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19. Darauf hätte ich gut verzichten können Teil 5

Beitrag  Gast am Mi 26 Mai 2010, 00:42

‚Was ist mit ihm?’, fragte ich Edward.
‚Er versucht dich einzuschätzen wird aber aus dir nicht schlau. Sie fragen sich was ihr bei uns macht. Von dir und deinen Fähigkeiten haben sie schon gehört und er fragt sich wer besser ist’, antwortete Edward.

„Wo habt ihr denn eure Frauen gelassen?“, fragte Jane scheinheilig.
„Ja, Edward wo ist denn die liebreizende Bella?“, lachte Felix dreckig, worauf Edward bedrohlich knurrte.
Carlisle legte ihm beruhigend die Hand auf den Arm „Unsere Frauen haben andere Verpflichtungen. Also wie können wir euch helfen?“
„Ich soll dir Grüße von Aro ausrichten. Er hofft es geht euch allen gut und er ist sehr daran interessiert zu erfahren wie es Renesmee geht.“ Janes höfliche Worte wurden durch ihre kalte Stimme ihres Sinnes beraubt. Für mich klang es ganz wie eine Drohung.
„Es geht allen gut und Nessie wächst kaum noch. Sie ist zu einer wunderschönen, sehr beherrschten jungen Frau heran gewaschen, wenn es das ist was euch interessiert.“ Carlisles Selbstbeherrschung war nur zu bewundern, wie konnte er nur so ruhig sein?
„Das freut mich zu hören, aber Aro möchte sich gern selber davon überzeugen. Er würde sich sehr über euren Besuch freuen.“ Ein süffisantes lächeln umspielte ihren Mund.
„Wir werden sehen wie wir es einrichten können.“ Diesmal klang Carlisle leicht gequält und Edward musste schwer mit seiner Fassung ringen.
„Bedenkt das ihr immer noch unter Bewährung steht. Nicht das wir euch noch mal besuchen müssen“, lachte Jane, der die Vorstellung eines neuen Besuchs augenscheinlich gefiel.
„Es wird sich bestimmte eine Möglichkeit bieten euch zu besuchen“, knurrte Edward.
„Das freut mich.“ Jane sah von Edward zu mir. „Dich möchte Aro auch kennen lernen. Er hat schon von dir gehört und würde sich gerne selbst von deinen Talenten überzeugen.“

Na, danke darauf hatte ich überhaupt keine Lust. Ich wollte ihr schon sagen, was sie mit ihrer Einladung machen konnte, als mir Sandys Worte durch den Kopf schossen. Ich hatte ihr doch versprochen diplomatisch zu sein. Darum setzte ich ein geschäftsmäßiges lächeln auf und sprach, auch wenn es mir schwer fiel, ganz ruhig. „Wir werden euch dann mit den Cullens gemeinsam aufsuchen.“
Ja, dass war eine gute Lösung. Allein waren wir nicht stark genug, aber mit etwas Glück würden wir gemeinsam da durch kommen.

„Lasst uns nicht zu lange warten.“ Jane sah von einem zum anderen und in ihren Augen lag etwas verrücktes. Ich verstand immer mehr warum gestandene Vampire schon bei der Erwähnung ihres Namens zitterten. Sie war ein Sadist. Als Mensch hätte ich sie mir sehr gut als Wache in einem KZ oder einem Gulag (A/N Arbeitslager in der Sowjetunion, ähnlich einem KZ, während der Stalinzeit) vorstellen können. Wie konnte man nur mit ihr zusammen leben?
„Es war nett mit euch zu plaudern aber die Pflicht ruft. Gehabt euch wohl.“ Ohne auf eine Antwort zu warten drehten sich die Volturi um und verschwanden wie Schatten in der Dunkelheit.

„Was für eine Bitch!“, fluchte Marie neben mir als die Volturi außer Sicht waren.
„So kann man es auch sagen. Der gehört mal ordentlich der Hintern versohlt“, meckerte Emmett.
„Aro meint es ernst, wenn wir sie nicht besuchen werden sie zu uns kommen. Jane, Demetri und Felix sind fest davon überzeugt“, sagte Edward niedergeschlagen.
„Wer waren die Anderen beiden?“, fragte Jasper.
„Ich weiß es nicht, sie haben die ganze Zeit Bibelstellen ins Japanische übersetzt. Ich konnte nichts von ihnen erfahren.“ Edward zuckte mit den Schultern und seufzte.

„Das ist ja wirklich interessant, aber ich denke wir haben noch etwas zu tun“, ermahnte Eddie sie. Dankbar sah ich zu ihm und er drückte leicht meine Schulter.
„Da hast du recht“, erwiderte Carlisle. „Darum können wir uns kümmern wenn wir wieder zu Hause sind. Jetzt zählt nur Gina.“

Wir liefen zurück zu den Autos. Sobald ich auf dem Beifahrersitz saß machte ich mich auf die Suche. Ich fand die Bucht verlassen vor, die Boote waren weg und auch die Autos waren verschwunden. Was nun?

Ich suchte nach den Männern die in der Bucht gewartet hatten, doch ich konnte sie nicht finden. Sie waren also bei Gina. Da waren auch noch die Kerle die bei den Autos wache geschoben hatten, vielleicht kamen wir so weiter.
Sie saßen in dem PKW und fuhren im schnellen Tempo ins Landesinnere. Der mir mittlerweile vertraute blinde Fleck bewegte sich ein paar Meter vor ihnen. Ich brauchte also nur dem PKW zu folgen und darauf zu achten, dass ich das Flimmern nicht verlor. Sie hatten schon einen ganz schönen Vorsprung. Verdammt die Volturi hatten uns fast eine dreiviertel Stunde gekostet.

Marie holte aus dem Wagen raus was nur ging, aber gegen die Gesetze der Physik war auch sie machtlos. Wir folgten ihnen auf eine viel befahrene Schnellstrasse, hier konnten wir unmöglich zuschlagen und so ging es durch den immer stärker werdenden Berufsverkehr weiter nach Osten.

Die Zeit verrann und die Sonne schickte ihre ersten Strahlen aus. Langsam wurde ich panisch, da fuhren sie von der Schnellstrasse ab und bogen auf einen Landstrasse. Nicht lange und sie fuhren in den umzäunten Bereich eines kleinen Sportflugplatzes. Direkt zu einer alten zweimotorigen Transportmaschine.

Wir überquerten eine kleine Kuppe, von hier konnten wir den Flugplatz und die Maschine mit bloßem Auge sehen. Der Platz lag schon im vollen Sonnenschein. Fremde Menschen liefen hin und her. Autos fuhren an ihnen vorbei. Es war zu spät. Wir waren so nah dran und doch zu spät.

Ich sagte zu Marie sie solle anhalten, was sie widerwillig tat. Zähneknirschend sahen wir dabei zu wie die Mädchen ins Flugzeug geführt wurden. Niemand nahm davon Notiz, es sah alles so normal aus. Doch wir wussten es besser.

Als sie Gina brachten konnte ich mich kaum auf dem Sitz halten, aber es waren einfach zu viele Menschen und dann die Volturi in der Nähe. Nein wir konnten nicht eingreifen. Gina sah den Umständen entsprechend gut aus. Die Schwellungen in ihrem Gesicht waren verheilt, in ein, zwei Tagen würde man sie nicht mehr sehen. Ihr Gang war schlürfend und ihr Blick getrübt, so als würde sie unter Drogen stehen, aber vielleicht war es nur die Müdigkeit. Dann verschwand sie im Bauch der Maschine.

Einer der Männer stieg mit ein. Die Tür wurde geschlossen. Polternd erwachten die Motoren zum leben und das Flugzeug rollte zur Startbahn.

Ein letztes Mal heulten die Motoren auf, dann raste das Flugzeug die Bahn herunter, hob ab und verschwand langsam am Horizont.

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19. Darauf hätte ich gut verzichten können Teil 6 Zusammenfassung

Beitrag  Gast am Sa 29 Mai 2010, 15:14

Hallo,

für diesen Teil gibt es nur eine Zusammenfassung. Er ist zwar nicht so brutal wie der Abschluss des letzten Kapitels, aber doch für diese Seite nicht geeignet.
Wenn ihr ihn in voller Länge lesen wollt hier der Link: Klick mich

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Zusammenfassung:

Gina wurde in ein zu einem SM-Club umgewandelten, abgelegenen Bauerhof in der Eifel verschleppt. Man beschließt ihre Befreiung als überfall zu tarnen.

Edward, Emmett, Marie, Eddie und Bruce dringen in das Haus ein, während Jasper die Zufahrt bewacht und Carlisle draußen dafür sorgt das niemand Flüchtet.

Die Spielchen der Menschen in dem Haus, stoßen bei allen Vampiren auf Unverständnis. Bruce hat auf der Suche nach Gina ein paar Begegnungen der anderen Art und ist sehr Verwirrt.

Als er Gina schließlich findet, wird/wurde Gina von einem älteren Mann schwer Misshandelt. Er kann gerade noch verhindern das er sie mit einem großen Vibrator Missbraucht. Er und Marie befreien die völlig verstörte Gina aus ihrer misslichen Lage. Nach einem Telefonat mit Sandy beruhigt sich Gina etwas und Marie fährt mit ihr und Carlisle in ein Hotel nach Köln.

Bruce läst den älteren Mann von seiner eigenen Medizin kosten und begibt sich dann zu dem Rest der Gruppe.

Das Kapitel endet mit folgenden Worten:


Als ich in den Salon kam war er leer, nur Eddie, Emmett und Edward warteten auf mich.
„Wir haben die Männer und Frauen getrennt im Keller eingesperrt“, berichtete Edward.
„Und ich hab mir mal ihre Computer und Unterlagen angesehen. Wirklich interessant“, lachte Eddie. „Sie haben hier alles mit Kameras überwacht, auch die Zimmer. Ich hab mir die Backups geschnappt und sämtliches Material der letzten 48 Stunden gelöscht. Es gibt also keine Bilder von uns oder Gina.“
„Ja und ich hab die Promis da unten auf Video gebannt. Wusstest du dass wir Größen aus Wirtschaft, Politik, Sport und Showbiz als Gäste haben?“, grinste Emmett.
„Nein, wusste ich nicht“, antwortete ich ihm. „Sind wir hier fertig?“ Alle nickten. „Dann lasst uns hier abhauen.“

Mit gemischten Gefühlen verließ ich das Haus. Ich hatte ja schon einiges gesehen, aber das hier. Nein. Darauf hätte ich gut verzichten können. Ich würde die Menschen wohl nie ganz verstehen. Das hatte ich mittlerweile begriffen.

Wir holten noch Jasper ab und verschwanden in der Nacht.

Ich wollte nur noch nach Hause. Zu Sandy.

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So Gina ist wieder frei. Doch wie hat sie es verkraftet? Wie reagiert Grany auf Bruce? Das lest ihr dann im nächsten Kapitel.

Ich möchte allen danken die mir immer wieder so nette Kommentare da lassen, meinen Lesern und Abonnenten.

Anne, ich weiß das du das hier wohl nicht lesen wirst aber du hattest recht der eine Satz kommt mit mehr Nachdruck besser. Dank dir.

Besonders möchte ich moon für ihre Mitarbeit danken, ohne dich wäre so mancher Satz nicht so gelungen.

Allgaier ich weiß ich hab dein Gerüst etwas auf den Kopf gestellt aber ich hoffe du kannst es doch noch erkenn. Danke für die Grundidee.

Bleibt mir nur noch zu sagen, das ich mich freuen würde wenn ihr mir eure Meinung da last.

Ich hoffe man liest sich.

IRA

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20. Summitville Teil 1

Beitrag  Gast am Mo 07 Jun 2010, 13:46

20. Summitville

Das monotone Brummen der Flugzeugmotoren hatte Gina in einen unruhigen Schlaf sinken lassen. Wieder und wieder gab sie kleine spitze Geräusche von sich. „Nein! Nein, lass mich. Bitte nicht! Ich will nicht“, murmelte sie vor sich hin und drehte sich unruhig in dem großen Sessel der ersten Klasse.

Hilflos saß ich daneben, zum zuschauen verurteilt. Ich mochte mir gar nicht vorstellen welche Alpträume das arme Mädchen heimsuchten. Drei Tage waren vergangen seit wir sie befreit hatten. Drei Tage in denen sie mir nicht von der Seite gewichen war.

Als wir nach der Aktion ins Hotel kamen, saß Gina aufgelöst in einem der Schlafzimmer und ließ niemanden an sich heran. Sie wollte sich auch nicht von Carlisle untersuchen lassen und hatte sich standhaft geweigert. Ich hatte gehofft Marie als Frau könnte sie zur Vernunft bringen. Allgemein heißt es doch Frauen könnten das Vertrauen von Opfern leichter gewinnen, doch Gina weigerte sich mit ihr zu sprechen. Erst als ich mit ihr allein war und wir gemeinsam mit Sandy und ihrer Großmutter telefoniert hatten, fasste sie etwas mehr Vertrauen und ließ sich, wenn auch nur widerwillig von Carlisle untersuchen. Ich durfte aber den Raum nicht verlassen. Überhaupt wich sie mir nicht mehr von der Seite, nur die Toilette betrat sie allein.

„Neiiinnn!“, schrie sie und drehte sich erneut in ihrem Sessel. Was sollte ich nur tun?

„Entschuldigen sie, Sir. Kann ich ihnen irgendwie helfen?“, fragte mich eine besorgte weibliche Stimme. Ich drehte meinen Kopf zu der Stimme und sah in die fragenden Augen der Stewardess, die mich schon den ganzen Flug so seltsam ansah.
„Alpträume“, sagte ich traurig und strich über Ginas Haar. „Leider können sie da nichts machen.“
Mit einem leichten nicken sah sie voller Mitleid zu Gina. „Das tut mir leid“, sagte sie leise. „Kann ich ihnen denn was bringen? Ein Kissen, Wasser oder einen Kaffee?“
„Sehr nett von ihnen, aber nein danke.“
„Wenn sie was benötigen rufen sie, bitte. Ich bin direkt da vorne.“ Sie schenkte mir ein aufmunterndes Lächeln und wollte weg gehen.
„Ach Miss.“
Sofort drehte sei sich wieder zu mir. „Ja, Sir?“
„Könnten sie mir vielleicht eine Tageszeitung bringen?“
„Gerne, welche hätten sie denn gerne?“
„Die New York Times und eine deutsche.“ Ich sah ihr fragendes Gesicht und lächelte. „Suchen sie bitte eine aus.“

Kurze Zeit später brachte sie mir die Times und die SZ und zog sich diskret zurück. Die Times war nicht so interessant. Ein Statement des Präsidenten zum Krieg gegen den Terror, der Anstieg der Vermisstenrate in den südlichen Staaten, fallende Börsenkurse und das Scheitern einer Gesetzesvorlage waren die Hauptthemen. Nachdem ich alles überflogen hatte legte ich sie zur Seite und nahm die SZ zur Hand.

Staatssekretär im Innenministerium tritt nach Sexskandal zurück


Darunter war ein Bild des Mannes, den ich nur nackt aus dem Club kannte, wie er vor einem Haufen wartender Journalisten in ein Auto flüchtete.
Seit genau drei Tagen kannte die deutsche Presse nur noch ein Thema. Die Verstrickung einiger Prominenter in den größten Skandal der Nachkriegsgeschichte. Immer neue Namen wurden im Zusammenhang mit bizarren Sexspielen, Drogen und illegaler Zwangsprostitution genannt. Köpfe rollten auf dem Schafott der allgemeinen Entrüstung und Handschellen klickten, weil sich etliche Straftaten nicht vertuschen ließen.

Eddie hatte ganze Arbeit geleistet, bevor er die Polizei zu dem Club rief, hatte er an alle großen Zeitungen und Fernsehanstalten eine E-Mail mit dem vom Emmett aufgenommen Video und einigen Unterlagen aus dem Clubserver gesandt. Als die Ordnungshüter dann am Club ankamen, wimmelte es schon von Reportern und Fernsehteams. Die Katze war aus dem Sack. Der Skandal nicht mehr zu unterdrücken. Doch Eddie ließ keine Ruhe, er bombardierte die Medien mit immer neuen Unterlagen und der Polizei blieb, nach anfänglichen Verschleierungsversuchen, nichts anderes übrig als die Echtheit zu bestätigen. Die hohe Politik bemühte sich um Schadensbegrenzung und versprach hartes durchgreifen. Doch was blieb ihr anderes übrig? Die Boulevardpresse hatte die Messer ausgepackt und jeder der konnte verließ die Titanic.

Leise stöhnend erwachte Gina und ich packte die SZ, damit sie die Schlagzeilen nicht sah, unter die Times. Ihre zittrige Hand suchte meinen Arm und drückte ihn mit einer Kraft, die ich der kleinen Gestalt kaum zugetraut hätte.
Lächelnd sah ich in ihre müden Augen. „Du solltest versuchen noch etwas zu schlafen.“
Sie schüttelte nur erschöpft den Kopf. „Durst“, flüsterte sie heiser.
Kaum hatte ich den Knopf gedrückt stand die nette Stewardess schon neben uns im Gang. „Durst“, sagte ich zu ihr und zeigte auf Gina.
Sie beugte sich zu ihr. „Was darf ich dir denn bringen?“
„Cola“, antwortete sie einsilbig und ein lautes knurrendes Geräusch ging von ihrem Bauch aus.
„Möchtest du auch was essen?“, fragte die Stewardess mütterlich.
„Mhmm“, kam es von Gina.
„Was möchtest du denn?“
„Ich weiß nicht.“
„Hast du großen Hunger?“, fragte die Frau geduldig.
„Mhmm“, war alles was sie als Antwort erhielt.
„Ich hab noch Braten mit Klößen und Rotkohl da, magst du das?“
„Geht das denn? So außer der Reihe?“, fragte Gina erstaunt.
„Nun wenn du mich nicht verrätst. Ja, dann geht das.“ Zwinkernd verschwand die Stewardess und fünf Minuten später kam sie mit dem Essen und der Cola zurück.
„Lass es dir schmecken und“, sie legte einen Finger vor den Mund. „Psst.“
Gina kicherte leise, ein Geräusch das ich von ihr noch nie gehört hatte. Dankbar sah ich zu der jungen Frau doch ein anderer Passagier verlangte nach ihr und sie verschwand, ohne das ich ihr danken konnte.
Gina hatte in den letzten Tagen kaum etwas gegessen doch diesen Flugzeugfraß, nun für mich roch es nicht so lecker, verschlang sie regelrecht.
Nachdem die Stewardess das leere Tablett abgeräumt und Gina noch eine Cola gebracht hatte, saß sie schweigend da und sah raus ins Zwielicht. Die letzten Reste des Tages führten einen verzweifelten Kampf mit der Dunkelheit, den das Licht verlieren musste und doch war da die Hoffnung auf einen neuen Tag. Neues Licht.

„Meinst du Grandma wird mir verzeihen?“ Tränen liefen über ihr Gesicht als sie sich zu mir drehte.
„Da gibt es doch nichts zu verzeihen. Sie wird so glücklich sein das du wieder da bist.“ Ich versuchte soviel Zuversicht wie nur möglich auszustrahlen und so meine Unsicherheit zu überspielen.
„Aber ich hab nicht auf sie gehört, dabei hatte sie doch recht. Kain ist kein guter Mensch. Doch ich wollte es nicht sehen. Ich bin doch selber schuld!“, schluchzend ließ sie sich gegen mich fallen.
„Nein, du bist nicht schuld!“, sagte ich energisch. „Wenn man so jung ist wie du versucht man manchmal seine Grenzen auszuloten. Das kennt deine Grandma auch, sie wird dir deswegen nicht böse sein. Du hast, wie jeder, ein Recht Fehler zu machen. Das was dir passiert ist, hätte nie geschehen dürfen und was Kain angeht, er wird dir nie wieder zu nahe kommen.“
„Du kennst Kain nicht. Er wird so schnell nicht aufgeben.“
„Das lass ruhig meine Sorge sein. Ich weiß wie man mit solchen Typen umgeht. Du weißt was du dem Sheriff erzählen sollst?“
„Ja, ich weiß nicht was in den letzten zwei Wochen geschehen ist. Ich bin in eine Industrieruine aufgewacht und hab dich dann angerufen. Du hast mich dann abgeholt. Mehr weiß ich nicht. Meinst du wirklich, dass das so richtig ist?“
„Gina es geht nicht anders. Das was wir in Deutschland gemacht haben war nicht gerade legal. Du willst doch nicht das wir deswegen Ärger bekommen, oder?“
„Nein“, entsetzt schüttelte sie den Kopf. „Natürlich nicht, aber was ist mit den anderen Mädchen?“
„Um die kümmern sich jetzt die Behörden in Deutschland und die Mädchen auf der Farm sind auch frei. Mach dir deswegen keine Sorgen.“
„Mhmm“

„Möchtest du nicht noch was schlafen?“
„Nein, dann kommen die Bilder nur wieder“, sagte sie ängstlich und nach einer Weile. „Bruce glaubst du das sie je wieder weg gehen?“
Was sollte ich ihr darauf antworten? Kurz flackerten die Bilder aus Nam vor meinen Augen auf. Ich sah das Mädchen. Wie es starb. Nein, sie würden nicht weg gehen.
„Gina, ich würde dir gerne versprechen, dass sie für immer verschwinden, doch das kann ich nicht. Ich weiß nicht ob sie weg gehen, aber es gibt Menschen die dir helfen können damit zu leben. Die dafür sorgen, dass die Erinnerungen dich nicht auffressen.“
„Bist du dir da sicher?“, fragte sie zweifelnd.
„Ja!“, sagte ich und nickte zur Unterstützung.
„Woher willst du das denn wissen? Ich glaub nicht das du vor irgendetwas Angst hast.“
Wenn du wüstest. Es gab soviel vor dem ich Angst hatte. Soviel das ich dir nicht erklären konnte. Nicht erklären durfte.
Ein leiser Seufzer entwich meiner Kehle und ich verzog kurz das Gesicht.
Ihre Augen weiteten sich. „Wovor hast du Angst?“
Nur mühsam brachte ich ein kleines Lächeln zu Stande. „Ach Gina, ich hab schon sehr viel mit ansehen müssen und vieles war nicht schön. Manche Bilder kommen immer wieder, weil ich zu stolz war mir helfen zu lassen. Du weißt schon. Ich starker Mann. Ich hab doch keine Angst. Mach bitte nicht dieselben Fehler wie ich. Lass dir helfen.“

„Ich will mir ja helfen lassen, aber wir haben doch kein Geld. So ein Arzt ist doch sehr teuer“, antwortete sie resigniert.
„Das lass mal meine Sorge sein. Geld ist nun wirklich kein Problem.“
„Das geht doch nicht“, sie schüttelte energisch den Kopf. „Ihr habt schon soviel für mich getan. Da kannst du doch nicht noch dafür aufkommen. Nein.“
Ich musste leise lachen. Sie waren wirklich Schwestern. „Gina, natürlich kann ich das. Du gehörst doch zur Familie und in einer Familie macht man das.“
„Familie?“
„Aber ja doch. Kannst du ein Geheimnis für dich behalten?“
„Ja!“ Sie sah mich neugierig an.
„Ich habe fest vor deine Schwester zu heiraten. Ich warte zwar noch etwas damit sie sich nicht überrumpelt fühlt aber sobald sie einen schwachen Moment hat werde ich sie Fragen.“

Ein leichtes Grinsen umspielte ihren Mund. „Ich werde schweigen wie ein Grab. Du weißt aber schon, dass sie sofort Ja sagen würde. Ich hab sie noch nie so gesehen, doch ich kann sie verstehen.“
„Danke.“

Der Rest des Fluges unterhielten wir uns über mögliche Therapien und ihre Vor- und Nachteile. Mir war bewusst dass sie noch einen weiten, steinigen Weg vor sich hatte. Doch ich hatte Hoffnung.

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20. Summitville Teil 2

Beitrag  Gast am Mo 14 Jun 2010, 09:17

Summitville war eine typische Kleinststadt. Eine Tankstelle, ein Dinner, ein Supermarkt und eine Kirche, alles lag an der kurzen Mainstreet. Der Ort war winzig - es dauerte länger einen Wolf auszusaugen, als durch die Stadt zu fahren - und trist war noch geschmeichelt. Ich konnte verstehen, dass Gina und Sandy jede Chance nutzten um hier weg zu kommen.

Am Ortsausgang hielten wir uns westwärts. Eine dünne Schneeschicht bedeckte die Felder. Nach etwa 5 Meilen deutete Gina auf einen ausgefahrenen Feldweg.
„Hier musst du abbiegen“, sagte sie. „Bruce ich habe…“
„Das wird schon“, sagte ich und fuhr langsam von der Strasse ab.

Der Weg war noch schlechter als ich anfangs gedacht hatte, er war um ehrlich zu sein ein großes Schlagloch. Nach einer halben Meile sah ich die erleuchteten Fenster eines zweigeschossigen Hauses, neben dem eine alte Scheune stand.
Die weiße Farbe blätterte schon an vielen Stellen ab und am Dach der Scheune fehlten etliche Ziegel. Das Anwesen hatte schon bessere Zeiten gehabt und bedurfte dringend einer Renovierung. Ich fuhr auf den Hof und parkte neben einem alten Pickup aus den 70ern.

Gina sah ängstlich zu der Tür. „Ich kann das nicht. Ich schäme mich so.“ Ihre Stimme zitterte bei jeder Silbe und ihre Augen waren groß wie Untertassen.
„He, sieh mich an!“, sagte ich streng. Nur mühsam drehte sie sich zu mir. „Es wird dir nichts geschehen. Wir haben doch schon darüber gesprochen. Sie werden sich alle freuen, dass du wieder da bist.“
„Aber…“, fing sie an.
Doch ich schüttete energisch den Kopf. „Kein aber. Du atmest jetzt tief durch und dann steigen wir aus.“

Wie schwer dies alles für sie war wusste ich, doch das konnte ihr niemand abnehmen. Ich war mir sicher, dass ihr niemand Vorwürfe machen würde.
Ich ging um das Auto herum und half Gina beim Aussteigen. Sie atmete schwer und sah zweifelnd zum Haus. „Bruce, bitte.“

In dem Moment flog die Haustür auf. Sandy hatte die Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, wischte sich die Hände an einer Schürze ab und starrte, den Kopf nach vorne gebeugt, auf den dunklen Hof.
„Gina. Bruce“, schrie sie auf. „Grany, sie sind da.“

Sandy stürmte die Verandatreppe herunter und fiel fast hin, so aufgeregt war sie. Gina war total erstarrt und so gab ich ihr einen kleinen Schubs. Steif wankte sie auf Sandy zu, die mit weit geöffneten Armen auf sie zu gerannt kam.
„Gina. Oh, Gina“, schluchzte sie und zog Gina in eine Umarmung. „Ich hab mir solche Sorgen gemacht.“
„Sandy, ich war so dumm“, stammelte Gina und brach in Tränen aus.
„Ist schon gut, Schatz. Ist schon gut.“ Eng umschlungen standen sie da und Sandy streichelte vorsichtig Ginas Rücken.

Langsam ging ich zum Heck des Wagens und öffnete die Heckklappe.
Jetzt da ich Gina zu ihr zurück gebracht hatte, die Verantwortung nicht mehr bei mir lag und ich für einen Moment nicht funktionieren musste stürmten die bislang unterdrückten Emotionen und Bilder, der letzten beiden Wochen, ungezügelt auf mich ein.

Ich fühlte mich so erschöpft. Die Farm. Die Volturi. Der Club. Die Angst um Gina, meinen Ekel und meine Wut über die Menschen. All dies hatte ich nur mühsam unter einer dicken Eisschicht begraben können, doch jetzt traf es mich mit doppelter Härte.

Meine Hand tastete nach dem Boden des Kofferraums und ich schaffte es gerade noch mich zu setzen. Dann verlor die Welt ihre Konturen. Das hier und jetzt verlor seine Bedeutung und mein Geist schickte mich auf reisen. Die alt bekannten Bilder erschienen und die neuen wurden gnadenlos, nahtlos mit eingefügt. Würde das jemals vorbei gehen? Wie sollte ich das nur überstehen? Ich wünschte ich wäre tot. Richtig tot. Dann würde es endlich enden. Dann wäre ich frei.

Etwas Warmes zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Das gleichmäßige Schlagen eines Herzens. Der sanfte Klang einer Stimme, deren Worte ich nicht verstand, die aber so vertraut war. Das Brennen meiner Kehle, als sich die Wärme auf meinen Lippen ausbreitete. Und dieser unverkennbare Duft, nach See, Wildblumen und Salz. All das riss mich aus meiner Lethargie und zog mich zurück in die Wirklichkeit.

Augen so blau, so warm, strahlten mich an und doch lag auch eine spur Sorge in ihnen. Langsam, jede Bewegung genau bedenkend, legte ich meine Finger in das weiche Meer ihrer Haare. Streifte den Haargummi ab, um sie aus ihrem Gefängnis zu befreien. Ließ die einzelnen Strähnen durch meine Finger gleiten. So weich. So schön. Um dann ihren Kopf zu mir zu ziehen. Ihre Lippen verschmolzen mit meinen. Ihr Herz pumpte kräftiger. Gift und Feuer tobten durch meinen Körper. Verbrannten den Schmerz zu Asche und für einen viel zu kurzen Augenblick fühlte ich mich geborgen, wie ein Kind im Schoss seiner Mutter. Pures Glück. Sie war bei mir und ich wusste wieder wofür ich leben konnte. Leben wollte.

