nicht entging.
„Die Jungs fahren selbstverständlich auch mit.“ und dann wand sie sich in einem Ton an uns der sämtlichen Widerstand im Keim erstickte. „Nicht wahr Jungs.“
Eddie zuckte mit den Schultern und sah nach untern. „Ja, Schatz natürlich freu ich mich mit dir einkaufen zu fahren.“
Während ich die Augen verdrehte und zur Decke sah. „Es gibt doch nichts Schöneres als eine Einkaufstour mit meiner Schwester, wie kann ich da nein sagen.“
„Gut, dann ist es ja beschlossen.“, stellte Marie zufrieden fest und zwinkerte Sandy zu.
Ich sah zu Sandy und stand auf. „So es wird Zeit, ich bring dich noch zu deiner Vorlesung.“
„Gut dann lass uns gehen.“
„Kommt ihr heute Abend noch vorbei?“ Marie sah mich flehend an, doch ich schüttelte nur den Kopf.
„Ich glaub nicht.“ Und dann flüsterte ich. „Vergiss nicht sie ist ein Mensch. Sie muss schlafen.“
„Wie schade. Gut wir sehen uns ja Morgen. Sag ihm was du brauchst, er kann’s mir ja mitteilen.“ Marie war zwar enttäuscht uns heute nicht mehr zu sehen, trotzdem schenkte sie uns ein breites Lächeln und dann stupste sie Eddie an der immer noch auf den Tisch starrte.
„Oh, ja. Wir sehen uns dann und komm doch mal vorbei.“, nuschelte er vor sich hin und nach einigem zögern lächelte er sogar. Ihm war das Ganze immer noch sehr unangenehm, doch Marie zuliebe wollte er ihr wohl doch eine Chance geben.
„Natürlich komm ich mal vorbei, wenn er mich mitnimmt. Ich sehe euch dann Morgen. Bis dann.“ Sie sah noch mal von Eddie zu Marie und ging dann Richtung Ausgang.
Ich nickte beiden zum Abschied zu. „Einkaufen.“, murmelte ich noch, worauf Marie mir die Zunge rausstreckte.
Als ich Sandy vor der Tür einholte, ergriff ich sofort ihre Hand und sah sie verschmitzt an. Sie sah zu mir hoch. „Das lief doch ganz gut.“
„Ja, besser als ich dachte. Ihr zwei scheint euch ja recht gut zu verstehen…“
„Aber?“
„Ich hoffe du weiß worauf du dich da einlässt, mit ihr zu shoppen. Das wird bestimmt wieder lustig.“, antwortete ich gequält.
„So schlimm?“
„Schlimmer! Du solltest dir ein paar bequeme Schuhe anziehen. Das wird wieder ein stundenlanger Marathon von Geschäft zu Geschäft, da werde ich wohl den Geländewagen nehmen müssen sonst bekommen wir die ganzen Einkäufe nicht unter.“
„Sie hat doch nur von ein paar Klomotten geredet, so schlimm wird das bestimmt nicht.“
Ich lachte. „Du musst es ja wissen.“
„Na, da müssen wir dann wohl durch. Eddie war sehr ruhig, hat er was gegen mich?“
„Nein, er ist nur etwas besorgt. Das hat nichts mit dir zu tun, sonst hätte er nicht gefragt ob du mal vorbei kommst.“
„Ich dachte das hätte er nur gesagt weil Marie das so wollte.“
„Nein, auch wenn Maries einen sehr großen Einfluss auf ihn hat, er hätte das nie gesagt, wenn er das nicht wollte.“
„Warum fahren wir dann nicht später noch vorbei?“
„Weil das zu spät für dich würde. Bis ich dir das ganze Haus gezeigt habe und du dich dann noch mit den zweien geredet hast ist der Abend rum. Dafür bin ich zu egoistisch, ich will dich heute nach der Vorlesung, nur noch für mich haben. Außerdem wirst du ja noch oft genug bei uns sein. Wir werden ja wohl eine kleine Hexenküche einrichten müssen oder wolltest du das in deinem Zimmer machen?“
Wir waren mittlerweile vor ihrem Hörsaal angelangt und lehnten uns gegen eine Wand. Sie sah mich fragend an und spielte mit ihren Haaren. Dann zeigte sie kurz mit ihrer Hand auf ihren Kopf. „Könntest du bitte.“
Lächelnd drang ich in ihren Geist ein. ‚Wie kann ich dir behilflich sein.’
‚Findest du, dass das ganze mit April eine gute Idee ist?’
‚Kann es ihr dauerhaft Schaden?’
‚Nein.’
‚Sie verliert also nur für kurze Zeit ihre Stimme?’
‚Ja, aber. Ach, ich weiß nicht, normalerweise mach ich so was nicht.’
‚Mach dir mal keine Sorgen. Solang ihr nichts dauerhaft passiert ist es nicht so schlimm und es wäre doch wirklich eine Wohltat wenn sie mal für ein paar Tage nichts sagt.’
‚Also gut, aber was meintest du eben von wegen eine Hexenküche einrichten. Hexenküche nette Bezeichnung.’
‚Nun, was wohl. Bei dir im Zimmer geht das wohl schlecht, ein Labor hier an der Uni können wir dafür auch nicht nutzen und bei uns im Haus werden so viele Räume nicht genutzt, da können wir in einem auch ein kleines Labor für dich einrichten.’
‚Du spinnst weißt du was das Kostet?’
Schulterzucken sah ich sie an. ‚Geld. Na und. Solange du kein Hochsicherheitslabor benötigst, werden wir uns das wohl leisten können. Falls ich es noch nicht erwähnt habe, für uns ist Geld nicht so wichtig. Ist nur bedrucktes Papier. Wenn wir es nicht benutzen um unseren Spaß zu haben, wofür ist es dann gut?’
‚So kann man nur reden wenn man reich ist.’
‚Oder jederzeit neues besorgen kann. Wir gehen demnächst mal Pokern. Ein paar reiche Jungs abzocken.’
Mit großen Augen sah sie mich an und dachte über das gesagte nach, dann Blitze die Erkenntnis in ihnen auf. ‚Bruce McGregor, du schummelst doch nicht etwa mit deiner Gabe.’
‚Aber nein doch, wo denkst du hin.’, gluckste ich. ‚Außerdem hab ich ein sehr gutes Pokerface.’
‚Bruce, Bruce, so was macht man doch nicht. Reiche Burschen um Papis Geld bringen. Du bist echt ein böser Junge. Wann sagtest du ist der nächste Pokerabend? Dann machen wir das zusammen.’
‚Du. Ich glaub langsam wir haben einen schlechten Einfluss auf dich.’ Schmunzelnd sah ich sie an und zog sie an mich.
‚Das glaub ich nicht. So ich muss jetzt rein. Bis später.’
‚Ja, bis später.’
Sie drehte sich um und ging zur Tür. Dann wirbelte sie wieder rum und kam zu mir zurück. Sie stellte sich auf ihre Zehenspitzen und küsste mich.
„Eh ich es vergesse. Ich dich auch.“, flüsterte sie mir zu. Ich runzelte die Stirn und sah sie fragend an. „Du hast mir doch heute Morgen was gesagt als ich zur Arbeit ging.“ Und schon war sie verschwunden.
Wieder einmal stand ich da und wusste nicht was ich von all den Veränderungen halten sollte. Was war mit meiner Gabe nur los? Warum konnte sie mich immer wieder hören? Grübelnd ging ich zu meiner Vorlesung.

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10. Freundinnen ? Teil 4

Beitrag  Gast am Mi 30 Sep 2009, 23:53

„Hast du alles was du brauchst?“ Ich sah mich noch einmal in ihrem kleinen Zimmer um und natürlich war ihr Handy immer noch an der Ladestation angeschlossen. Seit ich ihr gesagt hatte das wir heute bei mir übernachten werden, lief sie hibbelig im Zimmer umher, packte mal dies mal jenes ein, holte es wieder raus um es dann doch wieder einzupacken. Ich verstand die ganze Aufregung nicht. Gut morgen würden wir alle nach Boston fahren, aber deswegen brauchte sie doch nicht so aufgedreht zu sein.
„Ich glaub schon, meinen Kulturbeutel, mein Schlafzeug für heute Nacht und Klamotten für Morgen.“, aufgeregt sah sie sich noch mal im Zimmer um. „Mein Portemonnaie und meine Papiere. Ja, ich hab alles.“
Ich schnappte mir ihr Handy und hielt es ihr unter die Nase. „Und was ist damit? Deine Grany bekommt noch einen Herzinfarkt wenn sie dich nicht erreichen kann.“, spöttelte ich und drückte ihr das Telefon in die Hand.
„Ach, das. Ich weiß auch nicht warum ich es immer vergesse? Vielleicht weil, so selten jemand anruft… mit dem ich auch wirklich sprechen möchte.“ Sie legte ihren Kopf schief und sah mich unschuldig an.
„Schau mich nicht so an. Ich ruf dich bestimmt nicht an. Ich finde meine eigene Methode einfach persönlicher.“
Sie wollte mir gerade antworten, doch da Klingelte ihr Handy. Verdutzt sah sie auf die Anzeige. „Nummer unterdrückt, wer kann denn das sein?“ murmelte sie vor sich hin und drückte die grüne Taste. „Ja, bitte.“
>>Wo bleibt ihr denn?<<, war Maries überdrehte Stimme zu hören. Das konnte ja noch heiter werden. Den ganzen Tag lag sie mir schon in den Ohren ich soll Sandy endlich mal mitbringen. Am besten heute, morgen könne sie ja länger schlafen.
„Wir wollten gerade los.“
>>Gut dann beeilt euch.<< und schon hatte Marie aufgelegt. Sandy starrte wortlos auf ihr Handy und steckte es nach einigem zögern doch ein.
„Was war das jetzt?“, fragte sie perplex.
„Sie ist ziemlich aufgeregt, sie freut sich nur das ich dich mitbringe.“
„Dann las uns gehen.“
Die Strassen waren fast wie leergefegt und so kamen wir gut voran. Wir verließen das Campusgelände und fuhren Richtung Norden auf einer kleinen Landstrasse. Sie führet direkt in den Wald, alle paar hundert Meter bogen kleine Wege von ihr ab und nur die Briefkästen die an ihnen standen, wiesen darauf hin das hier tatsächlich noch jemand wohnte. Wir fuhren tiefer in den Wald und die Abstände zwischen den Wegen wurden immer größer. Nach etwa fünf Meilen hatten wir die Zufahrt zu unserem Haus erreicht. Nach weitern zweihundert Metern war ein großes Tor in die Mauer eingelassen, die unser gesamtes Grundstück umgab. Ich drückte auf die Fernbedienung und geräuschlos schob sich das Tor zur Seite. Wir fuhren tiefer in den Wald der sich nach weitern drei Meilen zu einer großen Lichtung öffnete. Jemand, ich vermute Marie, hatte die Außenbeleuchtung eingeschaltet und so erstrahlte unser Haus in voller Bracht. Mit weit geöffnetem Mund saß sie neben mir und starrte auf das Haus. Was hatte sie nur? Zuerst verstand ich es nicht, es war doch nur ein Haus. Ja, gut ein großes Haus, darum hatten wir es ja gekauft. Es war groß genug für uns Drei, ihr Schlafzimmer, oder wie auch immer man das bezeichnen wollte, war weit genug weg, so das mir das Gestöhne nicht immer in den Ohren klang, wir hatten hier genug Platz für all unsere Hobbys, es war vom Wald und einer Mauer umgeben so das wir uns auch an sonnigen Tagen draußen aufhalten konnten. Kurz gesagt es war einfach praktisch, darum hatte ich es gekauft. Doch dann sah ich es mit ihren Augen. Sie sah ein großes dreigeschossiges im, für Amerika untypischen Gründerzeit Still erbautes Herrenhaus. Mit seiner Steinbauweise, den großen hohen Fenstern, den verspielten zier Zinnen und den kleinen Türmchen, kam es der in den USA weit verbreiteten Vorstellung von einem Märchenschloss recht nahe und der wilde Wein der großflächig die Südseite des Hauses umrankte verstärkte dies noch. Nein, so hatte ich unser Haus noch nie betrachtet. Ich bog nach links ab und fuhr in die Garage. Ursprünglich war es mal ein Pferdestall, aber schon die Vorbesitzer hatten ihn als Garage genutzt. Wir hatten ihn nur unseren Bedürfnissen angepasst, so hatten wir in hinteren Teil eine Werkstatt eingerichtet um ungestört an unseren Autos basten zu könne. Ich half ihr beim Aussteigen. Verblüfft sah sie sich in der Garage um und bestaunte unsere Fahrzeuge.
„Ihr seid wohl alle ziemlich Autoverrückt. Was sind denn das für welche.“, fragte sie neugierig und drehte sich noch mal.
Ich trat hinter sie und faste sie an den Hüften. „Meinen Audi kennst du ja,“ ich drehte sie einwenig so das wir vor dem nächsten Wagen standen, „das ist der BMW M6 von Marie, der nächste gehört Eddie ist ein Ford Mustang Shelby, Eddie fährt voll auf Muscel-Cars ab, der letzte in der Reihe ist unser Familienwagen ein Audi Q7, den brauchen wir nur wenn wir was einkaufen gehen. Das sind die Alltagsautos. Die werden alle paar Jahre ersetzt.“ Ich drehte sie um und wir sahen auf die gegenüberliegende Reihe. „Und das sind unsere Schätze, unsere Lieblingsautos. Mein Chevy, das ist Eddies 1970er Plymouth Road Runner und Marie gehört der feuerrote Mercedes 300 SL Flügeltürer. Da hinten in der Werkstatt steht noch eine Shelby Cobra, an der arbeiten wir gerade.“
„Alles sehr schnelle Autos, ihr Rast wohl alle.“, schmunzelte sie vor sich hin.
Ich gab ihr einen Kuss auf die Wange. „Du hast doch gesehen wie schnell ich mich bewegen kann, wenn wir uns immer an die Geschwindigkeitsregeln halten, da könnten wir ja gleich zu Fuß gehen, das wäre dann schneller. Es ist einfach langweilig langsam zu fahren.“
„Nie um eine Ausrede verlegen, komm lass uns zu den Anderen gehen.“ Lachend löste sie sich aus meiner Umarmung und zog mich nach draußen. Als wir auf das Haus zugingen betrachtet sie es noch mal genau. „Ihr hab echt ein schönes Haus.“
„Ja und ungemein praktisch. Das war der eigentliche Grund warum wir es gekauft haben, hier können wir uns ganz natürlich Verhalten, ohne das es auffällt.“ Mein Blick schweifte nach oben und als ich Marie auf ihrem Lieblingsplatz sah musste ich grinsen. Ich blieb zehn Meter vor dem Eingang stehen und deutete nach oben. „Siehst du das mein ich.“
Sie hob ihren Kopf und sah in die Richtung in die ich deutete. Erstaunt sah sie zu Marie, die uns von oben zu winkte.
„Schatz willst du nicht zu uns runterkommen.“ Marie grinste nur und nickte mir zu. Elegant machte sie einen Schritt nach vorne und stieß sich leicht vom Dach ab. Sandys Herz beschleunigte sich und atemlos betrachte sie Marie, die anmutig auf uns zu schwebte. Fast ohne Geräusch landete sie vor uns im Kies, lächelte Sandy an und beugte sich vor, um sie freundlich zu Umarmen.
„Schön das du uns mal besuchen kommst.“, trällerte sie freudig mit ihrer Glockenstimme und löste sich wieder aus der Umarmung. Sandy stand immer noch verdattert da und hatte noch nicht wieder angefangen zu Atmen.
Ich stupste sie freundlich an. „Atmen Liebes.“
Verstört sah sie von Marie zu mir und wieder zurück. „Das…das war wirklich…beeindruckend.“, stotterte sie verlegen, dann sah sie wieder zu mir. „Jetzt ist mir auch klar, wieso du bei mir durchs Fenster einsteigen konntest.“
Ich wuschelte durch ihr Haar, Marie und ich lachten herzlich und freundlich auf. Gemeinsam gingen wir ins Haus und betraten die große Eingangshalle rechts und links gingen Türen ab, doch dominiert wurde der Raum von der großen Doppeltreppe aus Holz, die zu einer Galerie in ersten Stock führte. Von der hohen Stuck verzierten Decke – der Raum war etwa 7 Meter hoch da es zum ersten Stock keine Decke gab – hing ein alter Kronleuchter und flutete den Raum mit warmen Licht. Wie in so alten Herrenhäusern üblich waren die Wände mit Holz vertäfelt. Edel, aber eigentlich mochte ich das nicht. Doch irgendwie gehörte das zu diesem Haus, also hatten wir es so gelassen. Die alten Familienbilder des Erbauers jedoch, die bei unserem Einzug noch die Wände „geschmückt“ hatten, waren unerträglich gewesen, wir hatten sie durch moderne, farbenfrohe Kunstwerke ersetzt. Sie waren zwar ein Stillbruch, gaben dem Raum aber das gewisse etwas. Ich verstaute unsere Jacken in einem in die Wand eingelassen Schrank. Sie sah sich prüfend um. Dann blieb ihr Blick an dem Wappenschild, der über der großen Doppeltür zwischen den beiden Treppenaufgängen, hing. Er war nach unten spitz zulaufend, zu unterst kreuzten sich ein Schwert und eine Diestel, darüber war ein schwarzer Wolf mit rot glühenden Augen und ganz oben Stand das Motto des McGregor-Clans. Numquam periculum sine periculo vincitur.
Laut übersetzte sie. „Niemals wird Gefahr ohne Gefahr besiegt. Was bedeutet das für euch?“

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10. Freundinnen ? Teil 6

Beitrag  Gast am Mi 30 Sep 2009, 23:54

Ich trat neben sie und legte ihr den Arm über die Schultern. „Das ist das uralte Motte des McGregor-Clans, zu dem wir ja auch gehören. Mit diesen Worten auf den Lippen, haben unsere Vorfahren zusammen mit Robbert the Bruce, 1314 in der Schlacht von Bannockburn, die Engländer besiegt und ein schottisches Königreich geschaffen. Seitdem ziert es das Wappen des Clans. Für uns bedeute es, wenn Gefahr für unsere Familie besteht, so weichen wir ihr nicht aus, nur weil es gefährlich sein könnte, wir stellen uns ihr, denn nur so können wir in Frieden und Freiheit leben. Wir werden Niemanden dienen, eher sterben wir.“ Voller Stolz meldete sich mein schottisches Blut und die Überzeugung meiner langen Ahnenreihe schwang in jedem Wort mit.
„Wir werden unseren Weg beibehalten, gegen jeden Widerstand. Wir werden uns nicht beugen, eher sterben wir.“ Die Härte mit der Maries liebliche Stimme diese Worte aussprach, ließen keine keinen Zweifel zu. Sie meinte was sie sagte.
Sandy drehte sich und warf uns beiden einen schrägen Blick zu. „Was meint ihr damit? Ihr redet so vom sterben, als wäre es euch sehr ernst damit.“
Marie und ich sahen uns an und keiner wusste wie wir es ihr erklären sollten. Marie machte eine Handbewegung die mir zu verstehen gab, das es an mir lag was wir ihr antworten sollten.
Ich holte tief Luft und seufzte. „Las uns erste Mal ins Wohnzimmer gehen, dann versuch ich es dir zu erklären.“
Ich öffnete einen Flügel der Tür und wir betraten das Wohnzimmer. Eddie saß vor dem großen Plasma TV und sah sich ein NHL Spiel an. Chicago spielte gegen Edmonton und Chicago führte 4 zu 2 wie ich freudig feststellte. Wir liebten Eishockey, der schnellste Mannschaftssport der Welt. Na gut sie hatten noch nie Vampireishockey gesehen. Ein leise vor sich hin knackendes Feuer brannte im offenen Kamin und strahlte eine angenehme Wärme in den Raum. Die Westwand bestand fast nur aus vier riesigen Fenstern, die mit ihren Bögen fast bis zur Decke reichten. In ihrer Mitte war eine halbrunde Ausbuchtung, in die Glastüren eingelassen waren, durch die man auf die Terrasse gelangte. Bei Tage, wir auch bei Nacht, hatte man einen wundervollen Ausblick auf die bewaldeten Berge der Appalachen und an sonnigen Tagen konnte man vor hier genau beobachten wie die Sonne hinter den ihnen unter ging. Einfach traumhaft. Wir setzten uns auf die übergroße hellblau Couch, die die Mitte des Raums voll ausfüllte. Eddie regelte den Fernseher auf leise und drehte sich uns zu.
Neugierig betrachtete er unseren Besuch. „Hat er sich doch noch durchgerungen dich in die Höhle des Löwen mitzunehmen? Schön das du da bist.“
„Freut mich auch dich zu sehen.“, antwortete sie schüchtern und rückte näher an mich.
Grübelnd saß ich da und spielte mit ihren Haaren. Ich war heilfroh das sie nicht so pingelig deswegen war, irgendwie konnte ich nie meine Finger von ihnen lassen.
„Das wir keine Menschen sind weißt du ja.“, fing ich an zu reden und hatte augenblicklich die Aufmerksamkeit aller Anwesenden. Sandy nickte, Marie sah mich nur freundlich an und Eddie machte eine angesäuerte Mine. „Das ist aber nicht alles. Wir unterscheiden uns auch in mehrfacher Hinsicht von den anderen unserer Art. Da ist zum einen unser Weg zu leben. Das wir uns nicht von…Menschen ernähren hab ich ja schon angedeutet.“ Ich betrachte sie genau, suchte nach Angst oder Abscheu, doch sie lächelte nur und hing an meinen Lippen. „Wir haben gelernt nur Tieren zu jagen. Doch die anderen unserer Art machen das nicht, sie leben ausschließlich von Menschen. Den meisten ist unser Weg unverständlich, halten uns für Verrückt, ein paar wenige akzeptieren uns, so das wir wenigstens einige Freunde haben. Doch es gib auch die, die unseren Weg als Verrat betrachten, Verrat an unserer Natur und unserem Gott gegeben Vorrecht, die nur darauf warten das wir einen Fehler machen, um uns zu Vernichten oder auf ihren Weg zu zwingen.“
Sie schauderte. „Gibt es denn sonst Niemand der so lebt wir ihr, mit dem ihr euch verbünden könntet?“
„Wir haben noch keinen getroffen und ich glaube auch nicht das es welche gibt.“, schnaubte Eddie verächtlich.
„Oh, doch. Es gibt sie und wir werden sie Treffen.“ Grinsend sah ich in sein verblüfftest Gesicht.
„Woher willst du das wissen?“, fragte Marie ungläubig.
„Ich weiß es halt.“, kicherte ich, sah wieder zu Sandy und küsste sie auf die Stirn. „Weißt du durch unsere Ernährung bekommen unsere Augen diese schöne Farbe, bei den Anderen geht sie von schwarz zu karmesinrot.“
Da blitzte es in ihren Augen und sie grinste mich breit an. „Darum hattest du nach ihnen gefragt.“, sprudelte es freudig aus ihr heraus. Sie verstand immer so schnell.
„Könnte uns mal jemand aufklären, wovon sprecht ihr da?“, fragte Eddie ungeduldig.
„Ja, genau und woher wollt ihr das wisse? So langsam solltet ihr mal reden.“, stimmte Marie ihm zu.
„Seid mal nicht so ungeduldig, Darauf kommen wir gleich.“, antwortet ich ihnen und wand mich wieder an Sandy. „Damit kommen wir zu zweiten Punkt der unsere Familie zu etwas besonderem macht. Gaben wie ich eine habe sind äußerst selten bei unserer Art, zwar nicht so selten wie bei Menschen, aber doch nicht normal. Doch wir haben alle eine Gabe. Nicht die Selbe, jeder von uns kann etwas anderes. Jeder von uns Vier, wenn ich Lucie mit rechne von uns Fünf hat eine übernatürliche Gabe. Das macht uns zum einem sehr stark, ruft aber auch Begehrlichkeiten bei anderen Zirkeln wach, die uns nur zu gern in ihre Reihen integrieren würden, um unsere Gaben für ihre Zwecke zu nutzen.“
„Fünf, was meinst du mit fünf, Bruce? Hast du uns noch jemanden verschwiegen?“ Eddie wurde immer ungeduldiger, nicht mehr lang und er würde aus der Haut fahre.
Ich wollte ihm gerade Antworten, als Sandy ihn ruhig ansprach. „Eddie, könntest du mir bitte die blaue Tasche geben.“, sie deutete auf ihre Taschen die neben der Tür standen. „Es wäre schön wenn du dabei sitzen bleibst. Benutz biiittee deine Gabe. Ich hab noch nie jemanden gesehen der über telekinetische Kräfte verfügt.“
Eddie funkelte mich böse an. Sein Körper bebte vor Wut. Ich dachte schon er würde mich anfallen. „Wie konntest du ihr das nur verraten. Hast du denn total den Verstand verloren? Es war vereinbart, das keiner von uns über die Gaben der anderen Redet, wenn es der betreffende nicht erlaubt. Das geht eindeutig zu weit.“, schrie er voller Wut durch den Raum.
Sandy legte ihren Kopf schief und sah ihn ganz freundlich an. „Beruhige dich, bitte. Er hat mir nichts verraten, das ist auch gar nicht nötig. Wenn du mir meine Tasche gibst, werde ich dir alles erklären.“
Marie legte ihm beruhigend die Hand auf den Arm. „Gib ihr doch die Tasche. Mal sehen was darin so spannendes ist.“
Immer noch wütend sah er zu der Tasche. Diese erhob sich vom Boden und schwebte durch den Raum zur Couch. Staunend sah Sandy und wie sie neben ihr auf der Couch landete, klatsche sie vergnügt Beifall. „Das war echt toll. WOW. Ihr könnt echt coole Sachen.“, jubelte sie fröhlich wie ein Kind das im Sommer ein Eis geschenkt bekommt. Sie zog einen großen Zeichenblock aus der Tasche, schlug ein Bild auf und zeigte es mir. Obwohl ich es schon geahnt hatte, erstaunte mich ihr Talent aufs Neue. Es war mal wieder ein kleiner Comic und er stellte genau die jetzige Situation dar.
„Du bist wirklich sehr Talentiert.“ Ich war ja so was von stolz auf meinen kleinen Engel. „Von wann ist das?“