„Hey!“ Ihre Augen strahlten durch die Dunkelheit und ihre Hand streichelte sanft mein Gesicht. Ich legte meinen Kopf schräg und bettete ihn in ihrer Hand.
„Hey“, antwortete ich matt.
„Du warst ein wenig abwesend.“ Auch wenn sie versuchte es wie einen Scherz klingen zu lassen, konnte ich ihre Sorge doch hören.
Sinnlos so zu tun als wäre ich in Ordnung. „Die Kinder“, war zwar alles was ich antwortete, aber mehr brauchte sie nicht.
Sie zog mich zu sich und legte ihren Mund an mein Ohr. „War es so schlimm?“
Ich nickte.
„Du bist jetzt wieder zu Hause. Du bist nicht allein. Wir können darüber reden wenn du soweit bist. Ich liebe dich!“, flüsterte sie mir zu.
„Ich liebe dich auch.“ Ich drückte sie ein wenig zurück, sah in ihre Augen und nickte leicht.

Ich blickte mich kurz um und sah wie Gina in den Armen einer alten Frau lag. Das war also Grany. Ich hörte beide leise weinen. So viele Emotionen, ich war froh das Jasper nicht hier war, für ihn wäre es bestimmt die Hölle.

Ich drehte mich wieder zu Sandy. „Du hast mir so gefehlt.“ Ich zog sie ganz fest an mich und wenn es nur ginge würde ich sie nie wieder los lassen.
„Du mir doch auch.“ Ihre Finger durchkämmten meine Haare und ihr Mund suchte meinen Hals. Ich spürte ihren feuchten warmen Atem und die Hitze ihres Körpers an meinen.

Aus den Augenwinkeln nahm ich eine langsame Bewegung wahr und schob Sandy vorsichtig von mir. Grany schritt leise um das Auto und blieb zwei Meter vor uns stehen. Das Alter und die Sorgen hatten tiefe Falten in ihr Gesicht gegraben. Ihre Haare hatten immer noch einen dunklen Glanz und den Kampf gegen das einheitliche Grau noch nicht aufgegeben. Wache dunkle Augen musterten mich aufmerksam, mit leichtem Zweifel. Irritiert sah sie von mir zu Sandy und wieder zurück. Sandy blickte fragend zu ihr. Sie wurde aus dem Gesichtsaudruck der alten Frau nicht schlau. Mit leicht zittrigen Händen setzte sich Grany die Brille, die an einem Bad um ihren Hals baumelte, auf und betrachtete mich mit steigender Unruhe. Ihr Puls ging schneller und trotz der kalten Winternacht bildeten sich Schweißperlen auf ihrer Stirn.

Sandy an meiner Seite wurde immer unruhiger. „Grany, das ist Bruce“, im versuch die unangenehme Stille zu überbrücken überschlug sich ihre Stimme.
Die alte Frau sah mich einfach nur an und reagierte nicht auf die Worte ihrer Enkeltochter. Ängstlich sah Sandy zu mir und ich drückte leicht ihre Hand. „Bruce, das ist meine Großmutter.“

Ich erhob mich und hielt ihr meine Hand hin. „Guten Abend Miss Stevens. Ich bin Bruce McGregor.“
Vorsichtig griff ihre von Falten und Schwielen überzogene Hand nach meiner. Ihr Puls raste. Kaum hatten ihre Finger meine Hand berührt, zog sie sie panisch zurück.
Sie stöhnte auf und stieß entsetzt „Strigoi!“ aus. Ängstlich stolperte sie, mit ihrer Hand ein Kreuz schlagend, nach hinten.
„Der Heilige Marcus beschütze mich.“ Ihre Stimme zitterte wie ihr ganzer Körper. Sandy war sofort an ihrer Seite um Grany zu stützen, doch die alte Frau stieß sie weg. „Kind was bringst du uns da ins Haus. Ich dachte du wärst klüger.“

Strigoi hallte es immer wieder durch meinen Kopf. Sie wusste es. Sie hatte es erkannt. Wie konnte ich nur davon ausgehen das sie es nicht erkennt? Wieso war ich so dumm? Sie hätte darauf vorbereitet werden müssen. Langsam nicht so.
Strigoi. Vampir. Ja, sie wusste es. Wie sollte ich es ihr nur erklären? Wie? Mir fehlte dazu die Kraft. Nicht das auch noch. Ich konnte nicht mehr. Hatte ich jetzt Sandys Beziehung zu ihrer Großmutter zerstört? Hatte ich ihr das auch noch genommen?

„Grany!“, stöhnte Sandy verzweifelt auf, doch die zog sich noch weiter zurück.
„Nein! Sandy, das geht nicht“, sagte die alte Frau und ging zu Gina. „Komm wir gehen jetzt ins Haus.“
Verwirrt und mit Tränen in den Augen sah Gina zu Sandy und mir. „Aber…“
„Wir gehen jetzt“, beharrte Grany und schritt zum Haus.
Gina drehte ihren Kopf noch einmal zu uns. „Sandy. Bruce“, hörte ich ihre leise brüchige Stimme noch sagen, dann schloss sich die Tür hinter ihr.

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20. Summitville Teil 3

Beitrag  Gast am Fr 18 Jun 2010, 23:47

Sandy sah entsetzt zur Tür. „Was soll ich denn jetzt machen?“, fragte sie leise, doch dann blitzten ihre Augen. „Das ist nicht gerecht so kann sie dich nicht behandeln, nicht nachdem was du für uns getan hast.“
Wütend stampfte sie los, ich konnte sie gerade noch an der Hüfte packen.
„Bruce Adrian McGregor lass mich sofort los!“ Böse funkelte sie mich an. Total niedlich, das Kätzchen zeigt die Krallen und droht dem bösen Wolf. „Bruce!“, fauchte sie.
„Was willst du denn machen? Sie anschreien? Mich verteidigen? Glaubst du wirklich, dass du damit was erreichen kannst?“, fragte ich sie ruhig.
„Hast du denn eine bessere Idee? Entweder sie akzeptiert dich oder sie sieht mich nie wieder“, sagte sie trotzig.
„Sie hat doch nur angst“, versuchte ich etwas Vernunft einzustreuen.
„Angst. Bah. Vor dir. Das ist doch Blödsinn“, schrie sie mich an.
„Alexandra Stevens!“, entsetzt sah sie mich an. Es war das erste Mal das ich ihren richtigen Namen benutzte und nicht den von ihr bevorzugten. „Jetzt hör auf hier rum zu zicken.“
Sie stemmte ihre Hände in die Hüften und sah mich schräg an. „Ich zicke nicht! Ich Idiot versuche dich zu verteidigen, aber das ist ja wohl nicht richtig.“

„Doch du zickst.“ Ich ging ein paar Schritte von ihr weg, nur um mich ein wenig zu bewegen.
„Was hast du jetzt vor? Weglaufen? Das ist doch deine bevorzugte Lösung. Vielleicht erledigen sich ja die Probleme von selber. Du musst dich nur lange genug in die Wildnis zurück ziehen.“, rief sie mir unter Tränen zu.
Das war nicht fair. Wie konnte sie mir das vorwerfen.
„Du glaubst also das du alles weißt, nur weil du immer alles voraussehen kannst? Wo war denn deine Gabe? Warum hast du das nicht gesehen und es verhindert?“, schrie ich zurück.
Tränen kullerten über ihr Gesicht. „Du weißt das ich nicht alles sehe“, sagte sie mit brüchiger Stimme.

Ihr verzweifelter Anblick brach mir das Herz. Ich war zu weit gegangen. Das hatte ich doch nicht gewollt. Mit Zwei schnellen Schritten war ich bei ihr und zog sie in meine Arme. Sie wollte mich wegschieben doch das ließ ich nicht zu.
„Es tut mir leid das hätte ich nicht sagen dürfen. Bitte verzeih mir“, flehte ich sie an.
Sie hob ihren Kopf und sah mich an. „Nein mir tut es leid. Ich weiß nur nicht was ich machen soll. Das hätte ich nicht an dir auslassen dürfen.“
„Ich war dir ja auch keine Hilfe. Nach deinen Erzählungen hätte ich ahnen müssen das sie erkennt was ich bin.“
„Wir hätten das ahnen müssen“, korrigierte sie mich. „Doch was machen wir jetzt? Ich will sie nicht verlieren.“
„Wenn du ihr in Ruhe erklärst wie ich lebe. Wenn du versuchst ihr zu erklären das ich keine Gefahr für sie bin. Meinst du das nützt was?“
Sie drehte ihren Kopf zum Haus und sah sehnsüchtig zu den erleuchteten Fenstern. „Ich kann es versuchen aber ob sie mir zuhört? So hab ich sie noch nie erlebt.“
„Sandy sie ist mit den Mythen über mordende Monster groß geworden. So was wie wir kommt da nicht vor. Wir leben ja auch nicht wie normale Vampire. Ich kann verstehen das sie Angst hat. Angst um dich. Ich an ihrer Stelle wäre auch nicht begeistert.“
„Aber sie braucht doch vor dir keine Angst zu haben.“
„Das weiß sie aber nicht.“ Sanft küsste ich ihre Stirn.
„Gut ich werde es versuchen.“ Sie löste sich von mir und ging in Richtung Haus, doch als ich ihr nicht folgte blieb sie stehen. „Du kommst nicht mit?“ Flehend sah sie mich an.
Ich schnupperte. „Ihr habt eine Katze.“ Ich hatte den Geruch schon länger in der Nase.
„Ja. Barny. Wieso?“, fragte sie überrascht.
„Ich hab seit zwei Wochen nicht mehr getrunken“, antwortete ich zerknirscht. Ihre Augen weiteten sich leicht. „Ich glaube nicht, dass wir deine Großmutter davon überzeugen können dass ich harmlos bin, wenn ich zur Begrüßung euren Stubentiger aussauge.“
Ein leises kichern entwich ihrer Kehle, als sie wieder zu mir kam. Ihre Hand streichelte meine Wange. „Das würde sie dir nie verzeihen. Du gehst also jagen?“
„Besser wäre es.“
„Wann bist du wieder hier?“
„Ich denke in zwei Stunden. Weißt du wo ich hier etwas finden kann?“
Eine kleine Falte bildete sich auf ihrer Stirn, dann zeigte sie gen Süden. „Zehn Meilen von hier ist ein Wald, da gehen die Männer aus dem Ort immer jagen. Dort sollte es Hirsche geben, mit Wölfen und Bären können wir hier nicht dienen und lass bitte die Kühe der Nachbarn in Ruhe.“
„Ich werde mich bemühen“, sagte ich und grinste. „Viel Glück. Sie liebt dich und hat Angst. Vergesse das nicht.“
„Bleib nicht so lange.“ Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste mich.
Ich deutete auf ihren Kopf. „Ich melde mich wenn ich zurück bin.“
„Gut. Ich gehe dann.“

Ich sah ihr noch zu wie sie ins Haus ging, dann drehte ich mich um und verschwand in der Dunkelheit. War es richtig das sie diesen Kampf allein austragen musste? Ich wusste es nicht. Ich hoffte nur dass meine Abwesendheit es ihrer Großmutter leichter machen würde zuzuhören.

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20. Summitville Teil 4

Beitrag  Gast am So 20 Jun 2010, 02:58

Wölfe oder Bären gab es hier wirklich keine, aber ich hatte ein Rudel Rotwild gefunden und trieb es vor mir her. Erst als ihr Blut voller Adrenalin war riss ich eines nach dem anderen aus der Gruppe. Nach vier Stück war der Durst gelöscht und doch schlug ich noch ein fünftes, nur um sicher zugehen.

Ein kurzer Blick auf die Uhr sagte mir das es Zeit war umzukehren. Die Nacht war mein verbündeter. Es war so dunkel, dass ich ohne gesehen zu werden mit Höchstgeschwindigkeit über die Felder laufen konnte.

Ein leises weinen kam aus dem Auto und im Haus hörte ich Gina schreien. „Wenn Sandy geht, gehe ich auch.“
„Das kannst du mir nicht auch noch antun. Kind, er ist nicht gut. Hör doch auf mich. Bitte!“, sagte Grany mit tränenerstickter Stimme.
„Er ist nicht gut. Er ist nicht gut. Er hat mich aus der Hölle geholt. Du hast ja keine Ahnung. Wenn du ihn nicht akzeptierst und Sandy aus dem Haus treibst geh ich auch“, schrie Gina.
„Aber Kind vertraue mir doch, ihr dürft euch nicht auf ihn einlassen. Er bedeutet euren Untergang“, flehte die alte Frau.
„Nein, entweder du holst beide zurück oder ich gehe auch“, sagte Gina wütend.

Ich hatte mittlerweile den Wagen erreicht, Sandy saß zusammengekauert auf dem Beifahrersitz und hatte ihr Gesicht in ihre Hände vergraben. Der Kofferraum war voller Taschen, so als hätte sie ihren ganzen restlichen Besitz eingepackt. Besorgt sah ich zum Haus in dem Gina und Grany immer noch stritten. Vorsichtig öffnete ich die Fahrertür und glitt auf den Sitz.

Sandy hob den Kopf und sah mich mit geröteten Augen an. „Oh, Bruce“, wisperte sie und ließ sich gegen mich fallen.
Ich schloss sofort meine Arme um sie. „So schlimm?“
Sie nickte an meiner Brust. „Es ist ihr egal wovon du dich ernährst. Wie du lebst. Für sie bist du ein Monster und ich habe sie verraten. Solange ich mit dir zusammen bin will sie nichts mehr mit mir zu tun haben. Wieso ist sie so ungerecht? Ich will euch doch beide.“
Ich sah nach hinten zu ihren Sachen. „Bist du dir sicher, dass du das hier tun möchtest?“
Sie sah mich von unten an. „Ja. Du bist meine Zukunft und ich weiß das sie dich eines Tages akzeptieren wird. Ich weiß nur nicht wann. Ich liebe dich. Wie kannst du mich da Fragen ob ich das möchte? Oder willst du mich nicht mehr?“ Bei den letzten Worten zitterte ihre Stimme und ich sah den Schmerz in ihren Augen.

Ich strich ihr zärtlich übers Gesicht und küsste ihre Stirn, dann griff ich in meine Jackentasche und nahm ein kleines Samtsäcken heraus. „Eigentlich wollte ich dir das später geben, wenn wir in ruhe allein sind, aber ich denke es beantwortet deine Frage.“ Ich legte das Säckchen in ihre Hände. „Happy Valentinsday. Er ist zwar nicht so wie ich ihn geplant hatte aber das holen wir nach.“
„Den hatte ich glatt vergessen“, sagte sie und sah auf das Säckchen in ihrer Hand. „Was ist das?“
„Du musst es schon aufmachen.“

Mit zittrigen Fingern öffnete sie die Schlaufe und ließ den Inhalt in ihre freie Hand gleiten. Vorsichtig hob sie die silbern glänzende Kette an und betrachtete den sternförmigen, mit einem Kristall in der Mitte verzierten, Anhänger. „Sie ist wunderschön“, hauchte sie.
„Ich hab sie in einem kleinen Laden in Spanien gesehen und dachte sie würde dir gefallen“, flüsterte ich. „Auf der Rückseite hab ich noch was eingravieren lassen.“
Langsam drehte sie den Anhänger um und betrachtete die feinen Linien. Ein Herz und in ihm S und B. umrandet wurde das Herz von kleinen Ranken und dem Wort Aeternitas.

„Aeternitas, die Göttin der Ewigkeit?“, fragte sie.
Ich nickte. „Damit sie über uns wacht. Ich fand es sehr passend. Für uns.“
„Ja, es ist sehr passend“, antwortete sie und gab mir die Kette.
Fragend sah ich auf den Schmuck und dann zu ihr. Doch sie lächelte nur zaghaft und drehte mir den Rücken zu.
„Würdest du sie mir bitte umlegen?“, fragte sie und schob sich die Haare aus dem Nacken.
Ich drückte ihr einen kleinen Kuss auf die entblößte Haut und legte ihr die Kette um.
Ein feines Lächeln umspielte ihren Mund als sie sich mir wieder zu wandt. Der Stern lag genau auf dem Ansatz ihrer Brüste und der Stein funkelte im Licht. Sie war wunderschön.
„Danke, für alles“, flüsterte sie an meinem Gesicht und küsste mich.

„Lass uns fahren“, sagte sie, als sie sich wieder von mir löste.
„Wohin?“, fragte ich vorsichtig.
Sie sah durch die Windschutzscheibe, dann nickte sie leicht. „Nach Hause. Nach Hanover.“
„Sollen wir uns nicht lieber ein Hotel in der Nähe suchen und du sprichst morgen noch mal mit ihr?“ Sie sollte so nicht gehen. Sie sollten sich aussprechen.
Doch Sandy schüttelte energisch ihren Kopf. „Nein. Bitte bring mich nach Hause.“

Als ich nicht reagierte sah sie zu mir. „Bruce, bitte.“
Doch ich hatte meinen Grund zu zögern und der trat gerade an die Beifahrertür und klopfte an die Scheibe.
Überrascht dreht Sandy sich zu dem Klopfen. „Grany“, flüsterte sie und ließ die Scheibe runter. „Was willst du noch?“, fragte Sandy kalt.
„Kind, komm doch bitte wieder rein“, flehte die alte Frau. „Bitte, wir können doch morgen noch mal über alles sprechen.“
„Macht das denn Sinn? Du warst sehr deutlich“, antwortete Sandy.
„Wo willst du denn heute noch hin? Schlaf doch hier.“ Grany sah sie herzerweichend an.
„Was ist mit Bruce? Kann er auch bleiben?“, hakte Sandy nach.

Entsetzt sah Grany zu Sandy und funkelte mich dann böse an. „Sandy bitte.“
„Was ist mit Bruce?“, beharrte Sandy, sie war offensichtlich nicht bereit nachzugeben.
Grany seufzte und holte tief Luft. Ihre alten Augen lagen auf mir und ich sah ihre Angst. Ihren Zweifel und Widerwillen.
„Mr. McGregor, würden sie bitte die Nacht in meinem Haus verbringen?“, fragte sie tonlos. Sie hatte sich ergeben.

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Wie immer geht mein Dank an alle Leser und Review Schreiber, doch speziell an moon.

LG

IRA

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21. Grany Teil 1

Beitrag  Gast am Di 22 Jun 2010, 19:57

In einer solchen Welt kann man nur zusammenleben, wenn man nicht Misstrauen zur Grundlage seiner menschlichen Handlung macht. Was wir brauchen, ist Mut zum Vertrauen.

Hans-Günther Sohl

21. Grany

Gina und Sandy lagen eng aneinandergeschmiegt in Sandys Bett und schliefen einen unruhigen Schlaf. Nur widerwillig hatte mich ihre Großmutter ins Haus gebeten. Zu groß war ihre Angst und Abscheu vor mir und ich konnte sie verstehen. Welcher normale Mensch möchte schon bewusst unsereins in seinem Haus wissen? Nun ja Sandy, aber das war wohl etwas anderes.

Ich betrachtete die Linien ihres Gesichts und sah die kleinen Eigenheiten ihres Schlafs. Wie sie sich immer krampfhaft festhielt, nur das diesmal Gina ihr Opfer war und nicht ich. Wie ihre Nasenflügel beim Einatmen leicht zitterten oder sie ab und an ihre Stirn in Falten legte. Das alles kannte ich so gut und doch war sie für mich immer noch so unreal, so unerwartet.

In den letzten Monaten war soviel geschehen, hatte sich so vieles verändert und sie war der Auslöser. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich jemals wieder verlieben würde. Erst recht nicht in einen Menschen und doch war es geschehen.

Sie war so anders, als alle die ich bis jetzt kennen gelernt hatte, so widersprüchlich. Auf der einen Seite war sie so emotional und dann wieder hart wie Granit. So gebildet, manchmal fast altklug und dann wieder so naiv. Sie liebte mich, trotz all meiner Fehler. Sie hatte mich gewählt obwohl sie wusste was ich war. Dabei hätte sie doch bestimmt auch einen anständigen Menschen für sich gewinnen können.

War ihre Gabe daran schuld? Hatte sie sich in mich verliebt, weil sie sich in ihrer Gabe gefangen sah? Oder hatte sie es nur gesehen weil sie sich so oder so in mich verlieben würde? Es war wie mit dem Ei und dem Huhn.

Und dann ihr Verhalten unter uns Vampiren. Wenn sie von einem Menschen angegriffen wurde verhielt sie sich meist defensiv und doch hatte sie, wie Marie mir erzählte, dem Angriff von Rosalie ohne zu zucken standgehalten. Mal ehrlich, Rosalie konnte mit ihrer kalten Art fast jeden einschüchtern, aber sie nicht.

Irgendwie wurde ich nicht schlau aus ihr, aber welcher Mann wurde schon jemals schlau aus einer Frau?

Ich wusste nur dass ich sie liebte und ohne sie nicht mehr leben konnte. Doch wohin würde uns diese Liebe führen? Ihre Großmutter war ihr wichtig, aber sie verabscheute mich. Ähnlich wäre es mit anderen Vampiren sie würden in ihr nur so was wie ein Haustier sehen. Ein exotisches Haustier das zu begabt war und zuviel wusste. Sie würden sie verachten und doch alles tun um ihre Gabe für sich zu gewinnen.

Ja, und dann waren da ihre Visionen. Sie hatten sich als erschreckend präzise erwiesen. Doch was war mit denen vor denen ich mich fürchtete? Die, die sie als Vampir zeigten. Wie sollte das gehen? Ich wünschte mir so sehr dass sie ein Mensch blieb. Ich liebte die Hitze die von ihr Ausging, die weiche Haut und ihren Geruch. Ich hatte Angst um ihre, wie soll ich es sagen, Seele.

Ich war in dem Glauben aufgewachsen das Wesen wie ich vom Teufel erschaffene Monster waren, doch wenn ich es recht überlegte, was war ein Monster? Die Jungs die meine Familie abgeschlachtet hatten, die Männer auf der Farm für die Menschen nur eine Ware waren oder die dekadenten Arschlöscher im Club? Was war mit Dave oder den Töchtern des Teufels, waren sie Engel? Ich hatte schon so oft gesehen das Menschen zur Befriedigung der niedersten Instinkte andere gedemütigt, erniedrigt, verletzt oder getötet hatten. Aber sie waren doch alle Menschen und nach Gottes Ebenbild geschaffen und doch hatten sie sich wie Monster verhalten.

Dann war da Carlisle. Egal ob er sich sein Weltbild manchmal zurechtbog, er war so verdammt mitfühlend, so hilfsbereit. Er wäre der perfekte Mensch, der nette Arzt, Mitglied im Kirchenchor und all solche Dinge. War er ein Monster?
Und was machten wir schon? Wir ernährten uns von Tieren, machten das die Menschen nicht auch? Wir wehrten uns gegen unsere Feinde, aber das würde jeder tun.

Was machte also ein Monster aus? Machten uns unserer Taten oder unsere Rasse zum Monster? Ich wusste es nicht mehr und das verwirrte mich. Brachte fest gefügte Wahrheiten ins Wanken. Was war ich?

Was bedeutete das für Sandy? War es vielleicht doch kein Frevel sie zu verwandeln? Denn darauf lief doch alles hinaus, wollte ich sie ewig bei mir behalten müsste ich sie verwandeln und wenn ihre Visionen stimmten, würde es bald geschehen.

Doch durfte ich so egoistisch sein? Damit würde ich sie endgültig von ihrer Familie trennen und wenn mir der gestrige Abend eins gezeigt hatte, dann das sie sehr an ihnen hing. Gina würde sie noch eine ganze Zeit benötigen, sie war noch zu labil um sie zu verlieren.

Aber was war mit der neuen Bedrohung aus dem Süden? Konnte ich sie so hilflos dieser Gefahr aussetzen? Oder die Volturi? Wenn wir zu ihnen gingen würde Aro erfahren, dass sie als Mensch Bescheid wusste und über eine so starke Gabe verfügte. Was würde er tun? Würde er sie entführen und verwandeln? Um sie für sich zu behalten und mich so zu zwingen sich den Volturi anzuschließen? Denn warum sonst wollte er mich sehen? Er war ein Gabensammler und meine Gabe war ihm offensichtlich bekannt oder warum hatte Demetri so auf mich reagiert?

Am liebsten würde ich mit ihr weglaufen, doch wohin? Es gab nur zwei Gebiete in denen die Volturi keine Macht hatten. China und Indien. Beide wurden von uralten Klans beherrscht, die die Vorherrschaft der Volturi nie anerkannt hatten und doch waren sie keine Alternative. Sie akzeptierten zwar das Vampire durch ihr Gebiet reisten, doch wer sich niederlassen wollte, musste sich einem Klan anschließen. Auch sie würden auf ihrer Verwandlung bestehen.

Ich konnte es drehen und wenden wie ich wollte, es gab keine befriedigende Lösung. Ich kam mir vor als würde ich zwischen gewaltigen Mühlsteinen zermahlen.

Doch ich war nicht der einzige der in dieser Nacht nicht schlief. Ich konnte hören wie Grany eine Etage unter uns rumorte. Sie hantierte, wohl mit Flaschen und Tiegeln, – es roch intensiv nach Knoblauch im Haus – wobei sie in einer selbst mir unbekannten Sprache vor sich hin murmelte.

Ob sie wohl einen Vampirabwehr Hokuspokus ausprobierte? Nicht das sie mich morgen noch mit Weihwasser bespritzte. Ich musste leise kichern.

„Der Heilige Marcus beschütze mich.“ Gerade der. Ich schüttelte amüsiert den Kopf. Trotz das sie mich erkannt hatte, war ihr Wissen über uns doch sehr gering, wenn sie auf solchen Aberglauben zurückgriff.

Irgendwie konnte ich sie ja verstehen, wenn ein Vampir mit meiner Enkeltochter zusammen wäre würde mich das auch nicht gerade freuen. Moment, sie war doch mit einem verheiratet! Nun, also wem meine menschliche Enkeltochter mit einem Vampir zusammen wäre, dann wäre ich nicht begeistert. Oh man, mein Leben war echt kompliziert.

Doch wie konnte ich sie überzeugen dass ich keine Gefahr für Sandy darstellte? Ich konnte Sandy nicht verlassen. Nicht nur das ich ihr versprochen hatte sie nie wieder allein zu lassen. Mir war es gar nicht mehr möglich sie zu verlassen, dass würde sie und mich zerstören.

Edward hatte mir erzählt wie Bella damals reagiert hatte, als er einfach weg gegangen war und ich war mir sicher, dass es für Sandy nicht einfacher wäre. Nein, ich durfte ihr nicht so weh tun, das würde ich mir nie verzeihen.

Außerdem wäre es für sie viel zu gefährlich, sie war schon zu sehr mit unserer Welt verbunden. So gab es wenigstens eine starke Familie die sie liebte und auf sie achten würde. Keiner von uns würde sie im Stich lassen. Marie liebte sie wie eine Schwester und Eddie hatte sie auch in sein Herz geschlossen. Wir konnten ihr zwar keinen perfekten Schutz bieten, aber was war schon perfekt?

Es blieb mir gar nichts anderes übrig als Granys Vertrauen zu gewinnen und nicht nur wegen Sandy. Es ging auch um Gina. Die Kleine tat mir so leid. Ihre Seele war verletzt und sie brauchte Hilfe. Doch diese Hilfe würde mehr kosten, als sich Grany leisten konnte, während es für mich nur ein Griff in die Portokasse war. Grany musste mein Geld annehmen! Ich musste ihr das Gefühl geben das sie mir dafür nicht dankbar sein brauchte. Sie war eindeutig eine sehr stolze Frau. Es würde ihr schwer fallen darauf einzugehen.

Warum das Gespräch noch lange aufschieben? Leise schlich ich mich aus dem Zimmer und ging die Treppe nach unten. Als ich vor der Tür stand, hinter der ich sie hörte, blieb ich stehen. Zögerlich hob ich meine Hand und nach einer kleinen Ewigkeit, klopfte ich leise gegen das Holz.

„Miss Stevens, ich weiß das sie auf sind. Wir müssen miteinander reden. Bitte!“

Im Raum wurde es toten still und nach einer Minute hörte ich Schritte, die sich der Tür näherten. Langsam drehte sich der Türknopf und die Tür schwang auf.

Ihre alten kalten Augen sahen mich ängstlich und doch fragend an. „Was wollen sie?“

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21. Grany Teil 2

Beitrag  Gast am So 27 Jun 2010, 14:30

„Darf ich eintreten?“, fragte ich freundlich und lächelte sie an.
Sie überlegte, trat aber doch zur Seite und gab mir mit einer Handbewegung zu verstehen, dass ich rein kommen sollte.

Der penetrante Knoblauchgeruch vermischte sich mit dem Duft von allerlei Kräutern, Salben und Tinkturen. Der Raum war recht groß und erinnerte mich an das Labor das wir Sandy eingerichtet hatten, nur das die Geräte hier nicht so modern waren.

Grany ging zu der Tür gegenüber dem Eingang und betrat den dahinter liegenden Raum. „Na, kommen sie schon“, forderte sie mich ungeduldig auf, als ich ihr nicht sofort folgte.

Der Raum war etwas kleiner als der andere und wurde nur von einem offenen Feuer beleuchtet, das links von der Tür in einem offenen Kamin brannte. Vor dem Kamin standen zwei alte abgewetzte Sessel und ein kleiner Tisch. Hohe Regale voller alter Bücher und Schriftrollen bedeckten die Wände und vor dem Fenster stand ein antiker Schreibtisch. Das hier war wohl ihr allerheiligstes.

Wie gern hätte ich mich auf all die alten Bücher gestürzt, aber ich zügelte mein verlangen nach altem Papier und setzte mich ihr gegenüber in den freien Sessel.
Mit gefalteten Händen saß sie da und ließ die Kugeln eines Rosenkranzes durch ihre Finger gleiten. Ich konnte nicht anders und zog das kleine Silberkreuz unter meinem T-Shirt hervor. Ihre Augen weiteten sich, als sie sah was ich tat. Sie stöhnte leise auf, als ich es küsste.

„Kreuze können uns nichts anhaben. Auch Knoblauch oder Weihwasser nützt nichts. Für Menschen gibt es nichts womit sie uns verletzen oder töten könnten. All die Geschichten sind nur Aberglaube, um die Leichtgläubigen zu beruhigen. Der einzigste Weg uns zu töten ist uns zu zerreißen und die Stücke dann zu verbrennen. Und das können nur Vampire und ein paar andere Fabelwesen!“ Sie hörte mir mit wachsender Unruhe zu und als ich die anderen Wesen erwähnte sah sie mich fragend an. „Ja, es gibt noch andere, Werwölfe, Gestaltwandler und Guhle hatte ich schon kennengelernt, aber es soll noch ein paar andere geben.“
„Warum erzählen sie mir das alles?“, fragte sie überrascht.
Ich zuckte mit den Schultern und lächelte sanft. „Weil ich dachte, es würde sie interessieren oder nicht? Wann hat man schon die Gelegenheit Wahrheit und Dichtung zu trennen?“
„Ah. Wahrheit. Sie haben Sandy gesagt, dass sie kein menschliches Blut trinken“, ich nickte. „Einen verliebten und naiven Mädchen können sie viel erzählen. Mir aber nicht! Wie viele Menschen haben sie in Wirklichkeit schon getötet?“

Gute Frage, wie viele waren durch mich gestorben? Mein Blick schweifte durch den Raum und blieb an ein paar Bildern hängen, die auf dem Kaminsims standen. Alte Familienfotos, sehr aufschlussreich.
Ich sah wieder zu ihr. „Ich weiß es nicht“, antwortete ich.
„Wusste ich es doch“, schnaubte sie. „Sie haben sie belogen!“
„Oh, nein das habe ich nicht“, sagte ich hart und zeigte dann auf eines der Bilder. Es war Granys Hochzeitsfoto. Sie klassisch in weiß, doch der Mann an ihrer Seite war in Uniform. Verschiedene Orden glänzten an seiner Brust, darunter der Bronze Star und der Silver Star. Auszeichnung die man nur im Kampfeinsatz erhielt. „Wie viele Menschen hatte er getötet?“
„Er war im Koreakrieg, das ist doch was total anderes!“, antwortete sie entrüstet.
„Ach ja, ich war in Vietnam und hatte da keine Kerben in meinen Bettpfosten geschnitzt. Darum weiß ich auch nicht wie viele durch mich umgekommen sind“, stellte ich kalt fest.

„Sie sind ganz schön gerissen, aber so einfach kommen sie mir nicht davon. Wie viele Menschen haben sie seit sie Vampir sind getötet?
„Fünf und das weiß Sandy“, antwortete ich schlicht.
„Das glaub ich nicht. Sie würde ihnen das nicht verzeihen.“

„Und doch weiß sie es, aber ich denke die Tatsache, dass drei von ihnen meine Frau, meine einzige Tochter und fünf meiner Enkelkinder ermordet hatten. Das ich alles mit meiner Gabe ansehen musste und das mein jüngster Enkel mit fünf Jahren in meinen Armen sterben musste, weil ich ihm nicht helfen durfte. Dass der dortige Sheriff, sie geschützt hatte, weil einer der Mörder sein Neffe war und dadurch zwei unschuldige in der Todeszelle gelandet waren. Das ich dafür gesorgt hatte das die beiden wieder frei kamen. Nun das alles hat die Tatsache, dass ich die Mörder und den Sheriff zur Rechenschaft gezogen hatte, für sie wohl gerechtfertigt.“ Ich hatte mich in Rage geredet und bei jedem Satz zuckte sie als hätte ich sie geschlagen.
Beschämt senkte sie ihren Blick. „Es tut mir leid, was mit ihrer Familie geschah“, doch dann sah sie mich kalt an. „Das waren aber nur vier, nicht fünf.“

„Oh ja, das waren nur vier“, ein heiseres Lachen entwich meiner Kehle. „Von dem fünften weiß sie noch nichts“, ein triumphierendes Lächeln erschien auf Granys Gesicht, so als hätte sie mich erwischt. Doch ich winkte ab, Olegs tot würde Sandy mir bestimmt nicht vorwerfen. „Ich glaube nicht das Sandy die Tatsache, dass ich einen der Entführer von Gina gefoltert und umgebracht hatte, stören wird.“
„Das glaub ich auch nicht“, antwortete sie resigniert. „Doch waren das wirklich alle? Sie können mir doch nicht erzählen, dass sie sich nie von einem Menschen ernährt hatten? Es heißt, wenn ihr menschliches Blut riecht, euch nicht zügeln könnt. Was würde passieren wenn ich mich jetzt schneide? Oder wenn Sandy sich in ihrer Gegenwart verletzt? Haben sie das einmal bedacht?“

Oh, sie war gut. Ihr Verstand war scharf wie ein Skalpell und versuchte meine Schwachstellen auszuloten.
„Natürlich hatte ich das bedacht, aber ich hatte solche Situationen schon erlebt. Ich kann mich sehr gut zügeln.“
„Und was ist mit den Anderen? Sandy sagte, sie leben mit ihrer Familie zusammen. Das sind doch auch Vampire, oder? Können die sich auch zügeln?“, hakte sie nach.
„Ja, das können sie auch. Keiner von uns hat sich je von Menschenblut ernährt. Wir haben gelernt den Trieb zu unterdrücken“, antwortete ich seufzend.
„Und was ist wenn einer von ihnen schwach wird. Wollen sie dieses Risiko wirklich eingehen? Sie sagt, sie lieben sie.“

„Natürlich liebe ich sie. Sie wissen gar nicht wie sehr ich sie liebe und ich würde sie nicht mit zu mir nehmen wenn es für sie nicht sicher wäre“, antwortete ich empört.
„Sie…Sie haben leicht reden…Bei euch gibt es immer Risiken und wenn sie dann tot ist, was soll es? Da draußen gibt es ja noch genug leichtgläubige Mädchen die auf die hübsche Fassade reinfallen. Mir können sie nichts vor machen! Ich durchschaue sie! Sie haben sie mit ihrem Charme eingelullt. Das arme Mädchen, kann doch gar nicht mehr klar denken.“ Voller Wut spie sie mir die Worte entgegen.

„Sie wusste von Anfang an was ich bin, das müssten sie doch wissen“, konterte ich ihren Angriff.
„Was soll das heißen?“, fragte sie verwirrt. „Was wusste sie?“

„Das ich ein Vampir bin. Das hatte sie doch schon vor Jahren gesehen. Ich hab sie nicht eingelullt. Ja, ich hab mich in sie verliebt, aber ich bin kein Herzensbrecher. Ich bin kein Incubus. Ich habe seit ich Vampir bin keine Frau angefasst. Ich war von dem was zwischen ihr und mir entstanden ist mehr überrascht als sie.“

„Aber warum hat sie mir das nie gesagt?“, fragte sie kleinlaut.
„Ich weiß es nicht. Das müssen sie sie schon selber frage.“

Mit hängenden Schultern saß sie zusammengekauert in ihrem Sessel und starrte ins Feuer. Meine Worte schienen sie verunsichert zu haben und sie versuchte wohl das Gesagte zu verdauen. Plötzlich drehte sie sich wieder zu mir und sah mich mit blitzenden Augen an.

„Sie lieben sie also wirklich“, sagte sie mit sanfter Stimme.
„Ja“, antwortete ich verwirrt durch ihren plötzlichen Umschwung.
„Und sie würden alles für sie tun?“
Wieder antwortete ich mit ja.

Sie schenkte mir diesen steinerweichenden Hundeblick, den ich schon von Sandy kannte, räusperte sich und holte tief Luft. „Wenn sie sie wirklich so sehr lieben, dann helfen sie ihr. Seien sie doch vernünftig. Diese Liebe hat doch keine Zukunft. Sie ist ein Mensch und sie ein Vampir. Das kann doch nur schlecht enden und das wollen sie doch nicht. Bitte…Bitte, helfen sie meiner Sandy. Sie hat doch noch eine Zukunft vor sich. Sie könnte doch einen netten Mann kennenlernen, Kinder bekommen und glücklich mit ihm alt werden. Das alles können sie ihr nicht bieten.
Wenn sie sie also wirklich so sehr lieben, wie sie sagen, dann verlassen sie sie bevor es zu spät ist. Bitte, es ist das Beste für Sandy. Das Beste für die Frau die sie lieben. Bitte gehen sie und kommen sie nicht zurück. Bitte.“

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21. Grany Teil 3

Beitrag  Gast am Di 29 Jun 2010, 18:25

Das hatte sie nicht wirklich gesagt? Ich sollte mich von Sandy trennen? Nein. Nein. Nein. Das ging nicht. Auch wenn ich sie verstehen konnte, wusste sie nicht was sie da verlangte. Es würde uns beide zerstören und was noch viel wichtiger war, es war für Sandy viel zu gefährlich. Also nein.
Entschlossen schüttelte ich den Kopf und sah sie fest an. „Nein, das werde ich nicht tun. Ich habe ihr versprochen dass ich bei ihr bleibe.“
„Aber…“, unterbrach sie mich mit weinerlicher Stimme.
„Kein aber. Wenn sie mich verlassen will, werde ich sie, ohne Widerspruch gehen lassen, doch ich werde sie nicht verlassen!“, sagte ich mit fester Stimme.
„Dann lieben sie sie nicht wirklich, sie wird bei ihnen immer in Gefahr sein“, sagte sie trotzig.

„Sie wäre in viel größerer Gefahr, wenn ich sie alleine lassen würde. Sie haben keine Ahnung, was da draußen zurzeit geschieht. Wir aber kennen die Gefahren und werden unser möglichstes tun um sie zu beschützen.“
Ihre Augen wurden groß wie Untertassen. „Wie meinen sie das? Von welcher Gefahr sprechen sie?“, fragte sie ängstlich.
„Eine Gefahr haben sie schon selber angesprochen“, sie sah mich verwirrt an. „Erzählen sie mir doch vom Heiligen Marcus.“
„Der Heilige Marcus? Der Schutzpatron gegen Vampire, was ist mit ihm?“, fragte sie mit zusammengezogenen Augenbrauen.
„Ja, der Schutzpatron gegen Vampire. Erzählen sie mir seine Geschichte.“
„Also gut“, sagte sie ernst. „Aber dann sagen sie mir was das mit der Gefahr für meine Sandy zu tun hat.“
Ich nickte und lehnte mich gegen die Rückenlehne des Sessels.

Ihr Gesicht wurde ernst, als sie ihre Augen schloss und in die Legenden ihres Volkes eintauchte. Das flackernde, rote Licht umgab sie mit einer mystischen Aura, als sie sich plötzlich straffte und ihre Stimme war voller Kraft, als sie anfing zu sprechen.
„Als die Römer noch das Land beherrschten kamen zwei Offiziere in die dunklen Wälder meiner Heimat und errichteten einen Außenposten. Für ihren hohen Rang waren sie noch sehr jung und auch wenn sie nur des Nachts in die Dörfer kamen, waren doch alle von ihrer Schönheit geblendet. Der eine hieß Stephanos und der andere wurde schlicht Vladmeri genannt. Sie verpflichteten die Bauern der Umgebung und errichteten auf einem der Berge eine Burg aus Stein. Zu Anfang waren die Menschen froh über ihre Anwesendheit, da sie Gesetz und Ordnung in die abgelegenen Wälder brachten und die Räuber, die sich in ihnen versteckten, mit harter Hand zur Strecke brachten.

Doch als die Räuber vernichtet waren, verschwanden immer wieder Menschen aus den Dörfern und fahrende Händler weigerten sich das Gebiet zu betreten, weil so viele von ihnen wie vom Erdboden verschluckt wurden. Die Offiziere versprachen sich der Sache anzunehmen, doch es wurde immer schlimmer. Bald schon verschwanden fast jede Nacht Menschen und ab und an wurden ihre blutleeren Kadaver gefunden. Gerüchte verbreiteten sich im Land, dass die Strigoi, bluttrinkende Dämonen, unter uns waren. Einige tapfere Männer wollten dem Spuck ein Ende setzen und zogen zur Burg, um sie auszuräuchern. Keiner kam zurück, zumindest nicht lebend, denn einige von ihnen lebten fortan bei den Römern. Doch sie hatten sich verändert, auch sie waren jetzt Strigoi. Die Menschen der Wälder waren gewarnt und zogen weg. Es gab viele Tagesreisen um die Burg keine Siedlungen mehr. Wer sich aber in den Wald verirrte, wurde nie mehr gesehen. So verging die Zeit und für mehrere Jahrhunderte betraten nur die wagemutigen oder törichten das Gebiet und keiner kam zurück. Denn dort herrschte der Tod.

Dann kam die Zeit der Völkerwanderung und die Goten zogen durchs Land. Ein junger Feldherr Namens Agiwulf hatte von der Burg gehört und vermutete dort großen Reichtum. Mit 1.000 Mann zog er aus. Zwei Wochen später torkelten zwei zerlumpte Gestalten, mit schneeweißen Haaren, in eines der Dörfer am Rande des Waldes. Auch wenn das Grau ihrer Haare und die tiefen Falten in ihren Gesichtern, sie wie alte Männer aussehen ließen, waren sie doch kaum zwanzig. Es dauerte Tage bis sie wieder bei Kräften waren und sprechen konnten. Sie gehörten zum Heerzug des Agiwulf und ihre Geschichte ließ allen das Blut in den Adern gefrieren.

Agiwulf hatte seine Männer bis auf wenige Meilen an die Burg herangeführt, als sich ihnen 12 Mann entgegen stellten. Hochmütig befahl Agiwulf den Männern sich zu unterwerfen, doch die lachten nur. In seiner Wut über diese Missachtung seiner Autorität, befahl Agiwulf die Männer zu vierteilen. Doch auch darüber lachten die Männer.

Mit bloßen Händen griffen die Männer Agiwulfs Heer an. Sie waren so schnell, dass ihre Bewegungen nicht zu erkennen waren. Sie zerrissen das Heer und tranken ihr Blut. Wen sie nicht sofort töteten, wurde auf die Burg gebracht und nie wieder gesehen. Einige wenige konnten vom Schlachtfeld fliehen, doch nur die Zwei fanden einen Weg aus dem Wald.

So verschwand der Tapfere Agiwulf und für weitere 150 Jahre betrat niemand mehr den unheimlichen Wald.
Doch die Erinnerung blieb und ständige Angst begleitete das Volk durch die Zeit. Ab und an verschwand ein Mensch und alle wussten die Strigoi hatten sich ein neues Opfer geholt.

Dann kamen mutige Männer in die Dörfer und verbreiteten das Wort Gottes unter den abergläubigen Menschen. Sie hörten die Geschichten über die Strigoi und taten sie als Irrglaube der alten Götter ab. Nur mit der Bibel bewaffnet wollten sie die Dämonen besiegen. Wie schon Agiwulf vor ihnen betraten sie die Wälder und wurden nie mehr gesehen. Auch der Christengott hatte keine Macht über die Dämonen.

Dann kam ein Priester mit einer Gruppe Mönche aus dem fernen Italien. Sein Name war Marcus und er hatte von unserem Problem mit den Strigoi gehört. Er sagte, er wäre erfahren im Umgang mit solchen Monstern, hatte er sie doch schon aus seiner Heimatstadt Voltera vertrieben. Wir flehten ihn an, nicht in den Wald zu gehen, doch er versprach, die Dämonen mit heiligem Feuer zu vernichten.

Als er dann mit seinen Männern den Wald betrat, beteten die Menschen und viele glaubten, dass sie in ihren Untergang zogen. Doch in der zweiten Nacht war in der Ferne ein großes Feuer zu sehen, genau da wo die Burg stand. Sollte der heilige Marcus wirklich erfolg gehabt haben? Einen Tag später erschien der Heilige in einem der Dörfer und verkündete, dass die Dämonen besiegt wären. Die Menschen wollten ihn feiern, doch er sagte, er hätte nur seine Pflicht getan und müsse jetzt weiter gen Osten, um anderen zu Helfen.

Der Heilige war ja so bescheiden.

Die Dorfbewohner feierten trotzdem und doch gab es einige Stimmen, die dem Heiligen nicht glaubten. Darum wurden ein paar Mutige ausgesandt, um nach der Burg zu sehen. Als sie zurück kamen, bestätigten sie, dass die Burg bis auf die Grundmauern niedergebrannt war und dass sie keinen der Dämonen gesehen hatten. Das beruhigte dann auch die Zweifler.

Die Menschen atmeten auf und da auch in den folgenden Jahren niemand mehr verschleppt wurde, glaubten alle, dass das Böse aus unseren Wäldern vertrieben wurde.

Der Heilige Marcus war nie mehr zurück gekommen, es hieß, dass er auf seinen Reisen noch viele Dämonen erschlug und dann den Märtyrertod, bei den Mongolen, fand.

Doch bei uns wurde er nicht vergessen, den er schützte uns gegen die Geisel der Unterwelt, die blutrünstigen Strigoi.“

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21. Grany Teil 4

Beitrag  Gast am Di 29 Jun 2010, 18:27

Sie öffnete ihre Augen wieder und sah mich unverhohlen an. Ihre Geschichte war echt Interessant, es steckte soviel Wahrheit darin. Doch der Schluss war ein hübsches Ammenmärchen. Carlisle hatte mir diesen Teil ganz ausführlich geschildert, er kannte schließlich alle beteiligten, sowohl die Rumänen als auch die Volturi.

„Die Volturi sind echt gut“, ich schüttelte amüsiert den Kopf. „Eine nette Geschichte, aber möchten sie die Wahrheit über den Schluss erfahren? Denn ganz so wie ihr es glaubt, war es dann doch nicht.“
„Wie war es dann?“, fragte sie zweifelnd. „Und wer sind die Volturi?“

„Es gibt einige wenige unter uns die schon seit Jahrtausenden leben, zu ihnen gehören die beiden römischen Offiziere aus eurer Legende. Sie nennen sich heute aber nur noch Stefan und Vladimir“, sie sah mich überrascht an. „Ja, sie leben noch. Dann gab es in Europa noch die Volturi, drei uralte Vampire und ihre Wache. Stefan und Vladimir sahen sich für lange Zeit als die Herrscher über uns und betrachteten die Volturi als Emporkömmlinge. Doch Aro, einer der Volturi, ist ein Sammler und am liebsten sammelt er Gaben. Solche wie die von Sandy und mir. Denn solche Gaben sind auch unter uns selten.

In ihrer Wache gibt es zwei Vampire deren Gaben so mächtig sind, dass sie jeden Kampf gewinnen. Doch davon wussten Stefan und Vladimir nichts.

Euer heiliger Marcus, war in Wirklichkeit einer der Volturi, also ein uralter Vampir und die Mönche die ihn begleiteten waren Mitglieder der Wache, also auch alles Vampire.

Sie sind nicht gekommen um euch von einer Plage zu befreien. Sie haben den rumänischen Zirkel nur vernichtet, um selbst an die Macht zu kommen. Seit damals spielen sie sich als Hüter unserer Gesetze auf und vernichten die, die dagegen verstoßen.“

„Ein Vampir? Der Heilige war…ist ein Strigoi? Das kann nicht sein“, stammelte sie entsetzt. „Und ihr habt Gesetze? Aber was hat das ganze mit meiner Sandy zu tun?“

„Ja, er ist ein Vampir und ja, es gibt Gesetze. Eigentlich ist es nur eins. Wir müssen unauffällig sein und unsere Existenz vor den Menschen verheimlichen. Ja und da kommt Sandy ins Spiel“, ein ersticktes seufzen verließ ihre Lippen und sie sah mich ängstlich an. „Sandy weiß zuviel. Normalerweise würden die Volturi, wenn sie davon erfuhren, jemanden schicken und sie ganz einfach töten, aber so begabt wie sie ist…Sie würden sie verschleppen und verwandeln. Ihre Gabe würde dann stärker und wie gesagt Aro ist ein Sammler. Sie würde perfekt in seine Sammlung passen.“
„Das ist ja schrecklich. Daran sind nur sie Schuld. Ich wusste ja dass von ihnen nichts Gutes kommt. Ach hätte sie sie nie kennengelernt“, schrie sie mich an.
„Sie wusste es doch schon, durch ihre Gabe, aber es ist ja eigentlich auch egal. Wir können es eh nicht ändern.“

Sie nickte träge „Und was für eine Gefahr droht ihr sonst? Sie sagten die Volturi sind nur eine, also muss es ja noch mehr geben.“

„Ja, es gibt noch etwas was mir Sorgen macht. In den südlichen Staaten tobt ein Krieg unter Vampiren. Nun das ist für uns nichts neues, da sie das schon seit Jahrhunderten machen. Doch es gibt dort eine neue Gruppe und sie verdrängen die alten Zirkel. Darum kommen immer mehr Flüchtlinge aus dem Süden nach Norden und mit ihnen ihre Lebensart. Sie werden viele Menschen verwandeln, um sich gegenseitig zu bekämpfen und sie werden Nahrung für ihre Truppen brauchen. Sollten sie auf Sandy treffen, würden sie sie auch verwandeln, da ihre Gabe die Planung von Kämpfen erleichtern würde“, ich rückte etwas vor und lehnte mich zu ihr rüber. „Ma’am, wir werden alles tun um sie zu beschützen. Bei uns ist sie sicherer als bei ihnen.“
„Können sie mir versprechen dass ihr nichts geschieht?“, fragte sie streng.
„Das kann niemand. Ich kann ihnen nur versprechen, dass wir alles tun werden was in unserer Macht steht und das ist mehr als sie können, oder?“, antwortete ich.

Sie lehnte sich zurück und sah mich prüfend an. Wie würde sie reagieren? Sie musste doch einsehen, dass wir uns am besten um sie kümmern konnten. Nun eigentlich war das ja nicht die Frage. Sandy würde eh bei mir bleiben, da war ich mir sicher. Doch würde die alte Frau mich akzeptieren? So wie sie mich ansah wurde ich nicht schlau aus ihr.

Die Zeit verging und ich wurde langsam ungeduldig. War es das? Wollte sie mich prüfen. Ihr schweigen war so unangenehm. Aber dieses Spiel konnte ich auch spielen. Ich versteifte mich und ließ meinen Blick ungerührt auf ihr liegen. Es war wie bei einem Duell, wo der verliert der zuerst zuckte.

Schließlich seufzte sie auf. „Sie waren sehr ehrlich zu mir. Auch wenn es mir nicht gefällt…Ich kann ihren Argumenten nicht widersprechen…Sie können sie wohl besser Schützen als ich und ich weiß…Ich weiß das sie sie liebt. Sie hat mich noch nie so angefahren wie heute. Sie hat für sie gekämpft. Das alles kann ich nicht ignorieren. Schweren Herzens bleibt mir wohl nicht anders übrig, als ihr und ihnen zu vertrauen und zu hoffen, dass ich damit keinen Fehler mache. Also gut ich werde akzeptieren, dass sie mit ihnen zusammen ist.“ Ich wollte gerade zu einer Erwiderung ansetzen, doch sie ermahnte mich mit einer Handbewegung zu schweigen. „Enttäuschen sie mich nicht, sonst werde ich sie verfluchen und die Flüche meiner Familie waren schon immer sehr wirksam. Ich würde es an ihrer Stelle nicht darauf ankommen lassen. Sandys Schicksal liegt jetzt in ihren Händen.“

„Ich danke ihnen. Ich weiß wie viel sie Sandy bedeuten und das sie es kaum ertragen könnte wenn sie unsere Beziehung nicht akzeptierten.“, sagte ich erleichtert.
„Verstehen sie mich nicht falsch, ich halte sie immer noch für ein Monster. Mir geht es nur um Sandy. Wir sind keine Freunde“, sagte sie kalt.

Ich nickte. „Damit kann ich leben.“

Ich hörte Geräusche aus Sandys Schlafzimmer. Gina fragte wo ich war und Sandy meinte, dass ich wohl schon auf wäre. Ein Blick auf meine Uhr verriet mir dass es schon acht war. Sie würden also bald herunter kommen.

„Die Mädchen sind wach“, sagte ich zu Grany.
„Woher wissen sie das?“
„Ich besitze ein sehr feines Gehör. Sie werden wohl bald herunter kommen um zu Frühstücken. Es gibt noch ein paar Punkte die ich noch gerne mit ihnen besprechen würde…Ohne dass sie dabei sind. Können wir später weiter reden?
„Was gibt es den noch zu besprechen?“, fragte sie leicht genervt.
„Ich dachte sie wüssten gerne was mit Gina genau geschehen ist und was es für Möglichkeiten gibt.“
„Also gut. Sandy soll später mit ihr spazieren gehen. Dann können wir weiter reden. Sie geben ja eh keine Ruhe“, sagte sie und zum ersten Mal sah ich den Ansatz eines Lächelns auf ihrem Gesicht.

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21. Grany Teil 5

Beitrag  Gast am Mi 30 Jun 2010, 23:05

Gina und Sandy kamen gerade die Treppe herunter als ich in den Flur trat. Sandy legte ihre Stirn in Falten und den Kopf leicht schräg, als sie sah welches Zimmer ich verließ. Ich lächelte und zwinkerte ihr zu. Schnell kam sie auf mich zu gelaufen und zog mich in eine Umarmung. „Würdest du bitte“, flüsterte sie.
‚Ja?’, fragte ich in ihrem Kopf.
‚Was hast du da drin gemacht?’, sie platze fast vor Neugier.
‚Ich hatte ein Gespräch mit deiner Großmutter’, antwortete ich, als ob es das selbstverständlichste auf der Welt wäre.
Ungeduld lag in ihren blauen Augen, als sie mich mahnend ansah. ‚Und? Lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen.’
‚Sie liebt mich nicht gerade, aber sie wird sich nicht gegen uns stellen’, antwortete ich schulterzuckend.
‚Wie? ... Wie hast du das gemacht?’
‚Indem ich ehrlich war und wir uns über alte Legenden unterhalten haben.’
Ein leises Glucksen zog meinen Blick auf Gina, die kopfschüttelnd am Treppenabsatz stand und zu uns herüber sah.
„Das sieht lustig aus. Macht ihr das immer so, nur mit Blicken reden?“, fragte sie amüsiert.
„Manchmal“, antwortete ich lachend. „Hast du gut geschlafen?“
„Es ging so“, ihr Blick verfinsterte sich etwas und sie ging langsam in Richtung Küche. „Ich setz schon mal den Kaffee auf.“

Ich sah ihr hinterher und flüsterte zu Sandy. „Es wundert mich, dass sie überhaupt solange schlafen konnte. Auch wenn ihr Schlaf sehr unruhig war, hatte sie doch das erste Mal durchgeschlafen. Sie braucht dringend Hilfe, nicht das sich das bei ihr so festsetzt, wie bei mir.“
„Ich weiß, doch wie können wir ihr helfen?“, wisperte sie zurück.
„Ich hab schon mit Carlisle darüber gesprochen. Es gibt da ein Therapiezentrum in Plymouth, direkt an der Cap Cod Bay. Die sind spezialisiert auf Fälle wie ihren. Dort kann ihr geholfen werden.“
„Weiß Grany schon Bescheid?“
„Nein, soweit sind wir noch nicht gekommen. Kannst du gleich was mit Gina unternehmen, damit ich noch mal in Ruhe mit ihr sprechen kann?“
„Ja, klar“, sagte Sandy und legte ihren Mund an mein Ohr. „Hab ich dir schon gesagt dass ich dich liebe?“
„Heute noch nicht“, gab ich zurück. „Aber das könnte ich andauernd hören.“

„Kommt ihr zwei oder wollt ihr nicht Frühstücken?“, rief Gina aus der Küche und so gingen wir zu ihr.
Als wir den Raum betraten sah ich ein Fellbündel panisch weglaufen. Gina stand am Herd und legte Eier ins kochende Wasser. „Was hat Barny nur? Er ist doch sonst nicht so schreckhaft.“
Ich konnte ein lachen gerade noch unterdrücken. Barny hatte Angst vor mir. Tiere sind soviel aufmerksamer, als die meisten Menschen und erkannten die Gefahr, die von uns ausging.
„Ach, vielleicht ist er mit dem falschen Fuß aufgestanden? Der beruhigt sich schon wieder“, antwortete Sandy und fing an den Tisch zu decken.