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10. Freundinnen ? Teil 7

Beitrag  Gast am Mi 30 Sep 2009, 23:58

„Vom 25.03.2008. Soll ich es ihnen zeige?“, fragte sie, obwohl sie die
Antwort schon kannte.
Lachend wuschelte ich durch ihre Haare und zeigte nur auf ein Bild. Gespannt und irritiert sahen uns Marie und Eddie zu und wartete immer noch auf einen Erklärung. Breit grinsend legte Sandy das Bild vor ihnen auf den Tisch. Marie stöhnte auf. Eddie stand der Mund weit offen und ungläubig beugte er sich über die Zeichnung. In dem Moment schoss Chicago das Tor zum 5 zu 2. Er drehte sich schnell zum Fernseher und wieder zurück. Ungläubig rieb er sich über die Stirn und deutete mit dem Zeigefinger der Rechten auf eines der Bilder und tatsächlich auf ihm war ein kleiner Fernseher zu sehen mit

Tor !!!!
Chicago 5 – Edmonton 2


„Wie…Was…Wie ist das…“, stotterte Eddie vor sich hin und betrachtete Sandy als käme sie von einem anderen Stern. Marie sah immer wieder zum Bild und dann zu ihr. Beide konnten nicht fassen was da vor ihnen lag. Es dauerte eine ganze weile bis beide sich wieder im Griff hatten.
„Wie machst du das? Das ist wirklich von 2008? Ich kann es nicht fassen, Bruce hat zwar gesagt das du eine Gabe hast, aber das nein. Du kannst wirklich die Zukunft sehen?“, sprudelte es jetzt aus ihr raus.
„Ja, das ist von 2008, wie ich das mache, ich zeichne das im Schlaf, ich stehe nachts auf und male und wenn ich dann morgens aufwache weiß ich nichts mehr davon, dann liegt so ein Bild da und ja sie stellen fast immer die Zukunft da, nur das ich nicht weiß wie weit diese Zukunft von mir entfernt ist. Aber euch male ich schon seit ich acht Jahre alt war.“, erklärte sie mit freundlicher Stimme dann drehte sie sich zu mir und legte mir ihre warme Hand auf die Wange. „Bruce war schon auf meinem ersten Bild und darum weiß ich schon sehr lange das ihr seid was ihr seid.“
„Daher wisst ihr das mit Lucie und den anderen, sehe ich das Richtig?“ Eddie sprach jetzt wieder ruhig, sah aber wieder zum Bild und schüttelte den Kopf. „Eine Hellseherin. Das erklärt einiges, macht es aber auch komplizierter. Euch ist wohl hoffentlich klar, dass wenn das bekannt wird alle möglichen Parteien hinter ihr her sind. Soweit ich weiß, haben noch nicht mal die Volturi ein solches Talent in ihren Reihen, aber über die wird ja alles Mögliche geredet. Wollen wir hoffen das wir es solange für uns behalten können, bis wenigsten Lucie bei uns ist, ihre Talent und ihre Erfahrung sind uns bestimmt hilfreich.“
„Hinter mir her.“ Ein kalter Schauer lief ihren Rücken herunter und sie drückte sich ganz fest an mich. „Wollen sie mich auffressen?“
„Niemand wir dich auffressen.“, versuchte ich sie zu beruhigen.
„Nein, das nicht. Sie werden dich verwandeln und dich dann in ihre Gruppe zwingen, um aus deinem Talent einen Vorteil zu schlagen.“ Emotionslos teilte uns Eddie seine Vermutung mit. Ja, er hatte recht, aber musste er das so offen sagen? Niemand würde ihr das antun, nicht wenn ich es verhindern könnte und sollte es doch unumgänglich werden dann… Was dann? Ich wusste es nicht. Wenn sie in meiner Nähe war fühlte ich mich fast wieder wie ein Mensch und das war nur einer der Gründe die dagegen Sprach. Doch dann sah ich wieder dieses erste Bild vor mir, sie mit roten Augen und wie glücklich sie darauf war. Meine Gedanken drifteten in tausend Richtungen.
„Bruce, nicht so feste. Du tust mir weh.“ Ihre gequälte Stimme, riss mich aus dem Grübeln. Erschrocken ließ ich sie los. Hoffentlich hatte ich keinen allzu großen Schaden angerichtet. Warum war ich auch nur so unvorsichtig?
„Ist dir was passiert? Geht es dir gut? Hab ich dich verletzt? Sag doch was.“ Voller Reue und beschämt über meine Unachtsamkeit sah ich ängstlich zu ihr.
„Mir, geht es gut.“, sagte sie freundlich. Doch war dem wirklich so oder wollte sie mich nur beruhigen? Als sie meinen besorgten Blick sah lächelte sie. „Ehrlich, mir ist nichts geschehen. Du hast nur ein bisschen fest gedrückt. Das war alles.“ Sie hob ihren Arm und schlenkerte damit. „Siehst du alles in Ordnung.“
„Das hätte nicht passieren dürfen. Es tut mir leid.“ Auch wenn offensichtlich nichts geschehen war, zeigte es mir doch wieder meine Grenzen. Ich war eben nur einen Augenblick unaufmerksam und schon hatte ich ihr weh getan. Ich konnte es nicht leugnen, ich war ein Monster. Entsetzt über mich selbst dreht ich mich weg und sah betrübt zum Boden.
„He, lass das. Sieh mich an, bitte.“, redet sie auf mich ein. Widerwillig hob ich den Kopf und sah sie regungslos an. In ihren blauen Augen fand ich Trost und Verständnis. Ihre Hände fuhren durch mein Haar und verschränkten sich hinter meinem Kopf. Sie war ganz nahe und ihr heißer Atem traf mich voll. Zu der Hitze ihres Atems gesellte sich noch ein verstärktes brennen in meiner Kehle, aber es war auszuhalten.
„Du wirst jetzt aufhören so zu gucken. Mir geht es gut. Noch. Aber das kann sich ändern wenn du nicht sofort wieder lächelst.“ Das konnte doch nicht ihr ernst sein, erst tu ich ihr weh und jetzt soll ich dazu noch fröhlich lächeln? Manchmal verstand ich sie nicht. Doch ich wollte mich auch nicht mit ihr streiten, wenn es ihr Wunsch war. Ach was soll’s. Gequält verzog ich mein Gesicht zu einem schiefen Lächeln.
„Das kannst du aber besser.“, maßregelte sie mich. Ihr Kopf kam noch näher und unsere Stirn und Nasen berührten sich. „Ich weiß, das du mir nicht wehtun wolltest, also verdirb uns nicht den Abend mit Selbstvorwürfen.“
„Gut wenn du es so möchtest.“, antwortete ich letztendlich und versuchte den Vorfall zu verdrängen, zumindest für heute Abend.
Während ich das sagte, sah ich aus den Augenwinkeln wie Eddie und Marie aufstanden und aus dem Zimmer gingen. „Wir lassen euch zwei mal alleine. Wir reden ein andermal weiter. Ihre Gabe. Sehr beeindruckend. Bis Morgen. Wir fahren um zehn vergess das nicht.“, sagte Marie als sie an uns vorbei ging, wobei sie so leise und schnell sprach das nur ich sie hören konnte.
Als Sandy sich wieder aufrichtet waren wir allein im Raum. Fragend lies sie ihren Blick schweifen. „Wo sind denn die anderen?“
„Sie wollten uns etwas Zeit für uns lassen.“
„Darum hätten sie aber nicht gehen brauchen, trotzdem es ist sehr nett von ihnen.“
„Ja, komm ich zeig dir mein Reich.“
„Oh, ja. Ich bin schon ganz gespannt auf dein Zimmer.“
„Nun, es ist nicht nur ein Zimmer.“, antwortet ich verschmitzt.

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10. Freundinnen ? Teil 8

Beitrag  Gast am So 04 Okt 2009, 20:57

Wir gingen zurück in die Eingangshalle und nahmen die Tür in den Nordflügel. Wir betraten einen etwa 15 m langen Flur, links war nur eine Tür und rechts zwei. Ich deutete auf die erste Tür rechts. „Das ist das Bad, die nächste führt in mein Zimmer und hier links geht’s in die Bibliothek.“ Ich ging durch die linke Tür in die Bibliothek und schaltete das Licht an. Links neben der Tür war ein offener Kamin vor dem zwei schwere lederne Clubsessel standen, dazwischen hatte ein kleiner Tisch seinen Platz gefunden und dahinter stand eine zweiarmige Standlampe, die perfektes Leselicht lieferte. Der Rest des etwa 100 qm großen Raums war mit Büchern prall gefüllten Regalen voll gestellt. Mit leuchtenden Augen schritt sie die Reihen ab und streifte liebevoll über die Bücher.
„Ihr hab aber viele Bücher.“, hörte ich ihre aufgeregte Stimme aus einer der hinteren Reihen. Ich ging zu ihr und sah verlegen um die Ecke.
„Nicht wir, das sind alles meine.“
„Die sind alle dir?“ Dann drehte sie sich um und zog ein Buch aus dem Regal. Sie schlug es auf und betrachtete stirnrunzelnd die Schrift. „Was ist das für eine Sprache?“
„Koreanisch, ich lese Bücher am liebsten in der Ursprungssprache, bei Übersetzungen geht oft das Gefühl des Autors verloren.“, erklärte ich ihr freimütig.
Sie klappte das Buch wieder zu und stellte es an seinen Platz. Als sie jetzt die Regale noch einmal abging betrachtet sie die Bücher genauer. „Wie viele Sprachen sprichst du denn. Ich hab hier Bücher in mindestens 15 verschiedenen Sprachen gesehen. Die sprichst du doch nicht alle, oder?“
„Nun, um ehrlich zu sein.“, verlegen sah ich sie an und trat auf der Stelle. Was sollte ich ihr sagen? Wie würde sie die Wahrheit aufnehmen? Doch warum machte ich mir deswegen Sorgen? Bis jetzt hatte sie noch nichts geschockt. „Nein, ich spreche nicht nur 15 sondern 20 fließend und zwei weitere lerne ich zurzeit.“
„Zwanzig und ich dachte schon meine Fünf wären viel, aber bei dir sollte mich wohl nichts überraschen. Aber wie machst du das? Eine Sprache zu lernen ist doch sehr zeitintensiv.“
„Bis jetzt hatte ich ja immer viel Zeit, ich schlafe ja nicht. Mir fällt es außerdem sehr leicht eine Neue zu lernen, ich muss nur die Grundlagen erlernen und dann belausche, ich mit Hilfe meiner Gabe, einfach die Menschen im Ursprungsland, schon kann ich sie.“
„Warum bis jetzt?“, fragte sie schmunzelnd, als wenn sie es nicht wüsste.
„Ach, warum wohl. Ich glaub es gibt da jetzt jemanden dem ich meine ganze Aufmerksamkeit schenke. Jemand der gar nicht erahnt wie wichtig sie für mich ist.“ Feixend sah ich sie an.
Sie ging weiter an den Buchreihen vorbei und betrachtet hier und da mal eines.
„Vielleicht ahnst du ja nicht was du für diesen Jemand bedeutest. Vielleicht bist du ihr ja wichtiger als du denkst. Vielleicht ist sie deshalb bereit all das hier hinzunehmen. Vielleicht liebt sie dich ja mehr als jede andere Person die sie je gekannt hat.“ Mit den letzten drehte sie sich zu mir und grinste mich herausfordernd an.
„Vielleicht, aber ich glaube nicht das sie mich mehr lieben kann als ich sie, das geht gar nicht. Unserer Art fällt es schwer so zu lieben, doch wenn es geschieht ist das Endgültig. Solch tiefe Gefühle verändern uns und dann gibt es kein zurück mehr.“, sprach ich leicht vor mich hin.
Sie hatte sich wieder umgedreht und war zum nächsten Regal gegangen, doch ich konnte ihr glückliches Lächeln, als sich ihr Gesicht in einem der Fenster spiegelte, trotzdem sehen.
„Ja, vielleicht. Trotzdem glaube ich nicht das du sie mehr liebst als sie dich. Kenne ich eigentlich die Glückliche?“, fragte sie im gleichen gespielten Ton.
„Ich weiß nicht, vielleicht.“ Ich zuckte mit den Schultern und ging zu ihr. „Wollen wir in mein Zimmer gehen oder möchtest du jetzt lesen?“
„Bei der Auswahl hier könnte ich echt in Versuchung geraten.“ Sie machte eine Pause und sah sich noch einmal um. „Aber heute will ich ganz bestimmt nicht mehr lesen.“ Klimpernd sah sie mich von unten durch ihre vollen Wimpern an. „Uns fällt da bestimmt was Besseres ein.“
Ich nahm ihre Hand und ging kurz entschlossen aus der Bibliothek, durch den Flur, in mein Zimmer. Es war das nordwestliche Eckzimmer. Drei große Fenster, eins in der Nord- und zwei in der längeren Westwand, sorgten am Tage für sehr viel Helligkeit und man hatte hier den gleichen atemberaubenden Ausblick wie im Wohnzimmer, nur das man durch das Nordfenster auch den Nordstern sehen konnte. Darum hatte ich auch dieses Zimmer gewählt. Vor dem Nordfenster stand ein massiver antiker Schreibtisch und die Wand zum Flur war mit Regalen voller CDs, DVD’s, Blueray und altmodischer Vinylscheiben. Zwischen den Westfenstern hing ein Flatscreen und darunter war ein Siedbord auf dem allerlei Erinnerungsstücke, wie Familienbilder, Schneekugeln, ein kleines Stück vom Rotor eines Hubschraubers und ähnlicher Nippes standen.
Ich ging direkt zur Couch die entlang der Südwand stand, setzte mich und zog sie auf meinen Schoss. Sofort bedeckte ich ihr Gesicht mit meinen kalten Küssen, die sie nur zu gern erwiderte. Meine Hände glitten auf ihre Hüften und schoben sich unter ihr T-Shirt, ihren Pullover hatte sie schon nicht mehr an. Langsam, fast in Zeitlupe, schob ich es immer höher und streifte es ihr schlussendlich über den Kopf. Jetzt hatte sie nur noch ihren BH an, hektisch fummelte ich an dem Verschluss herum. Wie war das noch drücken? Schieben? Hoch? Runter? Dafür hatte ich jetzt echt keinen Nerv. Es machte einmal ratsch und ich hatte das Problem auf meine Weise gelöst. „Ich kauf dir morgen einen Neuen“, keuchte ich noch zwischen zwei Küssen und pfefferte die Überreste auf den Boden. „Macht nichts.“, antwortet sie und zog mir ungeduldig das T-Shirt aus. Während ihre Küsse immer fordernder wurden, streichelte ich zart ihre Brüste und ihre Nippel versteiften sich unter meinen kalten Liebkosungen. Mit wehendem Haar warf sie ihren Kopf in den Nacken und seufzte wollig, dann sah sie mich mit halb offenen Augen an, befeuchtete ihre Lippen und drückte meinen Oberkörper so zur Seite auf die Couch, das ich auf dem Rücken liegend unter ihr war. Verführerisch lächelnd senkte sie ihren Kopf und bedeckte meine Brust mit heißen Küssen. Warm leckte sie entlang der vielen Narben, die sie bedeckten und ein Schauer kleiner Blitze durchzog meine Körper und ich stöhnte erregt auf. Kreisend bedachte sie jeden Zentimeter meiner Brust und meines Bauchs. Als sie versuchte meine Hose zu öffnen, arbeitet mein Verstand nur noch auf Sparflamme, doch dann viel mein Blick auf den großen blauen Fleck der sich auf ihrem Oberarm abzeichnete und ich war wieder voll da. Nein, ich musste sie stoppen, ich war noch nicht soweit mit ihr zu schlafen, nicht das ich es nicht wollte, doch ich war noch nicht soweit. In einer fließenden Bewegung packte ich sie, legte sie auf den Rücken und kniete zwischen ihren Beinen. Fragend sah sie mich an, doch ich grinste nur und bedeckte nun meinerseits ihre wunderschönen Brüste mit meinen Küssen. Während ich eine ihrer Halbkugeln sanft massierte, fuhr meine Zunge über die Warze der anderen. Verspielt saugte ich an dem Nippel, um dann der anderen die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken. Dann wand ich mich ihrem Bauch zu, bedeckte jede Stell, um dann ihren Bauchnabel mit meiner Zunge zu umkreisen. Während ich das tat vergrub sie ihre Hände in meinem Haar, ihr Atem wurde schneller und ihr Herz raste. Ich konnte ihre Erregung riechen und mit meiner Zunge schmecken. Mein Verstand war kurz davor komplett auszusetzen, am liebsten hätte ich ihr jetzt die restlichen Kleider vom Leib gerissen und wäre in sie eingedrungen. Meine Gedanken drehten sich nur noch um sie, in meine Hose tobte ein Aufstand und in meiner Kehle brannte flüssiges Blei. Mit dem letzten bisschen Willenskraft, das mir noch blieb löste ich mich seufzend von ihr, legte mein Ohr auf ihre Brust und lauschte ihrem Herzens. Irgendwie war es schon verrückt, das ausgerechnet dieser Klang mich immer wieder beruhigte, für mich war er die schönste Musik auf erden.
„Du wirst nicht mit mir schlafen.“ Stellte sie nach einer weile enttäuscht fest.
„Nein.“, antwortet ich zerknirscht. Es gab nicht was ich mehr wollte, aber es ging einfach nicht.
„Warum? Bin ich nicht…Ist die Vorstellung für dich…Turn ich dich nicht an?“, fragte sie verletzt.