Als der Tisch gedeckt war und Gina die Eier brachte fragte sie, nur warum ich kein Gedeck hatte. Doch mein Hinweis dass ich schon gefrühstückt hätte, beruhigte sie. Nur zur Tarnung ließ ich mir von Sandy eine Tasse geben und trank einen ekelhaft schmeckenden Kaffee.

Als Grany in die Küche kam, den Mädchen einen guten Morgen wünschte und sich ansonsten wortkarg zu uns setzte, sah Gina mich fragend an. Doch als ich nicht reagierte, hielt sie es wohl für schlauer nicht nachzufragen. Die Spannung zwischen der alten Frau und mir hatte zwar abgenommen, aber sie war trotzdem für jeden spürbar, was das Frühstück zu einer recht steifen Angelegenheit machte.

Als Sandy und Gina dann anfingen den Tisch abzuräumen räusperte sich Grany und sah sie beide an. „Was habt ihr zwei den heute vor?“
„Ich wollte mit Gina runter zum See fahren, damit wir uns ein wenig die Beine vertreten können“, antwortete Sandy.
„Macht das und könntet ihr heute bei Luigi essen? Ich hab letzte Nacht nicht so gut geschlafen und würde mich gerne noch was hinlegen“, erklärte Grany.
„Kein Problem ruh dich aus.“
Ungläubig verfolgte Gina die Unterhaltung und sah mich dann fragend an. Doch ich übersah es. Das sollten die Stevens schon unter sich ausmachen. Bei so was mischte man sich nicht ein.
„Und was ist mit dir Bruce, kommst du auch mit?“, fragte Gina und so musste ich dann doch reden.
„Nein, ich muss noch arbeiten. Mir schwirren da ein paar Ideen im Kopf rum und die will ich unbedingt aufschreiben“, antwortete ich schlicht.
„Arbeiten?“, fragte Grany überrascht.
„Ja, Bruce schreibt an seinem ersten Roman. Er ist ein sehr talentierter Schriftsteller“, antwortete Sandy mit stolz in der Stimme.
Grany sah mich kritisch an. „Das hätte ich jetzt nicht erwartet.“
„Ich auch nicht“, sagte Gina. „Ich mach mich dann mal fertig.“
„Ich auch.“ Sandy nahm Ginas Hand und gemeinsam verließen sie die Küche.

„Schriftsteller“, lachte Grany. „Ein Vampir der sich von Tierblut ernährt und Schriftsteller. Die Zeiten scheinen sich wirklich geändert zu haben.“ Kopfschüttelnd stand sie auf. An der Tür drehte sie sich noch mal um. „Wenn die Mädchen weg sind, kommen sie zu mir, damit wir das hinter uns bringen können.“
„Ja Ma’am“, antwortete ich und konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Bis jetzt war mein Plan aufgegangen. Jetzt musste ich sie nur noch überzeugen, dass Gina die beste Hilfe bekam, die für Geld zu haben war und dass wir diese bezahlten.

Doch da kam mir eine andere Idee. Ich konzentrierte mich auf Eddie und ließ meinen Geist fliegen.
‚Eddie’, sagte ich in seinem Geist.
‚Bruce’, antwortete er leicht genervt.
‚Hast du schon….


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Moon ich weiß gar nicht was ich sagen soll, ohne deine Hilfe wäre ich echt aufgeschmissen.

LG

IRA


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22. Vereinbarung und Geheimnisse Teil 1

Beitrag  Gast am Fr 09 Jul 2010, 23:18

22. Vereinbarung und Geheimnisse

Es tat weh sie gehen zu lassen, wir hatten eindeutig zu wenig Zeit für uns. Immer wieder wurde unser Leben von zwängen beherrscht und jetzt musste ich mit Grany reden. Doch mein Gespräch mit Eddie war sehr viel versprechend und hatte mir Argumente geliefert, die sie wohl überzeugen würden.

Der Geruch von frischem Kaffee wehte durch das Haus und ich hörte Grany in der Küche grummeln. Sie hatte es soweit akzeptiert, aber ob wir je Freunde würden stand in den Sternen. Ich ging zu ihr und fand sie am Küchentisch sitzend. Sie wirkte erschöpft und massierte ihre Schläfen, die letzte Nacht war einfach zu anstrengend für sie gewesen. Auch wenn ich mich durch Sandy besser auf Menschen einstellen konnte, vergaß ich doch immer wieder wie wichtig für sie die Nachtruhe war.

„Wir können auch später reden wenn sie sich erst etwas hinlegen wollen“, sagte ich und setzte mich ihr gegenüber auf einen Stuhl.
Träge schaufelte sie einen Löffel Zucker in ihren Kaffee und trank einen Schluck aus der Tasse. Dann sah sie mich erschöpft an. „Nein, je schneller wir durch sind desto eher verlassen sie mein Haus.“
Wie gesagt sie liebte mich nicht. Ich nickte. „Gut, lassen sie uns über Gina reden“, sie hob kurz ihre Hand und gab mir so zu verstehen, dass ich weiter reden sollte. „Es war nicht einfach Gina zu finden, da ich nur schwer eine Verbindung zu ihr herstellen kann“, sie hob fragend die Augenbrauen. „Darauf komme ich später noch zurück. Wir mussten das ganze etwas klassischer angehen und so sind wir den Fakten gefolgt. Es zeigte sich schon bald das Kain der Polizei nicht die Wahrheit gesagt hatte…“

In den nächsten zwei Stunden erzählte ich ihr alles von der Kreuzung bis hin zur Farm, vom Schiff, wie wir in Vigo zum zuschauen verurteilt waren und über Ginas Befreiung aus dem Club. Nur unser Zusammentreffen mit den Volturi verschwieg ich, das ging sie nichts an. Sie hatte aufmerksam, aber mit wachsender Unruhe, zugehört und nur wenige Zwischenfragen gestellt. Vor allem die Ereignisse auf der Farm und im Club hatten sie sehr aufgewühlt. Jetzt starrte sie schon eine viertel Stunde auf ihren längst erkalteten Kaffee und sprach kein Wort.

„Das arme Mädchen“, flüsterte sie mit brüchiger Stimme. „Das arme Mädchen, was soll denn nun geschehen?“
Im Versuch ihre Tränen vor mir zu verstecken wischte sie sich mit ihren faltigen Händen über die Augen, aber das leise Schluchzen das ihrer Kehle entfleuchte machte ihn eh sinnlos.
Ich wusste nicht was ich machen sollte, Trost würde sie von mir nicht annehmen. Darum blieb ich einfach da sitzen und wartete, bis sie sich gefangen hatte.

„Ach wären doch ihre Eltern noch am leben. Ich werde einfach zu alt für solche Entscheidungen“, jammerte sie und sah zu mir. „Sehen sie mich nicht so an! Ich habe für beide immer nur das Beste gewollt, aber an mir gehen die Jahre nicht so vorbei wie an ihnen.“
„Und sie haben ihre Sache gut gemacht. Sie haben zwei liebenswerte Mädchen groß gezogen. Doch was soll jetzt mit Gina geschehen? Sie braucht Hilfe. Professionelle Hilfe sonst fressen sie die Erinnerungen von innen auf“, sagte ich ruhig.
„Als wenn mir das nicht klar wäre, aber wir sind nicht versichert und auf dem Haus liegt noch eine Hypothek. Wir können uns einfach keinen anständigen Arzt leisten.“ Resigniert sah sie zum Fenster.
„Es gäbe da eine Möglichkeit.“
Entsetzt sah sie zu mir und schüttelte den Kopf. „Nein, wir wollen ihr Geld nicht. Ich stehe schon zu tief in ihrer Schuld.“
Stolz, wie ich gedacht hatte. „Ich dachte mir schon dass sie so was sagen würden. Aber es ist auch nicht mein Geld, auch wenn ich es gerne Zahlen würde. Eddie, einer aus unserer Familie, ist ein Computerfreak. Fragen sie mich nicht wie, weil davon versteh ich auch nur das nötigste. Jedenfalls hat er sich Zugang zu den Konten des Odessa Kartells verschafft und sie um mehrere Hundert Millionen $ erleichtert. Wir wollen mit dem Geld eine Stiftung gründen um Menschen wie Gina zu helfen. Es ist doch nur gerecht wenn sie mit ihrem Geld etwas von dem Schaden, den sie angerichtet haben, beseitigen. Oder?“ Sie nickte. „Dann werden sie wohl auch nichts dagegen haben, wenn Ginas Behandlung und alle damit zusammenhängenden Kosten, von diesem Geld bezahlt werden.“

„Nein, damit habe ich kein Problem, solange es nicht ihr Geld ist. Da sie sich ja offensichtlich schon um einiges gekümmert haben, wissen sie auch bestimmt schon wo es für Gina die beste Behandlung gibt? Kommen sie, ich sehe es ihnen an, sie haben doch einen Plan“, antwortete sie.
„Tatsächlich habe ich mich schon mit einem befreundeten Arzt unterhalten und er hat sich um einen Platz in einem sehr angesehen Institut bemüht. Sie könnte schon nächste Woche Samstag mit ihrer Behandlung anfangen.“
„Und wo?“

„Es gibt da ein Therapiezentrum das sich auf Traumata wie das von Gina spezialisiert hat, es ist in Plymouth, direkt an der Cap Cod Bay. Sie werden alles tun damit sie ein normales Leben führen kann, nun es gibt da aber noch ein kleines Problem.“
„Und welches?“, fragte sie neugierig.
„Teil der Therapie, bei so jungen Menschen, ist die Einbindung einer Bezugsperson. Sandy könnte das zwar machen aber dann müsste sie mindestens ein Semester aussetzen.“
Entschlossen schüttelte Grany den Kopf. „Nein, das wird nicht nötig sein. Ich werde das machen. Cap Cod soll ja ganz schön sein.“
„Ja“, antwortete ich erleichtert. „Wir mieten ihnen ein Haus in der Nähe, keine Angst das gehört zu den notwendigen Ausgaben. Sandy und ich, wenn sie es erlauben, würden natürlich an den Wochenenden vorbei kommen.“
„Sandy gerne“, sie sah mich prüfend an. „Was sie betrifft werden wir sehen.“

Für sie war das schon sehr großzügig, mehr konnte ich nicht verlangen. Die Kleine würde ihre Therapie bekommen und das war die Hauptsache.

„Was geschieht eigentlich mit Kain? Wenn ich sie richtig verstanden habe müssen wir den Sheriff ja belügen. Heißt das er kommt ungestraft davon?“ Ihre Frage war ein einziger Vorwurf. Der Gedanke, dass dieses Monster ungestraft davon kommen könnte, ließ ihr wohl keine Ruhe.

Ich schüttelte grinsend den Kopf. „Nein. Um ihn wird sich gekümmert.“
Sie sah mich mit kalten Augen an. „Und das heißt?“
„Wollen sie das wirklich wissen?“, fragte ich in der Hoffnung sie würde es auf sich beruhen lassen.
„Ja, das will ich“, antwortete sie hart.
„Also gut“, wenn sie es wirklich wissen wollte. Mir sollte es recht sein. „Es gibt da jemanden der mir noch einen Gefallen schuldet. Er ist ein sadistischer Incubus, der auf Männer steht. Er liebt es kranke Spielchen zu spielen. Er ist niemand den ich in meiner Nähe wissen möchte und die Sorte Albtraum aus der eure Mythen über die bösen Strigoi gesponnen sind. Er wird sich, wenn Kain aus dem Krankenhaus kommt und wir weg sind, um ihn kümmern. Kain wird Teil der Nahrungskette. Haben sie damit ein Problem?“

Ein gehässiges Grinsen umspielte ihren Mund und ihre Augen leuchteten auf. „Normalerweise wünsch ich so was niemanden, aber bei Kain mache ich da gerne eine Ausnahme. Sie sind ein ganz schlimmer. Wissen sie das?“
„Oh, ich würde so was normalerweise auch nicht machen, aber wer sich in an Sandys Familie vergreift muss mit den Konsequenzen leben oder sterben. Ich achte sehr auf Familie und auch wenn es ihnen nicht gefällt, sie und Gina gehören durch Sandy mit zur Familie. Das ist meine Art.“ Hoffentlich hatte ich jetzt nicht zuviel gesagt, aber ich wollte ehrlich sein.

Sie nickte wissend. „Ich kann sie verstehen und bin überrascht, soviel Familiensinn hätte ich von einem Strigoi nicht erwartet. Was haben sie nur schlimmes getan, dass der Fluch sie getroffen hat?“
Der Fluch, ja klar, bei den Rumänen wurde man zum Vampir indem entweder die Mutter eine verachtenswerte Tat begangen hatte oder man selbst im Leben Schuld auf sich geladen hatte. Aberglaube, aber bei mir sogar zutreffend. „Sie wissen schon dass man gebissen werden muss um verwandelt zu werden?“
Sie nickte und lächelte. „Das ist mir bekannt und doch lastete meist ein Fluch auf denen die verwandelt wurden. Eine schlimme Tat die sie büßen müssten.“

„Das stimmt nicht immer, aber ich habe schlimme Dinge im Krieg getan. So schlimm das sie mich immer noch verfolgen. Nur Sandys Nähe gibt mir etwas Frieden. Sie überstrahlt alles. Sie ist was ganz besonderes.“ Ehrlichkeit. Ehrlich sein. Was Sandy anging war es so leicht, sie war einfach alles für mich.

„Ist schon gut, ich glaube ihnen ja das sie sie lieben. Doch weiß sie auch davon, vom Krieg?“
Ich nickte. „Sie sollte alles wissen, bevor sie sich für mich entschied. Das war mir sehr wichtig.“
„Sie sind erfrischend ehrlich, das muss ich ihnen lassen. Wenn sie kein Strigoi wären…Dann könnte ich sie vielleicht mögen. Wir werden sehen was die Zukunft bringt“, sagte sie und gähnte mit offenem Mund.

Ich hatte noch so viele Fragen und wusste immer noch nicht was ich Sandy über ihren Vater erzählen sollte. Doch das musste warten. Sie brauchte schlaf. Sandy würde mir die Ohren lang ziehen, falls Grany vor Erschöpfung zusammenbrechen sollte.

„Sie sollten sich hinlegen. Sandy wäre nicht sehr erfreut wenn sie sich überanstrengen“, freundlich versuchte ich sie zu überreden und hoffte, dass sie darauf einging.
„Sind wir denn noch nicht durch?“, fragte sie und sah mich zweifelnd an.

„Es gibt da noch eine Sache die ich gerne von ihnen wüsste und dann noch etwas wo ich ihren Rat benötige, aber das sollten wir wirklich später besprechen. Bitte ruhen sie sich etwas aus“, bittend sah ich sie an und ihr Blick wurde wohl durch die Müdigkeit etwas weicher.
„Also gut ich werde mich etwas hinlegen.“ Langsam stand sie auf und bewegte sich Schritt für Schritt zur Tür.
Ich sah kurz aus dem Fenster und mein Blick fiel auf ihren alten Pickup. Er hatte wirklich schon bessere Tage gesehen, die Stoßstange wurde von einem Stück Draht notdürftig an ihrem Platz gehalten und auch sonst war er eine einzige Rostbeule. Hoffentlich war die Technik darunter besser gewartet, aber das war zu bezweifeln.

„Haben sie was dagegen wenn ich mir mal ihr Auto ansehe? Der ist doch bestimmt schon lange nicht mehr überprüft worden“, fragte ich noch bevor sie zur Tür raus ging.
„Sie kennen sich mit Autos aus?“ Ich nickte. „Der Schlüssel hängt neben der Tür und Werkzeug finden sie in der Scheune. Ich weiß nur nicht in welchem Zustand es ist, es wurde schon lange nicht mehr benutzt.“
„Ich werde schon alles finden, was ich brauche. Danke.“

„Der freundliche Vampir von heute, wenn das meine Großmutter gewusst hätte. Sie hätte wohl nur ungläubig gelacht“, murmelte sie vor sich hin und ging in ihr Schlafzimmer.

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Ankündigung

Beitrag  Gast am So 11 Jul 2010, 17:05

ANKÜNDIGUNG

Ich weiß nicht ob ich hier noch weiter Posten werde, da ich den Eindruck habe das meine FF hier nicht gewollt ist.
Es wird aber zukünftig definitiv keine Teilkapitel mehr geben. Ihr müsst also warten bis ich mit den Kapiteln fertig bin.

Ich werde mir bis ich das Kapitel fertig habe überlegen wie und ob es hier weiter geht.

LG

IRA


PS. Das selbe gilt auch für das angekündigte Outtake zu diesem Kapitel.

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22. Vereinbarung und Geheimnisse Teil 2

Beitrag  Gast am Di 27 Jul 2010, 14:25

Oh, man der Pickup war wirklich nur noch ein Schrotthaufen, dass er noch fuhr war ein echtes Wunder. Lebensgefährlich! Mit dem Werkzeug hier würde ich ihn nur notdürftig zusammenflicken können. Damit daraus wieder ein Auto würde bräuchte ich eine anständige Werkstadt und mindestens zwei Wochen Zeit. Ich fuhr ihn über die Grube und betrachtete ihn von unten. Meine Güte, bei der nächsten fahrt über den holprigen Weg würde der Auspuff wohl abfallen und auch die Bremsleitungen sollten keine Blasen werfen. Noch mehr was auf meine Einkaufsliste musste. Ich wäre wohl schneller wenn ich notieren würde was ich nicht brauchte.

Ich war schon mehrere Stunden beschäftigt als die Tür zur Scheune auf ging. Ich brauchte gar nicht aufzusehen, denn der etwas schleppende Gang und ihr Geruch sagten mir dass es Grany war.

„Und was ist mit meinem Liebling?“, fragte sie gespannt.
Ich sprang aus der Grube, nahm mir einen alten Lappen und wischte daran meine ölverschmierten Hände ab. „Möchten sie eine ehrliche Antwort?“
Sie sah schwermütig zu dem alten Blech. „So schlimm?“
„Sagen wir es mal so, ich wundere mich, dass er noch nicht auseinander gefallen ist. Das Teil ist lebensgefährlich.“ Zur Untermalung klopfte ich gegen einen der hinteren Kotflügel, wodurch der Rost rieselnd zu Boden viel.

Fast zärtlich strich sie über die Motorhaube. „Wir sind zusammen alt geworden, großer Freund. Ich hab ja schon geahnt, dass es dir nicht mehr gut geht und doch hab ich gehofft, dass du zumindest solange durchhältst bis ich nicht mehr bin“, dann sah sie zu mir. „Läst sich denn da gar nichts mehr machen?“

Ich sah auf das alte Blech, das ihr offenbar soviel bedeutete. „Es läst sich immer was machen, aber ich fürchte, das wird genauso teuer wie ein gebrauchter.“
„Es liegt mir sehr viel an dem Wagen, mein Mann und ich haben ihn neu gekauft. Da stecken so viele Erinnerungen drin und einen neuen kann ich mir nicht leisten, nicht malst einen gebrauchten. Was mach ich nur? Hier draußen bin ich aufgeschmissen ohne Auto. Dann werde ich wohl ein paar Sachen verkaufen müssen“, sagte sie wehmütig.

„Ähm, Miss Stevens?“
Langsam drehte sie sich zu mir und sah mich an. „Ja?“
Ich zeigte auf ein Auto das in der hintersten Ecke der Scheune unter einer Plane stand. „Ich hoffe sie verzeihen mir, aber ich war neugierig was sie da verstecken. Wissen sie eigentlich was sie da haben?“
„Ein altes Auto aus den 60er. Mein Mann wollte es wieder Aufbauen, aber dazu ist er nicht mehr gekommen und die Kinder hatten kein Interesse daran. Wieso?“, fragte sie erstaunt.
„Nun, das ist ein 69er Plymouth Road Runner Hardtop Coupé 440 Six-Pack mit einer Air Grabber Hood, nach all den Jahren die er wohl schon da steht nicht mehr im besten Zustand, aber trotzdem ein sehr interessantes Auto. Was halten sie von einem kleinen Tausch?“
„Und was schwebt ihnen da vor?“
„Also ich dachte an folgendes, ich lasse den Pickup und den Road Runner abholen und zu mir nach Hause transportieren. Wir haben eine komplette Werkstatt zuhause und dann werde ich ihren Pickup komplett überholen, wenn ich fertig bin ist er besser als bei der Auslieferung. Dafür überlassen sie mir den Plymouth. Was sagen sie?“
„Und was machen sie mit dem Plymouth?“, fragte sie nach einigem zögern.
„Den bauen wir komplett auf und dann wird er ein Geschenk für ihre Enkeltochter“, antwortete ich grinsend.
„Da wird sich Sandy aber freuen. Gut, dann machen wir das so. Ich brauch ja in nächster Zeit kein Auto.“
Damit schien das Thema für sie erledigt. Nun, das Auto war zwar nicht für Sandy, auf sie wartete schon ein Neuwagen in unserer Garage, aber Gina würde sich bestimmt auch freuen.

„Wenn sie hier fertig sind kommen sie ins Haus, dann können wir unser Gespräch fortsetzen“, mit diesen Worten verließ sie die Scheune ohne auf meine Antwort zu warten.
Ich räumte noch schnell auf und folgte ihr ins Haus, dort holte ich meinen Laptop aus Sandys Zimmer und machte mich auf die Suche nach Grany. Ihrem Geruch folgend fand ich sie in dem Kaminzimmer, in dem wir schon letzte Nacht gesessen hatten. Ich klopfte leicht an die Tür und betrat den Raum. Grany saß mit einem Buch in ihrem Sessel und deutete, ohne aufzusehen, mit einer Hand auf den andren. Beiläufig legte sie ein altes Foto als Lesezeichen zwischen die vergilbten Seiten des Buchs und klappte es sanft zu, um es auf den Beistelltisch neben sich zu legen. Neugierig musterte sie mich über den Rand ihrer nach unten gerutschten Lesebrille. „Worüber möchten sie denn noch mit mir sprechen?“

„Über ihren Sohn, Sandys Vater. Was war er für ein Mensch?“, fragte ich in der Hoffnung mehr zu erfahren, ehe ich meine Informationen preisgab. Denn es würde sie bestimmt schockieren das er nicht tot war und ein schönes Leben in Afrika führte.
Bedächtig rückte sie ihre Brille zurecht und faltete dann die Hände vor der Brust. „Nico…Nicolai war immer ein sehr sprunghafter Mensch. Ihm war das Leben hier zu eng, er war nur glücklich wenn er von einem Ort zum nächsten reisen konnte. Auch was Frauen anging war er immer sehr sprunghaft. Länger als ein paar Monate hat er es mit keiner ausgehalten, darum war ich auch so verwundert als er Francesca damals aus Italien mitbrachte. Ich hätte nie gedacht, dass er mal heiraten würde, aber ich glaube das hat er auch nur getan, weil er sich wegen Sandy dazu verpflichtet fühlte. Francesca war ein nettes Mädchen, aber schon bei seinem nächsten Auslandsaufenthalt hatte er wieder eine Freundin und Francesca hat es gefühlt. Doch sie war sehr traditionell erzogen und hat so getan als würde sie nichts merken. Wenn er dann mal zu Hause war hat er auf heile Familie gemacht und sie hatte wieder Hoffnung, aber die hielt nur bis er wieder weg war. Ich glaube Gina war der verzweifelte Versuch ihn enger an sich zu binden, doch es wurde schlimmer. Er hielt es noch nicht mal mehr für nötig den Schein zu wahren und sie litt schweigend. Es tut weh wenn ich das als Mutter sagen muss, aber er war kein guter Ehemann und er hat sich kaum um die Mädchen gekümmert. Ja, er hat für genug Geld gesorgt, aber emotional waren sie ihm egal, er hatte keinerlei Vatergefühle. Ich hätte ihn an Francescas Stelle zur Hölle geschickt, aber so war sie nicht.

Ja und dann ist er, 98 bei einem Job in Irland, einfach verschwunden. Es war sehr seltsam, all seine Sachen waren noch da, aber er war weg. Ich weiß, dass Francesca alles getan hat um ihn zu finden, aber er es war so als wäre er verschluckt worden. Auch seine Firma hat ihn gesucht. Ich habe Gerüchte über fehlendes Geld und verschwundene Ersatzteile gehört, aber das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.“

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22. Vereinbarung und Geheimnisse Teil 3

Beitrag  Gast am Di 27 Jul 2010, 14:27

Ich nickte, das ganze deckte sich mit meinen Informationen, aber er war wohl mit den Jahren ruhiger geworden oder er hatte in seiner jetzigen Frau die große Liebe gefunden, wer weiß.
„Konnten sie ihn denn nicht finden? Sandy sagte, sie wären auch begabt“, fragte ich offen heraus.
„Bei weitem nicht so wie sie. Ich lese aus den Karten oder aus Kaffeesatz, aber mein Einblick ist beschränkt. Nehmen wir sie als Beispiel. Ich wusste, dass sie anders sind, aber ich dachte sie wären wie Sandy, einfach nur ein sehr begabter Mensch. Nie hätte ich gedacht, dass sie ein Vampir sind. Und was Nicolai angeht, er war für mich immer ein schwarzes Loch, seine Zukunft konnte ich einfach nie sehen.“
„Genauso wie die von Gina nehme ich an.“

Überrascht sah sie mich an. „Woher wissen sie das?“
„Ich habe geraten, aber Gina ist ihrem Vater in manchen Dingen sehr ähnlich“, versuchte ich vorsichtig das Gespräch in die von mir gewünschte Richtung zu lenken. Wie würde sie aufnehmen dass ihr Sohn noch lebte?
Erregt sah sie mich an und ihre Hände verkrampften sich so stark um die Armlehnen, das die Knöchel ihrer Finger weiß hervor traten. „Was meinen sie damit? Man, sprechen sie doch nicht in Rätseln. Was hat das ganze mit Nicolai zu tun? Und welche Rolle spielt Gina?“, fragte sie energisch.

„Sie erinnern sich das ich gesagt habe, das ich Gina nur sehr schlecht finden konnte“, sie nickte also fuhr ich fort. „Gina strahlt. Wie soll ich es sagen? Gina strahlt eine art Feld ab, das meine Gabe abblockt“, ihre Augen weiteten sich, doch sie sagte nichts. „Nur wenn sie schläft ist sie für mich sichtbar. So was hatte ich zuvor nur einmal erlebt. Nachdem Sandy mir erzählt hatte das ihr Vater verschwunden war, habe ich versucht ihn zu finden. Doch da war nichts und das ist sehr ungewöhnlich. Solange nämlich noch ein kleines Stück, wie etwa ein Knochen übrig ist, kann ich Menschen auch nach ihrem Tod finden. Doch wie gesagt, bei ihrem Sohn fand ich nichts. Ich habe es öfter versucht und eines Abends…“

Ein Aufschrei unterbrach mich. Grany blickte mich geschockt, überrascht, hoffend an? Es war eine Mischung von Emotionen, die nacheinander über ihr Gesicht zogen.
„Sagen sie nicht, sie haben ihn gefunden?“, sagte sie stockend, worauf ich leicht nickte. „Wie? Wo? Warum meldete er sich nicht? Wie geht es ihm? Was ist nur geschehen? Warum hat Sandy nichts gesagt?“

„Ja, ich habe ihn gefunden. Er lebt mit seiner neuen Frau und ihren drei Kindern in Kapstadt. Sandy hat nichts gesagt weil ich es ihr noch nicht gesagt habe. Ich wollte erst mit ihnen darüber reden, weil ich hoffe, dass sie mir sagen ob ich mit ihr darüber reden soll oder nicht. Außerdem vermute ich das sie ihn genauso wenig sehen kann wie Gina.“

Grany kämpfte mit ihren Gefühlen, sie wollte mir wohl keine Schwäche zeigen. Doch ihr beschleunigter Puls und das zitterten ihrer Hände verriet sie. Sie griff nach dem Wasserglas, das neben ihr stand. Die Flüssigkeit schwappte im Glas und erst als sie es mit beiden Händen faste konnte sie es gefahrlos zum Mund führen. Sie nahm einen langen tiefen Schluck und stellte es dann wieder auf den Tisch.
„Sind sie sich sicher das er es ist?“, fragte sie und ich war mir nicht sicher auf welche Antwort sie hoffte.
Ich nickte, nahm meinen Laptop auf meinen Schoss und schaltete ihn an. Nachdem ich die Datei des Privatdetektivs aufgerufen hatte, deutete ich auf den Beistelltisch. „Darf ich?“

Sie räumte das Buch und ihr Glas zur Seite, so dass genug Platz für den Computer war und ich ihn neben sie stellen konnte.
„Sie können mit den Pfeiltasten das Dokument rauf und runter scrollen.“ Ich deutete auf die Tasten, doch sie sah mich nur genervt an.
„Ich kenn mich mit PDF’s aus. Bin vielleicht alt, aber nicht blöd. Ich habe selber einen Computer und nutze auch das Internet“, sagte sie schnippisch.

Ich ersparte mir jeden Kommentar und setzte mich wieder. Aufmerksam lass sie das Dokument. In ihm stand, dass der wohlhabende britische Staatsbürger Ronald Smith 1999 wie aus dem nichts in Südafrika auftauschte und eine reiche Millionenerbin heiratete. In den nächsten Jahren bekam das Paar zwei Kinder, ein Jungen und ein Mädchen. Der Detektiv hatte tiefer gegraben und festgestellt, dass Ronald Smith ein Phantom war, das es vor 1999 gar nicht gab. Außerdem hatte er sich eine DNA-Probe von ihm beschafft und ein Vergleich mit Sandys DNA hatte mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,99967% ihn als Vater bestätigt. Das Ergebnis war eindeutig. Als die Bilder von ihm und seiner neuen Familie kamen stockte sie und fuhr mit den Fingern über den Bildschirm. „Warum hast du das nur gemacht? Du hättest dich scheiden lassen können. Weißt du eigentlich was du uns angetan hast?“, murmelte sie vor sich hin und schluchzte leise.