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10. Freundinnen ? Teil 9

Beitrag  Gast am So 04 Okt 2009, 20:58

Mit einem ruck richtete ich mich auf und sah in ihr betrübtes Gesicht. „Was du immer denkst.“ Bitter lachte ich auf und deutete auf meine Hose die wie ein Einmannzelt von meiner Mitte abstand. „Wonach sieht das denn bitte aus?“
Ich senkte meinem Kopf bis unsere Gesichter ganz nah beieinander waren und sah ihr fest in die Augen. „Für mich gab es nie, gibt es nicht und wird es nie jemanden geben der schöner ist und mich mehr erregt als du. Ich will niemand anderen an meiner Seite und wenn du noch einmal daran zweifelst, dann werde ich echt sauer. Es macht mich traurig wenn du so was denkst.“
Anstatt mir zu antworten küsste sie mich leidenschaftlich.
„Warum willst du dann nicht mit mir schlafen? Bitte erkläre es mir.“, fragte sie sanft und warf mir einen Hundeblick zu.
„Es ist nicht so das ich nicht mit dir schlafen möchte, nein wirklich nicht. Ich wüsste nicht was ich lieber täte. Doch sieh mal, vor einer Woche wusste ich nicht mal ob ich dich küssen kann, ohne dich schwer zu verletzen und du siehst ja was passiert wenn ich nur einen Augenblick unaufmerksam bin.“ Ich deute mit meinen Kopf auf ihren Arm an dem sich der blaue Fleck deutlich abzeichnete. „Ich weiß nicht ob ich mich noch kontrollieren kann wenn du mir so nah bist.“
„Das mit meinem Arm ist nicht so schlimm. Grundsätzlich könntest du aber schon mit mir schlafen? Ich meine rein körperlich steht dem nichts im Weg?“
„Nein, körperlich steht dem nichts im weg. Es gibt Artgenossen die mit Menschen schlafen. Für sie ist das aber nur so eine Art Vorspeise und wenn dabei was schief geht, ist das für sie nicht tragisch. Für mich wäre es das aber. Ich weiß einfach nicht ob du es überleben würdest und das Risiko bin ich nicht bereit einzugehen. Ich möchte dich auch morgen und übermorgen, am liebsten für immer in meiner Nähe haben.“
Lächelnd streichelte sie mein Gesicht. „Das möchte ich auch. Schön das ich dir soviel bedeute. Meinst du denn wir können es irgendwann mal versuchen?“
„Wenn ich mich besser auf dich eingestellt habe, mich besser kontrollieren kann und ich sicher bin, dass das Risiko minimal ist, ja dann werden wir es versuchen.“, antwortete ich ihr, obwohl ich nicht wusste ob dieser Zeitpunkt jemals kommen würde.
„Gut, mehr kann ich wohl nicht verlangen.“, lachend zog sie mich zu sich und ich legte meinen Kopf wieder auf ihre Brust um noch ein wenig ihrem Herzen beim schlagen zuzuhören.
Doch dann viel mir auf das sie sich gar nicht mehr rührte und drehte meine Kopf zu ihr. Sie sah starr zur Decke und regte sich überhaupt nicht. Was hatte sie nur? War sie doch enttäuscht? „Ist es doch nicht gut?“, fragte ich schließlich, da ich die Ruhe nicht mehr ertragen konnte.
Erschrocken löste sie ihren Blick von der Decke und sah mich traurig an. „Nein…Nein, das ist es nicht. Ich hab nur über was anderes nachgedacht.“
„Und über was?“, bohrte ich nach.
„Nun…Ja…“, druckste sie rum. „Es geht um das was du über die verschiedenen Augenfarben gesagt hast.“
Ich setzte mich auf und zog sie zu mir hoch. „Ja, was ist damit.“
Schräg sah sie mich von der Seite an und senkte dann ihren Blick. „Rote Augen heißt also das man Menschen tötet um sich zu ernähren, stimmt das?“
„Ja, warum?“, fragte ich verwundert, ich dachte das hätte ich deutlich genug erklärt. Doch worauf zielte ihre Frage nur ab? Was beschäftigte sie so sehr?
Tränen liefen über ihr Gesicht. Ich verstand rein gar nichts mehr. Was hatte sie nur.
„Ich will aber keine Menschen töten. Warum sehe ich mich nur mit roten Augen? Warum kann ich nicht wie ihr sein?“, schluchzte sie verzweifelt und drückte sich an mich.
Jetzt verstand ich was sie hatte. Sie verwechselte die Augen von Neugeborenen mit denen normaler Vampire. Ich hob ihr Kinn an und wischte ihre Tränen weg. „Tsst. Nicht weinen. Ich kenne die Bilder, die du meinst und du verwechselst da was.“, versuchte ich sie zu beruhigen. „Erstens glaube ich nicht das es soweit kommt und zweitens… das ist nicht das Rot das ich meinte. Diese roten Augen hatten wir alle. Sie bedeuten nicht mehr und nicht weniger, als das du jung bist. Das du gerade erst verwandelt wurdest und noch voll bist von deinem eigenen menschlichen Blut. Diese Farbe hast du nur für ein paar Monate und dann verändert sie sich, je nachdem was du isst.“
„Wirklich?“, fragte sie hoffnungsvoll.
„Wirklich. Auch wenn ich nicht glaube das es soweit kommt. Doch wenn. Du bist stark, dein Wille ist stark genug um unseren Weg zu gehen und ich werde, wenn es soweit kommen sollte, alles tun um dich zu unterstützen und Marie und Eddie werden dir auch helfen. Keiner von uns hat sich je von einem Menschen ernährt, auch wenn es nicht immer leicht ist.“ Ich versuchte so zuversichtlich wie möglich zu klingen, auch wenn mir die Vorstellung, das sie verwandelt werden könnte zu wieder war. Andererseits vertraute ich darauf, das sie stark genug für unsere Lebensweise war.
„Du. Ihr werdet mir also helfen? Alle?“
„Ja, alle. Sie sehen dich schon als Teil der Familie und wir helfen und beschützen uns.“
„Wirklich alle, auch Eddie? Er war ja nicht unbedingt begeistert.“
„Das siehst du falsch. Er hat sich sogar sehr deutlich geäußert.“ Stellte ich bestimmt fest.
„Wann? Das hab ich aber nicht mitbekommen.“
„Oh stimmt, du weißt ja nichts über Lucie. Eddie hat doch gesagt das es besser wäre, das die Anderen erst von deinem Talent erfahren, wenn Lucie schon bei uns ist wegen ihrer Erfahrung und ihrer Gabe.“ Sie nickte und sah mich wieder Fragend an. „Nun, Lucie hat von uns allen die meiste Erfahrung im Kampf gegen andere unserer Art und ihre Gabe ist ihr dabei sehr hilfreich. Für ihn steht fest, das wenn du bedroht wirst wir kämpfen werden um dich zu beschützen und glaub mir das macht er nicht für jeden, erst recht nicht für einen Menschen.“
„Ihr glaubt, das es wegen mir unweigerlich zu einem Kampf kommt?“
„Ja, früher oder später. Deine Gabe ist einfach zu wertvoll, zumal….wenn… wenn du verwandelt wirst, wird deine Gabe stärker, ausgeprägter, wer weiß was du dann alles sehen kannst.“
„Stärker.“, flüsterte sie und legte ihren Kopf an meine Brust. „Ich will aber nicht das wegen mir gekämpft wird. Das ihr euch in Gefahr bringt. Ihr könntet verletzt werden oder…“
Hier unterbrach ich sie. Sie machte sich um die falschen Dinge grundlos Sorgen. „Nein, mach dir um uns keine Sorgen, wir können sehr gut auf uns selbst aufpassen.“
„Aber Marie, sie ist doch nicht viel größer als ich.“
„Gerade um Marie brauchst du dir wirklich keine Sorgen machen. Die kann sich bestens Schützen.“, lachte ich auf. Marie hatte nun wirklich kein Problem sich zu schützen. Ich kannte nichts was ihr gefährlich werden könnte, nun vielleicht eine Atombombe, die direkt neben ihr explodiert, aber selbst da war ich mir nicht sicher. Das einzige was ihr wirklich gefährlich werden könnte wäre jemand wie Lucie, jemand der ihren Geist angreift.
„Dann ist es ja gut, ich möchte aber trotzdem nicht das wegen mir gekämpft wird.“, seufzte sie.
„Mach dir keine Sorgen, alles wird gut ausgehen. Du wirst schon sehen.“ Ich versuchte ihr die Sorgen zu nehmen, obwohl ich selbst nicht sicher war. Ich hielt sie fest an mich gedrückt und streichelte ihr Haar.
„Wo schlaf ich eigentlich?“, fragte sie nach einer Weile und sah sich um.
Ich deute auf die Tür direkt neben der Couch. „Ich dachte du schläfst in meinem Bett, das Schlafzimmer ist direkt nebenan. Bist du müde?“
„Ja, ein wenig.“, antwortete sie mit einem langen Gähnen.
„Dann komm ich zeig dir alles.“
Wir gingen ins Schlafzimmer, der Raum war spartanisch eingerichtet, ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen vor dem Fenster und ein großes französisches Doppelbett waren die einzigen Möbel. An den Wänden hingen zwei Bilder, abstrakte Kunst, von meinem Lieblings Maler. Neben dem Bett führte eine Tür in den begehbaren Kleiderschrank und eine weitere ins Bad.
Ich stellte ihre Taschen neben das Bett und deutete auf die Tür zum Bad. „Da geht’s zum Bad.“
Sie nickte und begann in ihren Taschen zu kramen. Als erstes legte sie ihre Malutensilien auf den Tisch, man konnte ja nie wissen wann sie sie brauchte, dann nahm sie ihre alte Jogginghose, ein T-Shirt und ihr Waschzeug und verschwand im Bad. Ich zog mir eine Shorts an und legte mich aufs Bett. Ich lag auf der Seite, den Ellenbogen auf dem Bett und den Kopf in mit der Hand abgestützt und sah zur Badtür während ich auf sie wartetet.
Sie kam aus der Tür und als sie mich so liegen sah grinste sie mich schelmisch an. Mit ihren Fingern bildete sie ein Rechteck, durch das sie mich betrachtete, als suche sie eine Perspektive. Ihr grinsen wurde noch breiter. „Perfekt. Ich wollte schon immer mal einen Akt malen. Du wirst mir demnächst Model liegen müssen.“, prustete sie.
„Meinst du wirklich?“, fragte ich wenig begeistert, doch sie nickte nur und ihr Gesicht strahlte Vorfreude aus. „Also gut, wenn du unbedingt möchtest.“
Jauchzend warf sie sich aufs Bett und krabbelte zu mir. „Ja, ich möchte. Du siehst so gut aus, das muss ich festhalten.“
Sie küsste mich noch einmal, dann legte sie sich unter die Deckel und kuschelte sich an mich. Ich schaltete das Licht aus und wünschte ihr eine gute Nacht.
Doch offenbar konnte sie nicht sofort einschlafen, nach etwa einer halben Stund regte sie sich neben mir.
„Bruce?“
„Ja. Ich dachte du wolltest schlafen.“
„Möchte ich auch, aber eins würde mich doch noch interessieren.“
„Gut, eine Frage beantworte ich dir noch.“
Sie stöhnte auf und knuffte mich in die Seite. „Sei nicht immer so.“
„War das alles? Dann gute Nacht.“
„Nein. Ich wollte nur wissen warum hast du eigentlich ein Bett? Wo du doch nicht schläfst.“
Ich musste leise Lachen. Na, das war mal endlich eine einfache Frage. „Aus dem gleichen Grund warum wir eine voll eingerichtet Küche, mit gut gefüllter Speisekammer und Kühlschrank haben. Alles Tarnung, falls mal ein Mensch im Haus ist, wir achten sehr auf Details. Man weiß ja nie.“
„Ah, ich verstehe.“
„War das alles?“
„Ja.“
„Dann schlaf schön, morgen wird ein langer Tag.“
„Gut, dann gute Nacht.“
„Gute Nacht.“

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11. Boston Teil 1

Beitrag  Gast am Fr 09 Okt 2009, 20:33

Wir müssen blutig zwar und grausam scheinen,
Wie unsre Hände und die geschehene Tat uns zeigen,
Doch Ihr seht die Hände nur
Und dieses blut’ge Werk, so sie vollbracht,
Nicht unsre Herzen, sie sind mitleidsvoll.


William Shakespeare, Julius Cäsar, 3. Akt, 1. Szene

11. Boston

Im Tiefflug schoss unsere kleiner Konvoi über den Freeway, selten zeigte der Tacho weniger als 130 Meilen/h an. Sandy starrte aus dem Fenster und betrachtete Landschaft die an uns vorbei flog, um nicht daran denken zu müssen das wir sämtlich Geschwindigkeitsbegrenzungen um ein vielfaches überschritten. Durch den Rückspiegel sah ich Marie ungeduldig auf dem Lenkrad ihres Wagens trommeln, ihr ging es immer noch nicht schnell genug. Eddie hatte den Blick gesenkt und betrachtet irgendwas auf seinem Schoss, vermutlich seinen Laptop. Er war mit seinen Nachforschungen über Robbert noch nicht weiter gekommen und nutzte wohl die Fahrt um nach Informationen zu suchen. Auch von unseren Bekannten hatten wir nichts erfahren können, keinem war so ein Wesen bis jetzt unter gekommen und meine Beobachtungen hatten auch nichts Neues erbracht. Es war frustrierend.
Als wir an einem Hinweisschild Boston 50 Meilen vorbeikamen senkte ich unser Tempo drastisch auf die vorgeschriebenen 55 Meilen/h.
Sandy drehte sich zu mir. „Was ist denn jetzt? Keine Lust mehr zu rasen?“
„Nein. Keine Lust.“ Lachend deutete ich auf ein großes Schild, das Werbung für ein Dinner ein paar Meilen voraus machte. „Schau mal wer dahinter steht.“
Als wir an dem Schild vorbeifuhren sah sie hinter das Schild und fing an zu lachen. „Die Bullen und du verdirbst ihnen das ganze Geschäft.“
„So ist es gedacht.“
Als wir außer Sichtweite waren drückte ich aufs Gas und beschleunigte wieder auf 130. Schon bald hatten wir die Außenbezirke von Boston erreicht und der Verkehr wurde dichter, so das wir notgedrungen unsere Tempo senken mussten.
Im Radio dudelten die neusten Hits, bis um Punkt 12 ein freundlicher Sprecher die neuesten Nachrichten vorlas. Es waren die üblichen Meldungen, Wall Street, der nie enden Krieg gegen den Terror, Stars, alles uninteressant, ich hörte nur mit halben Ohr zu. Die Menschen könnten so friedlich zusammen leben, warum taten sie es nie? Zum Schluss kamen Lokalnachrichten, die mich noch weniger interessierten. Ich wollte schon einen anderen Sender suchen als eine Meldung meine ganze Aufmerksamkeit erregte.
„Quincy – Heute Morgen wurde, in einem Müllcontainer, im Gewerbegebiet von Quincy eine völlig verkohlte männliche Leiche Gefunden. Über die Identität des Toten ist noch nichts bekannt. Wie ein Sprecher des Boston Police Departments mitteilte, wird heute um 15.00 Uhr eine Pressekonferenz zu diesem erneuten Zwischenfall abgehalten. Dies ist bereits das 8-mal innerhalb der letzten 14 Tage, das im Großraum Boston eine verkohlte Leiche aufgefunden wurde. Auffallend ist das alle Opfer massive Knochenbrüche, die ihnen noch vor ihrem Tot zugefügt wurden, aufweißen. Auch wenn das Boston PD sämtliche zusammenhänge zwischen den einzelnen Taten bestreitet, sind sich Experten sicher das es sich um einen Serienkiller handelt und weisen auf eine ähnliche Mordserie hin, die im Jahr 2006 Seattle erschüttert hatte. Dort war es innerhalb weniger Monate zu 53 Morden gekommen, die den Taten in unserer Stadt gleichen. Auch in Seattle wurden die Toten verbrannt, nachdem man ihnen vorher die Knochen gebrochen hatte und auch die unsystematische Auswahl der Opfer ist gleich. Wie damals scheint der Killer bei seinen Opfern keinem der üblichen Schemen zu folgen, weder was Rasse, Geschlecht, Alter oder soziale Herkunft angeht. Jeder könnte sein nächstes Opfer sein. Da der Täter von Seattle nie gefasst wurde, steht zu befürchten das der so genannte Burning Man Killer oder ein Nachahmer jetzt sein Unwesen in unserer schönen Stadt treibt….“
Nervös trommelte ich auf dem Lenkrad und ein tiefes Knurren bahnte sich seinen weg durch meine Kehle. So eine Scheiße. Was sollte das, kannte da jemand die Regeln nicht? Oder war das gar ein Todeswunsch? Wie auch immer wir fuhren gerade in eine Stadt, in der ein Vampir Amok lief, da war ich mir ganz sicher. Ich kannte die Anzeichen noch aus dem Süden. Höchstwahrscheinlich ein Neugeborener der noch nie was von den Regeln und von den Volturi gehört hatte.
„Was hast du?“ Sandy klang überrascht und schaute mich neugierig aber auch besorgt an.
„Komplikationen.“, antwortete ich einsilbig. „Ich erklär es dir gleich wenn wir alle zusammen sind.“
Sie schnaubte auf, lies es für dem Moment aber damit.
Ich drückte kurz ihre Hand. „Ich weiß, aber ich möchte nicht alles zweimal erklären.“
Kurze Zeit später fuhren wir vom Freeway ab, direkt zu einem der Einkaufszentren in Innenstadtnähe. Ich steuerte in eine der Tiefgaragen und stellte den Wagen auf einem der unteren Ebenen ab. Marie parkte neben uns und ich gab ihr zu verstehen das sie und Eddie hinten einsteigen sollten.
„Was ist denn los?“, fragte Eddie nachdem sie auf der Rückbank platz genommen und die Türen geschlossen hatte.
„Hab ihr eben die Nachrichten gehört?“
„Nein. Warum?“
Ich sah in drei fragende Gesichter und holte noch einmal tief Luft. Dann erzählte ich was der Nachrichtensprecher eben gemeldet hatte. Als ich fertig war stöhnte Marie auf, Eddies Stirn lag in Falten und Sandy sah fragend von einem zu anderen.
„Würde ihr mich bitte aufklären, was geht hier vor?“, fragte sie schließlich ungeduldig.
Ich drehte mich zu ihr. „Das war höchstwahrscheinlich einer von unserer Art. Ich vermute ein Neugeborener, der nicht unterrichtet wurde und wie ein Wilder seine Instinkte auslebt.“ Ein Schauer lief durch ihren Körper und sie sah mich ängstlich an.
„Ja, er benimmt sich so als hätte er noch nie von den Volturi gehört. Er schreit förmlich nach seinem Tot.“, warf Marie ein.
„Den Volturi? Wer sind die Volturi? Eddie hat sie doch gestern schon erwähnt.“, fragte Sandy.
„Die Volturi sind eine der ältesten, mächtigsten und größten Familien. Sie haben sich zur Aufgabe gemacht, für die Einhaltung der Regeln zu sorgen. Sie sind Polizei, Ankläger, Richter und Henker in einer Person. Wenn wie hier droht das unsere Existenz publik wird, kommen sie und beseitigen die Ursache. Schnell und endgültig.“, antwortete ich ihr ernst.
„Endgültig?“
„Ja, bei uns gibt es nur eine Strafe und die ist endgültig.“
„Und was machen wir jetzt wieder Heimfahren?“, fragte Eddie leicht genervt. Er würde jetzt am liebsten die Stadt durchkämmen und selbst nach dem Neugeborenen suchen. Um mit ihm zu reden und wenn das keinen Sinn hatte, ihn zu entsorgen. „Sandy, hast du was gesehen? Weißt du ob wir ihm begegnen?“
„Ich weiß nicht.“, sie zuckte mit den Achseln. „Eddie so funktioniert das nicht. Ich habe euch, mit anderen gesehen, aber ob das heute ist oder erst in Jahren. Keine Ahnung. Ich weiß es erst wenn der, ich nenn es Auslöser, eintritt, wenn die Anfangszene eintritt. Ich werde darauf achten, wenn mir was auffällt sag ich euch bescheid.“
Eddie nickte ihr begeistert zu, er fand ihre Gabe einfach faszinierend. „Gut mach das.“
„Und was machen wir jetzt?“, fragte Marie ungeduldig, sie wollte unbedingt einkaufen und sah eigentlich keinen Grund ihre Pläne für diesen Tag zu verwerfen.
„Wir machen das weswegen wir hier sind.“, entschied ich und sah in die Runde. Stille Zustimmung lag auf allen Gesichtern. „Wir bleiben aber zusammen. Sandy wird auf Zeichen achten und wir werden unsere Augen und Nasen offen halten. Wenn irgendwem was auffällt sehen wir weiter.“
Nachdem das geklärt war, gingen wir zum Taxistand und nahmen eins. Zuerst klapperten wir einige Apotheken für alternative Medizin ab und besorgten eine große Auswahl an Heilpflanzen und anderen Zutaten – nicht nur die, die sie für den Trank brauchte, sondern eine komplette Grundausstattung. Es waren so viele, dass das was nicht sofort gebraucht wurde zusammen mit den nicht vorrätigen Zutaten, in ein paar Tagen mit Kurier nachgesandt würde. Danach fuhren wir zu einer kleine Firma für Laboreinrichtungen, nach Cambridge. Der Verkäufer war ein wenig irritiert als vier junge Leute sein Geschäft stürmten und Marie eine lange Liste mit den benötigten Gerätschaften hervorzog.
Kleine Schweißperlchen bildeten sich auf seine Stirn. Skeptisch sah er zu uns und tupfte sich mit einem Taschentuch über die Stirn. „Das kann aber ein paar Tage dauern, verschiedenes muss ich erst bestellen. Das wird aber nicht billig.“ Dann deute er auf mehrer Punkte der Liste. „Das hier sind die neuesten Geräte, die auf dem Markt sind. Ich kann ihnen da auch was Preiswerteres anbieten. Gebraucht zwar, aber einwandfrei im Schuss. Ich gebe ihnen darauf auch ein Jahr Garantie.“
Sandy schaute auf die Liste und sah mich verunsichert mit hochgezogener Augenbraue an. Ich grinste nur amüsiert und zwinkerte ihr zu.
„Danke, sehr freundlich von ihnen.“, antwortet Marie zucksüß. „Aber wir bleiben bei den Geräten auf der Liste. Wann können sie liefern und aufbauen?“
Er sah in seinen Kalender. „In vier Wochen hätte ich noch was Frei.“
Marie sah ihn mit einem Blick an, der einen Eisberg zum schmelzen gebracht hätte. „Sind sie sicher? Das geht doch bestimmt früher. Es ist auch ein Bonus drin.“
Sein Herz fing an zu rasen, seine Atmung ging abgehackt, sein Gesicht wurde rot wie eine Tomate und noch mehr Schweiß trat auf seiner Stirn zutage. Es war doch immer wieder lustig, welche Reaktionen Marie bei Männern auslöste. Der Verkäufer – ein gestandener Mann Anfang Fünfzig, mit Ehering und Familienphotos auf dem Schreibtisch – konnte sich ihrem Scham nicht entziehen und blätterte noch einmal in seinem Kalender. „Oh. Nächste Woche Donnerstag hätte ich noch was frei.“ Hoffnungsvoll sah er zu Marie. „Eher geht es wirklich nicht. Ich muss doch einiges bestellen.“, fügte er entschuldigend hinzu.
„Ach, das macht nichts. Nächsten Donnerstag also, das wäre dann der 25.10. um 9.00 Uhr?“, fragte sie geschäftsmäßig und schenkte ihm ein freundliches Lächeln.
Sein Gesicht wurde noch einen Ton dunkler und sein Herz raste jetzt so, das ich langsam Angst um seine Gesundheit bekam. „Ja. Neun Uhr geht.“, dann wand er sich seinem Computer zu und lockerte seine Krawatte, um besser atmen zu könne. „Ich gebe ihre Bestellung schnell ein und druck ihnen dann den Auftrag aus.“
Sandy sah immer wieder irritiert zwischen Marie und dem Verkäufer hin und her. Ich drückte leicht ihre Hand. ‚Sie bekommt immer was sie will, vor allem bei Männern.’, sprach ich in ihrem Kopf.
Er druckte den Auftrag aus und reichte ihn Marie. Sie las ihn aufmerksam durch und unterschrieb. Lächelnd gab sie ihn dem Verkäufer zurück.
„Sehr schön. Es gibt da nur noch eine Kleinigkeit.“ Sprach er leise und fügte zögernd mit leichtem bedauern hinzu. „Da sie ein Neukunde sind müssen sie 25 Prozent anzahlen. Tut mir leid. Firmenpolitik. Darauf hab ich leider keinen Einfluss.“
Marie machte eine wegwerfende Handbewegung und zog lächelnd eine schwarze Kreditkarte aus ihrem Portemonnaie. „Sie nehmen doch Kreditkarten?“
„Selbstverständlich.“ Mit großen Augen nahm er die Karte und ging zur Kasse um die Buchung vorzunehmen. Nach fünf Minuten kam er mit dem Zahlungsbeleg zurück und reichte uns den Durchschlag zusammen mit dem Vertrag.
Nachdem er uns überschwänglich verabschiedet hatte verließen wir den Laden. Ich hörte wie er sich stöhnend in seine Stuhl fallen lies und sah durch die Scheibe wie er seine Krawatte auszog und sich erneut den Schweiß von der Stirn wischte. „Der Träumt heute Nacht von dir.“, wand ich mich lachend an Marie.
„Wieso?“, fragte sie unschuldig als wir uns wieder zum Taxi begaben. Ich sah sie nur grinsend an und verdrehte die Augen.
„Ja und außerdem glaubt er bestimmt das wir ein Drogenlabor einrichten wollen. Marie was soll ich nur mit all dem Zeug.“, mischte sich jetzt Sandy ein.
„Man weiß ja nie.“, antwortet sie gut gelaunt.
„Die gebrauchten Geräte hätten es aber auch getan. Was hat der Spaß eigentlich gekostet?“, wollte Sandy jetzt wissen.
„Wir kaufen nichts Gebrauchtes.“, stellte Marie bestimmt fest. „Und was es gekostet hat. Geld.“ War alles was sie darauf antwortet und ging nicht weiter auf das Thema ein.
Sandy stöhnte. Eddie lachte ein herzliches Lachen, in das ich einstimmte.