Sie brauchte lange bis sie sich wieder unter Kontrolle hatte, dann stand sie auf, zog ein Buch aus dem Regal und öffnete es. Ich musste grinsen, als ich den wahren Inhalt des Buchs sah. Es war ein Blender. Sie nahm eine Flasche besten Scotch Single Malt heraus und füllte ihr Glas bis zum Rand. Dann legte sie die Flasche wieder in das Buch, stellte es ins Regal und setzte sich wieder in den Sessel.
„Ich gehe davon aus das sie so was nicht mehr trinken“, sagte sie trocken und leerte das Glas, ohne mit der Wimper zu zucken, in einem Zug. Demonstrativ stellte sie das Glas wider ab und sah mich an.

„Sie haben es Sandy noch nicht gesagt?“, fragte sie.
„Nein, wir haben nur kurz über ihn geredet und ich weiß nicht wie sie darauf reagieren wird, darum wollte ich erst mit ihnen darüber sprechen.“
Ihr Gesicht war unergründlich, sie wäre eine gute Pokerspielerin, doch dann lächelte sie sanft.
„Sandy wird sich zwar aufregen aber sie wird ihnen nicht böse sein und ich glaube nicht, dass sie ihn wieder sehen möchte. Sie ist stark. Sie kann es verkraften, außerdem hab ich ihr nie verschwiegen wie ihr Vater war. Sie hätte mir auch keine Lüge geglaubt. Aber Gina. Ihr sollten wir es nicht sagen. Zumindest jetzt noch nicht. Wenn es ihr besser geht und sie es verkraften kann, werde ich es ihr sagen.“ Ihr Blick duldete keinen Widerspruch, aber das würde ich im Bezug auf Gina auch gar nicht wollen. Sie hatte vollkommen recht, Gina war nicht in der Verfassung für eine solche Nachricht.
„Wie sie es Gina sagen überlasse ich gerne ihnen, aber was Sandy angeht, wäre ich froh wenn sie mit dabei wären“, es würde es mir leichter machen und vielleicht hätte sie Fragen die ich nicht, sie aber sehr wohl beantworten könnte.
„Wenn das ihr Wunsch ist, meinetwegen“, antwortete sie. „Sind wir jetzt durch oder gibt es sonst noch irgendwelche guten Nachrichten?“

Eigentlich waren wir durch, doch es gab noch etwas das ich gerne wissen wollte. Eine Frage die mich schon länger beschäftigte und ich war mir sicher, dass sie die Antwort kannte.
„Eine Frage hab ich noch“, sie nickte resigniert. „Sie sind begabt, Sandy ist begabt, ihr Sohn und Gina auch. Wie kommt das? Liegt es in ihrer Abstammung?“

Sie sah mich überrascht an, so als hätte sie mit dieser Frage zu aller letzt gerechnet. Doch dann grinste sie leicht.
„Sie waren sehr ehrlich zu mir und haben mir Dinge erzählt, die sie mir nicht hätten verraten brauchen, darum will ich ihnen die Frage so ehrlich wie möglich beantworten.

Ich kann meine Blutlinie Mütterlicherseits bis zu jenen Tagen als der Heil… das mit dem Heiligen lasse ich wohl besser“, lachte sie und ich stimmte mit ein. „Bis zu jenen Tagen bevor Volturi die Strigoi aus unseren Wäldern vertrieben hatten, zurückverfolgen. Die Frauen in meiner Blutlinie waren schon immer begabte Heilerinnen und manche verstanden sich auf die weißen Künste. Doch als die Zeit des Christentums kam wurden sie zuerst als rückständiges Überbleibsel aus alten Zeiten verunglimpft und später sogar verfolgt. Als es dann zu gefährlich wurde schloss sich eine von ihnen dem fahrenden Volk an. Bei ihnen war sie sicher und dort fand sie als weise Frau eine neue Aufgabe. Unter ihnen überlebten wir die Jahrhunderte. Die Frauen meiner Linie waren zwar immer verheiratet, aber für sie gab es eine Ausnahme zu den sonst strengen Sitten des Volks. Trafen sie auf einem Mann, in dessen Adern die besondere Kraft oder wie ihr es nennt der eine Gabe hatte, so durften sie ihn verführen und um ein Kind zu empfangen. Diese sollte unserem Blut die Kraft erhalten. Es gab einige solcher Fälle, doch einer meiner bekanntesten Vorfahren ist wohl Judah Löw aus Prag. Als sein Samen sich in uns Fortpflanzte wurde unsere Macht sehr gestärkt, er war wie ein Elixier. Ein Jungbrunnen.
Nur mit Mühe überlebten wir die dunklen Jahre der Hexenverfolgung und nur, weil meine Eltern schon 1930 nach Amerika gekommen sind, den Wahnsinn der Nazis. Ich dachte mit mir würde die Tradition aussterben, da meine Tochter so überhaupt keine Anzeichen für irgendein Talent erkennen ließ und auch keinerlei Interesse, für die Traditionen unserer Blutlinie zeigte.
Doch dann brachte Nico Francesca mit nach Amerika, zuerst hab ich es nicht gesehen, da sie ja in der Stadt lebten, aber als sie nach seinem verschwinden zu mir zog, war alles klar. Sie war die Antwort auf meine Gebete. Auch in ihren Adern floss die Macht, war das Blut stark. Auch wenn in ihrer Familie traditionell die Männer die Träger der Gabe sind, oder vielleicht haben sie die Frauen einfach auch nicht gefördert, steckte doch soviel in ihr. Die Männer in ihrer Familie waren früher Wolfsspieler, die Wölfe folgten ihrem Spiel ohne sie anzugreifen und konnten so von den Herden ferngehalten werden. Später als die Kirche sie deswegen als Hexer verfolgte, haben sie nur noch unter dem Siegel der Verschwiegenheit Tieren den Wolfssegen erteilt. Sie waren wohl gut in dem was sie taten, sonst hätten sie die Jahrhunderte nicht überlebt, denn auch das betrachtete die Kirche als Hexerei.
Sie sehen Sandy und Gina entstammen zweier alter Blutlinien, daher hat es mich auch nicht gewundert, das Sandy ein so ausgeprägtes Talent entwickelt hat. Nun das Gina keins hat ist nicht schlimm, meine Liebe ist nicht davon abhängig, aber sie sagen mir jetzt, das sie auch begabt ist, nur weil sie sie nicht so leicht finden können. Erklären sie es mir.“

Ihre Geschichte war sehr aufschlussreich. Ich hatte schon immer vermutet, dass der Schlüssel zu unseren Gaben in den Genen liegt. Wie sonst läst sich erklären das nur so wenige von uns Gaben hatten, aber eins erklärte es trotzdem nicht, warum alle die ich verwandelt hatte begabt waren? Nun vielleicht war es auch nur Zufall.

Ich konzentrierte mich wieder auf Grany. „Nun Gina hat das seltene Talent einigen unserer Gaben widerstehen zu können. Einer von uns der dabei war kann die Gefühle von Menschen und Vampiren beeinflussen und auch ihm hat sie widerstanden, dann kann Sandy sie nicht sehen und auch einer anderen Wahrsagerin bleibt sie verborgen. Dies alles spricht für eine starke Gabe. Sie sollten sie mit den Legenden ihre Volks vertraut machen, wer weiß wofür es mal gut ist.“

Sie sah mich nachdenklich an und schürzte die Lippen. „Besteht für sie die gleiche Gefahr wie für Sandy?“

Gute Frage, ich wusste es nicht. Gina war begabt, aber bei weitem nicht so auffällig wie Sandy. Bestand nun Gefahr oder nicht?
„Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht. Wenn es bekannt würde ja, aber ihre Gabe liegt ja im Verborgenen und ist nicht so auffällig, wie die von Sandy. Von daher halt ich es für unwahrscheinlich dass sie auffällt. Aber die Möglichkeit läst sich nicht ganz ausschließen.“

„Damit müssen wir dann wohl leben…“

In dem Moment hörte ich ein Auto schnell, viel zu schnell von der Straße auf den Weg abbiegen. Was sollte das? Ich verlagerte meine Sicht und sah wie Sandy über die Schlaglochpiste flog. So kannte ich sie gar nicht, aber dann entdeckte ich den Grund.

Ein tiefes Knurren entwich meinem Mund und ließ Grany vor Angst erstarren. Das hatte ich zwar nicht beabsichtigt, aber für Erklärungen war jetzt keine Zeit. Ohne weiter auf sie zu achten sprang ich auf und rannte los.

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22. Vereinbarung und Geheimnisse Teil 4

Beitrag  Gast am Di 27 Jul 2010, 14:28

Sandy hatte genug Vorsprung, der Typ der sie verfolgte würde sie nicht einholen, darum wartete ich auf der Veranda. Sie bremste scharf und brachte den Wagen keine fünf Meter von mir entfernt zum stehen, sofort flog die Beifahrertür auf und eine verängstigte Gina sprang aus dem Wagen. Was war denn jetzt schon wieder vorgefallen, konnte man sie noch nicht einmal hier alleine lassen?

Gehetzt sah sie in Richtung des Weges und wäre beinnahe in mich hinein gelaufen.
„Hey junge Dame, renn mich nicht über den Haufen“, sagte ich gespielt ahnungslos.
Ihr Kopf drehte sich ruckartig zu mir und ihr Gesicht entspannte sich etwas.
„Oh, Bruce!“, schrie sie auf und klammerte sich an mich.
Ich streichelte kurz ihren Kopf. „Was ist denn los?“
„Ein Freund von Kain. Er wurde aufdringlich und als wir dann gefahren sind, ist er uns gefolgt. Ich weiß nicht was er will“, antwortete Sandy die mittlerweile bei uns war.
‚Was ist geschehen?’, fragte ich in Sandys Kopf.
‚Wir waren noch im Diner, da kam er an unseren Tisch und wollte wissen warum Kain im Krankenhaus ist. Gina wusste es nicht, da hat er sie übel beschimpft und ihr gedroht. Darauf hin hat der Besitzer ihn raus geworfen. Draußen saß er dann in seinem Auto und ist uns gefolgt. Ich glaube der sucht Ärger.’, antwortete sie.
‚Den kann er haben.’
„Sandy geh doch mit Gina ins Haus. Ich werde mich mal mit ihm unterhalten“, sagte ich sanft.
Gina sah zu mir auf. „Sei aber vorsichtig, das ist ein ganz übler Kerl.“
Ich verstrubbelte kurz ihr Haar und lachte leise. „Ich weiß wie man mit solchen Menschen umgeht, mach dir keine Sorgen.“
„Ja, Gina lass uns mal nach Grany sehen“, sagte Sandy und schob sie in Richtung Eingang. Im vorbeigehen flüsterte sie noch. „Nur einschüchtern. Ja!“ und sah mich streng am.
„Ja, Ma’am“, antwortete ich und küsste ihre Stirn.

Sie waren gerade im Haus verschwunden, als ein Pickup mit aufgeblendetem Fernlicht auf den Hof fuhr. Der Kies spritzte als er in die Eisen stieg und schlitternd zum stehen kam. Das Licht ging aus und ein fast zwei Meter großer muskulöser Glatzkopf Mitte zwanzig sprang aus dem Wagen. Breitbeinig kam er auf mich zu stolziert. Man der hatte eindeutig zuviel Testosteron gespritzt und wusste wohl vor lauter Kraft nicht wohin mit sich.

„Wo ist die Schlampe? Ich will jetzt wissen was geschehen ist“, schrie er als er noch fünf Meter von mir entfernt war.
Ich ging ihm ruhig entgegen und versperrte ihm den Weg. „Du hast dich wohl in der Adresse vertan. Hier bist du jedenfalls am falschen Ort.“
Seine Hand schnellte vor, im Versuch mich weg zu schuppsen, doch ich gab keinen Millimeter nach.
Seine Hand lag jetzt bedrohlich auf meiner Schulter und ich hatte nicht übel Lust sie von seinem Arm zu reißen, aber ich wollte ihn ja nur einschüchtern und nicht verstümmeln.

Böse sah er mich von oben herab an. Als Mensch hätte er mich damit durchaus einschüchtern können, aber ich war ja keiner. „Geh mir aus dem weg Kleiner oder…“

Weiter kam er nicht. In einer für einen Menschen schnellen Drehung brachte ich meinen linken Arm über seinen rechten und drückte ihn nach unten. Dadurch löste sich seine Hand von meiner Schulter. Sofort griff ich mit meiner linken Hand seinen rechten Daumen und überdehnte ihn nach hinten. Wie erwartet sackte sein Körper, um dem Schmerz zu verringern, in die Knie. Darauf hatte ich nur gewartet, meine rechte Hand schnellte vor und umspannte seine Kehle.

Ich fühlte sein Blut unter meinem Daumen und Zeigefinger pulsieren. Meine Kehle brannte und Gift sammelte sich in meinem Mund, doch ich ignorierte den Durst und schluckte das Gift runter. Ich erhöhte ganz leicht den Druck und unterbrach damit den Blutfluss in seinen Halsschlagadern. Den Blutfluss zu unterbrechen war soviel effektiver, als die Luftröhre zu quetschen, da der Körper sofort den Sauerstoffmangel im Gehirn zu spürte.

Wie recht ich hatte merkte ich augenblicklich in seinen verzweifelten Versuch, mit seiner freien Hand meinen Würgegriff zu lösen, doch dazu fehlte ihm einfach die Kraft. Eisern hielt ich ihn in meinem Griff und lockerte ihn erst nach zwanzig Sekunden, als sein Körper mit leichtem schwanken eine baldige Ohnmacht ankündigte.

„Habe ich jetzt deine Aufmerksamkeit?“, fragte ich trocken.
„Du Arsch we…“

Offensichtlich war er noch nicht soweit und so drückte ich wieder zu.
Als ich erneut den Griff lockerte krächzte er sofort los. „Ist ja gut. Ich hab verstanden. Bitte.“

Was doch so ein wenig Sauerstoffmangel alles ausrichten kann. Überheblich lächelte ich ihn an.
„Da du ja jetzt bereit bist mich anzuhören solltest du deine Lauscher ganz weit auf machen, denn ich warne dich nur einmal“, sagte ich gönnerhaft. „Du bist hier nicht erwünscht. Solltest du Gina oder Sandy auch nur schief ansehen werde ich dich ganz langsam töten.“ Seine Augen weiteten sich im Schock, als er versuchte in meinen Augen zu lesen und darin sah, dass es mir ernst war. „Das gleiche gilt auch für deinen Kumpel Kain und deine sonstigen Freunde. Ich bin es so was von satt, mich mit solchem Gesindel wie euch rum zuschlagen. Sollte ich einen von euch in ihrer Nähe erwischen oder ihr belästigt sie, dann werde ich nicht so nachsichtig sein wie jetzt. Hast du mich verstanden?“
„Ja“, presste er zwischen seinen Zähnen hervor.
Ich drückte noch einmal kurz zu. „Was hast du gesagt?“
„Ja, ich hab verstanden“, sagte er laut, sobald ich den Griff löste.

Ein leichter Stoß reichte aus und er lag vor mir auf dem Boden. „Sie zu das du verschwindest und lass dich hier nie wieder Blicken.“
Abwehrend hob er beide Hände und krabbelte rückwärts von mir weg. Weil es mir zu langsam ging, machte ich einen ruckartigen Schritt auf ihn zu. Was ihn panisch schneller Krabbeln ließ. Er drehte sich blitzschnell auf alle viere, rappelte sich auf und sprang in sein Auto. Ich hätte echt nicht gedacht dass man mit dem Auto, als Mensch, so schnell über die Schlaglochpiste rasen konnte, aber er belehrte mich eines besseren.

Ein leises Lachen konnte ich mir bei dem Anblick nicht verkneifen. Ja ich war ein schlimmer Bube und hatte meinen Spaß, wenn ich Arschlöscher so richtig Angst einjagen konnte. Was soll’s.

Als ich das Haus betrat waren alle in der Küche und sahen mich fragend an, als ich sie betrat. Sandy hatte ihre Arme um Gina gelegt und Grany sah mich etwas ängstlich an, der Schreck über meinen plötzlichen Ausbruch saß ihr wohl noch in den Knochen.
„Er hat sich wohl im Haus geirrt“, versuchte ich zu scherzen.
„Ja sicher“, antwortete Grany trocken. „Hat er ihre Nachricht verstanden oder kommt er mit seinen Freunden wieder?“
Meine Mundwinkel zuckten kurz zu einem Grinsen hoch. „Ich glaube er hat mich sehr gut verstanden, aber wer weiß?“
„Geht das jetzt immer so weiter? Ich will doch nur meine Ruhe“, quakte Gina.
Sandy streichelte ihren Rücken. „Ach Kleines, ich glaub nicht dass er wieder kommt. Bruce kann sehr überzeugend sein.“ Bei den letzten Worten sah sie zu mir und schenkte mir ein zauberhaftes Lächeln.

„Wir werden auch nicht mehr lange hier sein“, sagte Grany an Gina gerichtet.
„Wieso?“, fragte sie überrascht.
„Wir haben uns unterhalten“, antwortete Grany und sah kurz zu mir. „Du benötigst Hilfe, um die Erinnerungen der letzten Wochen zu verarbeiten.“ Gina schluckte schwer, nickte dann aber. „Es gibt da eine Klinik und wenn du einverstanden bist kannst du nächstes Wochenende mit deiner Therapie anfangen.“
Gina sah fragend zu Sandy, so als suchte sie ihre Zustimmung.
„Es ist das Beste, wir kommen dich auch besuchen“, versuchte Sandy ihr Mut zu machen.
„Und ich komme mit und bin immer ganz nah bei dir“, bestärkte Grany sie.
„Ist das die Klinik am Atlantik die du erwähnt hast?“, fragte Gina Sandy.
„Ja, es wird dir da gefallen“, antwortete ich.
„Kommst du mich denn auch besuchen?“, fragte Gina mich.
Was sollte ich nur antworten? Ich sah kurz zu Grany, die zu meiner Erleichterung und Überraschung leicht nickte. „Ja, ich komme dich auch besuchen. Wenn es sich einrichten läst kommen wir an den Wochenenden.“
„Also gut, dann werde ich das wohl machen“, sagte sie und mir viel ein dicker Stein von meinem toten Herz.

„Wir sind dann noch eine Woche hier. Was ist wenn er nicht auf Bruce hört oder ein anderer von Kains Freunden hier auftaucht? Ich will sie nicht sehen. Könnt ihr denn nicht noch so lange hier bleiben?“, flehte Gina und sah mit herzerweichendem Blick von einem zum anderen.
„Aber sie müssen doch wieder zur Uni“, sagte Grany, worauf Gina wie ein kleines Kind eine Schnute zog.
„Auf eine Woche mehr oder weniger kommt es jetzt auch nicht mehr an“, sagte Sandy und schob so den schwarzen Peter wieder zu Grany.
Grany atmete tief durch. „Wenn du meinst. Es wäre bestimmt sicherer einen Mann im Haus zu haben“, sagte sie mit wenig Begeisterung.

„Ihr Bleibt also?“, fragte Gina vorsichtig zu mir.
„Es wäre bestimmt sicherer“, sagte ich.
„Das heißt?“, hackte Gina nach.
„Ist ja gut. Wir bleiben“, antwortete ich schulterzuckend.
„Das ist ja toll“, kreischte Gina, sprang auf und fiel mir um den Hals.
„Ist schon gut, Kleines. Ist schon gut“, brachte ich gerührt raus.

Ich würde wohl ein paar Gespräche führen müssen. Sandy und ich brauchten ein Attest um unsere Abwesendheit zu entschuldigen. Aber wofür kannte ich einen Arzt? Die Autos mussten abgeholt und unsere Rückfahrt organisiert werden. Alles kein Problem, solange die beiden Mädchen glücklich waren.

Doch Grany beunruhigte mich etwas. Wie würde sie wohl eine Woche mit mir im Haus aushalten? Nun wir würden sehen.

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23. Das sollten wir öfter machen Teil 1

Beitrag  Gast am Sa 04 Sep 2010, 20:21

In diesem Ineinanderaufgehen zweier Menschen liegt ein besonderer Reiz und eine nicht zu schildernde Größe der gegenseitigen Liebe.

Alexandr Iwanowitsch Jakowlew (1812 - 1870), russischer revolutionärer Schriftsteller

23. Das sollten wir öfter machen

Vorsichtig drückte ich den Nagel durch das Holz, anstatt eines Hammers nutzte ich einfach meinem Daumen, weil ich so den Druck besser kontrollieren konnte.
In den letzten Tagen war ich zum Heimwerker mutiert und hatte mich um die gröbsten Schäden in Granys Haus gekümmert. Was diese mit steigender Belustigung betrachtete. Im Moment ersetzte ich einige brüchige Bodenbretter in einem der Zimmer im ersten Stock. Die Damen des Hauses waren alle in der Küche und bereiteten ein großes Abschiedsessen vor. Morgen würden wir alle aufbrechen, Gina und Grany zur Therapie und wir zurück zur Uni.
Mir graute es schon vor dem heutigen Abend, denn diesmal konnte ich mich nicht davor drücken am Tisch zu sitzen und mit zu essen. Gina war viel zu aufmerksam und hatte sich schon beschwert, dass ich immer auswärts essen würde.

Die letzte Woche war… Nun wie war sie eigentlich? Grany hatte sich ein wenig an meine Anwesenheit gewöhnt, aber auch nicht mehr. Immer wenn sie glaubte, ich würde es nicht bemerken, warf sie mir diese zweifelnden, oft auch ängstlichen Blicke zu. Doch gab es Momente wo sie sogar über meine Anwesendheit froh war. Einer davon war am Dienstag gewesen, als plötzlich der Sheriff und zwei Ermittler aus Chicago auf dem Hof aufgetaucht waren. Sie wollten von Gina wissen was geschehen war. Gina hielt sich genau an die vereinbarte Legende, doch die Männer waren skeptisch und hakten immer weiter nach. Auch meinen freundlichen Hinweis, dass doch alles gesagt wäre, verstanden sie nicht. Schließlich hatten sie, als Grany und ich ärgerlich wurden, und sie auf Ginas labile Verfassung aufmerksam machten doch nachgegeben und waren gefahren.
Gina war ein ganz eigenes Thema. Sie versuchte tapfer zu sein, doch mich konnte sie nicht täuschen. Bei jeder hektischen Bewegung oder einem unerwarteten Geräusch zuckte sie zusammen und schlafen konnte sie nur wenn einer von uns bei ihr war. Nun, meist schlief sie zusammen mit Sandy in einem Bett, die zwei ließen sich sowieso nicht einen Augenblick aus den Augen.
Darum hatte sich bis jetzt auch noch keine Gelegenheit ergeben mit Sandy alleine zu sprechen, dabei würde ich ihr so gerne von ihrem Vater erzählen.

Das Geräusch eines Autos, das von der Strasse auf den Schotterweg abbog, ließ mich aufhorchen, sofort verschob ich meine Sicht um zu überprüfen wer es war.

Auch wenn wir seit dem Vorfall nichts mehr von Kain`s Freund gehört hatten, war ich mir nicht ganz sicher, ob er meine Warnung nicht doch missachten würde. Doch es war nur ein junges Mädchen in Ginas Alter, das sich in einem alten Kombi dem Haus näherte. Ich stufte sie als harmlos ein, sicher nur eine Freundin von Gina oder Sandy. Nichts um das ich mir Sorgen machen musste.

Es klopfte laut an der Eingangstür. Ich hörte Sandy sagen das sie nachsehen würde und wie sie dann die Tür öffnete.
„Cathy, schön dich zu sehen“, begrüßte Sandy die mir Unbekannte.
„Hallo Sandy“, grüßte sie zurück. „Ist Gina da?“
Es war für einen Augenblick still. „Sie ist da aber…Du hast sicher schon gehört dass sie verschwunden war.“
„Wer hat das nicht und das Kain im Krankenhaus liegt“, sagte Cathy leise.
„Ja. Gina geht es nicht so gut. Wenn du mir versprichst sie nicht aufzuregen, dann frag ich ob sie mit dir sprechen will“, sagte Sandy streng.
„Sandy du weißt das sie meine beste Freundin ist. Ich will genauso wie du das es ihr gut geht“, antwortete Cathy.
„Also gut. Komm rein und warte hier.“
Ich hörte wie Sandy in die Küche ging.
„Wer war es?“, fragte Grany.
„Cathy“, antwortete Sandy, worauf Gina einen spitzen Schrei ausstieß und aus der Küche rannte.
Dann hörte ich sie im Flur laut „Cathy“ schreien, gefolgt von einem ebenso lautem „Gina“.
Frauen dachte ich noch und widmete mich wieder meiner Arbeit.

Schnatternd kamen beide die Treppe rauf und ich hörte Gina fragen ob Cathy zum Essen bleiben würde. Als diese das bejahte sah ich auf die Uhr und stellte fest, dass es bis dahin noch über drei Stunden waren. Vielleicht war das ja die Gelegenheit endlich mit Sandy zu sprechen? Laute Musik aus Ginas Zimmer wischte den letzten Zweifel weg, sie war für die nächsten Stunden beschäftigt.

Ich räumte ein wenig auf und ging dann runter in die Küche. Grany stellte gerade einen Bräter ins Rohr und wischte sich dann die Hände an einem Tuch ab, während Sandy am Tisch saß, die Beine ausstreckte und eine Cola trank. Ich blieb für einen Moment im Türrahmen stehen und betrachtete sie. Sie sah so zufrieden aus. Als sie mich sah legte sich ein breites Lächeln auf ihr Gesicht und sie streckte ihre Arme nach mir aus. Nur zu gern nahm ich ihre Einladung an, ging in Vampirgeschwindigkeit zu ihr und zog sie zu mir hoch. Sie streckte sich leicht und drückte ihre warmen Lippen auf meine. Wie ich doch diesen bittersüßen leichten Schmerz zu lieben gelernt hatte. Der leichte Durst und die Erregung den ihre Küsse immer wieder bei mir auslösten, die Wärme ihres weichen Körpers wenn ihre wunderschönen Brüste sich an mich schmiegten, ihr einmaliger Duft. Sie ließ mich alles andere Vergessen. Meine kleine Sandy.

Ein lautes räuspern brachte uns in die Wirklichkeit zurück. Grany sah mich mit leichter Verärgerung an. „Übertreibt es nicht. Ich will gar nicht wissen was ihr macht wenn ich nicht dabei bin, aber in meiner Küche unterlast ihr das“, maßregelte sie uns, wobei ihre Stimme nicht ganz den Ernst ihrer Worte widerspiegelte. Machte sie jetzt einen Scherz oder war es ihr Ernst? Ich wusste es nicht, aber vorsichtshalber löste ich mich ein wenig aus Sandys Umarmung.
„Ach Grany, gewöhn dich daran“, sagte Sandy weich und drückte sich wieder an mich. Was bei Grany ein Schnauben auslöste.
Sie wandte ihren Blick von uns ab, doch als sie den Laptop, den ich mitgebracht und vor unserer Umarmung auf den Tisch gestellte hatte, sah drehte sie sich wieder zu uns um.
„Meinen sie jetzt ist der richtige Zeitpunkt?“, fragte sie mich, worauf ich nickte.
Sandy erst mich dann Grany fragend an. „Worüber redet ihr? Habt ihr etwa Geheimnisse?“
„Ja, aber wir möchten mit dir darüber reden“, antwortete ich leise und schuldbewusst. Ich hatte es schon zulange vor mir her geschoben, sie musste es wissen. Ich deutete auf den Stuhl auf dem sie gesessen hatte. „Setz dich bitte.“
Erwartungsvoll nahm sie Platz und ich setzte mich neben sie. Wie von selbst suchte ihre Hand meine und umklammerte sie.
Grany nahm noch eine Tasse aus dem Schrank, fühlte sie mit Kaffee und kam dann zu uns.

„Ich fang am besten an“, sagte Grany in meine Richtung und ich nickte. Sandy wurde immer unruhiger und ihr Griff fester.
„Sandy“, fing Grany mit zitternder Stimme an. „Ich hab dir nie viel von deinem Vater erzählt und du hast auch nicht viele Fragen gestellt.“
Sandy zitterte leicht. „Weil ich dachte es wäre für dich zu schmerzhaft“, fuhr sie auf. „Aber was soll das jetzt?“
„Beruhige dich bitte“, Grany griff nach ihrer freien Hand und zog sie zu sich. „Du hast recht die Erinnerungen waren schmerzhaft, aber nicht nur weil er verschwunden ist. Nein, Sandy. Ich wollte nicht daran denken wie er sich euch, deiner Mutter und euch Mädchen, gegenüber verhalten hat.“
„Was willst du damit sagen?“
„Sandy, dein Vater war nicht wie du ihn dir immer vorgestellt hast“, Grany sah nach unten und holte tief Luft. „Mein Sohn, euer Vater, war ein schlechter Ehemann und auch kein guter Vater ….“ Sie erzählte Sandy wie rastlos ihr Vater in seiner Jugend war, das er es bei keiner Frau lange ausgehalten hatte und wie überrascht sie war als er mit einer Ehefrau aus Italien zurück kam. Wie sie gehofft hatte er würde sich mit Familie ändern und wie diese Hoffnung sich als frommer Wunsch erwies. Das er zuletzt sich nicht Mals mehr die Mühe machte seine Affären zu tarnen und das ihre Mutter alles schweigend ertragen hatte.
Sandy hatte schweigend und mit eiserner Mine zugehört. Doch vor mir konnte sie ihre steigende Unruhe nicht verbergen, ihre zitternden Hände und ihr beschleunigter Puls hatten sie verraten.

Als Grany endete saßen wir einfach nur schweigend da und warteten das Sandy etwas sagte. Schließlich schnaufte sie durch und sah Grany eindringlich an.
„Das hättest du mir schon längst sagen können. Ich bin kein Kind mehr. Warum jetzt?“, fragte sie aufgewühlt. „Und warum erzählst du mir dass wo Bruce dabei ist?“ Als Grany beschämt den Kopf senkte drehte sich Sandy zu mir. Ich weiß nicht ob mir das schlechte Gewissen sosehr ins Gesicht geschrieben stand, doch plötzlich sah sie mich streng an.
„Bruce? Warum schaust du so schuldbewusst?“, fragte sie streng, man das hatte sie mittlerweile zur Perfektion gemeistert. Ich versuchte mich zu sammeln, doch das ging ihr wohl zu langsam. Ihre Stimme wurde lauter und leicht schrill. „Was verschweigt ihr mir? Warum dieses Theater?“

„Ich habe deinen Vater gefunden“, sagte ich kleinlaut und fuhr den Computer hoch.
Sandys Augen weiteten sich und sie sah mich eine ganze Zeit wortlos an. Das Piepen des Computers holte sie in die Gegenwart zurück, sie legte ihren Kopf leicht schief. „Was soll das heißen?“, und dann sah sie zu Grany. „Und du weißt es natürlich schon.“ Grany nickte und Sandy drehte sich wieder zu mir. „Wie lange? Wie lange verschweigst du mir das schon?“, fragte sie scharf.

„Gefunden hab ich ihn kurz vor unserem Ausflug nach Boston“, sagte ich leise, worauf Sandy mit den Zähnen knirschte. „Aber ich war mir nicht sicher. Es ist wie bei Gina, ich kann ihn nur sehen wenn er schläft, was mich etwas verunsichert hat. Darum hab ich einen Privatdetektiv auf ihn angesetzt. Das Ergebnis hab ich seit ich wieder zurück bin, aber ließ einfach selber.“

Sandy warf mir einen vernichtenden Blick zu, zog aber dann den Computer zu sich und lass schweigend den Bericht des Detektivs. Mit jeder Zeile wurde ihre Miene eisiger.
„Und dafür hat Mum ihr ganzes Geld ausgegeben? Sie stirbt hier unter Schmerzen und er macht sich ein schönes Leben in Afrika“, murmelte sie kaum hörbar und las weiter.
Als sie fertig war klappte sie den Computer zu, sah mich frostig an und stand auf. „Das hättest du mir sagen müssen“, sagte sie scharf und verließ ohne meine Antwort abzuwarten den Raum und ging in ihr Zimmer.

Unschlüssig sah ich ihr hinterher, was sollte ich nur machen? Ich hatte es doch nur gut gemeint.
Plötzlich und unerwartet fühlte ich eine Hand auf meiner Schulter.
„Lassen sie ihr einen Augenblick, dann wird sie sich wieder beruhigen“, sagte Grany ungewohnt freundlich und als ich aufsah lächelte sie mich schwach an.
„Am besten ich kümmere mich wieder um die Bodenbretter“, sagte ich hilflos und begab mich in den ersten Stock.

Mechanisch ersetzte ich ein Brett nach dem anderen, mein Blick immer auf ihre Tür gerichtet, fraßen mich die Selbstvorwürfe innerlich auf. Nach einer Stunde hielt ich es nicht mehr aus. Als ich klopfte reagierte sie nicht und einfach so reingehen wollte ich auch nicht, darum klopfte ich noch mal.
„Lass mich in Ruhe. Ich will jetzt nicht mit dir reden“, sagte sie so leise dass nur ich es hören konnte. „Und bleib mir mit deiner Gabe vom Leib, du weißt das ich dich spüren kann.“

Resigniert zog ich mich zurück und widmete mich wieder meiner Arbeit. Sie hatte ja recht. Aber was sollte ich denn machen? Ich hatte es doch nur gut gemeint. Konnte sie das denn nicht verstehen? Konnte sie nicht verstehen dass ich gerade jetzt bei ihr sein wollte? Manchmal verstand ich sie einfach nicht.

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23. Das sollten wir öfter machen Teil 2

Beitrag  Gast am Sa 04 Sep 2010, 20:24

Massen von Menschen schoben sich durchs Terminal 1 des Boston Logan International Airport Flughafen. All diese vielen Gerüche und die vielen schlagenden Herzen machten es mir schwer mich zu Konzentrieren. Auch nach all den Jahren waren solche Menschenansammlungen kaum zu ertragen. Ich fragte mich, wie es wohl einem Vampir erging der sich von Menschen ernährte, wie konnten sie nur fliegen ohne ein Massaker an zu richten? Grany und ich warteten mit dem Gepäck, während die Mädels sich in einem Laden mit den neuesten Zeitschriften eindeckten.
Sandy hatte seit gestern nur das nötigste mit mir geredet und mir ansonsten die kalte Schulter gezeigt. Vor allem beim Abendessen hatte sie mich gequält. Ich hatte mich ja schon darauf eingestellt einen Teller menschliche Nahrung zu essen, aber sie hatte mir ungefragt zweimal nachgelegt und dabei ganz scheinheilig getan. Ganz gemein war, dass sie mir auch noch ein zweites Stück Apfelkuchen mit Vanillesoße, mit dem Hinweis dass Gina ihn gebacken hatte, aufgelegt hatte. Gina sah mich dabei so herzerweichend an, dass ich gar nicht anders konnte, als es zu essen und danach auch noch zu loben. Nun das alles für mich ganz schrecklich geschmeckte, konnte ich ihr ja kaum sagen und erst recht nicht welche Mühe es gemacht hatte, das ganze wieder los zu werden.

Mir wurde dieser Ort zu blöd und ich wollte hier nur noch weg.
„Warten sie hier“, sagte ich zu Grany. „Ich besorgt uns schon mal einen Mietwagen.“
Sie nickte abwesend, aber ich beschloss, dass sie mich verstanden hatte und ging zur nächsten Autovermietung. Einen Q7 konnten sie mir nicht vermieten, also nahm ich einen Porsche Cayenne, war eh fast das gleiche Auto. Als ich den Papierkram erledigt hatte und den Schlüssel in meiner Hand hielt, ging ich zurück zu Grany und - oh Wunder - die Mädels waren auch mit ihren Einkäufen fertig.
Sandy würdigte mich keines Blickes, was mich langsam aufregte. Wie lange wollte sie noch schmollen? Das war doch wirklich albern! Meine Laune näherte sich der eisigen Außentemperatur.
„Können wir dann?“, brummte ich vor mich hin.
„Ich denke schon“, antwortete Grany und so ging ich, den vollgeladenen Wagen mit dem Gepäck vor mir her schiebend, zum Parkhaus wo der Mietwagen auf uns wartete.

Gut das ich einen SUV genommen hatte, bei all dem Gepäck was wir hatten war der Kofferraum gerade groß genug. Der Verkehr in Boston war wie immer mörderisch, selbst auf den vier Spuren des Freeways regierte das übliche Chaos. Es wurde etwas angenehmer als wir die Stadt hinter uns gelassen hatten und entlang der Küste nach Süden fuhren. Im Auto herrschte eine eigenartige Stimmung, jeder war mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt und so wurde auf der Fahrt nach Plymouth nur das notwendigste gesprochen. Mit jeder Minute die verstrich ging es mir immer schlechter. Ich wollte nicht das sie böse auf mich ist war und konnte es nicht ertragen, wie sie mich links liegen ließ. Das ich wegen Grany schleichen musste, sie hatte sich auf der Fahrt nach Chicago laut genug über meinen Fahrstil beschwert, machte es auch nicht leichter. Ich war froh, als wir nach fast drei Stunden fahrt unser Ziel endlich erreichten.

Die Klinik lag etwas abseits des Ortes, auf einem riesigen Grundstück das bis zum Meer reichte. Wir hielten vor einem riesigen Herrenhaus, das wohl um das Jahr 1900 errichtet wurde. Gina sah nervös durch die Scheiben des Wagens, atmete scharf aus.
„Dann wollen wir mal“, sagte sie leise zu sich selber und öffnete dann entschlossen die Tür. Wir alle stiegen aus.

Tief atmete ich die würzige Seeluft ein und meine Laune war gleich ein kleines Stück besser. Doch die Luft war nicht nur geschwängert von den Düften des Meers, aus einem der Nebengebäude wehte auch noch der Geruch von Pferden zu mir rüber. Pferde mit ihren großen Herzen und den Unmengen an leckerem Blut, sofort bekam ich Durst, aber ich schob ihn schmunzelnd beiseite. Pferde hatte ich nur ganz selten als Nahrung genutzt, einfach weil sie für einen einzelnen Vampir zuviel Blut hatten, es war die reinste Verschwendung.

Ein lautes Räuspern riss mich aus meinen Gedanken und als ich mich umdrehte sahen mich sechs Augen erwartungsvoll an. Was wollten sie nur von mir? Als ich nicht nur fragend zurücksah war es Grany die als erste die Geduld verlor.
Genervt zeigte sie auf den Kofferraum. „Können sie uns jetzt mit dem Gepäck helfen oder wollen sie weiter Löcher in die Luft starren?“
Gina konnte sich ein leises Lachen nicht verkneifen und selbst Sandy grinste amüsiert. Also bitte, Spiel ich halt den Lastesel, für mehr schien ich ja eh nicht gebraucht zu werden, schoss es mir durch den Kopf.

Grummelnd zog ich den schweren Rucksack und die zwei großen Koffer aus dem Auto, die drei Damen schlenderten schon vor in Richtung Haus. Jede nur mit einer kleinen Tasche beladen und hatten es noch nicht mal nötig auf mich zu warten. Nicht mehr lange und ich würde platzen. Genervt warf ich mir den Rucksack auf den Rücken, schmiss den Kofferraumdeckel zu, widerstand der Versuchung mir die Koffer unter einen Arm zu klemmen und folgte ihnen.

Wir hatten das Haus noch nicht erreicht, als uns eine Frau Mitte 40 die Tür öffnete. Freundlich lächelte sie uns an, dann trat sie auf Gina zu.
„Du musst Gina sein“, sagte sie herzlich und hielt ihr die Hand hin. „Ich bin Miss Armstrong deine Hausmutter. Wir haben dich schon erwartet.“
Zögerlich nahm Gina die ihr entgegenstreckte Hand an. „Guten Tag Miss Armstrong“, sagte sie leise und lief rot an.
Miss Armstrong lächelte sie an und sah dann zu uns. „Und sie müssen ihre Familie sein. Herzlich Willkommen, aber kommen sie doch rein.“

Wir betraten die große Eingangshalle und wenn das Haus von außen einen altehrwürdigen Charme ausstrahlte hier drinnen war alles modern, aber warm eingerichtet. Eine nicht minder freundliche Frau, Anfang zwanzig, saß hinter einen Tresen und lächelte uns freundlich an. Miss Armstrong beachtete sie nicht, sie hatte nur Augen für Gina. Als wir uns in der Eingangshalle verteilt hatten deutete sie auf den Tresen. „Sie können das Gepäck ruhig da abstellen, es kommt dann jemand und bringt es aufs Zimmer.“
Ich tat wie mir geheißen und spielte den erleichterten.

Miss Armstrong war inzwischen auf Grany zugetreten. „Sie müssen Miss Stevens sein. Es freut mich sie kennen zu lernen. Wir haben uns erlaubt ihnen eine Unterkunft in der Nähe zu mieten. Sie werden das Häuschen lieben. Elly“, sie deutete auf das Mädchen am Tresen, „wird ihnen die Schlüssel geben und ihnen den Weg erklären. Damit sie hier mobil sind, gehört zum Haus auch ein kleines Auto. Ich hoffe sie werden sich hier wohlfühlen.“
„Vielen Dank, sehr aufmerksam von ihnen“, stammelte Grany die sich, von der überschwänglichen Art, von Miss Armstrong etwas überfahren fühlte.
Doch Miss Armstrong war schon wieder bei Gina. „So meine Liebe, ich werde dir gleich dein Zimmer zeigen und wenn du dich etwas eingerichtet hast, zeig ich dir das Haus morgen“, sie drehte sich zu Grany, „es wäre schön, wenn sie dann auch dabei sind.“ Grany nickte. „Morgen hast du einen Termin mit Frau Dr. Jennings, sie wird dann mit dir über deinen Therapieplan sprechen.“ Miss Armstrong sah sich kurz um und lächelte uns zu, dann sprach sie wieder zu Gina. „Du solltest dich jetzt von deiner Familie verabschieden.“ Gina zitterte leicht und sah sehnsüchtig zu Sandy, das ganze war wohl etwas viel auf einmal.
„Keine Angst, sie können dich regelmäßig besuchen“, sagte Miss Armstrong freundlich und zog sich dann diskret zurück. Als sie neben mir stand flüsterte sie. „Machen sie es jetzt kurz, dann ist es leichter für sie.“ Ich nickte nur als Antwort.

Gina und Sandy lagen sich in den Armen und weinten um die Wette, man merkte beiden an, wie schwer ihnen dieser Abschied fiel. Immer wieder versprach Sandy ihr das wir sie bald besuchen würden. Als abzusehen war das Gina Sandy nicht freiwillig loslassen würde, schob sich Grany sanft dazwischen und zog Gina in ihre Arme. Hier viel ihr der Abschied schon etwas leichter, da sie wusste das Grany ganz in der Nähe war und sie sie morgen schon wieder sehen würde, dennoch wollte Gina nicht loslassen und so schob Grany sie ganz sanft zu mir.

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23. Das sollten wir öfter machen Teil 3

Beitrag  Gast am Sa 04 Sep 2010, 20:25

Sofort schloss sie ihre Arme um mich und drückte ihren Kopf gegen meine Brust, sie schnaubte leicht und sah dann auf. „Oh, Bruce müsst ihr denn wirklich schon weg?“
Ich nickte weil ich einen fetten Kloß im Hals hatte.
„Ich hab mich noch gar nicht richtig bei dir bedankt, wenn du nicht gewesen wärst…“, sie ließ den Satz unbeendet, es war auch nicht nötig, ich wir wussten beide was sie meinte.
Ich strich ihr sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht und küsste ihre Stirn. „Du dankst mir am besten indem du schnell gesund wirst. Schatz. Das hier wird bestimmt nicht leicht für dich, aber versprech mir das du nicht aufgibst.“ Sie sah mich durch ihre tränenverschleierten Augen an und nickte leicht. Doch das reichte mir diesmal nicht, sie sollte es aussprechen. „Versprech es mir“, hakte ich nach.
Sie seufzte leicht auf und sah mich dann fest an. „Ich verspreche es“, sagte sie leise, dann stellte sie sich auf die Zehen und flüsterte an meinem Ohr. „Ich hab dich lieb.“
Wenn ich weinen könnte hätte ich jetzt bestimmt auch geweint, aber so sagte ich nur. „Ich hab dich auch lieb“, und löste mich etwas von ihr.
Doch sie sah mich nur traurig an. „Ihr müsst jetzt gehen?“, eigentlich war es keine Frage. „Aber ihr kommt mich regelmäßig besuchen. Ja?“
„Klar, wie sollten wir es denn ohne dich aushalten?“, versuchte ich zu scherzen und verwuschelte ihr Haar.
Leicht entsetzt zog sie sich zurück um sofort wieder vor zu treten und mir einen Kuss auf die Wange zu drücken.

Da stand auch schon Miss Armstrong hinter ihr und sah mich auffordernd an.
„Du musst jetzt gehen“, sagte ich zu Gina und schob sie sanft von mir.

Es fiel mir nicht leicht Gina ziehen zu lassen, zu sehr hatte ich mich schon an sie gewöhnt. Sie warf uns noch einen letzten Blick zu und winkte, dann bog sie um eine Ecke und war aus meinem Blickfeld verschwunden. Auch wenn ich wusste das ihr hier geholfen wurde, tat mir der Abschied mehr weh als ich gedacht hatte.

Das Mädchen am Tresen erklärte Grany den Weg zu ihrer Unterkunft, drückte ihr dann den Schlüssel zum Haus in die Hand und erinnerte sie noch mal an den Termin am nächsten Tag. Sandy wartete gar nicht ihre Erklärung ab und lief weinend aus dem Haus. Was sollte ich nur tun? Grany hier stehen lassen und ihr hinterherlaufen, nur um wieder abgewiesen zu werden? Oder hier warten, falls die alte Frau meine Hilfe benötigte? Ich hatte den Verdacht das alles was ich tat eh verkehrt war und so wartete ich.

Die Fahrt zu Grany´s Unterkunft war wie versprochen sehr kurz. Es war ein hübsches kleines Häuschen mit Meerblick. Hier könnte man wunderbar Urlaub machen, dachte ich noch als ich Granys Gepäck ins Haus trug. Nach ihrer Anweisung trug ich die Koffer ins Schlafzimmer und ging dann in die Küche, wo sich Sandy schon von Grany verabschiedete. Wir hatten noch ein gutes Stück zu fahren und darum wollten wir gleich aufbrechen.
„Und du kommst hier allein zurecht?“, fragte Sandy, als ich die Küche betrat.
„Aber natürlich komm ich zurecht, es ist doch wunderschön hier. Mach dir keine Sorgen und denk an dein Studium, es soll doch nicht alles umsonst gewesen sein“, sagte Grany leicht. „Du musst jetzt gehen, damit du nicht noch mehr verpasst.“
Sandy nickte abwesend. „Ich sag dir morgen Bescheid wann ihr uns besuchen könnt. Ja?“ Dann zog sie Sandy zur Tür und raus zum Wagen. „Ihr müsst jetzt fahren. Es ist doch noch weit bis Hanover.“

Unschlüssig stand Sandy an der Beifahrertür, dann schnellte sie vor und umarmte Grany fest. „Ich hab dich lieb, bitte sei mir nicht böse, weil ich meinen eigenen Weg gehe.“ Tränen kullerten über ihre Wangen, die Grany zärtlich mit einem Taschentuch wegwischte.
„Ich hab dich doch auch lieb und daran wird sich auch nichts ändern“, dann legte sie ihren Mund an Sandy Ohr und flüsterte. „Ich kann dich ja verstehen. Er ist ein guter Kerl. Las mir einfach ein wenig Zeit mich an ihn zu gewöhnen.“
Dann öffnete sie die Tür und drückte Sandy sanft auf den Beifahrersitz.
Nachdem sie die Tür geschlossen hatte, drehte sie sich zu mir um und hielt mir ihre Hand hin. Ich ergriff sie ganz vorsichtig.
„Passen sie gut auf mein Mädchen auf und kommen sie wieder“, sagte sie ruhig und sah mir fest in die Augen.
„Das mache ich“, sagte ich genauso fest wie sie.
„Sie liebt sie sehr, vergessen sie das nicht und wehe sie enttäuschen mein Mädchen“, schob sie nach.
„Das werde ich nicht“, dieses Versprechen konnte ich mit reinem Gewissen geben. „Machen sie es gut.“
„Sie auch“, mit diesen Worten ließ sie meine Hand los.

Als ich los fuhr senkte Sandy das Fenster und winkte bis wir um die nächste Kurve fuhren und Grany nicht mehr zu sehen war. Dann schloss sie das Fenster und starrte wortlos nach draußen.

Die nächste Stunde fuhr ich ohne dass sie zu mir sah oder ein Wort sprach. Es nagte in mir und ich hielt es einfach nicht mehr aus, wenn sie mich doch wenigstens beschimpfen würde, aber dieses Schweigen tat mehr weh, als alles was sie sagen könnte.

Ich konnte nicht mehr und lenkte den Wagen auf den nächsten Parkplatz.
Als der Wagen stand beugte ich mich zu ihr rüber und sie sah mich traurig an. Was ging nur in ihr vor?

„Sandy“, sagte ich mit fester Stimme. „Ich weiß das du enttäuscht bist, weil ich dir das mit deinem Vater verschwiegen habe, aber meinst du nicht es reicht langsam? Weißt du wie weh mir das tut, dass du mich so ignorierst? Ich weiß dass es falsch ist, aber bitte sprich mit mir. Ich halt das nicht mehr aus. Sag mir doch was ich m…“

Ihr Kuss kam so unerwartet und plötzlich, dass ich total überrumpelt wurde. Sie küsste mich mit solcher Leidenschaft, das hatte ich noch nie erlebt bei ihr und das verwirrte mich noch mehr. Was sollte das jetzt? Erst spricht sie nicht mit mir und nun frisst sie mich fast auf. Je länger ich mit ihr zusammen war desto mehr war sie mir ein Rätsel.

Als sie sich von mir löste sah sie mir lange in die Augen und streichelte meinen Kopf. Ich wusste nicht was ich sagen sollte, verstand gar nichts mehr.
„Es tut mir leid“, sagte sie sanft. „Ich wusste nicht dass du so leidest. Ich bin dir nicht böse, auch wenn ich es nicht gut finde, dass du das vor mir verheimlichst hast und darüber reden wir auch noch. Aber mir schwirren so viele Gedanken im Kopf, wegen Dad und wegen Gina. Bitte lass mir noch ein wenig Zeit. Ich versteh das ganze noch nicht richtig. Hab etwas Geduld mit mir. Ja?“
„Du kannst doch über alles mit mir reden“, sagte ich sanft und kam mir wie ein Idiot vor, weil ich alles nur auf mich bezogen hatte. Wie konnte ich nur so egoistisch sein?! „Es tut mir leid, dass ich das nicht verstanden habe.“

Sanft drückte sie ihre Lippen auf meine. Es war nur ein kurzer, sehr zärtlicher Kuss. „Ist schon gut, mein Großer. Lass uns weiterfahren. Wir sprechen Zuhause.“

Als ich wieder los fuhr, drehte sie sich wieder zum Seitenfenster und starrte schweigend in die Ferne. Doch eins hatte sich geändert ihre linke Hand suchte meine Rechte und so verschränkte ich meine Finger in mit ihren.

Als wir eine weitere Stunde gefahren waren drehte sie sich plötzlich aufgeregt zu mir. „Bruce, können wir bei der nächsten Abfahrt bitte abbiegen?“
„Wieso?“, fragte ich überrascht.
„Frag nicht, mach es bitte“, antwortete sie geheimnisvoll.
„Also gut“, ich fragte mich was das ganze sollte.

Nach einer Meile kam eine kleine Abfahrt, mit einem Hinweisschild. River View Inn stand auf dem Schild.
„Ja, hier musst du abbiegen“, sagte Sandy und rutschte auf ihrem Sitz hin und her. Warum war sie nur so aufgeregt?
Ich folgte dem Weg in den Wald und erreichte nach etwa fünf Meilen einen alten Gasthof. Sandy kreischte fast als sie ihn sah und packte mich am Arm.
„Komm lass uns heute Nacht hier bleiben“, dann sah sie mich von unten durch ihre Wimpern an. „Bitte Bruce, glaub mir das wird toll.“

Was sollte ich sagen, warum nicht? Wenn es ihre trüben Gedanken vertrieb war mir alles recht. „Wenn dir so viel daran liegt, warum nicht“, sagte ich schlicht. „Wir können ja mal sehen ob sie was frei haben.“

Sandy konnte gar nicht schnell genug in das Haus kommen. Ungeduldig schlug sie auf die kleine Klingel, die auf dem Tresen stand. Ein älterer Herr kam mit einem typischen Dienstbotenlächeln aus dem Raum hinter dem Tresen und sah uns freundlich an. „Guten Tag. Ich hoffe sie hatten einen angenehmen Tag. Wie kann ich ihnen helfen?“
„Wir hätten gerne ein Doppelzimmer“, sagte Sandy ungeduldig.
„Haben sie Reserviert?“
„Nein“, antwortete ich.
Nachdenklich sah der Mann auf den Computerbildschirm vor sich. „Das tut mir aber jetzt leid. Wir sind ausgebucht.“, sagte er ohne aufzublicken. „Einzig die Hochzeitssuite ist noch frei.“
„Das passt doch hervorragend. Nicht wahr Schatz?“, sagte Sandy zu mir und wandte sich dann zu dem Angestellten. „Die nehmen wir.“
„Wie sie wünschen und auf welchen Namen geht es bitte?“, fragte der Mann.
Ohne dass ich zu Wort kam antwortete Sandy. „Auf Mr. und Mrs. McGregor.“
Mir blieb fast das Herz stehen, nun wenn es schlagen würde, als sie das sagte. Aber wer war ich schon um ihr zu widersprechen?

Wir regelten noch die Formalitäten und dann brachte uns ein Page aufs Zimmer.
Es war ein schöner Raum, aber so richtig konnte ich ihn mir gar nicht ansehen. Nach dem ich dem Pagen ein saftiges Trinkgeld gegeben und er das Zimmer verlassen hatte, flog mir auch schon Sandy um den Hals. Sie küsste mich leidenschaftlich und sah mich dann mit ihren wunderschönen blauen Augen an.
„Mhmm“, machte sie. „Ich glaube du solltest mal wieder jagen gehen.“
Was sollte das jetzt? Gut meine letzte Jagd war eine Woche her, aber so schlimm war mein Durst noch nicht. „Ich weiß nicht. So durstig bin ich nicht.“
„Doch, doch“, sagte sie und schob mich sanft zur Tür. „Du gehst jetzt jagen und nimm bitte den Schlüssel mit. Ich möchte noch baden.“

Verwirrt sah ich zu wie sie mir die Tür vor der Nase zumachte. Heute benahm sie sich echt seltsam, aber was soll’s. Um sie glücklich zu machen würde ich den ganzen Wald leer jagen. Kopfschüttelnd ging ich die Treppe nach unten und verließ das Gasthaus. Mal sehen was hier so auf der Speisekarte stand.

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23. Das sollten wir öfter machen Teil 4

Beitrag  Gast am Sa 04 Sep 2010, 20:32

Frisches Blut durchströmte meinen Körper und all meine Zellen fühlten sich satt und zufrieden an, als ich vor der Tür zu unserem Zimmer stand. Unschlüssig spielte ich mit dem Schlüssel in meiner Hand. Sie hatte sich heute so irrational verhalten, erst zu Tode betrübt und dann. Ja, was dann? Seit wir an dem ersten Hinweißschild dieses Hotels vorbeigekommen waren, war sie wie ausgewechselt, so aufgedreht wie ein Kind am Weihnachtsmorgen bevor der Bescherung.

Ich atmete noch einmal tief durch und steckte den Schlüssel ins Schloss. Tropische Hitze empfing mich, als ich den kleinen Flur betrat. Warum hatte sie nur die Heizung voll aufgedreht, war mein erster Gedanke, dann nahm ich die leise und sanfte Musik und das gedämpfte Licht wahr. Der kleine Wohnraum war leer, auf dem Tisch lag ein zusammengefaltetes Blatt mit meinem Namen. Als ich es aufhob wehte mir der süße Duft ihres Parfüms entgegen, neugierig faltete ich es auf.



Mein lieber Bruce,

ich weiß dass du mein heutiges Verhalten nicht verstehst, aber die Enthüllungen über meinen Vater und der Abschied von Gina haben mich sehr beschäftigt.

Ich wollte dich nicht verletzen, es tut mir leid.

Die Zeit mit dir ist die schönste in meinem Leben. Durch dich habe ich erst angefangen zu leben. Bei dir fühle ich mich geborgen und sicher. Bei dir habe ich gelernt meine Gabe zu akzeptieren und zu schätzen. Du öffnest mir eine Welt voller Wunder.

Ich danke dir, dass du mir dein Inneres gezeigt hast. Das du mir die Chance gabst dein wahres Ich kennen zu lernen. und Egal was auch immer du denkst, ich weiß dass du ein gutes Wesen bist, kein Monster.

Wo du bist, da ist Liebe.

Wo du bist, ist Geborgenheit.

Wo du bist, ist Wärme.

Ich wünsche mir nichts mehr als dich jeden Tag um mich zu haben und mich an dich lehnen zu können. Dich zu spüren und von dir berührt zu werden. Körper und Geist.

Ich werde dich immer lieben, bis in die Ewigkeit.

Sandy

PS. Ich bin in der Badewanne, möchtest du nicht zu mir kommen?