Zuletzt von IRABLOODLUST am Sa 10 Okt 2009, 17:59 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet

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11. Boston Teil 2

Beitrag  Gast am Fr 09 Okt 2009, 20:35

Wir fuhren zum Charlesbank Park und gingen in eins der Restaurants am Fluss. Unser Tisch war direkt am Fenster. Regen prasselte gegen die Scheiben und ein großes Frachtschief fuhr Flussaufwärts über den Charles River. Laut lies es sein Horn erklingen und der Kellner servierte Sandy ihr Essen. Seit betreten des Restaurant hatte sie sich angespannt umgesehen, so als würde sie auf etwas warten. Doch jetzt fiel alle Anspannung von ihr und als der Kellner sich von Tisch entfernt hatte, grinste sie breit.
„So jetzt hab ich’s.“, verkündete sie ernst und sah in unsere fragenden Gesichter. „Ihr wollte doch wissen wenn ich etwas sehe. Also ich wenn ich mich recht erinnere, ich hab ja meine Zeichnungen nicht zur Hand und es sind so viele, sollte ich was vergessen tut es mir leid. Also ich sehe euch zwei.“ Sie zeigte auf Eddie und mich. „Vor einem großen Park. Auf der Erde ist eine lange rote Linie mit Plaketten und eine große Uhr zeigt Neun, ich denke abends denn die Straßenlaternen sind eingeschaltet. Das nächste zeigt euch auf einer Baustelle, da ist noch ein Junge, vielleicht 14 oder 15, mit hellroten Augen. An mehr erinnere ich mich nicht mehr.“
„Das ist mehr als genug und äußerst hilfreich.“ Ich sah sie stolz an und drehte mich dann zu Eddie. „Dann wollen wir uns den Burschen heute Abend mal ansehen, vielleicht reicht es ja wenn wir ihm die Regeln und die möglichen Konsequenzen erläutern.“
„Ja, vielleicht. Ansonsten…“, grimmig lies er das letzte Wort in der Luft hängen und sah voller Vorfreude zu mir.
„Seit ihr sicher, das ihr allein gehen wollt?“ Marie sah von Eddie zu mir. Die Vorstellung, das wir allein los ziehen würden, schien ihr nicht zu gefallen. Sie war es einfach nicht gewohnt das wir so was ohne sie, ohne ihren Schutz machten. Doch bis jetzt waren wir auch nur zu dritt gewesen, einer musste auf Sandy achten und sie konnte ihr den besten Schutz überhaupt bieten, darin war sie besser als Eddie und ich.
„Moment mal, ihr wollt mit ihm reden und wenn das nichts nützt dann…“, stockte sie und sah uns mit weit aufgerissenen Augen an.
„Dann werden die Jungs das Problem beseitigen.“, flüsterte Marie ihr zu. „Keiner hat gern Besuch aus Italien. Für dich mag Hannover weit weg sein, aber unser Revier ist groß. Er könnte fliehen und durch unser Gebiet kommen und wenn sie uns dann wittern, könnten sie neugierig werden. Nein, das Risiko können wir nicht eingehen, jetzt nicht mehr.“
Es dauerte eine Weile bis sie den Sinn hinter den Worten verstand. „Wegen mir.“, flüsterte sie resigniert und sah mich traurig an.
„Nicht nur, keiner von uns möchte sie persönlich kennen lernen.“ Ich streichelte ihre Hand und lächelte sie aufmunternd an. „Es gibt Gerüchte das die Italiener, in den letzten Jahren verstärkt nach neuen Talenten suchen und wir möchten uns ihnen nicht anschließen. Auch darum ist es besser, das sie uns nicht kennen, man sollte keine Begehrlichkeiten wecken.“
Sie schluckte, atmete tief ein. Die Traurigkeit verschwand aus ihrem Gesicht und machte Abgeklärtheit platz. „Ihr wisst da besser bescheid, wenn ihr sagt es ist notwendig, dann ist es notwendig. Doch wer sind jetzt diese Italiener?“
„Oh, wir haben heute schon von ihnen gesprochen. Die Volturi, sie kommen aus Voltera, Italien, daher der Name.“, antwortete ich.
Sie nickte nur und stocherte in ihrem Essen.
Eddie platze fast vor Erwartung. „Jetzt müssen wir nur noch rauskriegen, wo dieser Park ist.“
„Das wird schon nicht so schwierig sein.“ Ich winkte dem Kellner zu, der sich sofort zu unserem Tisch begab.
„Darf es noch was sein, Sir?“, fragte er dienstbeflissen.
„Nein, aber sie können uns vielleicht weiterhelfen. Gib es hier in Boston einen großen Park, auf dem Bürgersteig davor müsste eine rote Linie, die von Plackten unterbrochen wird, sein?“
Er brauchte gar nicht lang zu überlegen. „Sir, das kann nur der Common sein und die rote Linie die sie meinen, ist der Freedom Trail. Er beginnt am Common und führt über 4 Kilometer entlang der Stätten der Unabhängigkeitsbewegung. Kann ich ihnen sonst noch behilflich sein? Sir.“
„Nein, danke. Sie haben uns sehr weiter geholfen.“, antwortet ich freundlich. Das ging ja leichter als ich dachte, er war wirklich sehr hilfreich.
Er entfernte sich vom Tisch und ich sah schmunzelnd zu Eddie. „Der Common, wir haben wohl ein Date.“
„Davon kannst du ausgehen.“, antwortete er enthusiastisch.
„Und wir zwei machen einen Mädels Abend. Magst du Lipstick Jungle, ich hab alle Staffeln auf DVD.“ Marie war schon voll bei der Planung für den Abend. Hoffentlich mochte Sandy die Serie oder fand sie zumindest annehmbar. Marie liebte sie nämlich, während Eddie und ich so gar nichts damit anfangen konnten.
„Ja, gut. Dann schauen wir uns halt ein paar DVD’s an.“, antwortet sie wenig begeistert und stocherte weiter in ihrem Essen.
„Das wird schon. Er ist jung und unerfahren. Du brauchst dir keinen Sorgen zu machen. Uns wird nichts passieren.“, versuchte ich sie aufzumuntern.
Sie sah von ihrem Teller auf und blickte mir tief in die Augen. „Und ihr seid auch vorsichtig?“
„Aber, ja doch. Er ist allein und wir sind zu zweit. Ich werde die Lage vorher Checken und sollten es doch mehr sein ziehen wir uns zurück und planen was Neues. Kein Problem. Wir haben schon andere Sachen gemeistert. Das wird ganz einfach.“, antwortet ich ihr und ein klein wenig Euphorie schwang in meiner Stimme mit. Eigentlich mochte ich es nicht wenn andere mich aufgrund meiner Fähigkeit als Tracker bezeichneten. Ich kannte Tracker und ihre Besessenheit. Immer auf ihr Ziel fixiert, alles andere war für sie unwichtig, hatte keinerlei Bedeutung. Nur ihre Beute und die Jagd nach selbiger zählte. Eigentlich nur die Jagd. Nein, so war ich nicht. Aber an Tagen wie dem heutigen, wenn eine Jagd unmittelbar bevorstand, konnte ich es nicht leugnen. Auch ich war ein Tracker und die Euphorie über das Bevorstehende brannte in all meinen Zellen.
Entschlossen legte sie ihr Besteck auf den halbvollen Teller und schob ihn weg.
„Wenn es denn sein muss, dann sollten wir jetzt nicht mehr trödeln.“ Überrascht zog ich die Augenbrauen hoch doch sie wand sich schon an Marie. „Du willst doch noch Klamotten kaufen, könnten wir das so kurz wie möglich halten. Ich will spätestens halb Neun im Wohnheim sein. Wenn ihr euch schon auf meine Visionen verlasst, dann will ich meinen Job auch richtig machen. Ich such das Bild raus und Bruce kann es sich dann ansehen. Ihr solltet alle Informationen haben. Also auf jetzt, wir haben nicht ewig Zeit.“, sagte sie mit fester Stimme.
Erstaunt über ihren Ausbruch sah wir uns an, bis Eddie anfing zu lachen. „Bruce. Bruce, sie passt wirklich zu dir. Sie kann genauso bestimmend sein wie du.“
Ich winkte dem Kellner und verlangte die Rechnung, die ich um ein fürstliches Trinkgeld erhöhte. Keine fünf Minuten später saßen wir wieder in einem Taxi und fuhren in die Einkaufs-Male in der unsere Wagen parkten.
Wir verstauten die bisherigen Einkäufe im Q7 und gingen in die Male. Zielsicher steuerte Marie eine der Boutiquen an und begann sofort zu stöbern. Eine Verkäuferin die ihr behilflich sein wollte wimmelte sie ab. Mit einem chicen Pullover, einer Bluse, einer Hose und einem Rock bewaffnet kam sie auf Sandy zu. „Hier probier das mal an.“, sagte sie zu ihr, drückte ihr die Kleidung in die Hand und war schon wieder mit aussuchen beschäftigt.
Sandy sah irritiert auf die Kleidung in ihrer Hand. „Äh, Marie ich brauch eigentlich nichts.“
Marie sah auf ihre Kleidung und verzog das Gesicht. „Sandy, ich hab dich wirklich gern, aber an deiner Kleidung müssen wir noch arbeiten und jetzt tu mir den Gefallen und probier die Sachen an. Ich will sehen ob sie Größen passen. Keine Diskussion du hast es doch eilig.“
Verzweifelt sah Sandy zu mir, doch ich tat so als würde ich es gar nicht bemerken und unterhielt mich mit Eddie. Ich hatte sie ja gewarnt und was Kleidung anging war Marie eine Naturgewalt, jedes weitere Wort wäre nur Zeitverschwendung.
Sie stöhnte auf und ging in Richtung Umkleide. Als sie an mir vorbei kam funkelte sie mich an. „Danke, für deine Hilfe.“
„Ich hab dich doch vorgewarnt.“, antwortet ich schelmisch Grinsend.
„Hmmm“, war alles was ich noch hörte.
Maries Modefimmel hin oder her, aber eins musste man ihr lassen sie wusste was gut aussieht. Sandy sah einfach nur umwerfend aus, vor allem die Rock Blusen Kombi stand ihr ausgezeichnet. Marie lies ihren prüfenden Blick über Sandy wandern, drehte sie einmal um ihre Achse und nickte zufrieden. „Ja, das passt. Du kannst dich wieder umziehen.“
Ohne weiter auf uns zu achten ging sie durch das Geschäft, nahm hier und da was und stand zehn Minuten später mit mindestens Zwanzig Teilen an der Kasse. Beim rausgehen drückte sie Eddie und mir die Taschen in die Hand und zog weiter zum nächsten Geschäft. Innerhalb der nächsten zwei Stunden klapperten wir vier weitere Geschäfte für Damenmode, drei für Herrenmode, zwei Schuhgeschäfte und einen Laden für Accessoires ab. Es war immer dasselbe Bild, Marie stürmte den Laden, ging die einzelnen Regale ab, griff scheinbar wahllos irgendwelche Kleidungsstücke, bezahlte und drückte uns die Taschen in die Hand. Nur im ersten Schuhgeschäft wich sie von dieser Routine ab und lies Sandy ein paar Stiefel und ein paar hochhackige Schuhe probieren.
Als sie das zweite Schuhgeschäft betrat weigerte sich Sandy mitzugehen, darum nutzten Eddie und ich die Gunst der Stunde und wartete mit ihr vor dem Geschäft.
Sandy lies ihren Blick über die vielen Einkauftüten wandern. „Ist das immer so? Kauft sie immer soviel ein? Hatte sie nicht gesagt sie bräuchte nur ein paar Klamotten?“
„Sie ist halt so, da kann man nichts machen.“, antwortete ich lakonisch.
„Ich weiß nicht was du hast, heute ist sie doch gnädig.“, knurrte Eddie neben mir.
„Gnädig?“, ungläubig sah sie zu Eddie.
„Ja, normalerweise brauchen wir mindestens eine Stunde pro Laden, immer dieses an- und ausziehen. Dabei kennt sie unsere Größen besser als wir selbst.“, dann wand er sich an mich. „Oder hat sie dir schon mal was gegeben das zu klein oder zu groß war?“
„Nein, wir sollten es öfter eilig hab.“, antwortete ich und sah auf die Uhr. So langsam mussten sie aufbrechen, wenn sie noch rechtzeitig zu Hause ankommen wollte.
Als Marie mit weitern Taschen aus dem Laden kam drängte ich zum Aufbruch. Marie verdrehte zwar die Augen hatten aber doch ein einsehen, daher gingen wir zu den Autos und verstauten die vielen Taschen im Q7. Ich reichte Marie den Schlüssel. „Ihr nehmt besser den Audi, nicht das noch jemand die ganzen Einkäufe klaut.“
Widerwillig nahm sie den Schlüssel und mit einem sehnsüchtigen Blick auf ihren BMW, gab sie mir ihren. „Ich will ihn aber ohne Kratzer zurück.“
„Ja, klar. Ich fahr ja zu ersten Mal.“, antwortet ich genervt.
Langsam ging ich zu Sandy sah ihr tief in die Augen und gab ihr einen leidenschaftlichen Kuss. Sie löste sich ein wenig von mir, sah mich liebevoll an und streichelte zärtlich mein Gesicht.
„Du bist vorsichtig. Ja?!“, ermahnte sie mich leise.
„Versprochen. Wir passen schon auf und ich bin ganz schnell wieder bei dir.“
Sie sah mich noch mal mahnend an und gab mir noch einen Kuss. Sie hielt mich noch an der Hand und wand sich an Eddie, der sich gerade von Marie verabschiedet hatte. „Und du sorgst dafür, das er in einem Stück zurückkommt. Verstanden?“
„Ja, Ma’am.“, antwortete er grinsend.
Marie sah mich ernst an. „Das gleiche gilt für dich. Ich will ihn auch in einem Stück zurück.“
„Wird erledigt.“ Schmunzelnd über soviel Sorge unserer Liebsten sah ich zu Eddie, der mich breit angrinste. Genauso wie ich freute er sich auf ein wenig Action und konnte es gar nicht mehr erwarten.
Die Mädels verabschiedeten sich noch von uns und wir winkten ihnen nach als sie davon fuhren.

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11. Boston Teil 3

Beitrag  Gast am Di 13 Okt 2009, 16:13

Es war Zwanzig nach Acht als wir auf einen großen Parkplatz am Charles River Basin fuhren. Ich stellte den wagen auf einen der leeren Plätze und sah zu Eddie der unruhig auf dem Sitz hin und her rutschte. Pures Adrenalin oder was auch immer seine Funktion bei uns ersetzte.
„Ed.“
„Ja.“, antwortete er einsilbig und starrte weiter auf den Fluss.
„Wofür hast du eigentlich diesen Riesenscanner gekauft?“
Nachdem die Frauen weggefahren, wollte Eddie unbedingt noch in einen Computerladen. Er meinte nur wir brauchten dringend neue Hardware – wie eigentlich jedes halbe Jahr, er war nur zufrieden wenn wir SOTA waren. Doch wofür wir einen Scanner brauchten, der groß genug war um Kinoplakate zu scannen, leuchtete mir doch nicht so ganz ein.
Ein lächeln umspielte seine Lippen. „Der ist nicht für mich. Der ist für Sandy.“
Für Sandy? Was sollte das nun? Sandy war ganz bestimmt kein Computerfreak wie er und ihr Uraltcomputer würde Ewigkeiten brauchen um die Daten von diesen Monstrum zu verarbeiten, abgesehen davon das in ihrem Zimmer gar kein Platz für diese Trumm war. Ich richtete mich im Sitz auf und sah ihn fragend an. „Für Sandy und was soll sie mit diesem Monster?“
Resigniert stöhnte er auf und drehte sich zum Rücksitz. Grinsend zog er einen der neuen Multimedia Organicer hervor die er ebenfalls gekauft hatte, eines dieser ultramodernen Wunderdinger, Adressverwaltung, Terminkalender, Spielkonsole, Telefon, Internet, TV, MP3- und Videoplayer alles in einem. Er hatte einen, für solche Geräte, großen Touchscreen und seine Speicherkapazität von mehreren Terabyte war mehr als beeindruckend. Doch was hatte das jetzt mit den Scanner zu tun? Ich legte meine Stirn in Falten und sah schulterzuckend auf das Gerät.
„Ja, ich weiß. Technik interessiert dich ja nur wenn ein Motor eingebaut ist. Pass auf. Mit dem Scanner digitalisieren wir ihre Bilder und dann speichern wir sie hier drauf. Sie kann ja schlecht immer ihre ganzen Blöcke durch die Gegend schleppen und so hat sie immer alles zur Hand. Praktisch nicht.“, präsentierte er stolz sein Überlegungen.
„Wirklich praktisch.“, stimmte ich ihm zu. „Ist es wirklich so schlimm für dich, das sie bei uns ist?“
Er überlegte lange und wählte seine Worte mit bedacht. „Ihre Gabe ist sehr nützlich und beeindruckend. Doch sie ist ein Mensch. Das und ihre Gabe. Das wird noch zu Problem führen. Nicht mit den kleinen Zirkeln, dafür sind wir zu stark, aber bei den großen Zirkeln…Sie könnten uns als Konkurrenz oder lohnende Beute sehen. Wir sind einfach zu begabt. Andererseits…“ Starr sah er wieder aus dem Fenster und rang nach Worten. „Sie ist ja auch ganz nett, nicht so wie die anderen an der Uni. Marie ist schon ganz vernarrt in sie. Du solltest sie mal hören, wenn wir allein sind. Vielleicht…Vielleicht ist es ganz gut…wenn sie bei uns ist. Du weißt das ich Marie über alles liebe und ich will das sie alles bekommt um glücklich zu sein. Doch ich, wir können ihr nicht alles bieten. Immer nur mit uns zwei, da fehlt ihr was. Ich hoffe Sandy kann diese Lücke, in unserer Familie schließen.“
Freundschaftlich ließ ich meine Hand auf seine Schulter krachen. „Danke, das bedeutet mir sehr viel. Ich weiß, es ist nicht leicht für dich sie zu akzeptieren und glaub mir die Probleme sehe ich auch.“
Genervt winkte er ab. „Ist schon gut. Solltest du nicht mal langsam nachsehen ob sie noch was für uns hat.“
„Ja, das sollte ich.“
Ich brauchte mich gar nicht groß auf sie zu konzentrieren, mit Lichtgeschwindigkeit flog mein Geist nach Hanover, zu ihr. Als ich ihr Zimmer erreichte saß sie missmutig auf ihrer Couch und sah Marie zu wie sie eine Tüte nach der anderen leerte und die Kleidung in ihren Schrank hing.
„Das wäre wirklich nicht nötig gewesen. Ich hab genug zum anziehen.“, maulte sie und verdrehte die Augen.
„Man hat nie genug zum anziehen. Sie dir das mal an.“ Marie hatte einen alten Pullover aus ihren Schrank gezogen. „Der ist doch mindestens zwei Jahre alt, so was willst du doch wirklich nicht mehr anziehen.“
Entsetzt sprang Sandy auf, entriss Marie den Pullover und presste ihn an ihre Brust. Sie klammerte sich so an den schon lange ausgewaschen Stoff als wäre er aus Gold.
„Das ist mein Lieblingspullover, denn hat mir meine kleine Schwester zum Geburtstag geschenkt und natürlich zieh ich den noch an.“ Liebevoll streichelte sie ihn und setzte sich schmollend wieder hin.
„Wenn das so ist. Daheim kannst du ihn ja anziehen. Aber du solltest wirklich öfter Röcke und Kleider tragen, nicht immer nur Hosen. Gut das ich dir welche gekauft habe, du hast ja fast keine.“
Marie war wie immer nach einer Shoppingtour gut gelaunt, vor sich hinsummend sortierte sie ihre Beute und verstaute sie in Sandys Schrank, ohne auf ihren Widerwillen weiter zu achten.
„Ich mag aber Hosen.“, stellte Sandy trotzig fest.
„Dagegen ist nichts einzuwenden, aber Röcke und Kleider stehen dir sehr gut und ist dir Bruce nicht aufgefallen, als du in Rock und Bluse aus der Umkleide kamst? Ihm sind fast die Augen raus gefallen, so begeistert war er. Bruce ist halt ein wenig konservativ, zu seiner Zeit war es nicht üblich das Frauen Hosen trugen.“
Jetzt hatte sie Sandys volle Aufmerksamkeit. Mit weit geöffneten Augen sah sie Marie an. „Zu seiner Zeit, was meinst du denn damit?“
Überrascht drehte sich Marie um. Man konnte den Monet genau erkenn als es in ihrem Kopf klick machte und ihr aufging das sie gerade zuviel gesagt hatte. Schnell setzte sie eine neutrale Miene auf und wand sich wieder den Einkäufen zu. „Das solltest du ihn besser selber Fragen.“
„Marie bitte, sag es mir.“ Ihre Stimme zitterte leicht und ihr Blick war so flehend, das sie damit einen Stein erweicht hätte. Ich fragte mich echt ob ihr eigentlich bewusst war, über welch gefährliche Waffe sie da verfügte.
Schuldbewusst wand Marie sich wieder ab und schüttelte verzweifelt ihren Kopf. „Sandy, bitte. Ich hab schon zuviel gesagt. Er wird mächtig sauer auf mich sein. Bitte, bitte, frag mich nicht weiter, bitte.“
„Ich werde es ihm auch nicht verraten.“
„Als wenn das nötig wäre.“, schnaubte Marie, dann machte sie eine ausladende Handbewegung die den ganzen Raum umfasste. „Ich weiß das du nichts sagen wirst, aber er hat so seine Möglichkeiten, weißt du ob er uns nicht gerade jetzt belauscht.“
Lachend drang ich in Sandys Geist ein. ‚Sie kennt mich halt zu gut und eh du fragst, das fällt unter unsere Vereinbarung.’
‚Immer wenn es für dich eng wird, fängst du mit dieser blöden Vereinbarung an. Du weißt doch das ich nichts verraten werde. Lang lass ich mich nicht mehr hinhalten.’, gab sie schmollend zurück.
‚Ich weiß das du nichts verraten wirst, darum hab ich dir schon viel mehr erklärt, als ich eigentlich vor hatte. Es fällt mir nicht immer leicht, über diese Sachen zu sprechen. Lass mir doch noch ein bisschen Zeit, bitte. Es ist nicht wegen dir. Ich bin einfach noch nicht soweit.’, flehend redete ich auf sie ein und hoffte auf ihr Verständnis.
‚Wenn das so ist. Gut nehme dir deine Zeit, aber lass mich bitte nicht mehr so lange warten. Ich bin es leid immer nur Andeutungen zu machen, ich will dir endlich sagen was ich für dich empfinde.’
‚Ich weiß doch was du für mich empfindest und du weißt auch was du für mich bist. Ich war doch gestern in der Bibliothek recht deutlich, oder?’
‚Das ist aber nicht dasselbe, aber lass uns darüber sprechen, wenn du wieder hier bist, ja.’
Sie legte ihren einen Block auf den Tisch vor ihr und schlug die gesuchte Seite auf. Es war genauso wie sie es beschrieben hatte, nur ein paar kleine Details hatte sie vergessen. Gut, der Junge war eher 12 oder 13 und auf dem letzten Bild hockte er abwehrend über einem seiner Opfer, doch dafür das sie es schon vor etwa fünf Jahren gezeichnet hatte, war ihre Erinnerung erstaunlich gut, für einen Menschen.
Doch eins ließ mich erschauern. Alle Bilder von ihr, die ich bis jetzt gesehen, waren vergleichsweise friedlich. Gut es gab Jagdszenen von uns, aber ich hatte noch nie eins gesehen wie das eben, mit unschuldigen Opfern. Was verbarg sich noch in ihrer Sammlung? Was hatte sie alles sehen müssen, seit sie Acht war? Unser Leben war ja nicht immer friedlich. Was hatte sie alles ertragen müssen? Wegen ihrer Gabe, wegen ihrer Beziehung zu uns, zu mir. Sie war doch noch so jung und doch bezahlte sie schon seit Jahren einen schrecklichen Preis. Wie hatte sie das ausgehalten, ausgehalten ohne zu verbittern, ohne zu verzweifeln und doch eine so liebenswürdige Person werden können? Ich fühlte mich unendlich schuldig. Schuldig weil ich immer nur die Vorteile ihrer Gabe gesehen hatte, weil ich mich um meinen freien Willen beraubt fühlte, weil ich nie bedacht hatte welche Belastung ihre Gabe für sie bedeutete.
Als Marie das Blättern hörte drehte sie sich neugierig um. „Wust ich’s doch, er hat bestimmt gelauscht.“
‚Sag ihr bitte, das ich ihr nicht böse bin.’
‚Aber ich bin ihr, euch böse. Was soll das mit den ganzen Klamotten, konntest du das nicht verhindern?’
‚Nein, was Klamotten angeht leg ich mich lieber mit einem Dutzend Werwölfen gleichzeitig an, als mit ihr. Lass ihr den Spaß. Du musst sie ja nicht anziehen. Und du gefällst mir auch in Hosen, lass dir da nichts einreden.’
‚Aber Röcke und Kleider magst du lieber!’, sie formuliertes nicht als Frage sondern als Feststellung.
‚Ja.’, druckste ich rum. ‚Ich mag es einfach wenn Frauen sich weiblich anziehen und so unpraktisch sind, sie ja auch nicht. Ich finde Röcke tragen sich sehr angenehm.’
‚Röcke tragen sich sehr angenehm.’, lachte sie auf. ‚Das sind ja ganz neue Seiten an dir. Echt als Transvestit hab ich dich nicht gesehen.’
‚Mhmm. Ich bin auch kein Transvestit.’, stellte ich entrüstet fest. Was dachte sie nur von mir. Wirklich. ‚Ich bin nur ein sehr traditionsbewusster Schotte, darum trage ich gelegentlich einen Kilt.’
‚Das will ich sehen.’
‚Kannst du gerne, nur musst du dann auch ertragen, das ich meinen Dudelsack hervorkrame. Ich warne dich, ich spiele nur mittelmäßig.’
‚Damit komm ich schon klar.’
‚Du hast es nicht anders gewollt. Trotzdem zieh bitte an was dir gefällt. Du musst die Sachen nicht tragen, wenn du nicht willst. Ich Regel das dann mit Marie.’
‚Es ist nicht so, das mir die Sachen nicht gefallen. Ich mag es einfach nicht wenn man mich so überfällt, mir das einfach aufdrängt, aber das sag ich ihr schon selber. Wenn sie meine Freundin sein will muss sie meine Grenzen respektieren, so wie ich ihre und jetzt geh und kümmre dich um den Neugeborenen.’
‚Mach ich.’
Laut stöhnend ließ ich meine Gabe fallen und schaute in das neugierige Gesicht von Eddie.
„Und hat sie noch was für uns?“, fragte er neugierig.
„Nicht viel, er ist wohl eher 12, 13 und er wird heute noch mal zuschlagen, er steht über einer Leiche wenn wir zu ihm stoßen.“, antwortete ich emotionslos und starrte grübelnd auf den Fluss. Wie hatte ich das alles nur übersehen könne? War ich wirklich schon so abgestumpft oder übertrieb ich mal wieder? Fluch oder Segen, was war ihre Gabe für sie? Oder gar beides? Rüttelnd wurde ich aus meinen Gedanken gerissen.
„Bruce. Hallo, Erde an Bruce.“
„Ja…Ja, was ist denn?“, fragte ich leicht genervt.
„Wir sollten jetzt los. Man wo bist du nur mit deinen Gedanken?“
Schnellen Schrittes – soweit es möglich war nutzten wir unser volles Tempo - gingen wir zum Common. Um Fünf vor Neun erreichten wir den Eingang zur Park Street Subway Station und begaben uns zu der Stelle, auf der wir auf ihrem Bild standen. Neben uns verlief die rote Linie des Freedom Trails und man konnte deutlich die auf einem kunstvoll verzierten Eisenmast thronende Uhr sehen.
Gleichmäßig pumpten wir mit tiefen Zügen Luft in unsere Lungen. Es roch nach Abgasen, Gras, Bäumen, Menschen, vielen Menschen, brackigem Wasser, Gummiabrieb, billigem und treurem Essen, Hunde, Katzen, Vögel und allerlei Kleintieren, wie Ratten, Mäuse oder Eichhörnchen, all dies vermischte sich mit tausenden anderen Gerüchen zum typischen Duft einer Großstadt, doch der den wir suchten, der süßliche Geruch eines Vampirs war nicht dabei. Auch unsere scharfen Augen und Ohren konnten ihn nicht entdecken.
Die Uhr zeigte Acht Uhr Neunundfünfzig.
„Ich kann ihn nirgends Wahrnehmen. Du etwa? Glaubst du wir sind hier auch richtig.“ Eddie Stimme vibrierte, jede Zelle in ihm war angespannt. Er war wie ein Jagdhund der nur noch darauf wartete von der Leine gelassen zu werden. Doch bis jetzt hatte sich unsere Beute noch nicht gezeigt.
„Nein ich nehme ihn auch nicht wahr, es ist ja auch noch nicht Neun. Wir warten.“ Warten wie ich das hasste. Wie oft hatte ich schon so dagestanden und gewartet das etwas geschah. Das der Zeitpunkt loszuschlagen da war. Alles war besser als hier zu stehen. Doch was nützte es? Wir mussten Geduld haben. Überhastetes Handeln war der erste Schritt in den Untergang.
Ein leises Klacken ertönte von der Uhr und die Zeiger schoben sich eine Stelle weiter.