Gebannt las ich immer und immer wieder ihre Zeilen. Mein totes Herz brannte vor Sehnsucht nach ihr. Womit hatte ich sie nur verdient? Ich liebte sie und das würde nie enden. Doch was gab es schöneres, als auch geliebt zu werden? Geliebt zu werden von einer solch tollen Frau. Vorsichtig faltete ich den Brief wieder zusammen und steckte ihn in die Innentasche meiner Jacke. Zuhause würde ich einen passenden Ort für ihn finden. Gerührt hing ich die Jacke auf und glitt ganz in Gedanken aus meinen Sachen. Ich weiß nicht mehr wie aber plötzlich stand ich nur noch in meinen Boxern da. Ich überlegte kurz ob ich sie anbehalten sollte, verwarf den Gedanken aber wieder. Sie erwartete mich in der Wanne, sagte ich mir, und zog auch noch das letzte Kleidungsstück aus.

Etwas unsicher stand ich vor der Tür zum Bad. Es machte mir nichts aus mich ihr nackt zu zeigen und doch, außer Jess hatte mich noch keine Frau nackt gesehen. Würde ich auch alles richtig machen? Denn mittlerweile war mir klar warum sie so aufgeregt war. Noch konnte ich es stoppen, aber wollte ich das überhaupt? Ich fühlte mich satt und stark und was am wichtigsten war, ich liebte sie. Ich liebte sie mehr als alles andere. Ich musste schmunzeln, wenn zwei Wesen sich liebten sollten sie es sich auch zeigen und in einander aufgehen.

Leise öffnete ich die Tür und schlich ins Bad. Der Anblick der sich mir bot raubte mir den Atem. Das Bad war riesig. Eine durchgehende Glaswand gab den Blick auf das steil abfallende Tal, bis zum tief unter uns liegenden Fluss, frei. Der volle Mond ließ die schneebedeckte Landschaft silbern erstrahlen. Vor dem Fenster stand ein Whirlpool, der locker vier Personen aufnehmen könnte.

Dicke Kerzen brannten auf seinem Rand und hüllten Sandy, die mit dem Rücken zu mir im Wasser lag, in ein sanftes Licht. Ihre glänzenden Haare lagen wie ein Schleier über den Rand. Sie hatte die Augen geschlossen und ihr Gesicht strahlte eine Zufriedenheit aus, das ich es kaum wagte sie in ihrem Frieden zu stören. Ich hätte Stunden nur so da stehen können, um sie zu betrachten. Die zarten Linien ihres Körpers, die strammen Brüste die Keck die Wasseroberfläche durchbrachen, ihre Haut wie Milchkaffee. Sie war so schön.

Vorsichtig beugte ich mich zu ihr und küsste sanft ihre vollen Lippen.
Als ich mich von ihr löste, öffnete sie ihre wunderschönen Augen und strahlte mich an. Wie immer bekam ich bei diesem Blick weiche Knie. Soviel Wärme.
„Ich liebe dich!“, war alles was ich sagen konnte, ich war ihr vollkommen verfallen.
„Und ich liebe dich!“, wisperte sie mir zu. „Komm doch zu mir.“


So hier blende ich dann mal aus. Ab jetzt kommt der nicht jugendfrei Teil den ich hier nicht posten darf.

Wer alt genung ist und den schlüpfrigen Teil lesen möchte kann das hier gerne tun: Klick mich


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Hey meine lieben Leser und Leserinnen,

am 04.September 2009, also genau vor einem Jahr hab ich all meinen Mut zusammengenommen und die ersten Kapitel von Nordstern auf FBB zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt.

Ich war mir nicht sicher ob eine Geschichte die so anders überhaupt gelesen wird. Immerhin spielen bei mir die üblichen Verdächtigen nur eine Nebenrolle und ich spreche hier ja auch nicht immer die üblichen Themen an.
Nordstern ist mein kleiner Liebling, ein Baby mit dem ich viele schöne Stunden verbracht habe. Bei manchen Kapitel hatte ich Angst ihr würdet sie ablehnen, doch gerade die kamen am besten an.

Ich habe im lauf der Zeit und bei 200.000 Wörtern viel gelernt, vor allem das ich jemanden brauche der sich meiner RS annimmt. Doch so leicht wie der Satz, such dir eine Beta, geschrieben ist, so schwer ist es den passenden zu finden. Nach einigem hin und her hat Moon diesen schweren Job für mich übernommen und ich kann ihr gar nicht genug für ihre kleinen Wunder danken.

Ich möchte euch allen danken, die die mir mit ihren netten Reviews den Rücken gestärkt haben, denen die meine Geschichte in ihre Favoriten aufgenommen haben und denen die sie gelesen haben. Danke ohne euch hätte ich wohl schon lange aufgehört.

Ich hoffe ihr verfolgt die Geschichte von Bruce und Sandy weiter und habt Spaß dabei.

LG

IRA

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24. Visionen Teil 1

Beitrag  Gast am Di 05 Okt 2010, 00:18

Verlange keine Visionen, wenn du nicht bereit bist, die Konsequenzen daraus zu ziehen.

Strephon K. Williams

24. Visionen

Einzelne Sonnenstrahlen brachen sich an meinen Körper und tanzten verspielt über die Decke. Vorsichtig, um sie nicht zu wecken strich ich ihr die Haare aus dem Gesicht. Sie sah so entspannt aus, es war fast so als wenn sie und nicht ich glitzern würde. Kurz zog sie ihre Nase kraus, atmete tief durch und schmiegte sich fester an meine Brust. Verträumt lies ich meine Hände zärtlich über ihren Körper gleiten.

Die letzte Nacht war der Wahnsinn, nie hätte ich es für möglich gehalten das es so sein würde. Es war so schwer und doch so leicht gewesen. Ich hatte sie nicht getötet und abgesehen von einem Bluterguss, der ihre linke Hüfte zierte - dort hatte ich wohl im Eifer des Gefechts etwas zu fest zugepackt – konnte ich keine weiteren Verletzungen an ihr feststellen. In meinem Kopf ließ ich noch einmal den letzten Abend ablaufen, ihre plötzliche Unruhe im Auto, das Hotel und ihre Aufforderung zu jagen, sie hatte es gewusst, anders konnte es gar nicht sein. Ihr Empfang im Bad und was sie mit mir dort gemacht hatte. Allein die Erinnerung erregte mich. Dann unser Spiel hier im Bett. Hätte ich etwas anders machen können? Sollen? Sie hatte es genossen, dessen war ich mir sicher, also war das was ich getan hatte wohl nicht verkehrt. Schmunzelnd dachte ich an ihre verzückten Schreie. Nein, mein Handeln war ganz gewiss nicht falsch gewesen, dachte ich zufrieden.

Ein leises Lachen ließ mich aufhorchen und ich öffnete meine Augen nur um in ihre zu sehen. Wie konnte mir nur entgehen das sie aufgewacht war?
Amüsiert sah sie zu mir runter. „Das ist ja fast nicht mehr zu ertragen.“
„Was?“, fragte ich, denn ich verstand nicht worauf sie hinaus wollte.
„Diese Selbstzufriedenheit die du ausstrahlst. Was denn sonst, mein Lieber“, neckte sie mich.
„Selbstzufriedenheit?“, fragte ich gespielt entsetzt und lachte dann. „Ich hab dich nicht umgebracht und du machtest einen recht zufriedenen Eindruck. Ja, ich denk ich darf zufrieden mit mir sein.“ Todernst sah ich in ihre blauen Augen, doch sie stöhnte nur auf. „Jetzt bekomm mal keinen Höhenflug.“
„Höhenflug, Pah“, ich drehte meinen Kopf zur Seite. „Höhenflug. Also ehrlich, dein Körper, meine Liebe hat dich verraten. Leugne es ruhig.“
Ihre kleine Hand packte mein Kinn und drehte mich wieder zu sich. „Ich habe nicht gesagt, dass ich es nicht genossen habe“, dann beugte sie sich zu mir und unsere Lippen vereinigten sich in einem leidenschaftlichen Kuss.

Zärtlich streichelte sie mein Gesicht und sah mich verträumt an, dann fing sie plötzlich an leise zu kichern. Ich legte den Kopf leicht schief und betrachtete sie fragend, doch sie schüttelte nur leicht den Kopf. Meine Neugier war aber zu groß, darum fragte ich nach einer Weile „Was?“
Sie schmiegte sich ganz eng an mich und legte ihre Lippen an mein Ohr.
„Ich hab mich nur gefragt, ob ich mich nicht strafbar gemacht habe“, wisperte sie kichernd.
Strafbar? Wieso strafbar? Ich verstand nur Bahnhof. „Wie kommst du auf den Gedanken?“
„Na du bist doch eigentlich tot oder?“
„Ja“, antwortete ich und verstand immer noch nicht was daran so lustig war.
„Dann hab ich mich wohl strafbar gemacht“, prustete sie und fing laut an zu lachen. „Denn das was wir gestern gemacht haben fällt dann wohl unter Leichenschändung und dass ist gegen das Gesetz.“
„Leichenschändung“, blaffte ich und wirbelte sie herum, so dass sie unter mir zum liegen kam. Schwer atmend sah sie zu mir auf. „Ich mag tot sein, aber ich bin keine Leiche“, stellte ich grollend fest. Dann lächelte ich sie an und fuhr mit meinen Fingern die Konturen ihres Gesichts nach, sie war so schön. „Das gestern war für mich das Schönste das ich je erlebt habe. Nein, du bist das Schönste, unglaublichste das ich je erleben durfte. Danke das es dich gibt.“
Sie drückte mir einen kleinen Kuss auf die Nasenspitze. „Danke das es dich gibt mein schöner Untoter. Lässt du mich jetzt bitte aufstehen?“ Fragend sah ich sie an, doch sie grinste nur. „Ich muss mal für Menschen.“

Seufzend ließ ich sie aufstehen, doch als ich ihren süßen Hintern sah kam mir eine Idee und mit einem Satz war ich bei ihr. Sie kräuselte ihre Augenbrauen und sah zu mir auf. Leicht legte ich meine Hand auf ihren Hintern und schob sie Richtung Bad.
„Wir sollten auch unbedingt duschen!“, meine Stimme vibrierte und meine Augen sprühten vor Lust.
„Ach duschen“, sagte sie kokett und drückte ihren Körper gegen meine Mitte, nur um sich sofort wieder zu lösen. Verführerisch lächelnd sah sie mich über die Schulter an und verschwand im Bad. Ich hinter her.

~ + ~

Friedlich schlief sie in meinen Armen. Nach den Aktivitäten des Tages verlangte ihr Körper nach Ruhe. Wir hatten den ganzen Tag nicht einmal das Zimmer verlassen, selbst ihr Essen hatten wir vom Zimmerservice bringen lassen. Jetzt wo wir die Freuden der körperlichen Liebe gekostet hatten, konnten wir die Finger nicht mehr voneinander lassen. Es gab doch noch soviel am anderen zu erkunden. Ich hätte nie gedacht, dass es so leicht sein würde sie nicht zu verletzen. Gut, ich musste wie immer aufpassen das ich sie nicht zerquetschte, aber wenn ich auf meinen Körper hörte, die Wellen spürte, dann war es recht einfach sie für diese Zeit nicht zu berühren.

Gegen drei in der Früh versteifte sich ihr Körper, sie schlug die Augen auf aber sie sah durch mich hindurch, stand wortlos auf und ging zu dem kleinen Tisch, wo sie ihre Malutensilien bereit gelegt hatte.
Leicht strich sie das Blatt glatt, nahm mit der linken Hand einen Bleistift und begann zu schreiben. Ich war etwas überrascht, dass sie mit links schrieb, denn sie war Rechtshänder, hatte auch sonst bei ihren Visionen nie die linke Hand benutzt und sie schrieb eigentlich auch nicht. Gut ab und an mal, aber nicht so.

Ich beobachtete ihr tun angestrengt und nachdem sie die erste Zeile fertig hatte wäre ich fast nach hinten gefallen. Das war nicht ihre Handschrift, es war eine Schrift die ich kannte, aber seit über 45 Jahren nicht mehr gelesen hatte. Es war Jess, die sich durch Sandy an mich wandte. Das war doch total verrückt!


Mein geliebter Bruce, mein Ehemann,

wunder dich nicht, dass ich durch sie zu dir spreche, aber ich habe meine Gründe.

Als du mit den Kindern an meinem Grab warst hast du mich um Verzeihung für deine Taten gebeten. Mein Liebling, da gab es nie etwas wofür ich dir Verzeihen müsste. Ja, es war schwer für mich als du damals gegangen bist, doch ich wusste dass du mit deinen Erlebnissen im Krieg nicht klar kamst und uns schützen wolltest. Ich habe mich immer gefragt was geschehen ist, das du nicht zu uns zurück kommen konntest. Doch als ich gestorben bin und die ganze Wahrheit erfasst habe, war mir klar, dass du nicht zurück konntest, nicht durftest. Wir alle verstehen dein Handeln, auch deine Tochter die ihren Vater immer vermisst hat. Sie ist froh und glücklich, dass du dich so um Marie und Eddie kümmerst. Keiner wirft dir vor das du sie verwandelst hast. Nein, wir sind stolz auf dich, das du sie zu dem gemacht hast was sie heute sind.

Du hast mir gesagt dass der Mensch Bruce mich immer geliebt hat, mir ging es mit dem Menschen auch so. Du hattest immer einen Platz in meinem Herzen, aber ich wäre nicht stark genug gewesen, um mit dir dieses neue Leben leben zu können.

Sandy ist da anders, sie ist stark. So stark das sie an deiner Seite der Ewigkeit trotzen kann. Ihr zwei seid wie geschaffen füreinander, euch verbinden Bande die ich nicht verstehen kann. Sie wird dich ewig lieben. Vergiss das nicht und sei nicht so hart wenn sie dich fragt.

Ich weiß, dass du deine Existenz als Strafe für deine Taten ansiehst, doch dem ist nicht so. Das Mädchen hat dir ihren tot längst verziehen.
Das ist also nicht der Grund, warum du zu dem wurdest was du bist.

Du hast dieses unsterbliche Leben bekommen, weil es für dich noch eine Aufgabe zu erfüllen gibt. Du musst verhindern dass die New Order ihren Plan durchsetzt, denn das würde das Ende von allem bedeuten was wir kennen.

Zur Zeit sehe ich zwei mögliche Zeitlinien für die Zukunft, in einer habt ihr die New Order besiegt und werdet, wenn auch nicht immer friedlich durch die Zeit streifen. In der Anderen siegt die New Order, dann wird es keine Vampire mehr geben die nicht zu ihnen gehören, die sich nicht ihrem Diktat unterwerfen. Die Clans in Asien und Indien, die Volturi, die Cullens und auch ihr werdet vernichtet. Die Menschen werden unterworfen und wie Vieh gehalten. Sie werden alles bestimmen.

Verstehst du, mein Schatz? Du musst das verhindern. Du musst sie aufhalten.

Beängstigend, nicht wahr? Ich beneide dich nicht für diese Bürde.

Doch fürchte dich nicht, ich werde dich so gut es geht unterstützen und glaub nicht, dass du jetzt sofort los rennen musst um die Welt zu retten. Noch ist die Zeit nicht reif dafür. Ich werde dir sagen wenn es soweit ist, doch dann musst du aus Feinden verbündete machen, denn nur gemeinsam werdet ihr diesen Sturm überstehen.

Pass gut auf dein Mädchen auf, denn sie ist der Schlüssel zu unserem Erfolg, ohne sie kann ich dir nicht helfen. Aber du wirst sowieso auf sie achten, weil du sie liebst und das freut mich mehr als du denkst. Es ist schön dass du die Liebe gefunden hast.

Genug für heute, mein geliebter Mann.


Jess

PS. Der Brief ist nur für dich bestimmt, du darfst ihr aber davon erzählen und verzeih mir für das was ich dir jetzt antun muss.



Ich war noch ganz benommen von dem eben gelesenen. Das durfte nicht wahr sein. Wieso? Wieso ich? Warum nicht Carlisle, er wäre für so eine Aufgabe doch viel geeigneter. Ich bin doch gar nicht stark genug für so was.

Noch während ich innerlich lamentierte traf mich eine unsichtbare Macht und zerrte an meinem Geist. Ich versuchte mich zu wehren, doch sie war stärker. Mein Geist trennte sich vom Körper und fiel, fiel und fiel immer tiefer in einen bodenlosen dunklen Schlund.

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24. Visionen Teil 2

Beitrag  Gast am Di 05 Okt 2010, 00:19

Stahlharte Fingernägel gruben tiefe Furchen in das schwarze Eichenholz des Throns. Nervös drehte die dunkelhaarige Gestalt ihren Kopf immer und immer wieder zur Eingangspforte. Angestrengt lauschte er dem Kampfgetümmel vor seiner Schwell. Auf seinem durch die Jahrtausende verwittertem Gesicht spiegelte sich seine Verzweiflung wieder. Wie hatte es soweit kommen können? Wie?

Er hatte die Zeichen zu lange nicht sehen wollen, war blind in seinem Hass auf den anderen Clan, der ihn so gedemütigt hatte. Erst als sein wichtigster Krieger verschwunden war, hatte er die Gefahr erkannt, aber da war es schon zu spät. Nein eigentlich nicht, dieser seltsame Vampir hatte ihn doch gewarnt, doch er wollte es nicht wahr haben. Was wäre das auch für eine Welt in der er auf einen dieser Goldaugen hören würde? Vor allem wenn er ihn nicht berühren durfte.

Und doch hatte er recht behalten. Doch was sollte es. Wer würde schon über verschüttetes Blut jammern? Sein Körper straffte sich sichtbar und bekam etwas Königliches. Sollten sie doch kommen, er war bereit.

Krachend flog die kleine Seitentür auf und die kleine Jane stürmte in den Thronsaal. „Meister Aro!“, schrie sie verzweifelt. „Sie überrennen uns. Meister Marcus ist tot, Meister Caius geflohen, die Wache so gut wie ausgelöscht. Bitte Meister ihr müsst fliehen.“

Kopfschüttelnd stand Aro von seinem Thron auf und schwebte auf Jane zu. „Nein, meine Tochter“, sagte er mit leiser aber fester Stimme. „Ich werde nicht fliehen. Ich werde kein Leben auf der Flucht führen und mich wie irgendein Wild in dunklen Höhlen verstecken. Lieber sterbe ich und behalte meine Würde.“
„Aber Meister!“, schrie Jane auf und sah ihn flehend an.
„Ich werde nicht fliehen, aber du mein Kind, solltest dich in Sicherheit bringen. Schnell, sie werden gleich hier sein“, sagte er voller Würde. Eine Würde, die ihn in den letzten Jahren verlassen hatte, aber jetzt wo sein Tod kurz bevorstand zu ihm zurück gefunden hatte.
„Ich bleibe bei euch Meister, in dieser Welt will ich nicht leben“, antwortete das Mädchen trotzig und stellte sich neben den alten Vampir.

Der Kampflärm verebbte und dann war da eine gespenstische Ruhe. Gebannt starrten Jane und Aro auf das große Portal und nach einer gefühlten Ewigkeit schwangen die Flügel geräuschlos auf. Wie auf einem Paradeplatz strömten sie in Zweierreihen in den Saal, alle in schwarze Umhängen gekleidet, mit dem Zeichen der New Order auf der Brust und die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen, so das nur das rote leuchten der Augen zu sehen war. Es war ein beeindruckender Anblick. Kaum im Saal teilten sich die Reihen und fünfzig Vampire bezogen Posten entlang der Wände. Doch das waren keine normalen Vampire, jeder von ihnen verfügte über eine enorme Kampferfahrung und als ob das nicht reichen würde, waren sie auch noch alle mit übernatürlichen Gaben gesegnet. Was für eine Streitmacht.

Neidisch betrachtete Aro seine Feinde, wie gern würde er über diese Kämpfer herrschen. Eine letzte Gruppe von 10 Vampiren betrat den Raum und Aros Blick lag voller Hass auf dem kleinsten von ihnen. Er, der zur rechten des Anführers auf ihn zu Schritt. Er, der auch an seiner rechten gewandelt war. Er, auf den er gebaut hatte. Er, der ihn so enttäuscht hatte.
„Alec!“, zischte Jane voller Abscheu.

Ja, Alec der Verräter.

Alec sah kurz zu dem Mann neben ihm, doch der nickte ihm aufmunternd zu, worauf der kleine Vampir vortrat und sich an seine Schwester wandte.
„Geliebte Schwester, es freut mich das du noch lebst“, sagte er.

Jane schnaubte vor Wut und sah ihren Bruder hasserfüllt an, doch als nichts geschah ließ sie resigniert den Kopf hängen.

„Schwester“, sagte Alec enttäuscht. „ Du hast doch nicht geglaubt, dass wir uns schutzlos deiner Kraft aussetzen. Aber ich verzeihe dir.“
„Wie großzügig“, antwortete Jane sarkastisch.
„Ja, wir sind großzügig Schwester, darum bieten wir dir auch einen Platz in unserer Mitte an. Komm zu uns und kämpfe wieder an meiner Seite“, sagte Alec und breitete seine Arme aus.

Schwankend sah Jane von Alec zu Aro und wieder zurück, dann straffte sie sich. „Niemals werde ich denen dienen. Ihr habt meine Familie getötet und du bist schon lange nicht mehr mein Bruder“, voller Hass spuckte sie vor seine Füße.

Enttäuscht zuckte Alec mit den Schultern. „Es tut mir leid, dass du es so siehst. Lebwohl kleine Schwester.“ Dann drehte er sich um und nickte einem der Kapuzenträger zu. Dieser streckte seine Hand aus und eine kleine Flamme erschien über ihr.

„Nein“, schrie Jane und versuchte weg zu laufen, doch es war zu spät. Die Flamme löste sich von der Hand und schoss auf Jane zu. Egal wie sehr sie auch versuchte ihr auszuweichen, die Flamme war schneller. Als sie Jane traf, hüllte sie das Mädchen ganz ein und verwandelte sie in eine Fackel. Jane schrie vor Schmerzen als das Feuer sie verzehrte und nur einen kleinen Aschehaufen übrig ließ. So starb Jane, der Schrecken der Vampirwelt.

Fassungslos hatte Aro dem treiben zugesehen. Solche Macht, warum hatte er nicht solche Talente finden können?

„Ich weiß, dass mein Ende gekommen ist“, sagte er, als er sich wieder gefasst hatte. „Aber Alec beantworte mir noch eine Frage. Warum hast du uns verraten?“

Lächelnd sah Alec Aro an. „Weil ihr schwach geworden seid. Ich habe es schon seit mehreren Jahrhunderten gesehen wie die Volturi im inneren verfaulten. Du und Caius ihr hab euch für so unfehlbar gehalten, aber ihr seid den Ansprüchen der neuen Zeit nicht mehr gewachsen. Ihr habt beobachtet wie die Menschen zu einer Bedrohung wurden und habt nichts gemacht, um sie aufzuhalten. Ihr seid nur noch schwach und als ihr dann auch noch vor diesen Hundefreunden, den Cullens, den Schwanz eingezogen habt, da war mir klar, das eure Zeit abgelaufen war. Die Zeit der Volturi ist vorbei, die Welt braucht eine neue Macht und die sind wir. War das alles, alter Mann?“

„Ja, das war alles“, antwortete Aro und senkte den Kopf. Er wollte nicht sehen wie die Flamme auf ihn zuflog und doch kam kein Ton über seine Lippen als das Feuer ihn verzehrte.

~ + ~

Ihre schwieligen Füße flogen über den rissigen Asphalt und trugen sie durch ihr unbekannte Häuserschluchten. Sollte dies wirklich einmal eine Menschenstadt gewesen sein?, fragte sich das 20 jährige Mädchen und wischte sich mit den Handrücken über die Stirn. Auch wenn die Strassen leer waren, der Asphalt gerissen und mit Unkraut überwuchert, das Glas der Fenster zerstört und auch sonst alles schon seit Jahrzehnten dem Verfall preisgegeben war, die riesigen Häuser und breiten Wege zeugten doch von der Pracht, die hier einst geherrscht hatte.

Das Mädchen war total überwältigt von den endlosen Häuserschluchten durch die sie lief und doch machte ihr jedes Geräusch, etwa wenn der Wind durch die zerstörten Fenster pfiff, eine Todesangst.

Nicht weil sie nie so einen Ort gesehen hatte, das allein hätte ja schon beängstigend genug sein können, noch die vielen wilden Tiere die sich den Lebensraum zurück erobert hatten waren der Grund. Ihr Grund war viel Handfester. Das hier war eine Jagd auf leben und tot und sie war die Beute.

Vorgestern hatte man sie hierher gebracht, da waren sie zu zwanzig. Man hatte ihnen eine Karte in die Hand gedrückt und ihnen ein Ziel gezeigt. Wenn sie es doch nur bis dahin schaffen würde, wie schön wäre das? Sie dürfte alt werden, bekäme eine Ausbildung und würde nicht mit spätestens 30 zum Wohl der Götter verwertet. Das war es doch Wert etwas zu riskieren. Welche Zukunft hätte sie den sonst?

Für die Geburtsfrauen war sie zu alt, aber das hätte sie auch nicht gewollt. Gut, sie bekamen das beste Essen, aber wer wollte schon andauernd Schwanger sein? Es gab wenige die mehr als 5 Mehrlingsgeburten überstanden und fast keine ereichte die Zahl von 10, die notwendig war um den grauen Pass zu bekommen. Der graue Pass, der es ermöglichte natürlich zu sterben.

Als normaler Arbeiter erhielt man nur den roten Pass. Das hieß Ortsbeschränkung, Lebensmittel nur auf Karte, Lebensmittel Karte nur gegen Arbeitsnachweiß und wöchentlicher Blutspende. Mit 30 holten sie dich ab und dann wurden dir sämtliche Flüssigkeiten entzogen und alles was dein Körper an Rohstoffen bieten konnte wurde verwertet.

Wachpersonal erhielt auch den grauen Pass. Gut, ihre Versorgung war besser und sie wurden nicht verwertet, aber Blutspenden mussten sie immer noch und sollte ihnen eines ihrer Schäfchen abhanden kommen ging es ganz schnell zur Verwertung. Die Götter verstanden da keinen Spaß.

Dann gab es noch die mit dem braunen Pass, das waren ausgebildete Spezialisten. Ärzte in den Zuchtstationen, Ingeneure die sich um die Infrastruktur kümmerten oder Verwalter, kurz die die man benötigte um alles am laufen zu halten. Sie erhielten Sonderrationen, gute Häuser mit eigenem Personal und sogar etwas was sich Urlaub nannte. Ihre Kinder wurden separat ausgebildet und folgten ihnen meist beruflich. Sie brauchten ihr Blut nicht für die Götter geben und genau so einen Pass wollte sie sich hier verdienen.

Nun eine Gruppe hatte sie noch vergessen, die mit dem Schwarzen Pass, das waren die Priester und die Anwärter. Jeder wurde schon als Kind geprüft ob er etwas besonderes war. Die Auserwählten wurden von ihnen getrennt und kamen in die Obhut der Priester. Wenn sie dann alt genug waren stiegen sie auf und wurden Götter.

Reiß dich zusammen, ermahnte sie sich und warf einen kurzen Blick auf ihre Karte. Nur noch zwei Blocks und sie hätte es geschafft. Jetzt nur nicht unaufmerksam werden. Lieber die Seitengassen nehmen als den direkten Weg.

Geschwind huschte sie durch die Seitenstrassen, spähte, horchte, schlug weitere haken. Sie war gut.

Als sie um die Ecke blickte, sah sie den gelben Wagen keine 150 Meter entfernt, das würde sie bestimmt schaffen. War doch nur noch ein kurzer Sprint und im Laufen hatte sie noch niemand geschlagen. Sie straffte ihren zierlichen Körper, sammelte die letzten Kraftreserven und stürmte los.

Noch hundert Meter, sie war sich sicher sie würde es schaffen.

Noch fünfzig Meter, weiter nur weiter, sie konnte die Freiheit fast schmecken.

Noch fünfundzwanzig Meter, innerlich fing sie an zu jubeln.

Noch zehn Meter. Frei, Frei, Frei.

Noch fünf Meter. Eine eiskalte Hand umfasste ihre Taille und wirbelte sie herum. Mit schockgeweiteten Augen sah das Mädchen in das Gesicht des Jägers. Wie hypnotisiert sah sie in seine burgunderroten Augen und ließ sich in seinen Arme sinken. Er lächelte sie nur an.
„Dein Gott ist gnädig“, sagte er sanft. „Ich werde es schnell machen.“
„Danke Herr“, flüsterte das Mädchen und bot demütig ihren Hals dar.
Leicht strich er ihre Haare zurück und versenkte dann seine Zähne in ihrem Hals.

Keine zwanzig Sekunden später fiel ihr lebloser Körper auf den Boden. Sie war die letzte, keiner hatte es geschafft. Wie immer.

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24. Visionen Teil 3

Beitrag  Gast am Di 05 Okt 2010, 00:21

Es war nicht meine Kehle, sondern mein ganzer Körper, der vor Durst brannte. Wie lange hatte ich nicht mehr getrunken? Ein Jahr, zehn? Ich wusste es nicht mehr. Ich wusste nur noch das wir gemeinsam jagen waren, Sandy und ich. Es waren unsere letzten gemeinsamen Stunden, wir hatten uns ein Rudel Wölfe geteilt. Ich wollte ihr gerade etwas Blut vom Hals lecken als ein Blitz heller als Tausend Sonnen mich blendete. Ich konnte mich nicht erinnern den Donner gehört zu haben, aber an die glühendheiße Druckwelle, die uns Meilenweit mit sich trug, konnte ich mich noch gut erinnern. Jegliche Kleidung fraß sie von unserer Haut und wir waren kurz davor in Flammen auf zu gehen.