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11. Boston Teil 4

Beitrag  Gast am Sa 17 Okt 2009, 19:55

Warnung der nachfolgende Text ist für unter 16 jährige nicht geeignet.
Wer noch nicht 16 oder älter ist oder schwache Nerven hat liest bitte ab der Zusammenfassung weiter.


Es war Punkt Neun.
Eine leichte Prise wehte von Osten durch die Strassen und wirbelte eine Zeitung auf, die sich am Mast der Uhr verfing. Die Luft wurde salziger und ja. Ja! Da! Da war er. Fein, nur ein hauch, aber eindeutig das worauf wir gewartet hatten. Der Geruch eines anderen Vampirs.
„Hast du das gerochen?“, fragte Eddie aufgeregt.
„Ja, östlich von uns, ganz schwach.“ Ich deute mit dem Kopf nach Nordosten. „Wir teilen uns auf. Du gehst nach Nordosten und ich nehme die südöstliche Strasse.“
„Ja.“, antwortete er und sah noch mal zur Uhr. „Sie ist äußerst präzise. Punkt Neun, einfach unglaublich.“
„Und erschreckend.“, vollendete ich seinen Satz. „Los jetzt, wir müssen seine Fährte finden.“
Wir nickten uns noch einmal zu und schon verschwand er im Gewühl der Nachtschwärmer. Ich ging nach Südosten und soweit möglich nutzte ich dunkle Seitengassen um schneller voran zu kommen. In bewährter Jagdtechnik zackten wir rechts und links unserer Hauptrichtung um ein möglichst großes Gebiet abdecken zu können, gleichzeitig standen wir mit Hilfe meiner Gabe im ständigen Kontakt und konnten uns so jederzeit abstimmen.
Ich hatte gerade das New England Aquarium erreicht, da hörte ich Eddies aufgeregte Stimmen in meinem Kopf.
Sofort galt meine ganze Aufmerksamkeit seinem Ruf. ‚Bruce, ich hab sie. Ganz deutlich, vielleicht eine halbe Stunde alt. Komm zu mir.’
‚Bin unterwegs.’, antwortet ich noch und lief in die Richtung in der ich ihn ortete.
Fünf Minuten später – in freier Natur hätte es nur 20 Sekunden gedauert, aber in Städten konnte man nicht immer volles Tempo laufen – fand ich ihn. Kauernd, die Augen geschlossen hockte er neben den Bahngleisen, sein Kopf ging leicht hin und her und seine Nasenflügel flatterten auf und ab, während er hochkonzentriert den Geruch der Fährte analysierte. Mit einem Satz landete ich neben ihm und nahm die Fährte auf. Innerlich fluchte ich das meine Gabe so begrenzt war. Sie war zwar unglaublich stark und doch so eingeschränkt. Ich konnte zwar jeden finden den ich je gesehen hatte, selbst ein Foto reichte dafür, aber wenn ich nur eine Zeichnung oder wie hier den Geruch der Person hatte, war ich blind wie jeder andere. Hier konnten wir uns nur auf unsere normalen Sinne verlassen.
Eddie öffnete die Augen und grinste mich wölfisch an. Mit der Hand deutete er nach rechts, wo die Gleise im Untergrund der Stadt verschwanden. „Er ist aus dem Tunnel gekommen, darum konnten wir ihn so schlecht wittern und ist entlang der Gleise zum Fluss gelaufen. Noch ist er allein, vielleicht erreichen wir ihn bevor er wieder zuschlägt.“
„Schön wär’s, aber das glaube ich nicht.“ Nein, ihre Visionen waren einfach zu genau und außerdem waren wir nicht hier um zu verhindern, das er Mensch aussaugte, ob es uns gefiel oder nicht. Nein, auch wenn wir das nicht taten, konnten ich ihn nicht dafür verurteilen, das er nur seinen natürlichen Instinkten folgte. Wir waren hier um ihn die Regeln zu erklären und ihn auf die Konsequenzen einer Nichtbefolgung hinzuweißen. Nur wenn wir zu der Auffassung kämen das er sie nicht einhalten könnte oder wollte oder er uns gar angriff, würden wir seine Existenz beenden. „Dann lass uns mal sehen wo er hin ist.“
Wir folgten seine Fährte über den Fluss und kamen auf einen großen Rangierbahnhof. Von hier aus gabelte sich die Bahn in drei Strecken, doch er hatte die nördliche Richtung Mystic River genommen. Hier abseits der belebten Strassen kamen wir schnell voran und so hatten wir auch diesen Fluss in Sekunden erreicht. Er war stur die Gleise entlang gelaufen und so war es kein Problem ihn zu folgen, nur ab und an wenn Strassen die Gleise kreuzten oder uns ein Zug entgegen kam mussten wir aufpassen, doch dann sprangen wir einfach, unsichtbar für menschliche Augen mit der dunklen Nacht verschmolzen, über das Hindernis. Ein paar Kilometer nördlich des Yankee Division Highway verlies die Spur die Bahnlinie in westlicher Richtung. Wir überquerten noch eine Hauptverkehrsstrasse und erreichten eine kleine Stichstrasse, die nur zu ein paar einzeln stehenden Häusern führte.
Mit laufendem Motor und eingeschalteten Licht stand mitten auf dem Weg ein Toyota Kombi. Fahrer- und Beifahrertür standen weit offen und deutlich konnte man dieses unangenehme Ping, Ping, Ping hören, das den Fahrer beim öffnen der Tür darauf aufmerksam machen sollte, dass das Licht noch an war. Das Dach war im hinteren Bereich sosehr eingedrückt, das die Heckscheibe und die Seitenscheiben geplatzt waren. Die Spuren auf dem Dach und die langen schwarzen Gummistreifen auf dem Asphalt zeugten von dem was hier geschehen war. Er war bei voller Fahrt auf das Auto gesprungen, worauf der Fahrer einen Vollbremsung hinlegte und dann waren die Insassen, denn zwei mussten es mindestens sein, voller Panik aus dem Wagen geflüchtet.
„Oh, man.“, stöhnte Eddie neben mir auf. „Der ist ja vollkommen außer Kontrolle.“
„Ja. Das hier verheißt nichts Gutes.“, stimmte ich ihm düster zu. „Fahr den Wagen da auf den Feldweg und stell ihn irgendwo zwischen den Bäumen ab, so das er von der Strasse nicht gesehen wird. Wir kümmern uns später um ihn.“
Wortlos sprang er in den Wagen und brauste davon, während ich langsam der Spur folgte. Es waren nicht zwei sondern drei Personen in dem Wagen, wie mir die unterschiedlichen Menschgerüche schnell verrieten und ich brauchte auch nicht weit zu gehen. Keine hundert Meter von der Strasse fand ich das erste Opfer. Eine junge Frau, um die Fünfundzwanzig, mit seltsam verdrehten Beinen lag sie mitten im hohen Grass. Ihr früher wohl schönes Gesicht war durch Angst und Schmerz zu einer verzerrten Grimasse gefroren, ihre Haut war blass und ihr Körper blutleer. Eindeutige Bissmahle am Hals verrieten mir auf wessen Konto ihr Tod ging. Kopfschüttelnd nahm ich die arme Frau auf meine Arme – wir konnten ihre Leiche ja nicht hier, wo jeder sie finden konnte, liegen lassen – und wartete auf Eddie.
Kurz darauf kam er auch schon angelaufen und sah mich entsetzt an. „Er hat sie doch nicht einfach hier liegenlassen“, fragte er fassungslos mit geballten Fäusten.
„Doch.“, hauchte ich fast tonlos und sah mit leerem Blick an ihm vorbei.
„Glaubst du wirklich das es Sinn hat ihm irgendwas zu erklären?“
„Ich weiß es nicht.“, war alles was ich hervorbrachte.
Schweigend folgten wir weiter der Spur, bis ich ein leises Wimmern hörte, abrupt stehen blieb und mein Schmerz und meine Verzweiflung sich mit einem tiefen Knurren, eigentlich war es schon mehr das klagende Heulen eines Wolfs, aus meiner Kehle löste.
Eddie konnte auf meine plötzliche starre nicht sofort reagieren und lief in einem Bogen wieder zu mir zurück. Bestürzt sah er in mein schmerzverzehrtes Gesicht, doch ich schüttelte nur den Kopf und reichte ihm die Leiche der jungen Frau. Leichthändig nahm er sie auf und sah mich fragend an.
„Frag nicht, du wartest hier bis ich dich rufe. Bei dem was ich jetzt machen muss, möchte ich allein sein.“ Meine Stimme zitterte bei jedem Wort und mein Blick, leer und kalt, spiegelte die Hölle wieder, zu der ich ohne Zweifel verurteilt war. Ich erinnerte mich an die Textzeile eines Liedes, „And Hell is down on Earth.“, wie wahr. Denn gerade jetzt war ich auf dem Weg in meine ganz persönliche Hölle.
Ohne ein Wort zu sagen nickte Eddie und erstarrte, mit der Toten in seinen Armen, zu einer Salzsäule.
Ich folgte dem Wimmern und war froh das er nicht so gut hören konnte wie ich. Es wurde lauter und ganz deutlich war die piepsige Stimme eines kleinen Kindes zu hören. Immer wieder schrie es, unterbrochen nur von einzelnen langen Schmerzenschreien, „Momy, Daddy es tut so weh. Momy wo bist du, es brennt so.“.
Jeder Schritt näher, an diese Stelle des Grauens, breitet mir Tantalusqualen und es benötigte alle Willenskraft die ich aufbringen konnte um ihn zu tun. Als ich es dann sehen konnte, war ich fast nicht mehr im Stande mich zu bewegen, nicht weil das was ich sah so schrecklich war – es war ohne Zweifel schrecklich und grausam, aber in meiner Existenz hatte ich schon oft schlimme Dinge sehen müssen. Nein, ich konnte mich kaum bewegen, weil ich wusste was ich tun musste, was ich tun würde.
Wie roter Morgentau bedeckte sein Blut das Gras und perlte in dicken Tropfen entlang der einzelnen Halme gen Boden. Zuckend lag der etwa fünfjährige Junge auf dem Boden. Sein Kopf ruckte wild von einer Seite zur anderen und der blutgetränkte Rasen färbte bei jeder Bewegung kleine rote Strähnchen in sein aschblondes Haar. Der Schmerz hatte seine weichen Züge zu einer Fratze erstarren lassen, in der die Augen sich wild drehten ohne je einen Punkt zu fixern. Immer wieder schrie er nach seiner Momy, die seinen Ruf nie mehr beantworten würde.
Der Anblick und noch mehr der Geruch des köstlichen Nass, das überall um mich war ließen das Monster in mir juchzen. Ganz automatisch meldete sich mein Durst in selten da gewesener Stärke. Ich stand in Flammen! Doch nicht der Durst bereitete mir die größten Schmerzen. Nein, es war mein dummes totes Herz, dass die Sinnlosigkeit und den Irrsinn dessen was hier zu meinen Füssen geschah nicht ertragen konnte. Welche Vergeudung, welch sinnloser Tot. Mit geballten Fäusten riss ich meine arme Hoch und schrie stumm gen Himmel.
Langsam wurden meine Gedanken wieder klarer und die pure Ratio übernahm die Kontrolle über meinen Körper. Ich kniete mich, ohne weiter auf das Blut zu achten, neben den Jungen und beschnüffelte ihn von Kopf bis Fuß und konnte überall Gift riechen. Nüchtern analysierte mein Verstand die Sinneseindrücke. Es war zu spät. Die Verwandlung war schon zu fortgeschritten und niemand könnte sie mehr rückgängig machen. Der kleine unschuldige Junge vor mir war dabei sich zum größten Fluch, zum unaussprechlichsten Tabu, das wir Vampire kannten zu verwandeln. In nicht mal drei Tagen würde eine unkontrollierbare, fast unverwundbare, wunderschöne Tötungsmaschine, mit der Kraft eines Bulldozers, der Geschwindigkeit eines Jets und einem nie enden wollenden Durst die Augen öffnen.

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11. Boston Teil 5

Beitrag  Gast am Sa 17 Okt 2009, 19:57

Warnung der nachfolgende Text ist für unter 16 jährige nicht geeignet.
Wer noch nicht 16 oder älter ist oder schwache Nerven hat liest bitte ab der Zusammenfassung weiter.


EIN UNSTERLICHES KIND.
Auch wenn ich noch nie eins gesehen hatte, war mir doch bewusst was ein unsterbliches Kind bedeutete und auch wenn wir größtenteils nach unseren eigenen Regeln lebten, das Gesetzt das die Schaffung solcher Wesen betraf war eindeutig und richtig.
Leichthändig richtete ich seine Oberkörper auf und bettete seinen Kopf in meinem Schoss. Zärtlich streichelte ich seinen Kopf und redete beruhigend auf ihn ein. Seine Schreie wurden leiser und seine Augen fanden meine. Sein Gesicht war zwar noch von den Schmerzen gezeichnet und dennoch war es jetzt friedlich.
„Du bist gleich bei deiner Momy.“ Sanft sprach ich die Worte und sah ihm tief in die Augen. „Gleich tut es nicht mehr weh.“
Noch einmal streichelte meine Hand über seinen ganzen Kopf und blieb dann in seinem Nacken liegen und umspannte ihn. Ich lächelte ihn ein letztes Mal an, dann verdrehte ich mit einem Ruck die Hand. Laut knackend brachen die Wirbel ober- und unterhalb und durchtrennten das Rückenmark. Sein Herz schlug noch genau zweimal, sein Körper verlor die Spannung und erschlaffte, seine Augen brachen und starrten mich fragend an.
In seinen toten Augen lag kein Vorwurf, kein Hass, keine Anklage, in ihnen lag nur eins, das was ich am wenigsten ertragen konnte. In ihnen lag ein einziges Wort. Eine einzige Frage.
WARUM?
Und ich fragte mich das Selbe, nur in mehrfacher Hinsicht. Warum? Warum musste er sterben? Welcher Sinn lag in seinem Leben? Welcher Sinn lag in unserer Existenz? Warum waren wir dazu verurteilt Leben zu nehmen um zu existieren? Warum mussten sie immer in meinen Armen sterben? Warum immer die Kinder? War das die Strafe für meine Sünden? War ich dazu verurteilt mein schlimmstes Verbrechen immer und immer wieder zu erleben?
Während ich dies Dachte verschwamm das Bild vor meinen Augen. Aus der Wiese wurde ein Flur, aus dem blonden Jungen wurde ein dunkelhaariger und aus grünen Augen wurden braune. Wie hier hielt ich ihn in meinen Armen, den Armen in denen er gestorben war und auch in seinen toten Augen lag die Frage, WARUM. Und noch einmal wechselte das Bild. Es war nicht so scharf, da es mit den Sinnen eines Menschen wahrgenommen war. Das Schrappen von Rotoren und der Stakkato von Schnellfeuergewehren hallten in meinem Kopf. Diesmal war es ein Mädchen, ihre pechschwarzen Haare waren voller Blut und ihre fast schwarzen Augen sahen mich gebrochen an und auch sie schrieen WARUM.
Der Schmerz und die Verzweiflung drohten mich wie Feuer von innen zu verzehren, nur durch meine Wut wurde ich aus dem Abgrund des Warnsinns entrissen. Zumindest für jetzt, denn ich wusste später müsste ich den Preis für mein Handeln umso stärker zahlen.
Mein Verstand übernahm wieder die Kontrolle und ich straffte meinen Körper. Als letzte Geste schloss ich seine Augen und hob ihn auf. Im Geist rief ich nach Eddie, der innerhalb von Sekunden neben mir stand.
Er atmete flach, doch dem Geruch des Blutes, der alles andere überdeckte, war zu stark. Gier und Abscheu spiegelten sich in seinen Augen und er wand sich angewidert ab.
„Wie…Was ist hier geschehen?“, stieß er mühsam zischen hart aufeinander gepressten Zähnen hervor.
„Er hat ihn nicht ganz ausgesaugt. Die Verwandlung war schon zu weit fortgeschritten.“ Ich sprach leise und die Hölle folgte jedem meiner Worte. „Ich konnte nichts mehr dagegen tun. Ich musste.“ Meine Stimme versagte und ich starrte ins Leere.
Er drehte sich wieder zu uns, seine freie Hand streichelte zärtlich das Gesicht des Jungen und dann sah er mir fest in die Augen.
„Du hast getan was getan werden musste. Es gibt nichts was du dir vorwerfen musst. Du hattest keine andere Wahl.“ Seine Stimme war ruhig und voller Mitgefühl.
„Ich weiß.“, antwortete ich kalt. Ja, mein Handeln war richtig! Doch wenn es richtig war, warum fühlte es sich nur so falsch an?! All das hier war falsch!
Eddie hatte sich wieder abgewandt und blickte in die Ferne. „Willst du immer noch mit ihm reden?“
„Ja.“, antwortete ich nach langem zögern.
„Das ist doch sinnlos.“ Wütend trat er gegen einen Stein der in tausend Splitern davon spritzte.
„Es mag sinnlos sein, trotzdem möchte ich es versuch und eins will ich auf jeden Fall, einen Namen.“ Den Namen seines Schöpfers brauchte ich und dann… Ja, dann würde es eine richtige Jagd geben. So schlimm die Taten des Neugeborenen auch waren, eigentlich war auch er nur ein unschuldiges Opfer, getrieben von seinem Instinkt, der wahre Schuldige war der, der dieses Monster geschaffen hatte und es jetzt nicht kontrollierte. Wer einen der unsrigen erschafft, der trägt auch die Verantwortung für sein Handeln und das würde ich ihm ganz deutlich machen, bevor ich seine Überreste dem Feuer übergeben würde.
„Ja und dann werden wir den Schöpfer zur Rechenschaft ziehen.“ Funkelnd sah er mich an und hielt mir seine Faust hin.
Zustimmend schlug ich ein. Gleichklang. Auch wenn Eddie und ich nicht immer der gleichen Meinung waren und Marie oft genug zwischen uns vermitteln musste, wenn es hart auf hart kam waren wir immer eine Einheit. Eine Familie.
Wir folgten der Spur über einen Hügel, auf der anderen Seite war eine neue Wohnsiedlung. Sie befand sich noch im Bau. Es war genau wie auf ihrem Bild, hier würden wir ihn finden.
Ein lauter Schmerzensschrei zerriss die Ruhe der Nacht und brachte uns zum halt. Wir legten die Leichen ab und kauerten uns auf den Boden. Angestrengt scannten wir die Umgebung. Wir konnten ihn nicht sehen, doch die Luft war geschwängert von Angstschweiß, Blut und seinem Geruch. Eddie wartete auf meinen Befehl loszuschlagen, doch ich mahnte zur ruhe und ließ meinen Geist fliegen.
Meine Sinne schwebten hoch über dem Gebiet und betrachteten alles von oben. Die Schreie führten mich zu meinem Ziel. Sie kamen von einem Mann ende Dreißig. Panisch sah er sich immer wieder um. Er bewegte sich hüpfend voran und zog bei jedem Schritt sein zerschmettertes rechtes Bein hinter sich her. Er fiel und rappelte sich unter großen Schmerzen wieder auf. Sein Kopf drehte sich immer wieder verzweifelt hin und her und suchte nach einem Versteck, nach Schutz. Hoffnungslos schrie er um Hilfe. Aber für ihn gab es keinen Schutz und keine Hilfe. Er war schon tot. Egal wie sehr er sich auch anstrengte, für ihn gab es keine Rettung mehr. Die Einzigen die ihm noch helfen konnten waren wir und wir würden nicht eingreifen. Warum auch für ihn gab es eh nur noch die Wahl zwischen Tot und einem Leben als Vampir und ich war nicht in der Stimmung ihn zu verwandeln. Nein, ich wollte kein neues Monster erschaffen. Ich kannte ihn ja nicht, wie sollte ich sicher sein welchen Weg er beschreiten würde und ich wollte meine Gewissen nicht mit seinen zukünftigen Opfern belasten, falls er den traditionellen Weg wählte. Es war besser er starb jetzt, als das wohlmöglich tausende sterben mussten nur damit er leben konnte. Und weil ich ihn nicht verwandeln würde, war es besser der Neugeborene beendete sein Leben, dann mussten wir uns nicht damit zu belasten.
Der Mann bog um einen Ecke und sah suchend nach hinten. Wie aus dem nichts stand der Neugeborene vor ihm und der Mann prallte, so als wäre er gegen eine Betonmauer gelaufen, von ihm ab und fiel auf den Rücken. Panisch strampelte er mit Armen und Beinen, im Versuch sich kriechend davon zu stehlen. Der kleine Junge – er war etwa 1,60 m groß und bestimmt nicht älter als 13 – machte einen Schritt, auf den am Boden liegenden Mann zu und sah ihn hasserfüllt an. Hellrot glühten die Augen in seinem, vom Mondlicht silbern schimmernden Gesicht. Abwehrend streckte der Mann beide Hände in Richtung des Jungen, doch der lachte nur höhnisch und legte dabei den Kopf weit in den Nacken, die Bewegung war so schnell, das seine blonden Haare wie ein Schleier um seinen Kopf wehten.
„Warum machst du das Billy? Was ist mit dir geschehen?“, fragte der Mann mit zitternder Stimme.
„Ach, Dad. Warum ich das mache? Du fragst mich warum ich das mache!“ Krachend landete seine Faust auf dem linken Knie des Mannes. Knochen splitterten und einzelne Fragmente drückten sich durch die Hose. Es dauerte eine Sekunde, ehe das Gehirn des Mannes den Schmerz erfasste, doch dann schrie er umso lauter auf. Rot floss das Blut aus seinem Bein und versickerte im Boden.
Sein Duft war so köstlich das selbst mir, obwohl ich nur mit meiner Gabe anwesend war, das Gift im Mund zusammen lief. Jetzt würde es bald vorbei sein, dessen war ich mir sicher. Doch nichts geschah. Boshaft grinsend stand der Junge über seinem Opfer und betrachtete sein Werk mit großer Genugtuung.
„Du hast Mom und mich verlassen. Du bist zu dieser Schlampe gezogen und hast uns in diesem Loch zurückgelassen.“, schrie er voller hass. „Doch deine Schlampe ist tot. Ich hab ihr Blut getrunken. Deinen Bastardsohn hab ich auch leer gesaugt. Der wird nie wieder Quengeln. Und was hast du gemacht? Du bist mal wieder davon gelaufen. Ist ja das einzige was du kannst, aber damit ist jetzt Schluss, heute wirst du bezahlen.“
Oh man, wo waren wir hier nur Reingeraten. Jetzt wurde mir einiges klar, der Hass auf diesen Mann war stärker als der Durst, darum konnte er sich noch beherrschen und darum hatte er wohl den Jungen nicht ganz ausgetrunken, er war so auf seinen Vater fixiert, das er lieber aufgehört hatte als ihn entkommen zu lassen. Ob er überhaupt wusste was er damit angerichtet hatte?
So groß sein Hass auch war, er war immer noch ein Neugeborener und der Geruch des Bluts forderte seinen Tribut.
Er grinste noch einmal gehässig, dann stieß er zu und biss den Mann in den Hals. Ein röchelndes Stöhnen war das letzte was der Mann von sich gab und dann hörte man nur noch wie der Junge schmatzend den Lebenssaft in sich aufsaugte. Als alles Blut aus dem schlaffen Körper entwischen war, ließ er ihn triumphierend fallen und führte ein Freudentänzchen rund um den Kadaver auf.
Ich hatte genug gesehen und zog mich zurück. Schnell suchte ich noch die Umgebung ab, fand aber keine anderen Vampire oder Menschen und so ließ ich meine Gabe fallen.