Als der Sturm sich legte und wir wieder festen Boden unter unseren Füßen hatten sahen wir den riesigen Pilz, der bis in die Stratosphäre reichte und dessen Zentrum genau über unserem Unterschlupf lag. Sie hatten uns tatsächlich mit einer Atombombe angegriffen. Ich hörte noch Sandy schmerzerfüllten Schrei als sie ins Zentrum der Verwüstung lief. Mir blieb nichts anders übrig als ihr zu folgen. Ich konnte sie gerade noch aufhalten, bevor sie in die brodelnde Wolke eintauchte. Sie schrie wie von sinnen. Unsere ganze Familie war eben gestorben, soviel war klar. Ich konnte zu keinen mehr Kontakt aufnehmen und einem solchen Inferno waren selbst unsere Körper nicht gewachsen.

Ich war wie betäubt, nur meine Angst um sie ließ mich nicht Zusammenbrechen.

Mühsam zu fragen wer dafür verantwortlich war. Es gab nur noch eine Macht, die seit dem Untergang der Menschheit über solche Waffen verfügte. Die Geisel der Welt. Die New Order.

Und dann kamen sie, einzelne Suchtrupps die das Gebiet nach Überlebenden absuchten, doch es gab nur noch uns beide.

Als Sandy die ersten sah straffte sie sich und etwas Irres lag in ihrem Blick. Sie stürmte auf sie zu und in ihrer Wut war sie unaufhaltsam. Freudig stimmte ich in ihr Kriegsgeschrei ein. Tod und Verderben bringend zogen wir durch das Ödland und kannten kein Erbarmen. Ich weiß nicht wie viele wir an diesem Tag zu ihrem Schöpfer schickten, doch es waren Dutzende.

Aber es konnte ja nicht ewig so weiter gehen. Wir waren gerade dabei zwei weitere dem Feuer zu übergeben als Alec grinsend auf einem Hügel erschien. Seine Macht waren wir nicht gewachsen. Er raubte uns die Sinne.

Als ich wieder aufwachte, hatte man mir die Arme und Beine genommen, so dass ich mich nicht mehr zur Wehr setzen konnte. Man zwang mich dabei zuzusehen wie Sandy bei lebendigem Leib dem Feuer übergeben wurde. Damals starb in mir der letzte Funke Lebensmut. Seit damals war mir alles egal. Zuerst hoffte ich noch dass sie mich auch töten würden, damit ich zu meinen liebsten konnte, doch sie hatten anderes mit mir vor.

Wie ein Stück Fleisch wurde ich zu ihrem Anführer gebracht, doch anstatt mir meinen gerechten Lohn zu geben oder mich zu verhöhnen wollte er das ich meinen Platz an seiner Seite annehme. Wie hatte er nur glauben können, ich würde mich ihnen anschließen?

Doch auch meine Weigerung brachte nicht meinen Tod. Er sagte, er würde mich schon brechen und so wurde ich in dieses dunkle Loch gesperrt und jeden Tag brachten sie mir Kinder damit ich mich an ihrem Blut laben konnte.

Doch ich blieb standhaft, ich würde nie wieder etwas zu mir nehmen. Nie mehr.
Ich schottete meinen Geist ab und suchte nach ihr in meinem inneren. Noch immer führte sie mich, mein Nordstern leuchtete noch. So widerstand ich der Versuchung, auch wenn die Qualen unerträglich wurden. Ich zog mich immer mehr in mich zurück und nahm die Welt nur noch am Rande wahr.

Ich erforschte meine Erinnerungen und sah noch einmal all die Freunde die gestorben waren. Zuerst hatte es Carlisle getroffen. Er hatte gedacht, man könnte mit der New Order reden, aber sie schickten nur seine Asche zurück. Esme war an dem Verlust zerbrochen. Als die Nomaden in ihr Haus eingedrungen waren, hatte sie sich einfach töten lassen. Emmett und Rose wollten sich für Carlisles tot rächen und waren gen Süden gezogen und nie wieder zurück gekehrt. Genauso war es mit Alice und Jasper. Alice wollte eigene Wege gehen und Jasper war ihr gefolgt. Irgendwann konnte ich keinen Kontakt mehr zu ihnen herstellen, ihr Schicksal blieb uns für immer verborgen. Der Denali-Clan war schon ganz am Anfang getötet worden. Es war Alec, mit einem Stoßtrupp, der Tanja und ihre Familie ausgelöscht hatte. Sie waren alle lebend ins Feuer gegangen.

Edward, Bella und Nessie hatten eine Zeit lang bei den Wölfen gelebt, aber als die Rudel vernichtet wurde zogen sie zu uns. Jahrzehnte hatten wir im Untergrund verbracht und mit Nadelstichen gegen die New Order gekämpft, doch irgendwie hatten sie von unserem Unterschlupf erfahren und alle außer mir getötet.

Wie aus der Ferne drang das Quietschen eines verrosteten Riegels an mein Ohr. Ich spürte die Wärme, ich roch das Blut, mein Durst drohte mich zu übermannen. Ich suchte das Licht tief in meinem inneren und fand es. Sandy und ich gingen am Ufer eines Sees spazieren. Ihre wunderschönen blauen Augen, die mich vom ersten Tag an in ihren Bann gezogen hatten, strahlten mich an.
„Halt durch, mein Geliebter. Nicht mehr lang und du wirst auf ewig bei mir sein.“
„Ich weiß nicht wie lange ich das hier noch durchhalte. Du fehlst mir so.“
„Ich bin immer bei dir. Hab keine Angst.“
Sanft legte sie ihre warmen Lippen auf meine und ich merkte wie ich wieder an Widerstandskraft gewann.


Weit entfernte Worte drangen in mein träges Bewusstsein, so als kämen sie aus einer anderen Welt.
„Wie lang ist er jetzt in eurer Obhut?“
„Acht Jahre, Herr.“
„Und er hat nicht einmal das Blut angenommen, das ihr ihm dargeboten habt?“
„Nein Herr, er ist uns unheimlich.“
„Unheimlich? Wieso?“
„Es ist nicht nur das er nichts zu sich nimmt, er rührt sich auch nicht. Es ist so als wäre er tot.“
„Gut, du darfst dich zurück ziehen.“
„Danke, Herr.“
„Was meint ihr?“
„Ich hatte immer meine Bedenken, Herr. Er war schon immer ein harter Gegner, wir werden ihn nie brechen.“
„Das sehe ich leider auch so, dabei könnte er so nützlich sein. Also gut was schlagt ihr vor?“
„Es zu beenden, Herr.“
„Also gut macht es so.“

Ich weiß nicht ob ich die Stimmen nur geträumt hatte oder ob sie real waren, aber ich hoffte.
Ich sah zu Sandy. „Meinst du sie lassen mich gehen?“
„Wer weiß?“, sagte sie spitzbübig und rannte vor mir weg.
Ich verfolgte sie und umfasste ihre Hüften, indem Moment merkte ich wie jemand meinen Kopf packte und andere Hände meine Schultern hielten. Es war nur ein leichter Ruck, doch ich wusste was er bedeutete.

Grinsend sah ich zu Sandy. „Es ist soweit. Ich komme heim zu dir.“

~ + ~

Ich fiel ins bodenlose nichts. Schwärze umgab mich. Wo war ich nur?
Ein kleines Licht flog auf mich zu und wurde immer größer. Was war das nur?
Doch dann erkannte ich Jess in dem Licht, winkend und lächelnd kam sie auf mich zugeflogen, keinen Tag älter als 24. Es war die Jess die ich verlassen hatte.

„Es tut mir leid, dass ich dich durch diese Elend führen musste, aber es war notwendig das du verstehst was geschieht wenn sie gewinnen. Ich weiß du hast viele Fragen, aber wir haben nicht viel Zeit, also fass dich bitte kurz“, sagte sie zu mir.
„Gut, wenn wir so wenig Zeit haben, dann erzähl mir was mit den Menschen geschehen ist. Die Stadt in der das Mädchen starb war doch New York, oder? Also was ist geschehen?“, fragte ich gerade heraus.

„Als sie die Macht über die Vampirwelt übernommen hatten, setzten sie einen Virus frei der zweidrittel der Menschen dahin raffte. Gleichzeitig infizierten sie das Internet und da die gesamte Infrastruktur des Planeten vernetzt war brach alles zusammen. Banken, Kraftwerke, Ampeln, Transport, alles und das dauerhaft. Das stürzte die geschwächte Welt ins Chaos. Es gab Bürgerkriege um die letzten Ressourcen und irgendwann hat dann die New Order die Macht an sich gerissen. Sie bezeichnen sich selbst als Götter und versprachen ihrer Anhängerschaft ein normales Leben. Sie unterwarfen die restlichen Menschen. Mittlerweile gab es mehr Vampire als zu deiner Zeit und das bei weniger Menschen. Das kommt daher, dass sie sich so genannte Untermenschen als Nahrung und Arbeitssklaven züchten. Für den Rest haben sie sich ein nettes Klassensystem ausgedacht, doch über allem Thronen sie als Götter.“

Schweigend hatte ich ihrer Erklärung zugehört. In all dem lag eine perverse Logik. Das war eine Welt in der ich nicht leben wollte. Ich würde alles was notwendig war tun, damit sie nicht real würde.

„Du hast mich überzeugt“, sagte ich hart. „Was muss ich tun um das zu verhindern?“
Sie lächelte sanft. „Als erstes sei du selbst. Im Moment kannst du noch nicht viel tun. Die Mächte die du zum Kampf vereinen musst werden dir noch nicht zuhören. Ich werde dir durch Sandy helfen den richtigen Zeitpunkt zu finden. Vertrau uns. Aber bereitet euch vor. Rede mit Carlisle, auch sein Clan kann sich diesmal nicht aus allem raushalten. Doch vor allem streife deine alte Trauer ab. Sie wird dir in allem zur Seite stehen. Also lass dir von ihr helfen. Du musst jetzt gehen.“

„Aber ich hab noch so viele Fragen, bitte“, schrie ich verzweifelt.

Doch sie entfernte sich schnell von mir und bald war sie nur och ein kleiner Punkt der sich im nichts verlor.

„Vertraue ihr“, war das letzte was ich hörte.

~ + ~

Ich stand am Fenster des Hotelzimmers als ich wieder in der Gegenwart erwachte. Was für eine verrückte Nacht. Die New Order musste aufgehalten werden, da gab es keine Frage. Aber wie und wieso ich? Grübelnd starrte ich aus dem Fenster und fand keine Antwort.

„Was stehst du denn da am Fenster?“, fragte Sandy mit verschlafener Stimme. „Komm doch bitte zu mir.“
Ich drehte mich zu ihr um und sah wie sie die Decke hoch hob, so das ich nur noch neben sie zu schlüpfen brauchte. Ich nahm das Angebot an und legte mich zu ihr, sofort bettete sie ihren Kopf auf meiner Brust.
„So ist es besser, ich mag es nicht wenn du nicht bei mir bist“, nuschelte sie und schlief fast sofort wieder ein.
„Ich mag es auch nicht“, flüsterte ich und küsste sanft ihre Stirn.

Ich würde einen Weg finden um es zu verhindern und sei es nur um nie mehr allein zu sein.


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Ich fass mich heute mal kurz. Ich danke alle meinen Lesern und wie immer ganz besonders moon für ihre Hilfe.

Ich hoffe es hat euch gefallen.


LG


IRA

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25. Home Teil 1

Beitrag  Gast am Sa 23 Okt 2010, 17:22

25. Home

Die Bilder der letzten Nacht gingen mir einfach nicht aus dem Kopf. Was konnte ich nur tun um sie zu verhindern? Denn eins war unumstößlich, so durfte die Zukunft nicht aussehen. Ich hatte versucht Alec zu orten, doch ich fand ihn nicht. Irgendwas oder irgendwer verhinderte dass ich ihn fand. Ob er wohl schon die Volturi verlassen hatte? Ich hatte nach Jane und Aro gesucht und sie in einer Kammer im Schloss von Voltera gefunden. Sie machten nicht gerade einen glücklichen Eindruck. Jane hatte nach Alec gefragt, aber Aro hatte nur gemeint dass dieser Tracker Demetri ihn nicht spüren könnte und dass sie abwarten müssten. Das alles stimmte mich nicht gerade positiv.

„Schade das wir schon aufbrechen müssen“, Sandys Worte erschreckten mich. Ich sah mit einem aufgesetzten Lächeln über den Tisch, an dem mein Schatz sich ein ausgiebiges Frühstück gönnte. „Ja, ich wäre auch gerne noch etwas geblieben, aber wir haben schon genug vom Semester verpasst“, antworte ich und versuchte mir meine trüben Gedanken nicht anmerken zu lassen.

Sie nickte und beendete schweigend ihr Frühstück, wobei sie mir immer wieder fragende Blicke zuwarf. Leicht stöhnend legte sie das Besteck zur Seite und begab sich zur Couch, die am Fenster stand.
Sie klopfte neben sich aufs Polster. „Setzt dich doch zu mir.“
Mit einem Satz war ich bei ihr und ließ mich in die Kissen fallen. Prüfend sah sie mich an und setzte sich dann rittlings auf mich. Ihr Gesicht war so nah und ihre Finger zeichneten die Konturen meines Gesichts nach, doch in ihren Augen lag Besorgnis.
„Willst du mir nicht sagen was dich so beschäftigt?“, fragte sie sanft.

Es wäre so leicht ihr es jetzt zu sagen, aber ich war mir doch selbst noch nicht sicher was ich ihr sagen sollte. Wie es weiter gehen würde. Wie anfangen?
Da kam mir eine Idee, es gab da etwas was mich auch beschäftigte. Es wäre ein guter Einstig.

„Als wir in Spanien waren“, fing ich an und suchte nach den richtigen Worten.
„Ja!“, sagte sie lang gezogen.
„Als wir in Spanien waren und die Volturi getroffen haben, da hast du mich doch kurz vorher gerufen. Weißt du wie du das gemacht hast?“
Sie legte ihren Kopf leicht schräg und kleine Falten bildeten sich auf ihrer Stirn, dann schüttelte sie leicht den Kopf.
„Ich wusste, dass ihr auf sie treffen würdet und ich wusste, dass dieses Zusammentreffen friedlich ablaufen musste. Du durftest auf keinen Fall versuchen sie einzuschüchtern, weil die Volturi noch wichtig sein werden. Verstehst du?“, ich nickte. Ja, ich verstand, auch wenn sie nicht unbedingt zu meinen liebsten Vampiren gehörten, bei dem was auf uns zukam würden sie noch eine wichtige Rolle spielen.
„Ich war etwas in Panik“, fuhr sie fort. „Weil ich den Ausgangspunkt der Vision zu spät gesehen habe. Ich musste dir doch Bescheid geben und dann fand ich mein Handy nicht. Es war zum verzweifeln. Im Gedanken hab ich immer und immer wieder laut deinen Namen gerufen. Verrückt nicht und dann warst du plötzlich bei mir. Mehr weiß ich nicht.“

Ja, verrückt. Ich hatte schon davon gehört, das Paare die sich sehr lieben in Laufe der Jahre anfangen ähnlich zu denken, weil sie den Partner so gut kannten. Doch die Veränderung die meine Gabe in den letzten Monaten durchgemacht hatte ließ nur einen Schluss zu. Durch unsere Liebe hatten wir ein Band geknüpft, das unsere Gaben zu einem gewissen Grad verschmolz. Wie sonst hätte ich letzte Nacht diese Visionen haben können. Wie sie mich rufen. Es gab nur diese Erklärung und doch hatte ich noch nie von so etwas gehört. Gaben waren einem gegeben und nichts was man sich teilte, aber was wussten wir schon wirklich über den Ursprung dieser Mächte. Sie waren so geheimnisvoll wie der Ursprung der Vampire selber. Warum sollte so was nicht auch möglich sein?

„Was ist bei unseren Gaben nicht verrückt, aber du hast an dem Tag meinen Geist zu dir gerufen“, flüsterte ich leise. Ihre Augen weiteten sich und sie schluckte sichtbar.
„Wie?“, fragte sie verwirrt.
„Ich denke weil du es unbedingt wolltest. Ein Teil von mir weiß immer wo du bist. Das kann ich nicht steuern. Ich sehe dich zwar nicht, aber ich weiß halt wo ich dich suchen muss. Es ist wie ein Band das zwischen unseren… Wie soll ich es sagen? Seelen? Sagen wir Seelen gespannt ist und als du mich unbedingt erreichen wolltest hast du mich an dem Band zu dir gezogen. Anders kann ich es mir nicht erklären.“
Nachdenklich sah sie mich an. „Aber in der Zeit als du weg warst hab ich dich sehr oft gerufen und da bist du nicht zu mir gekommen. Wie erklärst du dir das?“
Guter Einwand, aber sie hatte etwas vergessen.
„Als wir in meiner Hütte waren, hab ich mich dir geöffnet und du dich mir. Ich weiß nicht wie es dir dabei ergangen ist aber für mich war das sehr wichtig und meinst du nicht, dass das was uns verbindet dabei gewachsen ist?“ Vorsichtig streichelte ich ihr Gesicht, als sie die Mundwinkel nach oben zog und sich leicht vorbeugte. Es war ein süßer leichter Kuss den sie mir da gab.
„Natürlich ist sie stärker geworden und du meinst dass diese Band dadurch auch stärker wird?“
Ich nickte. „Wir können ja mal etwas probieren.“
„Und was?“, fragte sie gespannt.
„Schließ deine Augen“, zuerst sah sie mich fragend an doch dann tat sie was ich wollte. „Jetzt konzentrier dich auf mich und ruf mich im Geist.“
„Gut, wenn du meinst, dass das funktioniert“, sagte sie etwas skeptisch.

Hochkonzentriert saß sie vor mir, die Augen geschlossen, versuchte sie mich zu finden. Es vergingen fünf Minuten nichts geschah. Kleine Schweißperlen kullerten über ihre in Falten liegende Stirn. Ich merkte wie etwas an meinem Geist zerrte, mich weg zog, doch dann stöhnte sie auf und die Spannung ließ augenblicklich nach.
„Ich schaff das nicht“, sagte sie traurig.
„Das stimmt doch nicht“, antwortete ich mit einem Lächeln. „Du hattest es fast geschafft. Ich hab dich nämlich schon gespürt.“
„Wirklich?“, fragte sie ungläubig.
„Wirklich, versuch es doch noch mal.“
Verbissen schloss sie die Augen, man konnte ihr die Anstrengung mit der sie mich suchte ansehen und dann mit einem Ruck löste sich mein Geist vom Körper und verschmolz mit Ihrem.

‚Bruce’, donnerte es durch meinem Kopf.
‚Du musst doch nicht so schreien’, betäubt von ihrer Lautstärke.
‚Sonst hörst du mich ja nicht`, antwortete sie entschuldigend. ‚Hat das… Hat das etwa funktioniert?’
‚Ja’, antwortete ich schlicht.
‚WOW. Das ist ja so was von… WOW. Meinst du das klappt auch wenn du weiter weg bist?’, sie war so aufgeregt, das sich ihre Worte fast überschlugen.
‚Ich denke schon, zumindest bei mir hat die Entfernung es nie schwerer gemacht. Wir werden es einfach ausprobieren. Wir müssen ja sowieso üben, damit es dir nicht so schwer fällt.’
Ein leises lachen hallte durch meinen Kopf. ‚Ja, üben ist gut. Es gibt soviel was wir üben müssen.’

Ich spürte ihre Hände meine Körper entlang wandern und genoss jede Ihrer Berührungen. Ich wollte mich schon ganz ihrer Magie hingeben, aber dann würden wir auch heute dieses Zimmer nicht verlassen, darum stoppte ich ihre Hände. ‚Vielleicht sollten wir das auf später verschieben, sonst schaffen wir es nicht bis nach Hause.’
Mit leichter Enttäuschung sah sie mich an und seufzte. ‚Schade das wir nicht für immer hier bleiben können, aber du hast recht.’
Sie wollte gerade aufstehen aber das ließ ich nicht zu. ‚Was?’, fragte sie.
‚Wegen zu Hause’, fing ich zögerlich an.
‚Ja?’

Jetzt wo ich angefangen hatte wusste ich nicht mehr weiter. Wie sollte ich sie am besten fragen? Ich wollte nicht mehr meine Nächte in diesem Wohnheim verbringen. Das Haus mit all den vielen Stimmen war für mich der Horror und es wäre doch soviel angenehmer wenn sie bei uns wohnen würde. Sicherer war es auch. War es egoistisch wenn ich sie so oft wie möglich bei mir haben wollte? Andererseits fand sie es vielleicht noch zu früh. Menschen zogen doch selten so schnell zusammen. Ich wollte sie ja nicht einschränken. Oh Mann, warum war das alles immer so kompliziert?!

‚Ich hab mich gefragt ob du unbedingt in diesem Wohnheim leben willst’, sie legte ihren Kopf leicht schräg und fixierte mich mit ihren blauen Augen. Ihr Blick war so unergründlich, das mir Angst und Bange wurde. ‚Du könntest doch auch bei uns einziehen.’ Wenn sie wenigstens zwinkern würde. ‚Das Haus ist groß genug und wenn du nicht mit mir das Zimmer teilen möchtest… Wir könnten dir auch ein eigenes einrichten.’
Schweigend sah sie mich an. Ich wurde einfach nicht schlau aus ihr. Wenn sie doch wenigstens was sagen würde.
‚Warum möchtest du das ich zu dir ziehe?’, fragte sie tonlos und ich war so schlau wie vorher.

‚Ich könnte dir jetzt tausend Gründe sagen. Weil es sicherer ist. Weil ich das Wohnheim nicht ertrage. Weil ich mich dort natürlicher verhalten kann und ähnliches. Doch der eigentliche Grund ist, weil ich dich so oft wie möglich in meiner Nähe haben möchte. Weil ich an jedem Morgen sehen will wie du aufwachst und abends wie du einschläfst. Weil ich dich liebe.’ Hoffend sah ich zu ihr auf. Was würde sie nur antworten?

Ihr prüfender Blick lag immer noch auf mir, ich konnte es fast nicht mehr ertragen, doch dann huschte ein Lächeln über ihr Gesicht. ‚Ja.’
‚Ja?’, fragte ich immer noch angespannt.
„Ja, natürlich zieh ich zu dir und ich brauche auch kein eigenes Zimmer, du hast doch ein sehr gemütliches Bett. Ich liebe dich.“
Ihre Lippen verschlossen meinen Mund noch ehe ich etwas sagen konnte. Es mag egoistisch sein, aber in dem Moment war ich einfach nur glücklich und hatte meine Sorgen fast vergessen.

Wir saßen noch eine ganze Weile einfach so da und genossen die Gegenwart des anderen, aber wir konnten nicht ewig hier bleiben. Wir mussten diese perfekte Seifenblase verlassen und uns der Realität stellen.

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25. Home Teil 2

Beitrag  Gast am Sa 23 Okt 2010, 17:24

Die Strasse hatte uns wieder. Wir flogen nur so über den Highway und je näher wir der Realität kamen umso mehr kehrten auch die Bilder der letzten Nacht zurück. Ich sah wieder die Verzweifelung, die Wut und den Hass in Sandys Gesicht. Sie war ein so schöner Vampir und eine Naturgewalt in ihrer Wut, aber ich sah auch wie sie starb. Wie alle starben. Wie die Welt sich verändern würde und das war unerträglich. Wir mussten einen Weg finden.
„Sagst du es mir jetzt oder willst du die ganze Heimfahrt darüber brüten?“, fragte Sandy unvermittelt.
„Was meinst du?“, fragte ich unschuldig.
„Das was dich schon den ganzen Tag beschäftigt. Du hast doch wohl nicht geglaubt, dass ich mich so leicht von dir täuschen lasse. Das mit der Gabe hat dich zwar interessiert und das ich zu dir ziehe lag dir auch am Herzen, aber deswegen machst du nicht so ein Gesicht, mein Lieber. Also willst du es nicht einfach sagen?“ Ich sah kurz zu ihr und sie blickte mich so herzerweichend an, dass ich gar nicht anders konnte, als ihr zu antworten.

„Also gut“, stöhnte ich auf. „Es hat sehr wohl was mit unseren Gaben zu tun. Diese Verbindung zwischen uns ist nämlich keine Einbahnstrasse oder um es einfach auszudrücken, ich hatte heute Nacht durch dich eine Vision. Wir hatten eine Vision.“
„Bitte was? Wir hatten eine Vision und warum ist davon keine Zeichnung vorhanden. Du hast sie doch nicht etwa vernichtet?“, fragte sie leicht aufgebracht.
„Nein, ich habe nichts vernichtet und das würde ich auch nie tun“, antwortete ich genauso ungehalten.
Ihre Hand suchte meine und drückte sie. „Entschuldige, dass hätte ich nicht sagen dürfen. Ich bin nur total verwirrt.“
Zaghaft lächelte ich sie an, wie sollte ich ihr das verdenken, mir ging es doch genauso. „Ist schon gut. Ich bin auch verwirrt.“

„Erzählst du mir von deiner Vision oder darf ich das nicht wissen?“, fragte sie nach einer Weile.
„Du hast zuerst einen Brief an mich geschrieben, oder besser Jess hat durch dich geschrieben. Es ging hauptsächlich um unsere Tochter und um Marie, alles nicht so wild und dann ging es noch um die New Order.“
„Die New Order“, echote Sandy mit zitternder Stimme. „Was hat sie dir geschrieben?“
„Das wir sie unbedingt aufhalten müssen.“
„War das alles?“
„Alles was sie geschrieben hat, aber sie hat auch noch Bilder in meinen Kopf gepflanzt. Bilder von einer möglichen Zukunft. Was geschieht wenn sie die Macht übernehmen.“ Es viel mir schwer darüber zu reden, die Bilder waren noch so frisch und ich wusste ja selbst noch nicht, was ich von ihnen halten sollte.
„Hat sie dir versklavte Menschen gezeigt?“, ich nickte. „Und den Tod von Freunden?“, wieder nickte ich. „Bruce wir müssen sie aufhalten. Ich will nicht dass so was geschieht. Was machen wir jetzt nur?“
„Wir werden kämpfen und es verhindern. Zumindest werden wir es versuchen. Was sollen wir sonst machen“, antwortete ich im Brustton der Überzeugung.

„Und womit fangen wir an?“
„Mit der Familie und unseren Freunden. Ich denke sie sollten wissen was auf uns zukommt.“
„Bist du dir sicher?“
„Ja“, antwortet ich ohne zögern, es gab keinen anderen Weg.

Ich drückte Sandy mein Handy in die Hand. „Ruf bitte Carlisle an und bitte ihn uns heute Abend um acht zu besuchen. Sag es wäre wichtig und er soll alle mitbringen. Wirklich alle, auch den Hund.“
„Du sollst ihn nicht immer so nennen“, tadelte sie mich. „Aber warum rufst du ihn nicht an?“
„Weil du meine Gefährtin bist und als solche hat dein Wort das gleiche Gewicht wie meins. Daran sollen sich alle gewöhnen. Darum bittest du die Cullens auch nicht in meinem Namen, sondern im Namen unseres Clans, unserer Familie, zu einem Treffen.“
Ich hörte wie sie schluckte. „Das ist dein voller Ernst, nicht wahr?“
„Ja, es ist mir todernst.“

„Also gut.“ Sie streckte sich und setzte sich aufrecht in den Sitz. Ihre Finger flogen über das Telefon und dann wurde die Verbindung aufgebaut.
Es klingelte dreimal ehe an der andern Seite abgenommen wurde.
„Cullen“, erklang Carlisles sanfte Stimme am anderen Ende der Leitung.
„Hallo Mister Cullen“, antwortete Sandy leicht nervös. „Hier spricht Sandy Stevens.“
„Oh Sandy welche Freude, aber nenn mich doch bitte Carlisle. Wie kann ich dir helfen?“ Typisch Carlisle die Freundlichkeit in Person, er war einfach ein gutes Wesen. Aber gerade das machte mir Sorgen, bei dem was ich vor hatte könnte er sich als Hindernis erweisen.
„Also gut Carlisle. Es gibt einige Neuigkeiten, die unsere Familien dringend besprechen müssen. Darum bitten wir euch uns heute Abend zu besuchen“, antwortete Sandy geschäftsmäßig.
Für einen Vampir schwieg Carlisle sehr lange. „Du sprichst für euren Zirkel?“
„Ich spreche für die Familie McGregor. Ja.“
„Gut, wir werden kommen“, antwortete ein überraschter Carlisle.
„Ich danke dir und bringt bitte Jacob mit. Er sollte das auch hören“, aus Sandys Stimme war alle Unsicherheit verschwunden, so als hätte sie nie etwas anders getan.
„Wann sollen wir bei euch sein?“
„Würde euch acht Uhr passen?“
„Wir werden da sein. Bis dann.“, antwortete Carlisle.
„Bis dann“, mit einem Fingerdruck beendete sie das Gespräch und seufzte.

„War das so richtig?“, fragte sie mich.
„Das hast du gut gemacht“, sagte ich mit einem Lächeln und drückte das Gas noch etwas fester durch.
„Und was jetzt?“
„Jetzt fahren wir ins Wohnheim, holen schon mal das Notwendigste und dann fahren wir nach Hause.“

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Re: Nordstern

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