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11. Boston Teil 6

Beitrag  Gast am Sa 17 Okt 2009, 19:59

Warnung der nachfolgende Text ist für unter 16 jährige nicht geeignet.
Wer noch nicht 16 oder älter ist oder schwache Nerven hat liest bitte ab der Zusammenfassung weiter.


„Es ist Zeit.“ Mehr brauchte ich nicht zu sagen. Wir ließen die Leichen im Grass liegen – wir würden sie nachher abholen – und teilten uns auf. Eddie sollte sich in Sichtweite verstecken, um notfalls mit seiner Gabe, die nur bei direktem Sichtkontakt funktionierte, einzugreifen, während ich mit Bill reden wollte. Lautlos schlichen wir den Hang hinab und betraten die Baustelle. Ich schwang mich in die Höhe und sprang von einem Haus zum nächsten. Als ich ihn unter mir sah, tanzte er immer noch um den Kadaver seines Vaters und stieß verzückte Grunzlaute aus. Das und sein verklärter Blick gaben dem ganzen etwas Surreales. Endlich meldete sich Eddie in meinem Kopf und bestätigte mir, das er in Position war. Er war meine Rückendeckung und das gab mir die nötige Sicherheit dem ganzen gelassen entgegen zu sehen.
Mit einem Satz sprang ich vom Haus und landete leise, 15 m von ihm entfernt. Doch was ist für unsereins schon leise, natürlich hatte er mich gehört und ich hatte es auch gar nicht darauf angelegt unentdeckt zu ihn zu gelangen. Wütend wirbelte er herum und hockte sich abwehrend über den Kadaver. Seine Augen sprühten, die Lippen zogen sich hoch und entblößten seine Zähne, während er mich herausfordernd anknurrte.
Obwohl alles in mir Aufschrie, überhörte ich die Beleidigung und blieb gelassen stehen. Mein Lächeln war vielleicht ein bisschen zu selbstgefällig und meine Körperhaltung zu locker, doch ich hatte keine Angst vor ihm und das sollte er auch erkennen.
„Hallo Billy, ich bin Bruce. Wie geht es dir?“ Ich sprach im Plauderton, so als wäre es das normalste auf der Welt.
Er gab seine Abwehrhaltung nicht auf, aber mein selbstsicheres Auftreten irritierte ihn. Zweifelnd sah er mich mit zusammengekniffenen Augen an. So was wie mich, jemand der überhaupt keine Angst vor ihm hatte, war ihm wohl noch nicht begegnet. Nervös scannte er die Umgebung um dann an meinen Augen hängen zu bleiben.
„Was bist du? Du riechst so ähnlich wie ich, aber deine Augen. Was ist mit deinen Augen und was willst du hier?“ Er versuchte fest und kalt zu sprechen, doch seine Stimme war eine Oktav zu hoch und sein Rhythmus zu schnell.
„Ich bin auch ein Vampir wie du und meine Augen, das kommt von meiner Ernährung, nichts besonderes. Was ich hier mache? Nun ich hab dich gerochen und da war ich einfach neugierig, wer hier noch so rum läuft.“, antwortet ich höfflich und versuchte die Situation zu entspannen. Oft erfuhr man so mehr und wenn nicht konnte ich immer noch unhöfflich werden.
„Jetzt hast du mich ja gesehen, wie wär’s wenn du einfach wieder verschwindest. Ich hab keinen Lust mich mit dir zu unterhalten, Punk.“, antwortet er äußerst gereist.
Nett, wirklich nett. Da ist man höflich und dann so was. „Schalt mal nen Gang runter Kleiner.“
Schrill fiel er mir ins Wort. „Ich bin nicht dein Kleiner. Ich bin schon fast 13. Nenn mich nie wieder Kleiner.“ Drohend wie Pfeile flogen die Worte in meine Richtung und erneut bleckte er die Zähne.
„Ist ja gut.“, antwortete ich beschwichtigend. „Sag mal Billy, bist du eigentlich allein hier? Wo ist denn dein Schöpfer?“ Nicht sehr subtil, aber ich hatte einfach keine Lust mehr.
„Georg? Der ist nicht hier und ich komm auch ganz gut allein zurecht. Ich brauch keinen Aufpasser der mir ständig sagt: ‚Billy, das darfst du nicht. Billy, sei doch vernünftig. Billy, du hast heute schon getrunken.’. Der hat voll genervt, echt ätzend. Doch jetzt nervt er niemanden mehr.“ Höhnisch sprach er die letzten Worte aus und spuckte verächtlich aus.
Hatte ich das richtig verstanden? Er nervt niemanden mehr. Das konnte doch nur eins bedeuten. „Was ist denn mit Georg geschehen?“ Ich gab meiner Stimme einen naiven Klang und schaute ihn begriffsstutzig an.
„Was wohl? Das gleiche was mit dir Arsch geschieht wenn du mir noch weiter auf die Nerven gehst. Zisch endlich ab. Sonst…“ Drohend machte er einen Schritt auf mich zu.
‚Noch nicht. Warte.’ Eddie quittierte meinen Befehl mit einem gedanklichen Grunzen.
Beschwichtigend zeigte ich ihm meine Hände. „Schon gut, ich hau gleich ab. Doch wir müssen noch über eine Sache reden.“
„Sprich schnell und dann sieh zu das du Land gewinnst.“ Er wurde immer ungeduldiger und ich fragte mich ob es überhaupt noch Sinn hatte ihm die Regeln zu erklären. Ganz offensichtlich hatte Georg das auch versucht und war dann seiner eigenen Schöpfung zu Opfer gefallen. Aber George war ja selbst schuld. Fast 13, viel zu jung. Ich war schon immer der Meinung, dass die Regel für unsterbliche Kinder zu eingeschränkt war. In New Orleans hatte ich eins gelernt, je jünger sie bei der Verwandlung waren, desto schwerer ließen sie sich kontrollieren. Halbe Kinder wie er konnten die Verwandlung nur schwer verkraften. Die meisten wurden Angstbeißer, griffen in ihrer Panik alles an was ihnen zu nah kam oder bekamen Allmachtphantasien, fühlten sich allen überlegen und ließen sich einfach nicht mehr Kontrollieren. Nur wenige, meist die Mädchen, – sie waren in dem Alter einfach weiter in ihrer Entwicklung – wahren fähig sich einzuordnen. Letztendlich hatte Eric mir zugestimmt und sie hatten keinen so jungen Menschen mehr verwandelt, danach wurde es einfacher.
Er gehörte eindeutig zu der Gruppe die sich Allmächtig fühlte. Regeln? Warum sollte er sich an Regeln halten? Er war doch allen überlegen. Gut, mit strenger Hand konnte man ihn die Flausen aus dem Kopf hohlen, aber wer sollte das machen. Wir ganz bestimmt nicht. Ihn in unsere Familie aufnehmen? Nein, das ging nicht. Wir müssten schneller aus Hanover fliehen als uns lieb wäre und er hatte schon einen anderen Vampir getötet, dieser Gefahr durfte ich meine Familie nicht aussetzen. Und dann war da noch Sandy. Nein. Nein und nochmals Nein. Niemals würde ich zulassen das er sich ihr auch nur auf 100 km nähert, viel zu gefährlich. Wir schieden also schon mal aus. Doch wer könnte sich sonst um ihn kümmern? Wer würde die Geduld aufbringen sich um einen fremden Neugeborenen zu kümmern? Ich kannte keinen, aber ohne Aufsicht würde er es nie lernen. Da kam mir eine Idee. Es gab eine kleine Chance für ihn. Die Kampfgebiete im Süden, wenn er es bis dahin schaffte gab es bestimmt einen Zirkel der sich seiner annehmen würde, so oder so.
Tief in meinem toten Herzen hatte ich Mitleid mit dem Jungen, er hätte einfach kein Vampir werden dürfen.
‚Ed halt dich bereit. Ich starte noch einen Versuch, aber ich glaube nicht das wir Erfolg haben werden.’
‚Sag ich doch. Was meinst du ist mit Georg geschehen?’
‚Ich glaub Georg hat seine eigene Schöpfung etwas unterschätzt und hat dafür bezahlt. Kein Verlust.’
‚Ja, dann brauchen wir uns nicht darum zu kümmern.’
‚Mhmm. Gib jetzt acht.’
„Pass auf Billy, du kannst nicht einfach die Leichen liegen lassen, das geht einfach nicht. Wir müssen unsichtbar für die Menschen sein. Es gibt Regeln.“
Weiter kam ich nicht. Laut knurrend stürmte er auf mich zu, breit zu töten. Doch er kam nicht weit. Fünf Meter vor mir wurde sein Angriff abrupt gestoppt. Wie festgenagelt wurden seine Füße in den Boden gepresst, wild fuchtelte er mit seine Armen, im Versuch mich zu ergreifen, doch auch das wurde schnell unterbunden. Wie von unsichtbaren Händen gepackt ruckten seine Arme auf den Rücken und trotz aller Gegenwehr, er würde sie nie mehr bewegen. Als letztes wurde sein Kopf nach hinten gerissen, so das seine Kehle für den finalen Schlag frei lag.
‚Jetzt mach schon. Er ist ziemlich stark. Ich weiß nicht wie lang ich ihn so halten kann.’ Trotz unserer rein gedanklichen Kommunikation, konnte ich ganz deutlich hören wie anstrenget es für Eddie war, den Neugeborenen zu bändigen.
„Was machst du mit mir, du Schwein? Lass mich sofort los! Traust dich wohl nicht fair zu Kämpfen? Arschloch!“ Wütend schrie er mir seinen Hass entgegen und mit jedem Schritt den ich näher kam wurde seine Stimme schriller und sein Klagen panischer.
„Es tut mir leid Kleiner, aber für dich gibt es keinen Platz auf dieser Welt. Ich weiß es ist nicht deine Schuld, aber Georg hätte dich nie verwandeln dürfen. Mach jetzt deinen Frieden.“ Traurig sprach ich diese Worte, denn obwohl er nicht zu kontrollieren war, tat er mir leid.
„Das kannst du doch nicht machen.“, Alle Überheblichkeit war aus seiner Stimme verschwunden, da war nur noch blanke Angst. Weinerlich sprach er seine letzten Worte. „He, ich will auch artig sein. Bitte. Bitte. Nein. Nein. Ich will nicht.“
Schnell wie eine Schlange und kraftvoll wie ein Eisbär fuhr mein Mund seine Hals entlang und biss kleine Stücke aus ihm raus. Das reißen seiner Haut erstickte seine letzten Worte. Mit einem einzigen Ruck trennte ich den Kopf vom Leib und beendete so seine Existenz. Eddie entließ den Körper aus seinem telekinetischen Griff und schichtet Bauholz zu einem kleinen Scheiterhaufen, während ich die restlichen Gliedmassen vom Rumpf trennte.
Kaum das der Scheiterhaufen entzündet war, warfen wir die Körperteile ins Feuer. Sofort bildete sich der typische violette Rauch und der Geruch von Weihrauch schwängerte die Luft. Schweigend standen wir um das Feuer und warteten das seine Überreste zu Asche verglühten.
„Das eben wahr gute Arbeit.“, beendete ich das schweigen. „Du hast deine Kräfte immer besser unter Kontrolle.“
„Danke. Trotzdem möchte ich so was nicht jeden Tag machen.“, antwortete er.
Die Anspannung war gewichen und machte einer inneren Leere platz. Auch ich war froh, dass wir so was nicht jeden Tag machen mussten. Gut, das es die Volturi gab, diese Aufgabe überlies ich gern ihnen und noch eins wurde mir bewusst. Viele sahen es als Ehre an wenn die Volturi sie in ihre Reihen aufnahmen, doch für mich würde das nie in Frage kommen. Nicht nur das ich meine Unabhängigkeit liebte, aber dieses ständige Töten würde ich nicht aushalten.
„Wir sollten uns zu Hause melden und den Frauen sagen das es uns gut geht.“ Zumindest körperlich fügte ich im Geist zu.
„Ja, ich ruf dann mal Marie an.“ Eddie hatte sein Handy schon gezückt und drückte die Kurzwahltaste.
Ich dachte an Sandy und ließ meinen Geist fliegen.

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11. Boston Zusammenfassung Teil 4, 5 und 6

Beitrag  Gast am Sa 17 Okt 2009, 20:01

Zusammenfassung Teil 4, 5 und 6

Für alle die die Teile 4 bis 6 nicht lesen wollten oder durften hier eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse:

Punkt Neun wittern Bruce und Eddie den Neugeborenen und verfolgen seine Spur bis zu einer abgelegen Strasse im Norden von Bosten. Dort finden sie mitten auf der Strasse einen demolierten Wagen. Der Motor läuft noch das Licht brennt und die Türen stehen weit offen. Eddie versteckt das Fahrzeug und Bruce findet das erste Opfer, eine junge Frau, ausgesaugt, die achtlos liegen gelassen wurde.
Sie folgen weiter der Fährte und als Bruce ein Wimmer hört, befiehlt er Eddie zu warten und sieht alleine nach der Quelle. Es ist ein kleiner, etwa fünfjähriger Junge der nicht ganz ausgesaugt wurde. Da die Verwandlung schon zu weit fortgeschritten ist, töte Bruce ihn. Diese Tat belastet Bruce sehr und löst schmerzende Erinnerungen bei ihm aus.
Sie finden den Neugeborenen auf einer Baustelle, in einem Neubaugebiet. Er ist gerade dabei sein letztes Opfer, einen Mann zu quälen. Bruce beobachtet die Szene mit seiner Gabe beschließt aber nicht einzugreifen, da der Mann schon zuviel weiß und er nur noch die Wahl zwischen Tot und Verwandlung hat. Bruce möchte ihn nicht verwandeln, da er keine Vorstellung von seiner Zukunft hat und er kein neues Monster erschaffen will.
Während er die Zwei beobachtet erfährt er, dass der Jung Billy heißt und der Mann sein leiblicher Vater war. Er hatte die Billy und seine Mutter verlassen und mit der toten Frau einen neue Beziehung begonnen. Der kleine junge war sein Stiefbruder. Billys hass auf seine Vater war so groß das er sich bei seiner Tötung, für einen Neugeborenen, sehr viel Zeit ließ.
Als es dann vorbei war versteckte sich Eddie mit Sicht auf Billy und Bruce trat ihm gegenüber. Billy war fast 13 und benahm sich von Anfang an sehr respektlos. Die Verwandlung und die dadurch neu gewonnen Kräfte waren ihm zu Kopf gestiegen. Er glaubte er sei unbesiegbar. In seinen Allmachtphantasien dachte er das Regeln für ihn nicht gelten und hatte so seinen Schöpfer umgebracht weil der ihn zügeln wollte.
Trotzdem machte Bruce einen letzten Versuch ihm die Regeln zu erklären. Doch als Billy das Wort Regeln hörte griff er Bruce an. Eddie stoppte den Angriff frühzeitig und fesselte Billy mit seinen telekinetischen Kräften, woraufhin Bruce Billy Existenz beendete.
Nachdem die Überreste von Billy verbrannt waren meldeten Eddie und Bruce sich bei Marie und Sandy.

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12. Halloween Teil 1

Beitrag  Gast am Do 22 Okt 2009, 16:38

12. Halloween

„Denkst du wieder an den Jungen?“ Ich spürte ihre warme Hand meinen Rücken hoch wandern und ihre Lippen in meinem Nacken.
Natürlich hatte ein Teil von mir wieder an den Jungen gedacht, aber das wollte ich ihr nicht sagen. Ich würde seinen Tot auch in 1.000 Jahren noch deutlich vor mir sehen, das war der Nachteil wenn man ein unfehlbares Gedächtnis hatte, auch das was man vergessen wollte war frisch wie am ersten Tag.
Zwei Wochen war es jetzt her das wir in Boston waren. Nachdem wir mit unseren Lieben gesprochen hatten, hatten wir die Leichen der Familie auf einem Friedhof in der Nähe in frische Gräber gelegt und das Auto verbrannt. In Boston war seit dem Ruhe eingekehrt, nun nicht gerade Ruhe eher der normale Wahnsinn, der „Bruning Man Killer“ war genauso unauffindbar wie damals in Seattle und die Medien spekulierten darüber wo und wann er wieder zuschlagen würde.
Für mich waren die ersten Tage die reinste Qual, immer wieder sah ich die Gesichter der Kinder und immer lag die eine Frage in ihrem Blick. Ich ging innerlich durch meine ganz private Hölle. Sandy hatte natürlich schon am ersten Abend gemerkt. das mit mir etwas nicht stimmte, darum hatte ich erst gar nicht versucht um den heißen Brei rum zu reden. Ich erklärte ihr den ständigen Drang nach Nahrung und das man die Kontrolle über diesen Instinkt erst lernen musste, warum die Verwandlung von Kindern verboten war und natürlich von den Ereignissen des Abends. Ich hatte mit allem gerechnet, z.B. das sie nie wieder was mit mir und meiner, unserer Familie zu tun haben wollte, doch ihre Reaktion überraschte mich, obwohl mich bei ihr ja gar nichts mehr überraschen sollte. Sie sah nicht das Monster in mir, sonder nur meinen Schmerz. Stundenlang hatte ich in ihren Armen gelegen und sie hatte mit ihrer Wärme die Seelenqualen weggebrannt. Für sie war mein Handeln richtig und voller Mitleid. Auf meine Bemerkung ich währe ein Monster, hatte sie nur energisch den Kopf geschüttelt. „Monster leiden keine Qualen, sie fühlen nichts. Doch du Leidest für Taten, die du nicht verantworten musst. Hast selbst Mitleid mit diesem Billy. Wie kannst du da ein Monster sein? Du hast nur deine Familie beschützt. Du hast mich beschützt. Und denk auch an all die unschuldigen Menschen, die heute Nacht ruhig schlafen können, die noch ein Morgen haben, weil ihr sie von den wahren Monstern befreit habt. Ich will gar nicht daran denken was dieser kleine Junge alles angerichtet hätte. Nur um es dir noch mal ganz deutlich zu machen. Für mich bist du kein Monster.“
Selbst in den dunkelsten Stunden leuchtete ihr Licht an meinem Firmament, es zog mich aus der Dunkelheit und führte mich zurück. Sie war in diesen Stunden mein Fixstern, mein persönlicher Nordstern, denn so wie der Nordstern früher den Seefahrern in dunkler Nacht den Weg nach Hause zeigte, wies auch sie mir die Richtung. Mein Nordstern, genau das war sie für mich. Wie hatte ich nur all die Jahre ohne sie überstanden. Ich würde sie ewig Lieben, zumindest bis zum Ende meiner Existenz.
„Nein. Ich habe an Marie gedacht.“ Damit hatte ich noch nicht gelogen den ein anderer Teil von mir fragte sich echt was in all den Kisten war, die vormittags für Marie geliefert wurden. Sie hatte nur was von Kostümen gesagt und darauf bestanden das ich heute Nachmittag mit Sandy zur anprobe kommen sollte. Alles recht mysteriös. Seit Sandy gesagt hatte sie würde gern Halloween auf dem Campus feiern war Marie zur Höchstform aufgelaufen. Bei dem Motto der diesjährigen Veranstaltung, Geschöpfe der Nacht, hatte sie nur breit gegrinst und sich sofort an den Computer gesetzt um zu recherchieren. Seltsam hatte ich noch gedacht, was gibt es da zu recherchieren, doch dann fing sie an von uns allen Masse zu nehmen. Auf meine Frage was das sollte antwortete sie nur lakonisch, >>Für Kostüme<< und fand es gar nicht lustig, das ich meinte das wir bei dem Motto doch gar keine Kostüme bräuchten.
„Wieso was ist denn mit ihr?“
„Sie hat heute jede Menge Pakete bekommen und wir sollen gleich zur Anprobe kommen. Ich schätz mal ihre geheimnisvollen Kostüme sind angekommen, ich bin ja mal gespannt als was wir Morgen gehen werden.“ Als ich sie hinter mir seufzen hörte drehte ich mich, in einer schnellen fliesenden Bewegung zu ihr und zog sie nach vorne, so das sie in meinen Armen zum liegen kam. Unsere Gesichter waren sich ganz nah. Ihr Herz pochte wild, ihr Atem ging schneller, ihre Haut wurde so wunderbar rosa und ihr Duft intensiver. Ich liebte es wenn ihr Körper so auf mich reagierte und mein Körper gewöhnte sich auch immer besser an sie, der Durst den ihre Nähe immer noch bei mir auslöste, war bei weitem nicht mehr so schlimm wie am Anfang, vor allem beim küssen. „Was gibt es denn hier zu seufzen?“
Sie verdrehte nur die Augen und anstatt mir zu antworten kam ihr Gesicht näher an meins, bis unsere Lippen in einem leidenschaftlichen Kuss verschmolzen. Wie immer driftete sie durch den Kuss ab. Ich hatte sie nach dem Grund gefragt und sie hatte nur geantwortet, dass meine Küsse so ganz anders wären, als alles was sie vorher erlebt hätte. Wie ein kleiner Rausch.
„Ich dachte nur, ich hätte dich heute Nachmittag ganz für mich allein.“, antwortete sie schließlich.
„Bist du meiner denn nicht langsam überdrüssig?“, fragte ich gelangweilt, wobei ich nur schwer ein Lachen unterdrücken konnte.
„Wieso ich sehe dich doch kaum.“, schmunzelte sie.
Bei diesem kaum, konnte ich mich nicht mehr zusammenreißen. Seit dem ersten Abend hatte wir nur eine Nacht nicht gemeinsam verbracht, mal schlief sie bei mir, mal wachte ich bei ihr über ihren Schlaf und auch sonst verbrachten wir fast jede freie Minute zusammen, ich hatte schon meine Jagdausflüge auf ihre Arbeitszeit verlegt, um keine Zeit zu verlieren.
„Komm je eher wir es hinter uns gebracht haben, desto schneller sind wir wieder allein und um ehrlich zu sein, in diesem Haus herrscht mal wieder ein Getöse, da kann ich mich kaum auf dich konzentrieren.“ Demonstrativ hielt ich mir die Ohren zu, um das gesagte zu unterstreichen. Eigentlich war es nicht schlimmer als sonst auch, aber ich mochte dieses Wohnheim überhaupt nicht, viel zu eng, zu viele Gerüche, zu laut und dann diese Einrichtung. Schrecklich. Wie konnten Menschen sich in so einer Legebatterie nur Wohlfühlen? Ob sie wohl im nächsten Semester zu uns ziehen würde? Das würde vieles leichter machen und sie bräuchte dann auch nicht mehr soviel zu arbeiten oder hätte mehr Geld für sich. Doch das Wichtigste, sie wäre mehr bei mir.
„Also eh du hier noch taub wirst, gehen wir lieber.“ Lachend sprang sie auf und wollte schon zur Tür eilen, doch ich war schneller und versperrte ihr den Weg.
Verdutzt sah sie mich an. „Das ist gemein das du so schnell bist.“, schmollte sie und legte ihren Kopf leicht schräg.
„Warum packst du nicht schon mal alles für heute Nacht, dann brauchst du später nicht mehr her oder soll dir Marie dabei helfen?“
„Was hat Marie damit zu tun?“, fragte sie verwundert.
„Weil ich heute schwänze. Du fährst heute mit Marie zur Uni oder du nimmst den Audi und fährst allein.“
„Und warum schwänzt du?“
„Das siehst du noch früh genug aber pack dir was Warmes ein, um diese Jahreszeit soll es ja schon recht kühl sein, zumindest für die Menschen unter uns.“ Grinsend sah ich in ihre fragenden Augen.
Als sie merkte das ich ihr nichts verraten würde, drehte sie sich um und fing an ihre Tasche zu packen. Als letztes legte sie sich eine Hose und einen Rollkragenpullover raus und fing an sich auszuziehen. Dabei drehte sie sich zu mir und grinste mich schelmisch an. Ganz langsam öffnete sie einen Knopf, ihrer Bluse nach dem anderen, um sie schlussendlich in einer lasziven Bewegung von ihren Schultern zu streifen. Jetzt war ich es der sie fragend und erregt ansah. Was sollte diese Show? Doch sie lächelte nur und drehte mir ihren Rücken zu. Ich dachte schon das war’s, aber weit gefehlt. Gekonnt öffnete sie den Knopf und den Reisverschluss ihres Rocks, dann wackelte sie leicht mit den Hüften und er rutschte zu Boden. Sie trat zwei Schritte zurück und bückte sich, nur noch in Unterwäsche bekleidet und gar nicht Ladylieke, indem sie nur den Oberkörper bewegte. Das ganze sah verboten gut aus, wenn sie mich zum kochen bringen wollte, hatte sie ihr Ziel erreicht. Als sie nach ihrem Rock griff, drehte sie ihren Kopf in meine Richtung und lächelte mich ganz unschuldig an. Dieses kleine Biest. Als sie sich wieder aufrichtete stand ich schon hinter ihr und meine Hände lagen auf ihren Hüften. Doch sie grinste mich nur frech an und streife meine Hände ab.
„Weswegen schwänzt du doch gleich?“, fragte sie ganz unschuldig und warf mir ihren Hundeblick zu.
„Oh.“, stöhnte ich auf und wich zwei Schritte zurück. „Du kleine Hexe. Da will man dir eine Freude machen und dann so was.“ Spielte ich den Empörten und zog entsetzt die Augenbrauen hoch.
Sie ging wieder auf mich zu, schlang ihre Arme um meine Mitte und legte ihren Kopf gegen meine Brust. „Och, sag es mir doch. Biittteee.“, flehte sie mich kindlich an.
Sanft hob ich ihr Kinn, so das ich in ihre Augen blicken konnte. „Das machst du gut, ich bin echt beeindruckt.“ Ein entwaffnendes Lächeln umspielte ihren Mund. „Doch ich verrat es dir trotzdem nicht, keine Chance.“
„Das ist gemein, jetzt muss ich dauernd daran denken, was du wieder vor hast.“ Frustriert drehte sie sich von mir weg und griff nach ihrer Strumpfhose.
Schmunzelnd sah ich ihr beim anziehen zu und ernte so manchen bösen Blick. Nun so böse war sie auch nicht, immer wenn sie dachte ich würde es nicht sehen grinste sie zufrieden.
Zehn Minuten später waren wir vor dem Wohnheim und gingen zum Auto als uns April entgegen kam. Entgegen ihrer Angewohnheit war April dick angezogen und ein breiter Schal lag um ihren Hals.
„Hallo April.“, grüßten wir sie im Chor.
April hob die Hand zum Gruß und als sie den Mund aufmachte kam nur ein heiseres Krächzen hervor.
Besorgt blieb Sandy stehen und warf ihr einen Mitleidigen blick zu. „April, geht es dir nicht gut?“
Wieder öffnete April den Mund. „Keine Stimme.“, flüsterte sie unter großer Anstrengung, mehr brachte ihre heisere Stimme nicht zu Stande.
„Ach, das ist ja schrecklich.“, bedauerte Sandy sie, nahm ein Blatt und was zu schreiben aus ihrem Rucksack und schrieb ihr in den Namen eines Wildblütentees auf. „Davon trinkst du dreimal Täglich eine Tasse, er ist zwar etwas bitter und du solltest ihn nicht süßen, dann wirkt er nicht, aber er hilft gegen das Kratzen im Hals.“
Dankbar nahm April den Zettel entgegen. Als sie noch was sagen wollte schüttelte Sandy nur den Kopf. „Du solltest so wenig wie möglich sprechen, das ist nicht gut für deinen Hals.“
April nickte nur und umarmte sie.
„Schon gut. Jetzt leg dich hin, vielleicht kann Carolin dir ja den Tee besorgen, ich muss jetzt leider weg. Gute Besserung.“
Ich wünschte ihr auch noch gute Besserung und dann hatten wir es eilig zum Auto zu kommen. Mit Mühe schaffte ich es noch die Tür des Wagens hinter mir zu schließen und dann brach es aus uns raus, schallendes Gelächter. Mein Lachen lies die Scheiben erzittern und Sandy musste sich immer wieder die Tränen aus den Augen wischen. Erst als sie wie ein Fisch auf dem Trocken nach Luft schnappen musste erstarb ihr Lachen.
Ich lehnte meinen Kopf an ihre Schulter. „Hilft ihr der Tee den überhaupt?“
„Bei normalen Halsschmerzen wirkt er Wunder aber.“ Erneut schüttelte sie sich vor lachen. „Aber hierbei hilft gar nichts. Wie hat Marie ihr das eigentlich untergeschoben.“
„Das war ganz einfach. April hat immer ein Glas Eistee, nachts auf ihrem Nachttisch stehen, von dem sie immer trinkt und Marie hat ihr letzte Nacht einen kurzen besuch abgestatte.“ Mehr brauchte ich nicht zu sagen und so fuhren wir, weiter über Aprils >>Unglück<< scherzend, zu mir.

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12. Halloween Teil 2

Beitrag  Gast am Do 22 Okt 2009, 16:39

Als wir auf den Platz vor unserem Haus fuhren fielen mir fast die Augen aus dem Kopf. Vor unserer Garage standen zwei riesige Anhänger, wie sie Bauern benutzten, voller Kürbisse. Marie stand auf einem öffnete einen Kürbis, höhlte ihn mit ihrer Hand aus, schmiss den Inhalt in eines der Fässer die vor dem Hänger standen und den hohlen Kürbis zu Eddie, der ihn geschickt auffing, mit einem Messer Fratzen hinein schnitt und ihn dann, zu den bereits fertigen, auf dem hohen Stapel neben sich zu stellen. Was ging den hier vor? Hatte Marie jetzt total den Verstand verloren?
„Was geht denn hier ab?“, fragte ich entsetzt als ich den Wagen verlassen hatte. Sandy stand neben mir und versuchte die Handlung zu erfassen, doch Marie und Eddie arbeiteten so schnell, das es für sie nur wie Schlieren aussah.
„Was wohl wir machen Jack o’ Laternen, damit dekorieren wir die Auffahrt, damit sich keiner Verfährt oder glaubst du die lieben Kinderchen kommen zu Fuß?“ Lachend warf sie Ed den nächsten Kürbis zu.
„Kinder?“, fragte ich zweifelnd. Von was für Kinder sprach sie da?
„Ja. Trick or treat. Du weißt schon scharen von Kinder die nach Süßigkeiten fragen und erschreckt werden wollen. Ich hab mit der Nachbarin gesprochen, die Eltern aus der Gegend fahren mit den lieben Kleinen von Haus zu Haus, da können wir uns nicht drücken.“, erklärte sie fröhlich und fünf weiter Kürbisse fanden ihren Platz auf dem Stapel.
„Aber müssen wir den unbedingt soviel Aufwand betreiben, hätte es den nicht ein bisschen Deko getan?“ Wenn sie wirklich all diese Kürbisse zu Laternen umwandelte, konnten wir ja bald alle zehn Meter eine aufstellen.
„Nein. Tut es nicht. Die Eingangshalle haben wir auch schon dekoriert und Morgen wirst du schön mithelfen, wir ziehen eine richtig schöne Horrorshow ab.“
„Du spinnst wohl, das macht ihr Mal schön allein.“
„Und ob du mitmachst. Das wird ne richtig schöne Familienproduktion.“ Marie streckte mir die Zunge raus und plötzlich kam mit voller wucht, ein noch nicht ausgehöhlter Kürbis auf mich zugeflogen. Es wäre ein leichtes gewesen ihm auszuweichen, doch dann hätte er mein Auto getroffen und mit Sicherheit die Scheiben durchschlagen. Also blieb ich stehen und steckte meine Faust in die Flugbahn. Als der Kürbiss aufschlug, explodierte er und verwandelte sich in einen Orangen Nebel, der sich über mich und das Auto verteilte. Angewidert wischte ich mir die Pampe aus dem Gischt und sah an mir runter. Überall an mir hafteten kleine Kürbissstücke. Hinter mir fing Sandy an zu lachen und auch Marie und Eddie hielten sich die Bäuche. Das war zuviel! Wie ein Blitz schoss ich nach vorne, Griff eines der Fässer und entleerte seinen Inhalt über Marie. Was bei Eddie noch mehr Gelächter hervorrief. Das konnte sie nicht auf sich sitzen lassen und stürmte auf Eddie zu, um ihn mit Kürbissbrei einzuschmieren. Das ganze geriet immer mehr außer Kontrolle und endete in einer fulminanten Kürbissschlacht, bei der wir ganzen Platz, die angrenzenden Gebäude und Bäume als Schlachtfeld nutzten. Mal stürzte ich mich auf Eddie, dann rollten Marie und ich über den ganze Hof während Ed uns weiter mit Kürbissen bewarf. Wir benahmen uns wie kleine Kinder, die beim ersten Schnee des Jahres eine Schneeballschlacht veranstalteten. Einzig Sandy blieb bei diesem Spiel außen vor, da wir sie nicht verletzen wollten. Doch als wir zum Schluss übereinander auf dem Boden lagen und uns nur noch gegenseitig voll schmierten, lachte sie zu laut und alle Augen lagen auf ihr. Wie auf Kommando sprangen wir auf und landeten, jeder mit einer Hand voll Brei bewaffnet bei ihr. Zuerst sah sie noch amüsiert aus, doch als wir einen Schritt auf sie zu machten hob sie abwehrend die Hände und versuchte nach hinten auszuweichen. „Das wagt ihr nicht.“, kreischte sie. Doch ich grinste nur noch übermütig, überwand den Abstand zwischen uns und schmierte sie voll. „Hilfe. Hilfe. Ich werde hier von drei schrecklichen Monstern angegriffen.“, grölte sie vergnügt, während Marie und Eddie meinem Beispiel folgten und ihre Ladung auf ihr verteilten. Lachend ließen wir uns auf den Boden fallen und ich zog Sandy auf meinen Schoß, die anfing, mit spitzen Fingern, einzelne Kürbisstücke aus meinen Haaren zu klauben. Ich ließ meinen Blick über das Schlachtfeld wandern und musste entsetzt feststellen, dass wir ganze Arbeit geleistete hatte. Wir hatten einen halben Anhänger Kürbisse vernichtet. Überall lagen kleine Stücke und der sonst weiße Kies war von einer orangen Schleimschicht überzogen. Wie sollten wir das wieder sauber bekommen? Gut, die Stücke könnten wir schnell aufheben, aber selbst wenn wir den Kies abspritzen, würde es noch einige Wochen, mit viel Regen, brauchen bis er wieder weiß war.
„So jetzt sollten wir aber aufräumen.“, stellte ich nach einiger Zeit fest.
Gesagt getan. Marie und ich sammelten die Stücke auf, während Eddie mit einem Feuerwehrschlauch den Boden abspritzte. Danach waren wir alle reif für eine Dusche und frische Klamotten. Da wir nicht alles versauen wollten gingen wir durch den Seiteneingang direkt in den Keller, wo wir ein Extrabad hatten, falls wir mal nach einer Jagd so schmutzig waren, dass wir nicht erst durch ganze Haus laufen wollten um zu duschen. Eine halbe Stunde später standen wir alle in Bademäntel gehüllt vor dem Bad und Marie zog Sandy über die Angestelltentreppe mit in ihr Zimmer. „Wehe du kuckst.“, warnte sie mich noch bevor sie verschwand. Schulter zuckend ging ich in mein Zimmer und fand auf dem Bett einen Anzug, nebst Zylinder und Cap. >>Bitte. Anprobieren und sollte er nicht passen, rufst du mich. Marie.<< Stand auf dem Zettel der auf der Kleidung lag. Was soll’s dachte ich und fing an mich anzuziehen. Zuerst das Hemd, ziemlich altmodisch dachte ich, als ich den Stehkragen, der sich eng an meinen Hals schmiegte zuknöpfte. Es folgte eine Anzughose, eine Krawatte, eine Weste und das Sakko. Der Anzug war Marineblau mit Nadelstreifen und der Stoff war edel und sehr dick. Eigentlich nichts ungewöhnliches, doch der Schnitt, eindeutig englisch, war seit mindestens 100 Jahren nicht mehr in Mode. Als ich noch das Cap überwarf und den Zylinder aufsetzte, erstarrte ich als ich mein Bild im Spiegel betrachtet. Der junge Mann, der mich aus dem Spiegel betrachtet, war zweifellos gut gekleidet, alles saß perfekt. Zu Queen Victorias Zeiten wäre ich so in jeden Club gekommen, aber was hatte das mit Halloween zu tun? Ich steckte meine Hände in die Hosentaschen und meine Linke fand ein paar seltsame Kapseln. Ich zog sie raus und betrachtete sie genauer. Sie waren mit einer roten Flüssigkeit gefüllt und bestanden auf einem weichen Material. Ein kleiner Zettel den ich auch in der Hosentasche fand klärte mich auf. Es war Kunstblut und die Kapseln sollten im Mund zerbissen werden.
Da viel es mir wie Schuppen von den Augen. Halloween, Geschöpfe der Nacht, ein viktorianischer Anzug, Kapseln mit Kunstblut, das alles ergab jetzt seine doch recht perversen Sinn. Das konnte sie doch nicht ernst meinen? Bram Stoker? Vampire, die Menschen spielen, die sich als Vampire verkleiden. Das war doch alles nur ein Witz.
Schnell zog ich mich wieder um und war froh wieder normale Klamotten am Leib zu tragen. Um mich etwas abzulenken und da Sandy wohl noch etwas länger brauchen würde, ich konnte mir nur zu gut vorstellen wie Marie sie in so ein viktorianisches Kleid zwängte, ging ich in die Bibliothek und setzte mich mit einem Gedichtband von Rilke vor den Kamin. Einige Gedichte später hörte ich Sandy fluchend die Treppe herunter kommen und so erwartete ich sie am Eingang. Sofort viel sie mir in die Arme, stürmisch wie immer.
„Deine Schwester ist schrecklich, weist du was ich morgen anziehen soll. So ein auf Uralt getrimmtes Kleid. Hast du schon mal ein Korsett getragen. Puh. Da bekommt man gar keine Luft und dann dieser Rock. Ein Reifrock mit Unterrock, da kam man ja einen Elefanten darunter verstecken. Ich frag mich echt wie ich das morgen durchstehen soll, denn stehen muss ich wohl die ganze Zeit. Setzen ist damit vollkommen unmöglich.“ Klagte sie mir ihr Leid. „Was hat das mit Geschöpfen der Nacht zu tun? Ehrlich.“
Grinsend zog ich sie zu einem Regal, das in einer der hinteren Reihen stand und zog ein Buch von weiter oben. Es hatte einen gelben Umschlag mit roten Buchstaben.
„Dracula by Bram Stoker.“, las sie laut vor. „Das kann doch nicht ihr Ernst sein. Da könnt ihr euch….“
„Was können wir?“, fragte ich neugierig. Sie wusste es. Dachte ich es mir doch. Sie war viel zu klug und zu aufmerksam, auch ohne ihre Gabe bräuchte sie nur eins und eins zusammen zu zählen.
„Was wohl? Ihr könnt dann doch gleich sagen, sieh her wir sind anders als ihr. Wir sind…“ Wieder brach sie ab, so als würde sie das Wort Vampir nicht über die Lippen bekommen.
„Es ist nicht einfach es auszusprechen. Nicht wahr?“ Ich schaute sie fest an, doch sie schluckte nur und senkte ihren Blick.
„Gut dann sag ich es mal. Du meinst es ist keine Gute Idee wenn wir uns als Vampire verkleiden, weil das viele zu auffällig ist. Doch wer kommt schon auf die Idee das Vampire, die sich als Menschen ausgeben, sich zu Halloween als Vampire verkleiden?“
Schlagartig hob sie ihren Kopf und strahlte mich an. „Schön das du es endlich zugibst. Darf ich es jetzt sagen?“
Ich wusste genau was sie meinte, doch dafür war es noch zu früh. „Oh, da hab ich mich wohl verraten. So ein Mist.“ Scherzte ich. „Eigentlich wollte ich dir meinen Entschluss erst heute Abend mitteilen, aber wo wir schon mal dabei sind. Ich finde es läuft ganz gut mit uns und darum möchte ich, dass du alles weißt. Das wir Vampire sind hast du doch spätestens in Montreal geahnt, sonst hättest du nicht noch mal nach meinen Essgewohnheiten gefragt, aber es gibt noch so vieles das du nicht weißt und das kann ich dir nicht alles hier und heute erklären. Darum wollte ich dich fragen ob du nicht das Wochenende mit mir, in meiner Hütte am See verbringen möchtest. Da haben wir unsere Ruhe und auch genügend Zeit für all deine Fragen. Aber ich warne dich, nicht alles wird dir gefallen, es gabt auch sehr dunkle, schreckliche Zeiten in meinem Leben. Wenn du alles weißt, dann kannst du es sagen. OK?“
„OK. Bis dahin werde ich es wohl aushalten. Auch wenn ich nicht glaube das es irgendwas gibt, das meine Gefühle für dich verändern wird.“ Dann kam sie ganz nah zu mir und zog mich zu sich runter. Ihre blauen Augen strahlten. „Schön das du dich endlich entschieden hast. War das die Überraschung?“
„Nein, das ist was ganz anderes und mehr sag ich dazu nicht.“
Die Tür ging einen Spalt auf und ich konnte Marie riechen. „Ach hier seid ihr. Ihr könntet uns draußen ruhig helfen. Es gibt noch sehr viel zu tun.“
Widerwillig löste ich mich von Sandy und ging mit ihr nach draußen.
Den Rest des Nachmittags bearbeiteten wir die restlichen Kürbisse. Banden Skelette und Hexen in die Bäume am Weg zu unserem Haus und schmückten den Platz davor.
Gegen halb Fünf holten Sandy und Marie ihre Sachen und machten sich fertig für die Uni. Als Eddie keine Anstallten machte mit zu fahren wand sich Sandy an Marie. „Macht Eddie heute auch blau?“
„Ja, die Jungs müssen doch den heutigen Abend für uns vorbereiten.“, lachte Marie.
„Den heutigen Abend? Für uns? Ist denn heute ein besonderer Tag?“
„Ja, klar. Heute ist der Vorabend von Samhain, da ist es Familientradition, dass die Männer für ihr Geliebten einen ganz persönlichen Abend ausrichten und zwar im Freien. Was sie genau vor haben weiß ich natürlich nicht. Das ist immer eine Überraschung.“
„Schade.“
„Ja.“, sagte Marie noch dann stiegen sie ein und brausten davon.
Als sie außer sichtweite waren lief ich zur Garage, schnappte mir den dort versteckten Rucksack und verschwand im Wald.

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12. Halloween Teil 3

Beitrag  Gast am Di 27 Okt 2009, 20:48

Versteckt im Wald, stand ich in der Nähe unserer Zufahrt und wartete. Lang würde es nicht mehr dauern, denn das dumpfe Brummen von Maries BMW war schon ganz nah und ich konnte schon die Scheinwerfer sehen. Endlich kamen sie um die letzte Kurve gefahren und wie vereinbart stoppten sie keine zehn Meter von mir entfernt.
„So hier ist für dich Endstation, bitte aussteigen.“, hörte ich Maries Stimme gedämpft aus dem Wageninneren.
„Was hier? Mitten im nirgendwo. Das ist doch nicht dein Ernst!“, antwortet Sandy zweifelnd.
„Ja, das ist mein voller Ernst. Ich soll dich hier absetzen, also bitte.“, kicherte Marie.
Widerwillig stieg Sandy aus und sah sich skeptisch um, während sie ihren Mantel zuknöpfte. Wie aus dem Nichts stand Marie bei ihr und rechte ihr eine Wollmütze, einen Schall und Handschuhe. „Die wirst du brauchen.“
Seufzend nahm sie die Gegenstände und zog sie an. „Bist du dir ganz sicher, dass du mich hier absetzen sollst?“
„Ja. Er ist schon ganz in der Nähe und wartete das ich wegfahre. Also viel Spaß.“ Marie wollte gerade wieder einsteigen, doch dann drehte sie sich wieder um und war augenblicklich wieder bei Sandy.
„Das hätte ich ja fast vergessen.“, mit diesen Worten zog sie ein Tuch aus ihrer Jackentasche. „Dreh dich doch bitte um. Ich soll dir ja noch die Augen verbinden.“
„Das ist jetzt aber wirklich ein Scherz. Du willst mir doch nicht mitten im Wald, bei stockdunkler Nacht, die Augen verbinden.“ Protestierte sie und fuchtelte mit ihren Händen.
„Bitte. Sandy mach’s mir doch nicht so schwer. Er wird nicht kommen, wenn deine Augen nicht verbunden sind.“
„Also gut. Also gut verbind mir die Augen.“
Zähneknirschend gab sie ihren Widerstand auf und ließ sich die Augen verbinden.
„Dann noch einmal viel Spaß heute Nacht.“
„Dir auch und wehe dir er kommt nicht.“
„Er kommt.“, war alles was Marie noch sagte, dann machte sie einen Satz und stand genau vor mir. Spitzbübisch lächelte sie mich an und beugte sich vor.
„Dir wünsch ich auch viel Spaß.“, flüsterte sie mir ins Ohr und schon war sie zu ihrem Auto gesprungen und fuhr davon.
Wie ein Geist schlich ich mich lautlos hinter sie und als ich meine Hände auf ihre Hüften legte fuhr sie erschrocken zusammen.
„Vertraust du mir?“, flüsterte ich in ihr Ohr
„Ja.“, antwortet sie mit fester Stimme.
„Gut.“, kicherte ich noch, hob sie hoch und schoss, mit ihr in meinen Armen, in den Wald.
Kurze Zeit später hatten wir schon den kleinen See, nun eigentlich war es ein größerer Teich, der an der Nordgrenze unseres Grundstücks lag erreicht. Ich hatte einen Windschutz aus dicken Ästen, die mit Tannengrün abgedeckt waren errichtet und den Boden darunter mit Laub, über das ich Lammfelle ausgebreitet hatte, gepolstert. Davor brannte ein Lagerfeuer das dafür sorgte, dass unter dem Windschutz eine angenehme wärme herrschte. Langsam setzte ich sie auf den Fellen ab.
„Darf ich jetzt gucken?“, fragte sie ungeduldig.
„Gewährt mir noch einen Augeblick eurer kostbaren Zeit, Mylady. Ich teile euch mit, wann der Zeitpunkt gekommen ist.“
„Ja…Ja.“, antwortete sie verwirt.
Ich hauchte ihr noch einen Kuss auf die Stirn und begab mich auf einen kleine Hügel direkt am Seeufer. „Mylady, wenn es euer Begehr ist, dürft ihr euch jetzt der Augenbinde entledigen.“
Mit einem Ruck zerrte sie die Binde von ihrem Kopf und musste erst mal blinzeln. Es dauerte ein wenig bis ihre Augen sich an die Lichtverhältnisse angepasst hatten. Als erstes sah sie staunend zum See, auf dem dutzende bunter Laternen auf kleinen Flössen trieben, doch dann fand sie mich und man sah ihre Zerrissenheit an. Ein Teil von ihr wollte laut lachen und der andere war total hingerissen. So hatte sie mich noch nie gesehen. Ich stand auf dem kleinen Hügel, um mich ein Karre aus sechs Fackeln, die mich von unten anleuchteten und war in traditioneller schottscher Tracht – Auf dem Kopf trug ich ein Bonnet mit dem Wappen meines Clans und zwei Federn die mich als Chieftain meiner Familie auswiesen, dazu ein weißes, grobes Leinenhemd mit Krawatte, Weste und dunkelblauem Jackett. Über dem Kilt, im rot-grünen Tartan meins Clans, baumelte ein Sporran (Beutel) aus Fell, dazu trug ich knielange Wollstrümpfe die unter den Knien gefaltet waren und mit Flashes (bunte Stoffstücke die in den Umschlag der Strümpfe gesteckt werden) verziert waren. Im rechten Strumpf steckte ein Sgjan Dubh (Dolch) und meine Füße steckten in Gillie Brogues (Halbschuhe) deren Schnürsenkel eng um die Waden gebunden waren. – gekleidet und unter dem linken Arm hielt ich meinen Dudelsack.
Ich lächelte sie noch einmal an, nahm das Bonnet vom Kopf und verbeugte mich vor ihr. „Mylady, gewährt mir die Ehre mich vor zu stellen. Mein Name ist Bruce Adrian McGregor. Es ist mir eine große Freude euch hier willkommen zu heißen. In Clan der McGregors ist es seit jahrhunderten Tradition, das am Vorabend von Samhain die Männer des Clans für ihre geliebten Weiber, einen Abend zu zweit ausrichten. Da damals die Häuser klein und die Familien groß waren, wurde es bald üblich, dass dieses Zusammentreffen unter dem Dach der Sterne stattfand. In diesem Sinne hab ich diesen Platz hier für euch hergerichtet. Ich hoffe Mylady sitzen bequem und warm.“ Sie grinste nur amüsiert und nickte. „Erlaubt mir nun, euch einige Weisen aus der alten Heimat vorzuspielen.“
„Es sei euch gewährt.“, kicherte sie freudig, wie ein kleines Kind und machte mit der Hand eine wellenförmige Bewegung in meine Richtung.
Ich verbeugte mich noch einmal setzte das Bonnet wieder auf meinen Kopf und führte das Mundstück des Dudelsacks an meine Mund. Ich spielte zuerst Scotland the Brave, gefolgt von Green Hills of Tyroll, dann ein Solo, danach noch Green Hills und zum Abschluss Battle O’er.
Begeistert klatschte sie als ich mich wieder verbeugte und mich zu ihr begab.
„Du spielst also nur mittelmäßig, also für mich klang das ziemlich perfekt und wunderschön.“, schollt sie mich, als ich mich neben ihr niederließ.
„Das kommt daher, da Mylady noch nie einen wahren Künstler am Dudelsack gelauscht haben. Ich bin für meine körperlichen Vorraussetzungen wirklich nur gutes Mittelmaß.“, antwortete ich verlegen. „Möchten Mylady jetzt speisen?“
„Ja, gerne. Was gibt’s denn?“ Neugierig schnupperte sie den Duft der Speisen.
Ich reichte ihr einen Becher Wein und begab mich zu der separat angelegten Kochstelle. Auf einem Rost, unter dem Glut aus dem Lagerfeuer für Hitze sorgte, standen zwei Töpfe und ein Bräter. Ich öffnete einen der Töpfe und füllte eine Holzschale mit dem, für menschliches Essen, wohlriechenden Inhalt. Die Schale sowie etwas Brot und Butter stellte ich auf ein Tablett und reichte es ihr.
Tief zog sie den Geruch ein, dann nahm sie sich einen Löffel der sämigen Suppe, die an ein Gulasch erinnerte und führte ihn, nachdem sie darüber geblasen hatte, zum Mund. Gebannt sah ich zu wie sie den ersten Löffel aß und hoffte, dass es ihr schmecken würde. Ich hatte mich zwar an die überlieferte Rezeptur gehalten und auch wenn es richtig roch, abschmecken im eigentlichen Sinn konnte ich es ja nicht.
Nachdem sie probiert hatte, schenkte sie mir ihr schönstes Lächeln. „Das ist echt gut. Was ist das?“
„Schlachtfeldsuppe, Mylady. Dazu legen die Männer im Feld alles zusammen was sie dabei haben und kochen daraus einen Eintopf. Hier sind Tomaten, Zwiebeln, Bohnen, zwei Sorten Fleisch und noch einiges anderes drin. Ich hoffe es ist zu eurer Zufriedenheit gewürzt, abschmecken konnte ich es ja nicht. Außerdem möchte ich Mylady darauf hinweisen, das sie vor der Schlacht gekocht wurde.“, erklärte ich feierlich.
„Vor der Schlacht?“ Stirnrunzelnd sah sie mich an. „Was hat das zu bedeuten?!“
„Ja, Mylady vor der Schlacht. Schlachtfeldsuppe kann mit jeder Sorte Fleisch zubereitet werden, darum sollte man sie nur essen, wenn sie schon vor der Schlacht zubereitet wurde.“
Sie sah mich mit großen Augen an. „ Ach… Ach so. Das ist doch nur ein Scherz. Sie haben doch nicht die Gefallenen.“ Ich nickte nur zur Bestätigung. „Na dann und was hab ich hier für Fleisch? Das eine schmeckt wie Hirsch, das andere hab ich aber noch nie gegessen.“
„Mylady, ihr hab recht das ist Hirsch und das andere ist Schwarzbär, beides aus den hiesigen Wäldern und heute morgen frisch erlegt.“
„Schwarzbär? Schmeckt echt gut, aber wie kommst du an Schwarzbär?“
„Mylady, wie ihr wisst kann ich nicht mit euch zusammen speisen, trotzdem wollte ich das Mahl mit euch teilen, daher war ich heute Morgen auf der Jagd. Ich habe mir sein Blut genommen und für euch sein Fleisch.“ Verlegen sah ich zum Boden und hoffte sie fand die Vorstellung, mit einem Vampir das Mahl zu teilen, nicht eklig.
„Du hast einen Bären geschossen?“ Ich schüttelte nur den Kopf. „Nicht geschossen, wie hast du ihn denn sonst erlegt?“
Ich drehte mich zu ihr bleckte meine Zähne und klapperte einmal mit ihnen.
„Du…Du hast…hast ihn gebissen. Das war doch ein Bär. Das ist doch viel zu gefährlich.“ Vorwurfsvoll und besorgt sah sie mich an, nahm dann aber einen weiteren Löffel.
„Sandy, für mich ist das normal. Da draußen bin ich das gefährlichste Raubtier. So ein Bär ist für mich so gefährlich, wie für dich eine Stubenfliege. Wir bevorzugen sogar Raubtiere.“
„Warum bevorzugt ihr Raubtiere.“, fragte sie zwischen zwei bissen.
„Weil sie besser riechen als Pflanzenfresser. Das Blut von Raubtieren riecht mehr wie das Blut von Menschen. Trotzdem schmeckt das Blut eines Menschen tausendmal besser.“
Klatschend fiel der Löffel in die Suppe „Ich dachte du hättest nie menschliches Blut getrunken.“ Man konnte die Endtäuschung deutlich in ihrer Stimme hören.
„Ich hab nur gesagt, ich hätte mich nie von einem Menschen ernährt.“, wehrte ich mich gegen ihren Vorwurf. „Doch ich habe Lucie, Marie und Eddie verwandelt und dazu musste ich sie beißen, dabei habe ich natürlich auch ihr Blut getrunken.“
„Oh, da hab ich dich wohl missverstanden. Es tut mir leid.“, antwortete sie zerknirscht.

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12. Halloween Teil 4

Beitrag  Gast am Di 27 Okt 2009, 20:49

Sofort hatte ich mich ihr zugewandt. Ihr braucht nicht leid zu tun, es war schon ein Wunder das sie überhaupt bei mir sein wollte. „Nein, es braucht dir nicht leid zu tun. Ich hab mich undeutlich ausgedrückt. Du konntest nur die falschen Schlüsse ziehen. Ich vergesse immer wieder wie seltsam das alles für dich sein muss. Du reagierst manchmal so…so als wäre das alles so selbstverständlich für dich, so als wärst du schon immer unter Vampiren gewesen. Du bist für mich das größte und schönste Wunder, das mir in meiner Existenz zu Teil wurde.“
„Du bist für mich auch ein Wunder. Ein Vampir der so lieb ist und dann auch noch auf menschliches Blut verzischtet. Was will ich mehr und um noch mal auf das ursprüngliche Thema zurück zu kommen. Es ist schön, dass wir eine Speise teilen können, auch wenn du schon vorher essen musstest und es ist auch gut gewürzt, wie hast du das überhaupt hin bekommen?“, schon verschwand wieder ein Löffel in ihrem Mund.
„Das ist gar nicht so einfach.“, lache ich jetzt, da sich die Situation wieder entspannt hatte. „All unsere Sinne sind sehr viel besser als die von Menschen, aber unser Geruchssinn ist am stärksten. Ich habe es so gewürzt, bis es für mich richtig roch. Offensichtlich hat das ja geklappt.“
„Ja, das hat es.“
Genüsslich verspeiste sie die Suppe. Danach gab es Hirschkeule mit Kartoffeln, auf Gemüse hatte ich verzichtet, da sie es eh nicht mochte und als Nachtisch Blaubeerküchlein. Sie aß und aß, nahm sich von allem einen Nachschlag, ich hatte sie noch nie solche Mengen essen sehen, offensichtlich schmeckte es ihr.
Als sie mir den leeren Teller reichte, stöhnte sie auf und klopfte sich auf den Bauch.
„Möchtest du noch was?“, fragte ich sie, obwohl ich nicht glaubte, dass da auch nur noch ein Krümel in sie reinpasste.
„Nein danke.“ Abwehrend hob sie ihre Hand, um sie gleich wieder träge fallen zu lassen. „Es war sehr gut, aber wenn ich noch was esse platze ich.“
„Schön das es dir geschmeckt hat.“, antwortet ich erfreut.
Ich legte gerade ein paar frische Scheite auf Feuer, als ich sie hinter mir spürte. Ihre Hand hatte dem Saum meines Kilts gepackt und schleuderte ihn nach oben.
Ruckartig stand ich auf und strich ihn wieder glatt.
„So was macht man aber nicht.“ Ich sah sie entrüstete an. „Hat man dir nicht beigebracht, dass man anderen nicht unter den Rock schaut?“
„Doch.“, antwortete sie und sah mich unschuldig an. „Aber bei meinem Freund sollte das erlaubt sein und außerdem wollte ich schon immer mal wissen was ein Schotte unterm Rock trägt.“
Immer das Selbe, kaum trägt man mal außerhalb von Schottland einen Kilt, wollten alle wissen was man darunter Trug und nicht wenige Frauen wollten einem den Rock lüften, um hinter das Geheimnis zu kommen, aber wehe man tat das auch bei ihnen, dann gab es Ohrfeigen.
„Traditionell trägt man nichts darunter, da es aber immer wieder Leute gibt die sich davon überzeugen wollen, tragen viele heute Unterwäsche, so wie ich.“ Lachend streckte ich die Zunge raus, lüftet kurz den Kilt und zeigte ihr meine Boxershorts.
„Och, das ist ja langweilig.“
Kopfschüttelnd setzte ich mich zu ihr, sofort war sie bei mir und kuschelte sich an mich. „Danke für diesen schönen Abend.“, flüsterte sie mir ins Ohr.
„Danke das du da bist.“, antwortete ich und küsste sie zärtlich, danach strahlte ich sie an. „Es ist wirklich ein schöner Abend, ist dir eigentlich aufgefallen das gar keine Wolken am Himmel sind. So wie heute haben die Sterne schon lange nicht mehr gefunkelt.“ Am Himmel wie auch neben mir, fügte ich nicht hörbar hinzu.
Widerwillig wand sie sich von mir ab um dann staunend in den Himmel zu sehen. So abseits der Stadt waren die Sterne deutlich zu sehen und der ganze Nachthimmel war voller kleiner Sprenkel.
Ich setzte mich hinter sie und deute mit der Hand auf ein Sternbild. „Das ist Wega im Sterbild Leier…“
Stundenlang saßen wir da, nur unterbrochen von einzelnen Küssen und ich erklärte ihr die einzelnen Sterbilder und ihre Bedeutung für die Menschen, während sie aufmerksam zuhörte. Doch mit der Zeit wurden ihre Fragen weniger, ihr Atem ging gleichmäßiger und so saßen wir nur noch da bis sie schließlich einschlief.
Vorsichtig, um sie nicht zu wecken, packte ich sie in einen Schlafsack. Ich hatte gerade den Reißverschluss nach oben gezogen, da öffnete sie noch mal ihre Augen. Sie war nicht richtig wach, nur so halb, aber trotzdem schien sie mich zu erkennen. Sie lächelte ihr wunderschönes Lächeln, ihre Hand griff nach meiner, sie murmelte noch etwas unverständliches, es hörte sich fast wie ein langer Seufzer an und dann war sie, meine Hand immer noch umklammert, wieder eingeschlafen. So verbrachten wir den Rest der Nacht sie schlief friedlich, wobei sie manchmal leise schnarchte und hielt meine Hand fest in ihre, so als wollte sie verhindern das ich davonlief, während ich dafür sorget, dass das Feuer weiter brannte. Doch die ganze Zeit betrachtete ich meinen Stern, meine Sterne, den am Himmel und den neben mir.
Nebel waberte über den See und ein roter, wolkenloser Himmel kündigte den baldigen Anbruch eines wunderschönen Spätherbsttags an. Bald würden die ersten Sonnenstrahlen unseren Lagerplatz in helles Licht tauchen, es wurde zeit sie zu wecken. Marie war eben kurz da gewesen und hatte mir eine Thermoskanne mit heißem Tee und frische Corsons für Sandy vorbei gebracht.
„Ich glaube es wird ihr gefallen.“, hatte sie beim Anblick des Himmels gesagt und war zwinkernd wieder verschwunden. Hoffentlich aber warum sollte es ihr nicht gefallen.
Sanft strich ich ihre Harre zurück und küsste ihre Stirn. Langsam regte sie sich, dann öffnete sie ihre verschlafenen Augen und strahlte mich an.
„Hey, hast du gut geschlafen?“, fragte ich sie zärtlich.
„Ja. Nur ein bisschen kurz. Wie spät ist es?“, antwortet sie träge.
„Es ist noch früh. Die Sonne geht gleich auf und heute wird ein wunderschöner Tag, ganz ohne Wolken.“
„Schön, ich mag die Sonne.“ Müde wischte sie sich den Schlaf aus den Augen, plötzlich verharrte sie, richtete sich ruckartig auf und sah mich angsterfüllt an. „Die Sonne geht auf. Keine Wolken. Was machst du noch hier. Worauf wartest du noch. Bruce, wir müssen hier weg.“, kreischte sie panisch.
„He, immer mit der Ruhe es ist alles in Ordnung. Kein Grund zur Panik.“ Lächelnd sah ich in ihre immer noch weit aufgerissenen Augen.
„Kein Grund zur Panik.“, stammelte sie ungläubig. „Wie. Was. Die Sonne geht auf, du bist ein Vampir. Warum sollte ich auch Panik haben?“
„Du glaubst doch nicht etwa an Vampirgeschichten.“ Kichernd spielte ich mit dem Silberkreuz, das als Anhänger an der Kette um meinen Hals baumelte und küsste es. „Sonnenlicht ist doch schön. Wir verbrennen nicht im Sonnenlicht, wir sind dann nur recht auffällig. Das ist alles.“
„Dir passiert auch nichts?“, fragte sie immer noch voller Sorge um mein Leben, wie süß.
„Nein.“, lachtet ich und stand auf.
Während ich wieder zu dem kleinen Hügel ging, zog ich das Jackett, die Weste und letztlich auch das Hemd aus und erwartete mit nacktem Oberkörper die ersten Strahlen. Wie rote Finger fielen sie auf meine Brust, wo sie sofort in tausend Richtungen zerstreut wurden. Die einzelnen Fassetten meiner Haut, brachen das Licht in die Farben des Regenbogens und warfen kleine Lichtpunkte über das Wasser des Sees.
Staunend mit weit aufgerissenem Mund und Augen kam sie auf mich zu und betrachtete das Lichtspiel auf meiner Haut. Ungläubig ließ sie ihre Hand über meine Brust fahren, nahm meine Hand und drehte sie im Licht. „Du…Du funkelst. Das ist wunderschön. Du bist wunderschön. Ich weiß gar nicht wie ich es beschreiben soll. WOW.“
Immer wieder umrundete sie mich und betrachtete mich aus jedem Blickwinkel, sie konnte sich gar nicht satt sehen.
Nachdem sich mich bestimmt zum zehnten Mal umrundet hatte Lächelte ich sie an und zog sie zu mir. „Das wollt ich dir unbedingt zeigen, so sehe ich im Sonnenlicht aus, darum kann ich bei Sonnenschein auch nicht unter Menschen. Ich will das du alles weißt.“
„Danke. Du weißt gar nicht was mir das bedeutet.“
Ihre Augen suchten meine und hielten mich wie immer gefangen. Es konnte mich kaum aus ihrem Blick befreien so intensiv war er, doch dann senkte sie ihn und zog mich zum Unterstand. Wir setzten uns und mittlerweile stand die Sonne hoch genug, dass sie alles in ihr warmes Licht tauchte. Ich schenkte ihr Tee ein und reichte ihr die Corsons. Während sie gedankenverloren ihr Frühstück aß, betrachtete ich sie genau. Ich liebte sie keine Frage, aber machte es ihr wirklich nichts aus das ich war was ich war?
„Woran denkst du?“, unterbrach sie meinen Gedankengang.
„Ich hab mich nur gefragt ob es dir denn gar nichts ausmacht das ich ein Vampir bin. Ich wäre so gern ein Mensch, dann wäre alles so viel einfacher zwischen uns.“ Meine Stimme war ein leises Flüstern.
„Nein, es macht mir nichts aus das du ein Vampir bist. Du bist nun mal kein Mensch daran läst sich nichts ändern, aber du bist in vielem, ich weiß nicht wie ich es richtig ausdrücken soll, einfühlsamer, menschlicher, ich weiß nicht, lieber als manch echter Mensch. Ich will dich gar nicht anders.“, sanft sprach sie die Worte und streichelte mir dabei über den Kopf.
„Du bist unglaublich, hab ich dir das schon mal gesagt?“
„Ich glaub du hast so was schon mal erwähnt.“ Kicherte sie, während sie näher kam um mich zu küssen.
Als ich sie so in meinen Armen hielt merkte ich wie sie leicht fröstelte. Der Morgen war zwar sehr sonnig aber auch recht frostig und das Feuer war heruntergebrannt.
„Dir ist kalt. Komm las uns nach Hause gehen.“
„Zu mir oder zu dir?“, fragte sie übermütig.
„In unser Zuhause.“, antwortete ich schlicht.
Viel zu schnell stand sie auf und sah sich suchend um. „Wo sind wir hier eigentlich?“
„Wir sind immer noch auf unserem Grundstück. Das Haus ist etwa drei Meilen in diese Richtung.“ Ich deute mit der Hand zum Haus.
„Drei Meilen, das wird aber ein ganz schön langer Spaziergang und das am frühen Morgen.“ Der Gedanke jetzt soweit laufen zu müssen gefiel ihr offensichtlich überhaupt nicht, doch wir würden die Strecke schneller zurücklegen als sie dachte.
Mit einer schnellen Bewegung nahm ich sie Huckepack. „Schön festhalten.“
„Ja. Was wird das?“
„Was wohl wir laufen jetzt.“ Und schon verschwand ich mit ihr im Wald.
Krampfhaft hielt sie mich umklammert während die Landschaft nur so an uns vorbei flog. Nach etwas mehr als einer Minute standen wir vor unserem Haus und ich setzte sie vorsichtig ab.
Etwas wacklig sah sie mich an. „Das war echt schnell. Hast du keine Angst irgendwo gegen zu laufen?“
„Nein, du läufst doch auch nirgendwo gegen wenn du dich normal bewegst.“, schmunzelte ich, während wir das Haus betraten.
Von Marie und Eddie war nichts zu sehen, nur die Geräusche aus ihrem Schlafzimmer verrieten mir das sie im Haus waren.
„Wo sind denn Marie und Eddie?“, fragte sie neugierig.
„Die sind oben und gehen ihren ehelichen Pflichten nach.“, antwortete ich ihr lachend. „Komm du solltest noch ein wenig schlafen, das wird noch ein langer Tag.“
„Ja, ich sollte wirklich noch was schlafen.“, bestätigte sie gähnend und so gingen wir Hand in Hand in mein Schlafzimmer.

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